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Nr. 3/07 - 18. Dezember


Grüss Euch

Mit wirklich ernst zu nehmenden Infos ist es diesmal nicht gerade weit her - umsomehr aber mit unseren allerbesten Wünschen für eine frohe Weihnachtszeit und ein glückliches neues Jahr.

Es gibt dennoch Anregendes zu lesen: wir haben eine Art Jahresrückblick zusammengestellt. Jedes anständige Medium kümmert sich schliesslich auch um eine wohlsortierte Presseschau. Die drei ersten Artikel haben durchaus Tiefgang: Hierbei ist der erste Bericht ein ernst zu nehmendes 'Outing' und kann manchem 'Cleanie' nahebringen, wie sich ein Messie fühlt (und ein solcher wird sich wohl beim Lesen der Zeilen in manchen Dingen selbst wieder erkennnen). Der zweite Artikel weist auf den möglichen Zusammenhang zwischen Zwangserkrankungen und Messietum hin. Der dritte Artikel ist ein Hinweis auf ein Hörbuch, das Jugendlichen den Begriff 'Ordnung' erklären will...
Für die restlichen Beiträge: viel Vergnügen - und seid versichert: LessMess befasst sich mit wesentlich konkreteren und naheliegenderen Messie-Problemen!

Sicher hört ihr bald wieder von uns!

Wir wünschen allen eine ruhige und erholsame Zeit.

Mit herzlichen Grüssen

LessMess

 

Unser Typ: Eine Arbeit fertig machen

 

 

Hilfe, ich bin ein Messie.
von Pünktchen

Aber ich ändere mich wohl nie.

Ich schreie zwar immer um Hilfe, aber ich ändere mich nie. Was hat sich alles angesammelt in über dreißig Jahren in diesem großen Haus. Man sollte meinen, da müssten noch Ecken und Schränke frei sein, ist aber nicht. Es ist jede Ecke ausgenützt. Alles was in letzter Zeit gekauft, geschenkt wird, muss ich mühsam wo zwischen schieben. Aber es kann dauern, bis ich einen Platz gefunden habe.

Wenn ich allein unterwegs bin vergesse ich, dass wir überhaupt keinen Platz mehr haben. Mein Mann versteht ja mich zu bremsen, nur der geht fasst nie mit. Es hat natürlich auch sein Gutes wenn man alles aufhebt. Alles was ich für Nähen, Malen, Seidenmalen, Serviettentechnik, Garten und Haushalt brauche, habe ich da. Das spart das Losrasen, um irgendwelche Dinge zu besorgen, die gerade fehlen, was ich so hasse. Aber muss es immer drei-viermal da sein? Besonders die Putzutensilien. Alles findet in mir einen interessierten Abnehmer. Aber es häuft sich bei mir. Ich habe immer die Hoffnung das putzt sich nun von alleine!! Wie ist die tolle Überschrift bei diesem mir aus der Seele geschriebenen Artikel? “Intelligente Frauen putzen nicht.“ Mein IQ muss sehr hoch sein.
Nur manchmal überkommt es mich plötzlich, und mein armer Mann muß sich dann anhören: Wir verkommen im Dreck. Die Putzwut kann mich zu unmöglichen Zeiten packen, spät Abends, Sonntags, - wenn mein Mann dann noch helfen soll, behauptet er, ich wäre ein Putzteufel. Aber Männer sehen doch keinen Dreck, o d e r? Ich mag nun mal keine Zwänge mehr in meinem Alter, und eine Putzhilfe war für mich früher Zwang. Seit wir unsere Firma nicht mehr haben und sogenannte Privatiers sind habe ich doch meinen Mann als Hilfe, na ja.

Aber ich schreibe eigentlich von mir als Messie.
Es ist ja nicht so, dass ich nichts weg tue. Ab und zu mache ich zaghafte Ansätze. Was ich auch weg tun will,-- bei näherem Überlegen brauche ich das meiste doch noch. Ich bin ja noch Kriegsgeneration und weiß wie groß die Not damals war. Meine Mutter verstand schon, aus allem was zu machen. Was nähte sie aus geerbten Fetzen hübsche Kleider für mich. Das Extrem der heutigen Generation ist natürlich das Gegenteil. Die können sich leicht von allem trennen. Ich habe nur den Eindruck sie wissen Werte gar nicht zu schätzen. Ich käme zum Beispiel mindestens vier Wochen mit Lebensmitteln aus, ohne einkaufen zu müssen. Schuhe brauchte ich wohl mein Leben lang nicht mehr, Klamotten würden wohl auch mein Leben lang aushalten, wenn ich nicht dünner oder dicker würde und natürlich die Mode. Und wenn, lagern da noch an die 100 Meter Stoff, dabei tollste Seide, die meine gestorbene Freundin mir vererbt hat. Meine armen Töchter, sie werden einmal viele Container benötigen. Ich habe schon viele kluge Bücher gelesen und gute Ratschläge für Messies gehört. Aber der Geist ist willig nur das Fleisch ist schwach. Kürzlich gab ich wahrhaftig mal drei blaue Säcke voll weg, nur aus den Schränken ist gar nichts weg.

Ich bin immer so unglaublich erleichtert wenn ich irgendwo hinkomme und dort ist auch und nicht alles so klinisch rein. Wo man arbeitet kann es einfach nicht immer ordentlich sein. Ich sag immer wo gehobelt wird, fallen Späne, und wo genäht wird fallen Nadeln. Das hat mein Mann inzwischen eingesehen. Außerdem gibt es so schöne tröstende Sprüche für mich. Z.B. Bei kreativen Menschen kann nicht immer Ordnung sein ,die haben keine Zeit zum Aufräumen. Oder noch schöner: Nur Idioten halten Ordnung, das Genie beherrscht das Chaos. Ach, so was tröstet mich doch so ungemein. In Picassos Atelier herrschte auch ein ziemliches Durcheinander. Aber noch mal zum Thema Messie und anderen Leuten. Neulich kam ich zufällig in ein Haus.----
Junge Leute haben innerhalb von drei Jahren das gemietete Haus so voll gemüllt, dass man nur noch balancierend und steigend in die letzte Ecke kommt. Da bin ich doch noch Gold. Und das beruhigt mich sehr.

Mit dem Aufräumproblem kämpfe ich seit meiner Kindheit. Meine arme Mutter war ständig mit unserem Bauernhof und uns kleinen Kindern überlastet. Sie nähte für uns drei Kinder einfach alles. Dafür hatte sie aber nur nachts Zeit. Ich glaube, manche Nacht schlief sie überhaupt nicht, es blieb zum Aufräumen und Putzen nicht viel Zeit. Schnell, schnell aufräumen hieß es immer nur, wenn Besuch nahte. Und die Panik „ist Ordnung?“ wenn jemand kommt, habe ich immer noch. Das macht meinen Mann total verrückt.

Weil ich mich in seinem Büro auch von nichts trennen will, kracht es schon öfter bei uns. Da muss er mit leben! Meine Kinder sagen manchmal, du bist wie Omi. Der Apfel fällt meist nicht weit vom Stamm. Ich sehe das Ganze jetzt gelassener. Vielleicht das Alter. Aber ich sollte wirklich bald anfangen. Wenn ich allein an die X hundert Bücher denke, wovon mir wirklich jedes lieb und teuer ist, die dann für 50 Cent auf den Flohmärkten verschleudert werden. Außerdem gibt es bei mir eine Katzenfigurensammlung, so über 100 Stück, eine Parfümflaschensammlung, so 250 Stück, eine teilweise kostbare Dosensammlung an die 100 Stück und mein Mann hat so an die 150 alte Bügeleisen. Ich sollte wirklich anfangen!

 

 

Gefährliche Zahlenspiele
VON BIRGIT ECKES, 05.06.07, 20:00h, AKTUALISIERT 05.06.07, 20:10h


Eine Zwangserkrankung isoliert den Patienten von seiner Umwelt.


„Ich saß in einem Café mit lauter Spiegeln um mich herum. Alles und jeder war verdoppelt, verdreifacht, vervielfacht. Horror, ich wusste gar nicht, wo ich anfangen sollte zu zählen.“ Da war er, erzählt Frank Sturm, kurz davor, wahnsinnig zu werden.
15 Jahre lang litt der Kölner an einer sogenannten Zwangserkrankung, einer psychisch-neurologischen Störung, die das Gehirn zum Tollhaus macht. Bei Frank Sturm waren es die Zahlen, die seinem privat und beruflich aus den Fugen geratenen Leben eigentlich Ordnung geben sollten - und ihn schließlich komplett beherrschten.

„Zuerst war es eher ein Spiel“, erinnert er sich. „Ich habe jeder Zahl im Dezimalsystem eine Bedeutung zugewiesen.“ Die gefährlichste Zahl war die Sechs, der Vollstrecker sozusagen: „Da mache ich es“, sagt Frank. „Es“, das waren die Zwangsgedanken, die sich im Kopf des ehemaligen Sportstudenten eingenistet hatten: sich selbst zu verletzen, beispielsweise. „Ich habe wirklich geglaubt, dass ich diese Aggressionen irgendwann in die Tat umsetze.“

Diese Angst ist die tückische Falle, in die alle Zwangserkrankten tappen. Zuerst ist da der böse Gedanke, und dann die Angst, er könne wahr werden. Die eine putzt wie besessen und versucht damit, ihrer Panik vor Schmutz und Bakterien Herr zu werden. Der andere räumt immer und immer wieder auf, um das innere Chaos in den Griff zu kriegen. Sammelzwänge („Messie-Syndrom“ bei Leuten, die nichts wegwerfen können), Kontrollzwänge, Ordnungszwänge, Wiederholzwänge - das sind die häufigsten Erscheinungsformen einer Störung, von der rund eine Million Deutsche befallen sind, schätzt die Deutsche Gesellschaft für Zwangserkrankungen in Osnabrück.

„Schon als Student war ich ein Perfektionist“, erzählt Frank Sturm. Das ganz normale Chaos im Kopf - Gefühle, Gedanken, Furcht und Verunsicherung -, damit kam er nicht so richtig klar. Pech in der Liebe, das Studium aus gesundheitlichen Gründen abgebrochen, keine Perspektive, viel Alkohol. Und dann die Begegnung mit dem tibetischen Buddhismus, der den 23-Jährigen in sein strenges Korsett aus Mantras, Niederwerfungen, Meditationen zwingt. Als „Gehirnwäsche“ hat Frank Sturm die Modereligion erlebt, vor allem aber hat sie ihn mit ihrem hypnotischen Regelwerk erst so richtig reif für die Zahlen gemacht.

Immer komplexer wird das Kontroll-System: Bald ist das Überqueren einer Straße durch imaginäre Linien nahezu verbarrikadiert („Ich bin manchmal erst um fünf Uhr früh völlig entkräftet nach Hause gekommen, weil ich so viele Umwege nehmen musste“). Aus dem Bett kommt er erst, wenn der Zwangsgedanke durch den „richtigen“ Zahlencode geknackt ist. Das Anziehen wird zur Clownsnummer: „Hatte ich es endlich geschafft, kam garantiert ein unangenehmer Gedanke, und ich musste mich wieder ausziehen und von vorn anfangen.“ Selbst der Verzehr eines Butterbrots ist ein Problem. Denn Frank darf zum Beispiel nur zwei Schnitten essen, wenn er eigentlich drei mag. Denn die Drei bedeutet Gefahr. . .

„Außenstehende können sich so etwas überhaupt nicht vorstellen“, sagt Frank Sturm. „Ich wusste manchmal keinen anderen Ausweg, als mich mit Alkohol zu betäuben, um das auszuhalten.“

Heute, wo sich die Dämonen verflüchtigt haben, will er helfen, aufklären über die Krankheit, die ihn 15 Jahre seines Lebens gekostet hat. Jahre, in denen er keine Partnerin haben, keinen Beruf lernen konnte. Er ist jetzt fast 50 und hat ein Buch geschrieben über „Buddha, Bier und Zwänge aus Beton“, in dem er spannend und ehrlich schildert, wie sich die Achterbahn im Kopf angefühlt hat, wie sein Leben aus dem Leim ging. Besonders bestürzend ist die Erkenntnis, dass Menschen wie Frank oft erst den langen Marsch durch die Institutionen antreten müssen, bis man ihnen die richtige Hilfe an die Hand gibt. „Nach zwölf Jahren“, sagt Frank, „hat mir zum ersten Mal eine Psychiaterin gesagt: Sie können Ihre Zwangshandlungen einfach unterlassen, ohne dass etwas passiert! Das hat mich umgehauen, das habe ich einfach nicht gewusst, und ich glaube, so geht es vielen. Sie führen ihre Rituale bis zur völligen Erschöpfung aus, weil sie glauben, sie wenden die drohende Gefahr ab. Und plözlich sagt dir eine Psychologin: Es hat noch nie jemanden gegeben, der die befürchtete Tat wirklich ausgeführt hat. So einfach ist das.“

Die richtige Medikamentendosis (siehe unten) hat bewirkt, dass Frank Sturm den Mut hatte, der vermeintlichen Gefahr zu trotzen. Er hat eine Straße überquert, ohne auf Linien und Zwangsgedanken zu achten. Einfach so. Er war aufgeregt, ängstlich. Passiert ist - nichts. Das war der Durchbruch. „Als ich das erste Mal wieder friedlich in einem kuscheligen Schlafanzug in meinem Bett lag, war das einfach unbeschreiblich.“

Ohne Zwänge, sagt Frank Sturm, das ist wie ein neues Leben. „Es hätte anders laufen können, aber ich bin nicht verbittert.“ Er nimmt immer noch Medikamente, aber in niedriger Dosierung. Vielleicht braucht er irgendwann gar keine mehr. Zwar bleibt ein Rest Angst. Dennoch ist Frank Sturm optimistisch: „Ich wünsche allen Betroffenen Glück und dass sie den Weg aus der Zwanghaftigkeit so wie ich schaffen. Es gibt ihn.“

Tohuwabohu. Die Kinder-Uni erklärt Ordnung und Chaos - Hörbuch - Kinder-/Jugendbuch
Geschrieben von Heike Geilen
Donnerstag, 25. Oktober 2007


Ordnung... (oder Chaos?) ist das halbe Leben

Da sitzt ein kleiner Bub (geschätztes Alter 10 bis 12 Jahre; die Schlussfolgerung auf sein Geschlecht wird aus der Art seines "typischen" Spielzeugsortiments gezogen) in seinem Kinderzimmer und hat das gleiche Problem wie wahrscheinlich hunderte Andere seines Alters: Mutter nervt mal wieder mit ihrem ewigen Zimmeraufräumen.

Dass er damit nicht allein ist, wird ihn in diesem Augenblick wenig interessieren. Und trotzdem ist es so: In vielen Familien entstehen Spannungen dadurch, dass die Eltern mit der Ordnung der Kinder nicht übereinstimmen. Was für die Einen Ordnung bedeutet, ist für die Anderen ein Chaos. Warum also sollen Kinder aufräumen und versuchen, sich an die Ordnung der Eltern anzugleichen?
Denn eigentlich ist alles nur eine Frage der Relation. Aber wie kann der Knirps genau DAS seiner Mutter weismachen:

"Nehmen wir einmal den Begriff Saustall. Ständig spricht deine Mutter davon und meint offensichtlich dein Zimmer. Schaut man sich aber die Schweine an, fühlen die sich erst so richtig wohl, wenn sie sich im Dreck suhlen können. Ein Saustall ist für ein Schwein also ein richtiges Wellness-Center. Der Mensch rüffelt eher seine Nase im Saustall, ihm stinkt's dort gewaltig. Aber in einem so richtig 'naturbelassenen' Kinderzimmer fühlst du dich offensichtlich wohl. Deshalb sollten die Erwachsenen auch nicht Saustall zu deiner 'Wohlfühloase' sagen. Wenn du allerdings ein Schwein wärst, passte der Ausdruck Saustall schon für dein Zimmer, schließlich fühlst du dich ja darin wohl."

Ergebnis: Saustall = Wellness-Center (kommt nur auf den Blickwinkel des Betrachters an)

Wie gesagt, alles relativ zu sehen. Die Autorin Ulla Steuernagel und die Sprecherin Shary Reeves (Moderatorin der Wissenssendung "Wissen macht Ah!") versetzten sich in die Psyche eines Kindes. In Form eines stillen Selbstgesprächs erklären sie auf spielerische Art und Weise Begriffe aus der Wissenschaft, die alle irgendwie mit Tohuwabohu - als Chaos und Ordnung - zu tun haben. Ausgangspunkt ist der kleine Schlawiner, der im vermeintlichen Durcheinander seines Zimmers sitzt und die Order seiner Mutter erhalten hat, seinen "Saustall" endlich aufzuräumen.

Er sinniert über Aufräummaschinen, hat zwischendurch selbst die glorreiche Idee, sein Wirrwarr als Kunst zu bezeichnen und will seiner Mutter sogar mit Klimakatastrophe und Allergien kommen. Ganz schön pfiffig der Filou, denn tatsächlich sind die in der heutigen Zeit immer verstärkter auftretenden Allergien ein Ergebnis von zu viel Sauberkeit. Auch das Argument, warum Zimmeraufräumen die Atmosphäre zerstört, ist nicht ganz von der Hand zu weisen: denn bei dieser Tätigkeit wird definitiv zusätzliche Energie verbraucht (sprich: Keuchen und Schnaufen). Und die Ursache für den Treibhauseffekt kennt der Bursche bestens: es ist die erhöhte Menge an Kohlendioxid in unserer Stratosphäre.

Chaos macht erfinderisch

Der Bogen dieses "Tohuwabohus" wird sehr weit gespannt. Ulla Steuernagel geht vom 2. Hauptsatz der Thermodynamik (oha!), über die Definition von Staub und Schmutz (Hatschi!), über Ordnung im Computer, dem Sinn (oder Unsinn?) einer alphabetischen Sortierung in Enzyklopädien (na gut, da passt sie), bis hin zu Messies.
Messie ist natürlich nicht der Spitzname des allseits bekannten Südtiroler Bergsteigers, sondern damit werden ordnungskranke (im Chaos lebende) Menschen bezeichnet (kommt mir bekannt vor).

Die großartigsten und zugleich witzigsten Stellen des Hörbuchs sind die, wenn der Sprössling seiner Mutter mit wissenschaftlichen Argumentationen belegen möchte, dass eine Aufräumaktion in seinem Zimmer absolut widersinnig sei und die kluge Mama - natürlich ebenso cool - kontert.

Viele Begriffe aus der Physik finden Eingang und werden spannend und durchaus kindgerecht und verständlich erklärt: "mit Sinn für Unsinn" wie es auf dem CD-Cover heißt, also mit jeder Menge Humor. Shary Reeves ist in ihrer Sprecherrolle ein charmanter kleiner Lausebengel, der in der - hier durchaus angebrachten - 2. Person seinen Gedankengängen freien Lauf lässt.
Die Hintergrundgeräusche der inszenierten Lesung sind pointiert eingesetzt und ergänzen das gesprochene Wort ausgezeichnet.

Im Endeffekt lernt der Hörer, dass sich Ordnung und Chaos nicht unbedingt ausschließen, sondern sich sogar gegenseitig ergänzen. Denn Struktur und Ordnung heißt nichts anderes, als dass wir versuchen, erkennbare Bezüge zu schaffen. Und das Chaos in seinem Kinderzimmer hat der Knirps im Hörbuch jedenfalls voll im Griff ;-)

Fazit:

Auch Erwachsenen kann man dieses Hörbuch aus der Reihe Die Kinder-Uni wärmstens empfehlen: Eine lebendig und humorvolle Auseinandersetzung mit den Begriffen Chaos und Ordnung in vielen Zweigen der Wissenschaft.

Nur empfinde ich die Altersempfehlung von 9 Jahren etwas sehr gewagt, da doch sehr viele komplexe Vorgänge erklärt werden. Persönlich halte ich ein mindestens 10-, besser 12jähriges Kind für geeigneter.

Ulla Steuernagel
Tohuwabohu. Die Kinder-Uni erklärt Ordnung und Chaos Gelesen von Shary Reeves
Audionauten (August 2007)
2 CDs, ca. 138 Minuten, 9,90 Euro
ISBN 10: 3866045379
ISBN 13: 978-3866045378

 

 

Auch Journalisten sind eben nur Messies:

Sozialpreise ausgeschrieben

Nürnberg (14.5.07): Der ConSozial Management-Preis und der ConSozial Wissenschaftspreis der ConSozial-Messe mit je 8000 Euro Dotierung sind ausgeschrieben.

Die ConSozial-Messie ist Deutschlands größter Sozialmesse. Jährlich werden auf der ConSozial zwei Preise verliehen: Der ConSozial Management-Preis und der ConSozial Wissenschaftspreis......

Oder sollte es etwa heissen: Die ConSozial-Messe ist Deutschlands grösster Sozialmessie ??

 

 

WIRTSCHAFT 4. 7. 07

PARIS-HILTON-MÜLL BEI EBAY

305 Dollar für eine leere Hundefutter-Dose

Der Kult um Paris Hilton treibt in den USA seltsame Blüten. Im Internetauktionshaus eBay wird sogar Müll des Party-Girls versteigert. Einer Klatsch-Webseite zufolge ist das ein blühendes Geschäft.

New York - Eine leere Dose mit Gourmet-Hundefutter beispielsweise, die aus Hiltons Müll entwendet wurde, hat bei einer Versteigerung im Internet-Auktionshaus eBay 305 Dollar erbracht, heißt es auf der Online-Klatschseite HollywoodStarTrash.com.

Paris Hilton bei ihrer Entlassung aus dem Gefängnis: Zwei Briefumschläge, die sie im Knast bekam, brachten 510 Dollar bei eBay
Außerdem hätten Fans auch Erinnerungsstücke an den Gefängnisaufenthalt der Hotelerbin ersteigert: Eine benutzte Hilton-Zahnbürste wurde für 305 Dollar verkauft, zwei Briefumschläge, die sie ins Gefängnis geschickt bekam, für 510 Dollar und eine leere Cola-Dose für 51 Dollar.

Jetzt will die Seite selbst in das blühende Geschäft einsteigen - und bietet Q-tips, Taschentücher und Deos an, die die 26-Jährige angeblich schon benutzt haben soll. Für Kleenex und Wattestäbchen wurden der Seite zufolge zusammen schon 450 Dollar geboten.

ase/dpa-AFX

 

REISE 9. 9. 07

NEW YORK
Die hohe Kunst des Müllsammelns
Von Britta Mersch

Leere Snackboxen, alte U-Bahn-Tickets, wertlose Notizen: Für den New Yorker Künstler Justin Gignac sind weggeworfene Gegenstände mehr als Müll. Er macht sie zu Kunstwerken, die er an Touristen verkauft. Die Abfall-Sammelsurien haben schon Kult-Status.

Der 27-Jährige sammelt das, was andere Leute achtlos wegwerfen. "Mich interessieren vor allem Gegenstände, die eine Geschichte erzählen", sagt Justin Gignac. Wie die angebrochene Kaugummi-Schachtel, aus der vielleicht ein Bewerber kurz vor einem Vorstellungsgespräch noch einen Streifen zog, um den Atem zu erfrischen. Oder das halbvolle Cocktailglas mit Strohhalm, das jemand aus einer Bar mitgenommen hat, bis ihm eingefallen ist, dass man in New York nicht öffentlich Alkohol trinken darf. Das Glas landete unter einem Baum – und dann in Justins Sammeltüte.

Aus dem Müll von den Straßen New Yorks hat Justin Gignac eine clevere Geschäftsidee entwickelt. Er wählt einzelne Stücke aus, faltet sie dekorativ und packt sie in kleine Plastikwürfel. Für 50 Dollar das Stück verkauft er die Boxen an Touristen in der ganzen Welt. Über 700 hat er schon unter die Leute gebracht, an Kunden in 19 verschiedenen Ländern. "Die Schachteln sind begehrt", erzählt der Künstler stolz, "schließlich ist jedes Exemplar ein Unikat." Ein ganz besonderes Stück ging nach Florida: Der Würfel enthielt eine ungeöffnete Telefonrechnung von Heidi Klum.

Hauptsache, die Verpackung stimmt

Auf die Idee, Müll zu verkaufen, ist er zufällig gekommen. Irgendwann hatte er mit einem Kollegen aus seiner früheren Werbeagentur eine Diskussion darüber, wie man erfolgreich Produkte verkauft. Die These von Justin Gignac: Mit der richtigen Verpackung bekommt man alles unter die Leute – selbst Müll. Sein Kollege war skeptisch und glaubte ihm nicht. Für Justin Gignac Ansporn genug, das innovative Marketingkonzept auszuarbeiten.

Für den Müll entwarf er durchsichtige Schachteln von rund elf mal neun Zentimetern. Als Logo wählte er die schlichte Überschrift "Garbage of New York City", daneben die Versicherung, dass garantiert jedes Stück in der Box von den Straßen New Yorks stammt und von ihm selbst gefunden wurde. Um jedes Paket einzigartig zu machen, bekommen sie außerdem eine Seriennummer, Entstehungsdatum und die Unterschrift des Designers.

Was die Anordnung des Mülls angeht, ist auch hier ein künstlerisches Verständnis gefragt. Die Stücke in den Paketen sucht Justin Gignac so aus, dass sie farblich zueinander passen und gemeinsam ein hübsches Ensemble bilden: ein Kinderschuh, der an einem abgebrochenen Flaschenhals mit einem benutzen Löffel lehnt. Oder ein zerknüllter Pappbecher, in dem eine alte Metro-Karte, ein Luftballon und ein Kronkorken stecken. "Ein großes Teil bildet immer das Zentrum des Kunstwerks", sagt Justin Gignac, "das verfeinere ich mit Zigarettenstummeln, Kronkorken und Luftballons."

Die Idee funktioniert vor allem deshalb, weil die Stadt eine solche Faszination ausübt. Die Metropole ist überwältigend – und mit den kleinen Müllboxen können sich Touristen ein Stück Stadt ins eigene Wohnzimmer holen. 50 Dollar geben sie dafür gerne aus. "Am Anfang habe ich zehn Dollar pro Stück genommen", sagt Justin Gignac. Das sei zu günstig gewesen, denn die Leute hätten die Schachteln vor allem für einen guten Gag gehalten, den sie Freunden oder Verwandten mitbringen. Seitdem er 50 Dollar verlangt, hätten sie nun das Gefühl, wirklich ein wertvolles Stück Kunst zu kaufen. Die Nachfrage jedenfalls habe sich seitdem nicht verringert. Ganz im Gegenteil werden die Würfel immer populärer. Kürzlich war der Designer auf dem St. Patrick’s Day in Dublin – und hat auch hier Schachteln mit Müll gefüllt und an Festivalteilnehmer verkauft.

Sechs Dollar für ein Bier-Bild

Seit sechs Jahren ist Justin Gignac schon im Geschäft. Mittlerweile hat er sogar seinen Job in der Werbeagentur aufgegeben und widmet sich fast ausschließlich dem Müllsammeln – abgesehen von kleinen Werbe-Jobs als Freiberufler. Seine Freundin Christine ist auch eingestiegen. Die nächste Geschäftsidee haben die beiden auch bereits ausgearbeitet. Sie heißt "Wants for sale", das frei übersetzt ungefähr bedeutet "Begehrte Gegenstände zu verkaufen".

 

 

Schäuble ein Daten-Messie?

11. Juni 2007

Zu Schäubles Plänen für ein zentrales Fingerabdruck-Register für Ausländer erklärt die stellvertretende Parteivorsitzende Katina Schubert:

Der Bundesinnenminister zeigt zunehmend typische Symptome des Messie-Syndroms. Er sammelt alle ihm bislang zugänglichen Daten auch unbescholtener Bürgerinnen und Bürger und lässt kein Weg versucht, um ständig an neue zu gelangen. Es vergeht kaum ein Tag, an dem er nicht verkündet, was er alles so zu sammeln gedenkt. Dazu gehört das Ausspähen von Computern ebenso wie das verdachtsunabhängige Speichern von Telefonaten, Mails und SMS.

Nachdem der Versuch eine Geruchtsproben-Sammlung aufzubauen am öffentlichen Widerstand bislang gescheitert ist, sollen nun auch Migrantinnen und Migranten unter Generalverdacht gestellt werden.
Nichts anderes wäre der Aufbau eines zentralen Fingerabdruck-Registers für Ausländer. ....

Toll - sogar Geruchtsproben kann man sammeln !

 

 

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Nr. 2/07 - 25. September
Internes / aktuelles GV, Neue Vorstandsmitglieder, Therapeutenliste, Messie-Tagung SFU Wien
Hinweise auf interessante Medienbeiträge DRS2, ZDF, SF1
Interview Helene Karrer-Davaz befrägt Rolf Elsener, Redaktor Schweiz Aktuell / SF1
Buchkritik Johannes von Arx bespricht
„<Messies> Alltag zwischen Chaos und Ordnung“ von Annina Wettstein


Grüss Euch

Da sind wir wieder mal mit frischer Post.

Zugegeben: nicht ganz im vorgesehenen Zeitplan - externer Arbeitsdruck hat den Anteil der freiwiligen Kapazitäten für LessMess vorübergehend quasi ausgelöscht (teilweise sind wir eben auch nur Messies :-)). Dieser Druck ist nun mit einem glücklicherweise erfolgreichen Abschluss der Arbeit beendet und es bleibt endlich wieder Zeit, sich LessMess zuzuwenden.

Wir wünschen allen einen schönen Herbst !

Mit herzlichen Grüssen

LessMess

 

Internes / aktuelles:

GV
vom 3. Mai 07

Protokoll der
2. Generalversammlung LessMess vom 3. Mai 07
(gekürzte Version)

Ort: Zürich, Restaurant Cooperativo, 19:15 – 20:30
Anwesend: 14 Mitglieder, gemäss Präsenzliste
Entschuldigt: gemäss Liste


1. Begrüssung
Die Anwesenden werden durch die CO-Präsidentin Helene Karrer-Davaz begrüsst.

2. Wahl der Stimmenzähler
XY wird einstimmig zum Stimmenzähler gewählt.

3. Protokoll der 1. Generalversammlung vom 3. Mai 2006
Das Protokoll wir einstimmig genehmigt und verdankt.

4. Jahresbericht
Johannes von Arx verfasste den Jahresbericht und stellt ihn an der GV vor. Das Thema „Messies“ wird immer häufiger in den Medien thematisiert, teilweise sind es reisserische Berichte, die wenig zur Aufklärung beitragen oder Hilfestellung geben. Aber es gibt auch sehr gute Artikel über ein Leben als Messie. Der Vorstand nahm Stellung zu Artikeln in den Medien, nahm an zahlreichen Anlässen zum Thema teil.
Eine Zusammenarbeit mit dem Hauseigentümerverband kam nicht zustande. Deren Präsident schätzt eine Zusammenarbeit mit dem Verband LessMess aus seiner Sicht her eher als kontraproduktiv ein.
Thomas Moll gestaltete eine Power Point Präsentation, die nun erhältlich ist.
Der Jahresbericht wird einstimmig genehmigt.

5. Jahresrechnung 2006 und Revisorenbericht
Die Jahresrechnung 2006 und der Revisorenbericht vom Revisor Fredy Fischwerden einstimmig genehmigt.

6. Tätigkeitsprogramm für das Verbandsjahr 2007
Der Co–Präsident Thomas Moll stellt das Tätigkeitsprogramm vor.
Der Vorstand hat keine neuen Tätigkeiten für das Verbandsjahr 2007 geplant, sondern wird intensiv fortfahren mit dem Programm vom 2006.
Vorabklärungen wurden getroffen für das durchführen von geleiteten Gesprächsgruppen für Betroffene und/oder Angehörige, Freunde. Eine solche Gruppe würde von Fachpersonen geleitet. Eine Diskussion über die Zweckmässigkeit folgt.
Der Dokumentarfilmer Ueli Grossenbacher plant in Zusammenarbeit mit Thomas Moll einen Film über das Leben und die Problematik von Messies. Hier arbeitet der Vorstand mit, sowie Betroffene.
Auf Anfrage werden durch den Verband Adressen von Psychotherapeuten vermittelt, die Verständnis für die Messieproblematik haben. Wer Adressen von Psychotherapeuten weiss, wird gebeten, diese dem Verband bekannt zu geben.
Mitgliederwerbung = Verband stärken ist weiterhin aktuell.
Das anspruchsvolle Tätigkeitsprogramm wird einstimmig genehmigt.

7. Genehmigung des Budget 2007
Helene Karrer-Davaz erklärt das Budget 2007, welches genehmigt wird.

Das dem Verband zur Verfügung stehende Eingenkapital nimmt ab; mehr Mitglieder sind notwendig, damit die Arbeit des Verbandes weiter getan werden kann.

8. Festlegen der Mitgliederbeiträge
Der Vorstand schlägt vor, die Mitgliederbeiträge zu belassen, wie sie sind.
Der Vorschlag wird genehmigt.

9. Rücktritte/ Neue Vorstandsmitglieder
Aus beruflichen Gründen treten MZ, Martin Biber und Ursula Blum vom Vorstand zurück. Deren Mitarbeit wird herzlich verdankt.

Anita Meito–Linse und Claudia Habegger stellen sich als Vorstandsmitglieder zur Verfügung. Beide Frauen haben beruflich mit Messies zu tun und haben sich intensiv mit deren Problematik auseinandergesetzt. Sie würden gerne im Verband mitarbeiten.
Die neuen Mitglieder werden einstimmig gewählt.

10. Ausblick, Diskussionsrunde
Ein Mitglied stellt die Frage, wie und wozu ein Messie sich outen soll. Was ist das Ziel? Rege wird darüber diskutiert. Helene Karrer-Davaz erklärt, dass Journalisten, die einen Bericht verfassen, sich die Besichtigung einer Wohnung eines Messie, ein Interview und die Möglichkeit zu fotografieren wünschen. Der Verband kennt Journalisten, die fair berichten. Mit Berichten in den Medien, soll eine bessere Akzeptanz in der Öffentlichkeit erreicht werden.

11. Nächste Generalversammlung
Die nächste Generalversammlung findet am Freitag, 9. Mai 2008 statt.

Für das Protokoll
Binningen, 11. Mai 2007 Ursula Blum

Neue Vorstandsmitglieder

Wir danken bestens für die geleistete Arbeit und verabschieden Ursula Blum, MZ und Martin Biber, die durch berufliche Umorientierungen und Belastungen nicht mehr im Vorstand mitmachen können.

Herzlich begrüssen wir nun zwei neue Mitglieder im Vorstand, es sind dies beides engagierte, praxisorientierte Frauen mit Erfahrung mit Messies und wir freuen uns auf eine intensive Zusammenarbeit.

Claudia Habegger, Hausen a.A.

Jahrgang 1959

Motivation:
In meinem Alltag (beruflich und privat) habe und hatte ich oft mit Messies zu tun – nur das ich erst seit ca. einem Jahr weiss, wie man diese meist sehr interessanten und vielseitigen Menschen nennt. Es war für mich unglaublich, was alles gesammelt und angehäuft werden kann. Ich habe mich sehr intensiv mit der Thematik befasst und es freut, mich durch LessMess vermehrt für die Nöte, Zweifel und Sorgen der Betroffenen einzusetzen.

Anita Meito-Linse, Volketswil

Jahrgang 1951

Motivation:
… und Geständnis darüber, dass ich mich in meinem beruflichen Umgang mit Menschen mit Desorganisationsproblemen oft zwischen erklärbarem Verstehen und hilflosen Unverständnis bewege. Mannigfache Stärken kann ich oft erkennen, denen sich parallel aber desillusionierende Unfähigkeiten gegenüberstellen. Ein Wellengang zwischen Hochstimmung und Leid, zwischen dem "etwas verändern wollen" aber wiederum dem "nichts verändern können"…
Im Abblättern des Berührungsverbotes „Messie“ möchte ich gerne aktiv unterstützen, dazugehören und mich einlernen.

Therapeutenliste

Wir bemühen uns, eine Liste von TherapeutInnen zusammenzustellen, die Erfahrung im Umgang mit Messies haben. Die Liste soll vertraulich und nicht öffentlich sein und wird ratsuchenden Mitgliedern zur Verfügung gestellt. In diesem Zusammenhang sind wir sehr dankbar für jeden Tip. Wir bitten alle, uns Erfahrungen mit TherapeutInnen, HelferInnen, SozialarbeiterInnen u. ä. mitzuteilen unter info@lessmess.ch.

Vielen Dank für die Mitarbeit.

Tagung SFU
Wien

Sigmund Freud
PrivatUniversität Wien

9. und 10. November 2007

Zweite Deutschsprachige
Messie Tagung D-A-CH
Psychotherapeutische
Sichtweisen

Nähere Informationen hier
Da kann auch das Anmeldeformular heruntergeladen werden.
Wer Hilfestellungen für die Anreise per Bahn und Unterkunft in Wien wünscht, setzt sich in Verbindung mit johannes, Tel. 044 310 77 10

 

Unser Tip: Keine leeren Gänge, Synergien nutzen

 

 

Medienhinweise:

Hinweis auf die <Kontext>-Sendung von DRS2 am 17. August 07

Gefangen im Chaos

DRS2 hat einen hörenswerten Beitrag über Messies gesendet. Hier wird der Psychoanalytiker und Messie-Spezialist Rainer Rheberger befragt.Der folgende Text ist der DRS-webseite entnommen:


«Messies» können keine Ordnung halten. Sie vermüllen die eigene Wohnung, kommen meist zu spät und versinken im Chaos.

Fachleute beklagen, dass immer mehr Menschen grösste Schwierigkeiten haben, sich von Unbrauchbarem zu trennen und in der Überflussgesellschaft die Orientierung zu behalten.

Buchtipp:
Rainer Rehberger: Messies - Sucht und Zwang. Psychodynamik und Behandlung bei Messie-Syndrom und Zwangsstörung. Verlag Klett Cotta, 2007

Die Sendung kann hier angehört werden - einfach 'Hören' anklicken.

Es wird entweder der meist vorhandene 'Windows Mediaplayer' benötigt oder der 'Realplayer'. Eine kostenlose Version des Realplayers kann hier heruntergeladen und installiert werden (für alle gängigen Betriebssysteme).

 

Zwang zur Unordnung

Auch das ZDF hat sich mit Rainer Rehberger unterhalten. In <Aspekte> vom 31. August 07 wurde ein Beitrag über Messies ausgestrahlt. Den Bericht dazu kann man hier nachlesen.

Etwas komplizierter wird es, wenn man die Sendung ansehen will: am einfachsten klickt man im eben angegebenen link oben auf das Register 'ZDFmediathek'. Ein neues Fenster öffnet sich. Nun schreibt man oben rechts den Suchbegriff 'messie' rein und wird auf Sendungen mit Messie-inhalt verwiesen. Da häkelt man nun die Sendung 'Zwang zur Unordnung' an und wird ev. noch über vorhandene Mediaplayer/Internetverbindung befragt. Schlussendlich sollte das Abspielen des Beitrags dann mal klappen. Leider sind die Aussagen nicht allzu ergiebig und etwas plakativ vereinfacht - doch urteile selbst!

Leider wird beim ZDF mit dem Suchbegriff 'messie' auch der Beitrag <Opfer von Mietnomaden> erreicht - ein Thema, das immer wieder im Zusammenhang mit Messies erwähnt wird, mit dem Messietum aber eigentlich nichts zu tun hat! Hier geht es um die achtlose bis mutwillige Zerstörung von Wohnraum im Zusammenhang mit Mietbetrug und Ausnutzung gewisser Mieterschutzgesetze, die dem Vermieter ein rechtzeitiges Eingreifen quasi verunmöglichen.

 

Faszination Chaos -
warum die Kunstwelt den Messie als Künstler ehrt

Dieser Beitrag wurde im <Kulturplatz> von SF1 vom 11. April 07 ausgestrahlt

Sie gelten als Aussenseiter unserer Gesellschaft: «Messies» - Menschen, die nichts wegwerfen können. Die dramatischen Folgen dieses Sammelzwangs zeigt derzeit der Dokumentarfilm «Sieben Mulden und eine Leiche» von Thomas Haemmerli. In der Kunstwelt hat der Messie einen besseren Ruf. Viele Künstler, wie der legendäre Andy Warhol, waren Messies. Und viele Messies begreifen ihre gigantischen Sammlungen als Kunst. «kulturplatz» hat die Zürcher Künstlerin Susann Walder in ihrem Reich besucht.

Der Beitrag kann hier betrachtet werden

Ein weiterer Medienhinweis erfolgt im anschliessenden Interview!

 

 

Interview mit Rolf Elsener

Redaktor 'Schweiz aktuell' SF

Rolf Elsener hat anlässlich des Erscheinens des Schokumentarfilmes '7 Mulden & eine Leiche' von Thomas Haemmerli Ende April 07 in 'Schweiz aktuell' (SF1) einen Beitrag über das Messie-Syndrom geschaffen. Dieser kann im Archiv von SF1 noch angesehen werden (Realplayer).

Der link hier verweist auf die gesamte Sendung, die Rede ist vom zweitletzten Beitrag, <Das Messie-Syndrom> (bitte runterscrollen).

Helene Karrer-Davaz


LessMess wann haben sie das wort 'messie' zum ersten mal gehört?
Rolf Elsener Ich erinnere mich, vor mehreren Jahren einmal einen Zeitungsartikel dazu gelesen zu haben.
LessMess was fällt ihnen spontan ein, wenn sie das wort "messie" hören?
Rolf Elsener Ein Messie ist für mich ein Mensch, bei dem sich Zeitungen und Gerümpel türmt; und zwar nicht ordentlich geschichtet, sondern wild durcheinander, so dass der Messie selber nur noch Platz in der Wohnung macht, wenn er sich zwergenklein macht.
LessMess kennen sie messies in ihrem persönlichen umfeld?
Rolf Elsener Bei einem ehemaligen Arbeitskollegen türmten sich Zeitschriften, Zeitungen, Magazine etc. auf dem Pult, auf dem Boden, auf dem Kühlschrank. Aber ist er schon ein Messie? Ich finde, es ist schwierig, die Grenze zwischen Unordnung, Faulheit und dem Messie-Tum zu ziehen. Das Erstaunliche an diesem übrigens sehr liebenswürdigen Kollegen: Er fand jedes Papier auf Anhieb, wenn man ihn danach fragte.
LessMess können sie sich vorstellen, dass auch öffentliche beamte messies sein könnten ?
Rolf Elsener Klar. Ich denke, das Messie-Syndrom macht vor keinem Berufsstand halt. Und so lange dies nicht in öffentlichen zugänglichen Räumen geschieht, finde ich dies auch nicht stossend.
LessMess was würden sie unternehmen, wenn nahe verwandte oder ihre lebenspartnerin ein messie wären?
Rolf Elsener Kommt drauf an. Wenn die Person ein Problem damit hat, müsste man die Sache angehen. Zusammen aufräumen? Zu einem Outing anregen? Diese Massnahmen kommen mir in den Sinn. Ob es die richtigen sind, weiss ich nicht.
LessMess sie sind redaktor bei der sendung schweiz aktuell und haben einen beitrag zum thema messie gemacht.
gab es unterschiede beim recherchieren zu andern reportagen?
Rolf Elsener Messies empfangen einem nicht gerade mit offenen Armen, wenn man mit der Kamera angetanzt kommt. Leider ist es sehr schwer, Messies zu finden, die sich öffentlich dazu bekennen. Darum waren die Recherchen zeitaufwändiger als bei anderen Beiträgen.
LessMess was denken sie über den film "sieben mulden und eine leiche"?
Rolf Elsener Brilliant gemacht, klug getextet, mit Bildern, die an der Grenze des Erträglichen sind. Ich finde im Gegensatz zu LessMess nicht, dass der Film ein falsches Bild von Messies transportiert. Jeder Mensch ist anders, jede(r) Messie ist anders. Thomas Haemmerli zeichnet im Porträt sogar das Bild einer gepflegten, schönen, auf Hygiene und Aussehen bedachten Frau, nicht einer verwahrlosten, schmuddligen Mutter. Das Thema, das mich am meisten berührte, war die Tatsache, dass es offenbar möglich ist, keine Beziehung zur eigenen Mutter zu haben und diese Geschichte post mortem auch noch auszuweiden.
LessMess für eine kurze reportage wird meist material für die 10-, 20-fache sendezeit oder noch mehr aufgenommen.
Was geschieht mit dem unbenutzten material - archivieren sie auch unverwendete szenen?
Gibt es beim Fernsehen ein 'virtuelles' Messietum?
Rolf Elsener Gibt es bestimmt. Nur habe ich daran nicht teil. Ich räume viermal pro Jahr mein persönliches Rohmaterial-Archiv und bewahre nur wirklich Brisantes, Wichtiges auf. Es hat noch Platz in meinem Archiv-Schrank; vielleicht für das Messie-Rohmaterial.
LessMess
besten dank
helene karrer-davaz

 

Die Buchkritik
«Messies» Alltag zwischen Chaos und Ordnung. Von Annina Wettstein

 

Wissenschaftlicher Blick in die Messie-Stuben

Johannes von Arx / 23.5.07

Bücher, welche die Messie-Thematik umfassend beschreiben, gibt es nur ganz wenige. Das von Annina Wettstein ist eines davon. Sie hat es als Lizenziatsarbeit zum Abschluss ihres Volkskundestudiums an der Universität Zürich geschrieben. Es beruht auf einem guten Dutzend längeren Interviews mit Betroffenen aus der Schweiz und Deutschland, ausführlichen Recherchen bei Fachleuten und Institutionen sowie einer Diskussion der vorhandenen Literatur.

Schrieb Eva Roth unter dem Titel „Einmal Messie, immer Messie“ aus den „Urtiefen des Messie-Seins“ sozusagen einen spannenden Lebensroman, durchaus ein Taschenbuch für die Bettlektüre (Buchbesprechung in LessMess-Info Nr. 2), so ist das Werk von Annina Wettstein wissenschaftlich fundiert, systematisch aufgebaut und mit vielen Fussnoten sowie Literaturhinweisen versehen. Das heisst aber nicht, dass es schwierig zu lesen ist. Die Autorin bedient sich keinerlei eines mit Fremdwörtern gespickten Vokabulars. Aber die Dichte der Information macht das Buch etwas schwergewichtig fürs Nachttischchen.

Ein kurzer Gang durch die 164 Seiten mag das verdeutlichen. Annina Wettstein beginnt am Ursprung der Messie-Bewegung, bei Sandra Felton, welche 1981 die erste Selbsthilfegruppe in den USA begründete und ab 1994 mit ihren Büchern zunächst in Deutschland bekannt wurde. Dann wird – mit einem Exkurs in die allgemeine Selbsthilfegruppen-Bewegung – die Schweizer Szene und ihr grösseres Umfeld (z.B. die Schweizerische Gesellschaft für Zwangsstörungen) analysiert. Gleichzeitig beschreibt die Autorin anhand verschiedener Aussagen aus der medizinisch-psychologischer Fachliteratur die Symptomatiken des Messie- und des Vermüllungssyndroms. Es schliesst das Kapitel „Kulturelle Definitionen von 'gesund’ und 'krank’“ an.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Der Hauptteil des Buches stützt sich auf die erwähnten Interviews mit Betroffenen, die anlässlich von Besuchen in ihren Wohnungen gemacht wurden. Annina beschreibt nicht nur die Wohn-, sondern auch die Beziehungs- und Arbeitssituationen, die persönlichen Vorgeschichten etc. Mikroskopisch genau entsteht so ein Bild der Alltagspraxis dieser Leute. Es wird aber nicht eine Person nach der anderen „behandelt“, sondern die Eindrücke und Aussagen so zusammengeschnitten, dass die Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauskristallisiert werden. So etwa über die relativ einheitlichen Vorstellungen der Messies über den Idealzustand ihrer Wohnung. Auch seien allen Besuchten „gemeinsam, dass sie Artikel aus Zeitungen und Zeitschriften aufbewahren“ und so „Wissen und Information (…) aufbewahrt werden.“ Das Kapitel schliesst mit subjektiven Erklärungsmodellen der Messies, wonach sie schon seit der Kindheit Messie waren oder es durch einen Auslöser, meist verbunden mit einer biographischen Krise, im Erwachsenenalter wurden.

Im abschliessenden Teil „Kulturelle Befindlichkeit von 'Messies’“ öffnet Annina Wettstein wiederum die Perspektive auf das gesellschaftliche Umfeld und dessen Wechselwirkung mit den Messies. Aufschlussreich ist etwa die Rückblende auf die Einführung eines einheitlichen, präzisen Zeitmanagements im Rahmen der Industrialisierung und deren Folgen für die Messies, die oft auch Probleme v.a. mit der Einteilung der frei verfügbaren Zeit haben. Im Anhang findet sich ein umfangreiches Literatur-, Quellen- und Internetadressenverzeichnis.

Fazit: Ein Buch, das für alle mit der Messie-Problematik konfrontierten Fachpersonen ein Muss ist und für Betroffene ein Dokument, das viele „Aha-Effekte“ auslöst.

Johannes von Arx

«Messies» Alltag zwischen Chaos und Ordnung. Von Annina Wettstein

Buchumschlag

Aus der Reihe Zürcher Beiträge zur Alltagskultur,

Band 14 © Volkskundliches Seminar der Universität Zürich,

164 Seiten. Chf 34.--

ISBN 3-908784-03-4.

 

 

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Spezial - 11. April 07

Pressemitteilung
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Zum Film "Sieben Mulden und eine Leiche" von Thomas Haemmerli
Medienhinweis für heute: SF1 Kulturplatz, 22h 50


Grüss euch

Anlässlich des Filmes von Thomas Haemmerli gibt es eine aktuelle Spezialausgabe.
Im letzten LessMess Info haben wir den Film angekündigt, jetzt läuft er in den schweizer Kinos.

ZUERICH - Riffraff 1, Dialekt, täglich 3 / 5 / 7 / 9 h, Do-Sa-Nocturne 23.15 h

ZUERICH - Arthouse Movie 1, Dial/d, täglich ca. 19 h

BERN - CinéMovie 2, Dialekt, täglich 19 h

BASEL - Kultkino Atelier 1, Dialekt, täglich ca. 19 h


Die Medien sind sich ziemlich einig: der von Haemmerli selbst gewählte Untertitel 'Schockumentarfilm' trifft zweifelsfrei zu. Und wer bis anhin nur die recht aggressive Werbung für den Film gesehen hat fühlt sich - gerade als Messie - wohl eher ziemlich abgestossen (penetranter Leichengestank, der demonstrativ gezeigte Vibrator der Mutter und ausführliche Berichte über Geschlechtskrankheiten haben nun ja mit Messies wirklich rein nichts zu tun - leider werfen aber gerade solch sinnlose Verknüpfungen dann in der Öffentlichkeit eben doch wieder ein schlechtes Licht auf die Messies).
Wer den Film gesehen hat, urteilt dann etwas gnädiger, da durchaus auch positive Seiten zum Vorschein kommen - zumindest für Leute, die bereits etwas über Messies wissen. Auf die eigentliche Messieproblematik wird nämlich leider kaum eingegangen - der Film handelt vielmehr vom Ende des Lebens und was davon so an Material übrigbleibt und wie die Erben dann halt damit umgehen müssen. Und diese Auseinandersetzung ist offen, ehrlich und mutig. Sie hätte wohl auch stattfinden können, wenn ein ordentlicher Bauernhof übriggeblieben wäre, den man dann hätte auflösen müssen - aber das wäre halt weniger sensationell gewesen (und ist ja auch nicht das Schicksal von Haemmerli...) Sicher kommt jetzt die Diskussion um Messies ins Rollen und wenn sie offen geführt wird, so kann dies durchaus im Interesse der Messies sein. Bei Haemmerli pendelt die PR nach der Schocktour nun leider ins Klamauklager: alles heisst jetzt Mulde und wer das virtuelle Muldenspiel satt hat, kann sich noch die Karaoke-version des Lululiedes mit dem 'Muldenorchester' herunterladen und los geht die Party: mit breitwillig verteilten Muldenbierdeckeln....als Journalismus-Profi sind die eigenen Wikipediabeiträge ja längst geschrieben. Wenn es Haemmerli bereits wieder so langweilig ist, kann er sich ja mal echt mit dem Messie-Phänomen beschäftigen!

Jedenfalls können wir als Verband diesen Film nicht unkommentiert lassen und wir sind gestern mit untenstehendem Text an die Presse gelangt. Wir hoffen auf eine intensive Diskussion, die vor allem die lebendige, menschliche Seite der Messies in den Vordergrund rückt und nicht nur mit den materiellen Überresten handeln will. Es gibt nämlich ein Leben vor dem Tod.

Hinweis:

Nächsten Sonntag, am 15. April 07, voraussichtlich 11 h 30, gibt es eine Matinée im Zürcher Kino RiffRaff mit anschliessender Diskussion.

 

Last minute Medienhinweis:

SF 1 - Kulturplatz - Aktuelle Sendung vom Mittwoch 11. April 07 - 22 h 50

Faszination Chaos - warum die Kunstwelt den Messie als Künstler ehrt
Sie gelten als Aussenseiter unserer Gesellschaft: «Messies» - Menschen, die nichts wegwerfen können. Die dramatischen Folgen dieses Sammelzwangs zeigt derzeit der Dokumentarfilm «Sieben Mulden und eine Leiche» von Thomas Haemmerli. In der Kunstwelt hat der Messie einen besseren Ruf. Viele Künstler, wie der legendäre Andy Warhol, waren Messies. Und viele Messies begreifen ihre gigantischen Sammlungen als Kunst. «kulturplatz» hat die Zürcher Künstlerin Susann Walder in ihrem Reich besucht.

Bericht: Thorsten Stecher

Und nochmals: nicht vergessen: am Donnerstag, den 3. Mai 07 ist unsere jährliche Mitgliederversammlung im Coopi Zürich - die Mitglieder von LessMess haben eine entsprechende Einladung erhalten. Wir zählen auf zahlreiches Erscheinen !!

Wer noch nicht ist, aber eigentlich schon immer gerne Mitglied werden wollte, kann das jetz HIER schnell und einfach machen!

Schaut euch den Film an, beteiligt euch an den öffentlichen Diskussionen, helft, den Rücken der Messies zu stärken !

Mit herzlichen Grüssen

LessMess

 


Medienmitteilung

Nicht jeder Messie benötigt sieben Mulden

Otelfingen/Zürich, 10. April 2007. Der aktuelle Kinofilm „Sieben Mulden und eine Leiche“ bringt ein gesellschaftliches Phänomen an die Oberfläche: Unordnung im privaten Haushalt. Unter dem so genannten „Messie-Syndrom“ leiden 10% bis 15% der Menschen in der Schweiz. Der Verband „LessMess“ bietet Aufklärung und Hilfe an.

Verwahrlosung und Vermüllung werden oft mit Messies in Verbindung gebracht. Aber Messies sind in der Regel ganz anders: Sie sind meist gebildet und kommunikativ und sammeln genauste Informationen über alle möglichen Themen. Was sie tun, tun sie mit viel Engagement. Daraus ergeben sich zwangsläufig Zeit- und Organisationsprobleme. Es fällt ihnen schwer, Prioritäten zu setzen: Messies leiden unter der Unfähigkeit, ihren Haushalt und ihren Alltag zeitlich und räumlich so zu organisieren, dass sie sich wohl fühlen.
Oft unterliegen die Betroffenen dem Irrtum, sie seien mit ihrem Problem die einzigen auf der Welt. Sie ziehen sich zurück und brechen den Kontakt zu Nachbarn, Freunden und Angehörigen ab. Damit droht der Rückzug in die soziale Isolation. Doch Fachleute schätzen, dass etwa 10% bis 15 % der Bevölkerung vom Messie-Syndrom betroffen sind. Davon sind rund ein Fünftel klassische Messies mit einem massiven Ordnungsproblem.

Kinofilm verpasst Chance
Seit dem 5. April läuft im Kino der Film „Sieben Mulden und eine Leiche“, der vom Autor Thomas Haemmerli als „Schockumentarfilm“ bezeichnet wird. Haemmerli und sein Bruder räumen in einer einmonatigen Aktion die Wohnung ihrer verstorbenen Messiemutter (www.messiemother.com/film) „Der Kinofilm von Thomas Haemmerli thematisiert zwar die Problematik von Messies, trägt aber nichts zur Aufklärung oder Hilfestellung bei. Er stellt einen absoluten Extremfall dar“, bedauert Helene Karrer, Co-Präsidentin des Verbandes „LessMess“. Messies seien zuallererst Menschen: „Ihnen gebührt zumindest der gleiche Respekt, den man auch normalen‘ Mitmenschen entgegenbringt. Hinter äusserer Unordnung verbergen sich oft grossartige, menschliche Qualitäten.“
Messies funktionieren im Berufsleben meist tadellos. Aber sie leben in ständiger Angst, jemanden in ihr ungeordnetes Reich reinlassen zu müssen. Sie schämen sich für ihre Veranlagung und leiden unter starken Schuldgefühlen. Das Einsteigen in eine der schon acht Selbsthilfegruppen in der Schweiz ist häufig der erste Schritt aus der Isolation. Auch professionelle Unterstützung in Form von Psychotherapie oder Coaching kann den Weg aus dem Chaos anbahnen.
Beim Verband LessMess kann für 5 Franken eine CD-Rom bestellt werden, die eine 12-minütige, audiovisuelle Präsentation sowie weitere Unterlagen und einen Messie-Test bietet.

Was sind Messies?
Messies sind ein gesellschaftliches Phänomen. «Messie» kommt vom englischen Wort «mess», zu deutsch Chaos, Unordnung. «To be in a mess» bedeutet soviel wie «sich in einem schlimmen Zustand befinden» (Blockade). Wissenschaftliche Untersuchungen gibt es noch wenige. 1985 wurde die Messiebewegung in den USA gegründet, 1995 in Deutschland. Dank der Initiative von Johannes von Arx sind Messies seit 2001 auch in der Schweiz ein Thema. 2005 wurde der Verband "LessMess" in Zürich gegründet. Er ist Ansprechpartner für alle Belange von Messies, berät und unterstützt Messies in Alltagsfragen sowie Angehörige und Mitbetoffene. Mehr unter www.lessmess.ch.

Hinweis: Am 15. April 2007 findet um 11 Uhr im Kino Riffraff in Zürich eine Matinée mit anschliessender Podiumsdiskussion statt, wo Vertreter der Filmproduktion und LessMess dabei sind.

Für Rückfragen stehen zur Verfügung:
- Helene Karrer-Davaz, Co-Präsidentin LessMess, Zürich, Tel. 079 438 84 66, helene@lessmess.ch
- Thomas Moll, Co-Präsident LessMess, Bern, Telefon 031 332 89 89, tm@lessmess.ch

Die CD-Rom wird Medienschaffenden natürlich kostenlos zugestellt. Mail an info@lessmess.ch.

 

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Nr. 1/07 - 15. März

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Internes (...unsere "Was sind Messies" - PowerPoint-Präsentation!)
Der Film "Sieben Mulden und eine Leiche" von Thomas Haemmerli
Das Interview von Susanne Franklin mit A. Prunelis vom Selbsthilfezentrum Zürcher Oberland
Buchkritik von Johannes von Arx
: „Einmal Messie, immer Messie“ von Eva Roth


Grüss Euch

Da sind wir wieder mal mit frischer Post.

Und nicht vergessen: am Donnerstag, den 3. Mai 07 ist unsere jährliche Mitgliederversammlung im Coopi Zürich - die Mitglieder von LessMess erhalten eine entsprechende Einladung. Wir zählen auf zahlreiches Erscheinen !!

Wer noch nicht ist, aber eigentlich schon immer gerne Mitglied werden wollte, kann das jetz HIER schnell und einfach machen!

Wir wünschen allen einen schönen, aufräumefreudigen Frühlingsanfang.

Mit herzlichen Grüssen

LessMess


Internes:

"Was sind Messies?"

Eine PowerPoint Präsentation

Ab sofort kann unsere PowerPoint-Präsentation "Was sind Messies" bestellt werden. Es ist eine 12-minütige, audiovisuelle Präsentation, die klar erklärt, was Messies und ihre Probleme sind. Zur Abwechslung wird hier mal tüchtig aufgeräumt und zwar mit den falschen Vermüllungsvorstellungen aus der Sensationspresse und das hilft hoffentlich für ein besseres Verständnis.
Mehr Infos HIER

SHG Adressenliste Neu: ab sofort bitten wir alle, die sich einer Selbsthilfegruppe anschliessen möchten, sich bei den regionalen Selbsthilfezentren zu informieren. Wir haben hierzu auf unserer Selbsthilfegruppen-seite eine ausführliche Tabelle mit Telefonnummern und Ansprechzeiten sowie direkten links zu allen entsprechenden Zentren erstellt. Es hat sich gezeigt, dass diese Organisationen meist besser orientiert sind, zuverlässige Wartelisten führen und auch gute Beratung anbieten! Wir danken für die Zusammenarbeit!
SHG Bern Unser Aufruf im LessMess Info 3/06 hat Früchte getragen:
In Bern ist jetzt eine Messie-Selbsthilfegruppe mit Erfolg gegründet worden. Interessenten aus der Region melden sich über das Selbsthilfezentrum des Kantons Bern sh@selbsthilfe-kanton-bern.ch oder direkt bei info@lessmess.ch
Das LessMess
Forum

In einem Forum werden öffentlich Diskussionsbeiträge ausgetauscht. Deshalb haben wir auf unserer Internetseite ein solches Forum eingerichtet, auf dass Messie- und Angehörigenspezifische Themen rege diskutiet werden können. Unser Forum wird zwar sehr oft besucht und gelesen, aber eher selten wagt sich jemand, einen Beitrag oder eine Antwort zu schreiben. Wir bedauern das zwar, haben aber ein gewisses Verständnis dafür: wenn du nämlich einen Beitrag schreiben willst, musst du dich registrieren lassen und deine emailadresse angeben, an die dann sogleich ein mail erfolgt mit der erforderlichen Zugangsautorisierung... und das hat folgenden Grund: täglich durchforsten abertausende von stupiden Suchrobotern das Internet und wenn sie ein leicht zugängliches Forum finden, dann überschwemmen sie dieses sogleich mit massenhaft uninteressanten bis lästigen Werbebeiträgen. Mit einer Zugangskontrolle kann man diese Werbeflut stoppen. Deine Emailadresse wird aber (ausser Du willst es ausdrücklich) nicht explizit veröffentlicht und ist an sich geschützt. Die Emailadresse erlaubt auch den Austausch von privaten Nachrichten (PN) unter den ForenteilnehmerInnen. Also: nur Mut. Danke!
Wir haben jetzt den Zugang speziell für Roboter noch zusätzlich erschwert, so dass du hoffentlich wirklich auf ein ernst zu nehmendes Forum treffen solltest.
Alle Fragen in Zusammenhang mit dem Forum (oder auch sonst) können jederzeit an info@lessmess.ch gestellt werden!

Umfrage SFU Noch immer läuft die Messie-Umfrage der Sigmund Freud-Privatuniversität Wien (SFU). Der Fragebogen kann heruntergeladen werden von der Webseite www.sfu.at > Ambulanz > Messies Selbsthilfegruppe > Download.
Wer mitmacht, leistet einen wertvollen Beitrag zur Erforschung des Messie-Syndroms. (jva)


Unser Tipp:
Geniesse jede Arbeit, die du erledigt hast!


Gerne publizieren wir folgende Bekanntmachung:
(Wir haben bereits in einem früheren LessMess Info auf diesen Film hingewiesen:

Thomas Haemmerlis Dokumentarfilm SIEBEN MULDEN UND EINE LEICHE kommt am 5. April in die Kinos in Zürich (RiffRaff, Arthouse), Bern und Basel.

Und auch auf der Seite www.messiemutter.de tut sich was.

Der Blogbereich ist online, unter FILM finden Sie den Kinotrailer, bei PRESSE lässt sich das Dossier runterladen, und im MULDENSPIEL konkurrieren Sie um den Titel des Muldenmasters.
Wir freuen uns über Ihren Besuch, und warten gespannt auf Ihr Feedback.

Viel Spass!

Mirjam von Arx
Produzentin SIEBEN MULDEN UND EINE LEICHE

Wie wir zudem vernommen haben wird es am 15.4.07 um 11 Uhr (oder 11.30) eine Matinée im Riffraff geben mit anschliessender Diskussion, wo sicher Leute von der Filmproduktion und auch von LessMess dabei sein werden.
Reserviert euch bitte dieses Datum, entnehmt präzisere Angaben dazu der lokalen Tagespresse und erscheint zahlreich zu einer regen Diskussion!


 

Telefoninterview mit Antonis Purnelis, Co-Leiter des Selbsthilfezentrums Uster
Susanne Franklin „Immer Sache büschele“

LessMess Würden Sie uns über den Stand der Messie-Selbsthilfegruppe
informieren?
A. Purnelis Lacht. Ja, das ist ein spannendes Thema. Wir hatten eine feste Gruppe, die sich über ein halbes Jahr regelmässig traf. Nun treffen sich noch 3 Personen im privaten Rahmen und suchen neue Mitglieder.
LessMess:

Wie ist es dazu gekommen?

A. Purnelis Es gab zwei, drei grössere Konflikte, die sich um Macht drehten, wie immer bei Konflikten. Es ging darum, wer am meisten Raum einnahm, wer führte, und um organisatorische Themen, wie z.B., an welchem Wochentag die Gruppe sich treffen sollte. Das führte zur teilweisen Auflösung der Gruppe. Es haben alle soviele Interessen und Engagements, dass sie sich nicht mehr finden konnten.
LessMess: In diesem Fall eine typische Messie-Erscheinung, die dem Erfolg der Gruppe im Weg stand.
A. Purnelis Ja, eindeutig. Sie haben alle soviel zu tun mit ihren aufwändigen Haushalten, den vielen Sachen, die sie büschelen müssen. 2-3 Mitglieder wollten eine Pause einlegen, um die Anregungen erst einmal umzusetzen, andere beschlossen, nach Zürich in eine andere Gruppe zu gehen, wieder andere waren gar nicht freiwillig gekommen, sondern auf Druck von Angehörigen. Da kann kein Erfolg daraus wachsen, es muss ein eigener Druck sein. Die Gruppe ist richtig messiemässig zerflattert.
LessMess Und doch gibt es die Gruppe in einer losen Form noch. Es muss also auch positive Erlebnisse gegeben haben.
A. Purnelis Ganz sicher! Die Messie-Gruppe hatte es oft sehr lustig und dadurch entspannt miteinander. Es kam auch vor, dass sie einander konkret unterstützt haben, Besuche und Aktionen haben stattgefunden. Hilfe wurde angenommen.
LessMess

Wie war die Altersstruktur? Sind eher die älteren oder die jüngeren Mitglieder abgesprungen?

A. Purnelis

Es waren eher die älteren, die sich zurückgezogen haben.

LessMess Hat Sie die Gruppe um Unterstützung angefragt?
A. Purnelis Ja, wir waren mehrmals dabei und haben Standortbestimmungen durchgeführt. Das tun wir immer, wenn die Anfrage durch die Gruppe kommt. Wenn sich Betroffene bei uns melden, die gerne in der Selbsthilfegruppe mitmachen möchten, werden wir die ersten paar Treffen begleiten, um den Halt der Gruppe zu festigen.
LessMess

Besten Dank für die Gesprächsbereitschaft.



Die Buchkritik
„Einmal Messie, immer Messie“ von Eva Roth


Aus den Urtiefen des Messie-Seins

Johannes von Arx / 4.3.07

Eva Roth beginnt ihr Buch mit einem veritablen Paukenschlag: Sie tuckert mit ihrem mit Blumentöpfen, Sonnenschirmen, Bananenkisten, Geschirr, Kleidern usw. usf. vollgestopften VW-Bus über die Autobahn. Auf holprigem Belag neben einer Baustelle erblickt sie plötzlich Funken bei der Hinterachse und ein Autorad, das im Begriff ist, das eh schon vor dem Vorfall klapprige Gefährt zu überholen…

Ein paar Seiten später erinnert sie sich zurück an ein nicht weniger drastisches, einschneidendes Erlebnis aus ihrer Kindheit: Die kaum zweijährige Eva wird von ihren Eltern einen Nachmittag und einen Abend lang allein gelassen. Eine kleinkindliche Ewigkeit dauert nicht nur das Warten auf Mutter, Vater, Oma, sondern auch das Sitzen auf dem Töpfchen, auf dem sie zu warten gelernt hat, „bis was kommt“ sowie das riskante Suchen nach dem Lichtschalter auf dem mühsam hergerückten Stuhl. Die erwachsene Eva
schildert dieses frühkindliche Drama, die Einsamkeit in Ewigkeit, die Angst vor der Dunkelheit so eindringlich, dass LeserIn unweigerlich mit hineingezogen wird in die Gefühle der Verzweiflung.

Dass diese beiden sowie viele weitere Erfahrungen aus Kindheit und Erwachsenen(Messie)welt durchaus etwas miteinander zu tun haben, zeigt die heutige Berufsmusikerin und (Messie-)Kabarettistin in ihrem Buch auf, ohne sich in wissenschaftlicher Exaktheit zu verlieren (wissenschaftliche Erkenntnisse über Ursache-Wirkungszusammenhänge gibt es ohnehin erst in Teilbereichen, aber eine umfassende „Messie-Theorie“ fehlt bis heute; Anm. jva). Umso mehr ist Evas Buch „Einmal Messie, immer Messie“ durch und durch ein authentischer, ungeschönter Einblick in den täglichen Kampf um Übersicht über das zu Viel an Gegenständen („zu gut zum Fortwerfen, zu schlecht zum Fortgeben“). Oder sie verrät das Geheimnis, warum sie – entgegen dem Rest der Welt – nicht ungern zum Zahnarzt geht: „Wegen der Wohnzeitschriften“. In deren Lektüre sie sich beim Warten auf den „Halbgott in Weiss“ von den
schönen Bildern in den tollen Farben inspirieren lässt: „Jawohl! – Gleich wenn ich nach Hause komme, fange ich an, aufzuräumen – und dann sieht’s bei mir genau so schön aus! ... wer kann es mir da schon verübeln, wenn ich erst beim Aufschliessen der Autotür merke, dass ich die Zeitschrift noch in der
Hand halte?“

Unverblümt schreibt Eva: „Ich hasse Pünktlichkeit … da steht er also vor einem: der Termin. Und es gibt kein Entrinnen, wie ein riesiger Felsbrocken versperrt er einem den Weg…“ Wer all diese Situationen aus eigener, langer Erfahrung mit Eva Roth teilt, darf sich gewiss in Messie-Solidarität mit der Autorin und ihren mitbetroffenen Kindern, Eltern, Partnern, üben. Und wer solche Situationen von Angehörigen, Freunden, Nachbarn kennt, lernt, dass das Messie-Sein tiefere Ursachen hat und selten auf Faulheit zurückzuführen ist.

Meine Kritik bezieht sich auf den formalen Aspekt: Das Buch beginnt mit den erwähnten, dramatischen Erlebnissen, fährt also gleichsam in wenigen Sekunden von Null auf Hundert. Daran knüpft Eva zahlreiche weiter Facetten aus ihrem Messie-Leben an. Sagen wir Fünfundsiebzig. Sie dehnt die Geschichte mit ihrem – echt – bösen Nachbarn gar in die Länge. Auf Hundert kommt sie noch einmal bei einem zweiten, ebenfalls sehr dramatischen Vorfall mit dem Auto (mit ebenfalls unübersehbarem Messie-Bezug). So ist meiner Meinung nach der Spannungsbogen über das ganze Buch etwas unharmonisch geraten. Da könnte Eva aus den Gesetzen der formalen Gestaltung guter Musik noch etwas in ihre weitere schriftstellerische Arbeit übernehmen. Sie schreibt nämlich bereits an ihrem dritten Buch.

Im Epilog zu „Einmal Messie, immer Messie“ beschreibt sie eine für „normale“ Leben absolut belanglose Episode: Eine Glühbirne brennt durch „peng“. Holt aus dem Sammelsurium an Glühbirnen eine raus. „Sechzig Watt – das müsste reichen … Wie schön hell es jetzt wieder ist.“ Damit hat die erwachsene Eva
einen wunderbaren Spannungsbogen zur kleinen Eva geschafft.

Einmal Messie, immer Messie – Momentaufnahmen aus einem chaotischen Leben, eine Spurensuche“ von Eva S. Roth, 172 Seiten. Verlag Dietmar Klotz, D-65760 Eschborn.
ISBN 3-88074-470-X. CHF 23.20

 

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Nr. 4 - 21.12.06


ADHS-SEMINAR RIEHEN
MESSIE-TAGUNG WIEN, 3./4. NOV. 2006 - EIN INTERVIEW
FRAGEBOGEN DER SFU WIEN
BUCHKRITIK: FENG SHUI (KINGSTON)


Grüss Euch

Schon sind wieder mehrere Monate vergangen seit dem letzten LessMess Info. In dieser Zeit trafen wir uns auch zu zwei weiteren Vorstandssitzungen. Nebst dem Dauerthema Vermieter-Mieter, an dem wir stets weiter arbeiten, schauten wir, wie wir die Dienstleistungen für Euch Mitglieder verbessern können. Da haben wir uns anfang Jahr viel vorgenommen und sind wohl nicht immer ganz zum Ziel gekommen - umsomehr als zwei bis anhin arbeitslose Vorstandsmitglieder inzwischen erfreulicherweise Arbeit gefunden haben aber leider somit ihren Einsatz für LessMess drosseln mussten - wir danken herzlich für den geleisteten Einsatz und sind auf der Suche für würdigen & notwendigen Ersatz. Für 2007 haben wir nämlich einiges vor. Das Thema 'Selbsthilfegruppen' wird uns stark beschäftigen und wir werden neue Wege suchen, diese Gruppen hilfreich zu Unterstützen. Um stets aktuell zu sein werden wir in Zukunft auch nur noch mit den bestehenden kantonalen und regionalen Selbsthilfezentren zusammenarbeiten und nicht mehr in eigener Regie eine Liste der Selbsthilfegruppen aufrecht erhalten.
Und vor allem soll die Kommunikation mit den Mitgliedern verbessert werden und neu wird im kommenden Jahr Susanne Franklin mit ihrer journalistischen Erfahrung die LessMess-Infos redaktionell betreuen. Und dies mit mehr Infos und Inhalt und besserer Gestaltung. Susanne wird beispielsweise regelmässig Kurzinterviews mit Leuten aus der Messie-Szene machen. Johannes von Arx hat diese Idee gleich aufgegriffen und jetzt schon Annina Wettstein, die bekannte Buchautorin ('Alltag zwischen Chaos und Ordnung'), interviewt.

Anlass dazu war die Messie-Tagung vom 3./4. November an der Sigmund Freud PrivatUniversität in Wien (SFU; www.sfu.at). Annina und Johannes konnten dort teilnehmen. Die Referate der Tagung werden gedruckt und wir werden darauf noch ausführlicher zurückkommen.

Vorab berichten wir noch über ein ADHS-Seminar im Rahmen einer jährlichen Veranstaltungsreihe. Die beiden LessMess Vorstandsmitglieder Elmira und Ursula fuhren am 24. Oktober 2006 nach Riehen.
Neu ist auch die Rubrik Buchkritik. Wir werden fortan jeweils ein Buch unter die Lupe nehmen und unverblümt unsere Meinung sagen. Die erste Besprechung von Johannes fällt ziemlich vernichtend aus, aber er verspricht, es werde künftig auch Erfreulicheres zu beschreiben geben.

So, das wärs für dieses Jahr.

Uns bleibt, euch allen erholsame Weihnachtstage und dann e gute Rutsch ins neue Jahr zu wünschen.

Soll es zahlreiche erfreuliche Momente bringen, viele mutige Schritte vorwärts und - sicher das wichtigste - eine robuste Gesundheit.

Mit herzlichen Grüssen

LessMess

"ZAPPELPHILIPP" AM RIEHENER SEMINAR VOM 24.10.2006

Liebe Leserin, lieber Leser der Less Mess - Informationen

Das Seminar in der nordöstlichen Vorstadt von Basel wird seit 17 Jahren jeweils im Oktober abgehalten. Organisiert wird es von Dr. Samuel Pfeifer, Chefarzt der Klinik Sonnenhalde, Riehen. Das diesjährige Thema lautete: "Wenn Zappelphilipp erwachsen wird"; alle Vorträge und Workshops hatten mit dem ADHS - Syndrom zu tun. (ADHS = Aufmerksamkeits-Defizit- und Hyperaktivitäts-Störung (ADHS). Samuel Pfeifer hatte LessMess eingeladen und uns gebeten, an einem Stand über die Messieproblematik zu informieren.

Unser Standort war ideal; er befand sich im grossen Raum, in dem alle Vorträge gehalten wurden. In den vielen Pausen kamen viele Teilnehmer zu unserem Stand, nahmen Informationsmaterial mit und/oder stellten Fragen zum Verband. Etliche haben Angehörige/Freunde, die Betroffene sind, einige sagten offen, dass sie selbst Messies sind. Es war eine tolle Möglichkeit, kurze Gespräche zu führen und unseren Verband bekannt zu machen.

Herzliche Grüsse
Ursula Blum, Riehen, 02.11.06

 

KURZINTERVIEW MIT ANNINA WETTSTEIN
Erfreuliche Begegnungen und interessante Gespräche
Johannes: Du warst anfangs November 2006 nach Wien eingeladen, um als Buchautorin über deine Erfahrungen mit Messies und ihre Problematik zu referieren. Wie wichtig findest du solche Tagungen? Bringen sie in einer derart komplexen Problematik letztlich konkrete Resultate, ein besseres Verständnis, zeigen sie Wege auf, wie man in der Erkenntnis weiter kommt?
Annina: Solche Tagungen sind wichtig für die Auseinandersetzung mit einem Thema, für Diskussion neuerer Forschungsanstäze, aber auch für das Erreichen einer Präsenz in der Öffentlichkeit über mediale Berichterstattungen. Die Tagung in Wien fand ich besonders wichtig, da sie einen sehr weiten, transdisziplinären Ansatz verfolgte und sich an Fachpersonen gleichermassen wie auch an Betroffene richtete.
Hast du an der Tagung der SFU ganz neue, überraschende Aspekte des Messie-Seins kennen gelernt?
Als Kulturwissenschaftlerin habe ich einiges über neuere psychologische Forschungs- und Therapieansätze erfahren. Sehr interessant - und gewissermassen auch beruhigend - fand ich, dass die Forschungsresultate der verschiedenen Fachdisziplinen viele Ähnlichkeiten aufweisen. Unterschiede bestehen dann nur in der Interpretation und Analyse der Daten. Die Lesung von Elfriede Gerstl und der Kurzfilm von Annkatrin Schneider zeigten zudem sehr eindrücklich, wie präsent das Thema des Zuviels der Dinge gesellschaftlich gesehen ist.
Wie wichtig sind an einem solchen Anlass die persönlichen Kontakte. Hast du da auch etwas profitiert?
Ja, an der Tagung habe ich von vielen Personen ein Feedback zu meinem Vortrag und Buch erhalten. Es waren erfreuliche Begegnungen, die zu sehr interessanten Gesprächen führten.
Aus Deutschland kam eine ganze Delegation an Besuchenden, aus der Schweiz waren wir beide die einzigen. Könnte dies damit zusammenhängen, dass in Deutschland schon etliche solcher Tagungen stattgefunden hat, wir in der Schweiz noch keine solchen Erfahrungen haben?
Ja, vermutlich schon. In der Schweiz ist das Thema "Messies" auch weniger lange in der Öffentlichkeit präsent und es gibt hier noch weniger Selbsthilfegruppen als in Deutschland. Die Gründung eures Vereins "LessMess" kann sicher helfen, dem entgegen zu wirken.
Findest du es wünschenswert und sinnvoll, auch in der Schweiz eine Tagung zu organisieren?
Das wäre sehr zu empfehlen!
Und welche Themen schlägst du vor?
Wünschenswert wäre auf alle Fälle erneut eine interdisziplinär ausgerichtete Tagung, die sich auch an Betroffene richtet. Als Kulturwissenschaftlerin interessieren mich die Fragen nach Normen und gesellschaftlicher Ausgrenzung von "Messies" sowie Definitionen von Gesundheit und Krankheit. Für die Betroffenen ist die Entwicklung eines therapeutischen Ansatzes von zentralem Intresse; in Bezug auf die Praxis, aber auch Erfahrung von TherapeutInnen mit "Messies" besteht hier eindeutig Nachholbedarf.

 

FRAGEBOGEN DER SFU WIEN

Die SFU beschäftigt sich intensiv mit der Forschung. Um mehr über die Hintergründe des Messie-Phänomens zu erfahren, haben unsere Freunde dort einen ausführlichen Fragebogen ausgearbeitet und an der erwähnten Tagung verteilt. Um möglichst repräsentative Resultate zu erhalten, hoffen sie auf eine rege Beteiligung. Wer immer die Möglichkeit hat, ist gebeten, den Fragebogen hier auszufüllen. Es öffnet sich ein Word-Dokument und kann jetzt am privaten Computer als solches direkt bearbeitet werden, d.h. man schreibt seine Antworten sogleich in die leeren Felder hinein. Spätestens beim Verlassen der Seite wird man aufgefordert, das veränderte Dokument zu speichern (oder zu verwerfen). Man wählt einen geeigneten Namen und Ort auf dem eigenen PC und speichert das ausgefüllte Dokument. Dann schickt man es sogleich als Anhang in einem email an messies@sfu.ac.at zurück. Dies sollte aber baldmöglichst geschehen. Wer keinen Internetzugang oder kein Word-programm hat kann sich von uns einen ausgedruckten Fragebogen zuschicken lassen. Bitte melden unter info@lessmess.ch
Wir danken im Namen der SFU für eure Mühe.


DIE BUCHKRITIK: FENG SHUI (KAREN KINGSTON)

"Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags" heisst das Buch von Karen Kingston. Sie vertritt darin die Meinung, dass Überflüssiges in der Wohnung Energien blockiert.

Vorab: Ich anerkenne, dass Feng Shui eine Anschauung ist, die uns hilft, unsere Umgebung aus einer anderen als der beengten Perspektive von uns Westlern wahrzunehmen oder anders gesagt, unseren geistigen Horizont mit östlichen Weisheiten erweitert. Veränderung in der Farbgestaltung, der Anordnung der Inneneinrichtung können sicherlich zu einer verbesserten Befindlichkeit beitragen ebenso wie das Befreien von Ballast. Insofern ist - wie mir versichert wird - das Buch hier und dort tatsächlich eine Hilfe. Doch wer heillos ins Chaos verstrickt ist und tief in der Verzweiflung steckt, dem müssen Weisheiten à la Kingston etwa vorkommen, wie wenn der Arzt einem Patienten mit zahlreichen Gebresten und Gebrechen eine fünfwöchige Fastenkur verschreibt. Konkret: Das Kingston-Feng Shui setzt für Messies einen derart hohen Massstab an, dass das Ziel, falls überhaupt, erst in weiter Zukunft erreicht werden kann. Dafür wird das, was in einem solchen Buch eigentlich das wichtigste ist, der psychoanalytische Aspekt, auf einer einzigen Seite abgehandelt. Ein reines Alibi

Mir kommt das ganze Buch vor wie eine überdimensionierte Werbebroschüre für ihre eigenen Workshops. Mit "Wundergeschichten" ködert die Buchautorin potenzielle Workshop-TeilnehmerInnen. Dabei sind mindestens einige dieser Geschichten offensichtlich frei erfunden. So etwa wie diejenige der Frau, die in ihren Wochenend-Workshop geht und da sie heimkommt, hat ihr "Messie"-Mann ohne äussere Intervention ein halbes Dutzend Container Gerümpel gefüllt. Angeblich hat allein die Teilnahme am Kingston-Workshop wohltuend auf ihren Mann ausgestrahlt. Wie der es geschafft hat, dies in so kurzer Zeit zu organisieren und so viel Ware hinauszutragen, das zu erklären bleibt Frau Kingston schuldig.

Buch für Messies?
Der Verdacht auf Werbebroschürenfunktion wird zusätzlich genährt dadurch, dass sich das Buch nicht explizit an Messies wendet, diese aber doch kurz anspricht. So als ob sie sich diese Klientel auch noch sichern möchte. Dabei bleibt unklar, ob sich das Wort "Gerümpel", wie es fast auf jeder Seite ein halbes Dutzend zu finden ist, auch auf Messies bezieht. In diesem Fall müsste sich Kingston den Vorwurf gefallen lassen, dass sie ganz offensichtlich keinen blassen Dunst davon hat, dass dieser "Gerümpel" symbolisch für anderes, Fehlendes in der Seele steht, d.h., dass sich deshalb Messie-Betroffene mit diesem inneren Vakuum und den Zwängen am Festhalten auseinandersetzen sollten. Es mag ja sein, dass Nicht-Messies durch blosses Verändern ihrer Umgebung neues Bewusstsein erlangen, wie es das Buch verheisst. Bei "Messies" dagegen verläuft der Prozess überwiegend umgekehrt.

Am meisten aber stösst mir etwas ganz anderes auf: Kingston lässt sich detailreich aus, wie wichtig die Reinheit in der Körperpflege ist, nur in der Sauberkeit könne sich der Mensch frei entwickeln. Sie selbst aber pendelt regelmässig nach Bali, um dort irgendwelche Energien aufzutanken. Dabei schert sie sich offensichtlich keinen Deut darum, dass sie durch ihre Viel- und Weitfliegerei aktiv zur Umweltverschmutzung und zur Klimaerwärmung beiträgt. In einem gewissen Sinn ist sie eine umgekehrte Messie-Frau: makellos im persönlichen Bereich, achtlos gegen aussen.
Darum richtet sich mein frommer aber wohl vergeblicher Wunsch direkt an Frau Kingston: Legen Sie für Ihr (Mobilitäts-)Verhalten in unser aller Welt den gleich strengen Massstab an wie Sie ihn in Ihrer Innenwelt handhaben. Und dann schreiben Sie ein neues Buch, das voll und ganz auf die Bedürfnisse von leidenden Mitmenschen ausgerichtet ist. Eine wohlwollende Kritik meinerseits ist Ihnen dann gewiss.

"Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags" heisst das Buch von Karen Kingston, (Verlag: Rowohlt Tb., 192 Seiten, ISBN: 3499266253). Es scheint vergriffen, wird aber in Buchhandlungen oder antiquarisch noch zu finden sein. Erhältlich ist es als Hörbuch (Verlag: Der Audio Verlag, DAV, ISBN: 3898134040)

Johannes von Arx

 

 

LessMess Info No. 3 / 27. August 2006

Unsere heutigen Thenen:
SELBSTHILFEGRUPPE IN BERN
ERSTE ÖSTERREICHISCHE MESSIE-TAGUNG, 3./4. NOV. 2006
EIN MESSIE-FILM
DAS FORUM

Grüss euch

Nach einer längeren Sommerpause kommt wieder einmal Post von LessMess.

SELBSTHILFEGRUPPE IN BERN
In Bern gibt es mindestens 2 Personen, die sich gerne sofort einer Selbsthilfegruppe anschliessen möchten. Da es hier noch nie eine solche gegeben hat werden dringend Messies im Raume Bern gesucht, die auch eine Selbsthilfegruppe gründen möchten. Räumlichkeiten für ein regelmässiges Treffen könnten ev. zur Verfügung gestelt werden. Interessenten melden sich bitte bei info@lessmess.ch - die Anonymität ist gewährleistet.
Und Überhaupt: in seinen letzten Vorstandssitzungen hat sich der Verband vermehrt auch mit der Problematik der Selbsthilfegruppen auseinandergesetzt und eine Delegierte ernannt, die mit den (noch) bestehenden Selbsthilfegruppen den Kontakt suchen wird. Leider sind nun auch noch die restlichen der spärlich vorhandenen Daten über bestehende Selbsthilfegruppen vom Netz verschwunden: die website 'messies.ch', die Vorgängerseite von www.lessmess.ch, ist - warum auch immer - klanglos vom server gelöscht worden - der Betreiber des servers bleibt seit mitte August verschollen & unerreichbar... Wir werden uns mühe geben, bald wieder aktuelle Daten über bestehende Messie-Selbsthilfegruppen bereitstellen zu können und bitten um etwas Geduld.


ERSTE ÖSTERREICHISCHE MESSIE-TAGUNG
Soeben haben wir das Programm der längst angekündigten Tagung vom Fr/Sa. 3./4. Nov. unserer Wiener Freunde von der Sigmund Freud PrivatUniversität (www.sfu.at) erhalten. Daran nimmt aus der Schweiz auch Annina Wettstein teil, die bekannte Autorin der Lizenziatsarbeit „Messies - Alltag zwischen Chaos und Ordnung“ vom Volkskundlichen Seminar der Universität Zürich.
Ihr könnt das Programm hier einsehen und euch hier anmelden, das Programm als flyer zum Verteilen kann bestellt werden bei:
LessMess
Tödistrasse 3
8304 Wallisellen
Anreise Wien: wer schon am Donnerstag um 22.40 im Wiener Walzer nach Wien fahren möchte, hat am Freitag bis zum Beginn um 17.00 noch Zeit, etwas von Dom und Kaffeehäusern mitzukriegen. Sonst müsste man bereits am Freitag um 7.40 starten, um rechtzeitig hin zu kommen oder um 9.40 im Transalpin, verpasst dann aber die ersten anderthalb Vorträge. Johannes ist gerne bereit, nähere Infos zu besorgen, da er ja eng mit den Bahnen zusammen arbeitet. Wer jetzt schon sein (unverbindliches) Interesse signalisieren will, kann sich gerne bei ihm melden (johannes@lessmess.ch, Tel. 044 310 77 10).

EIN MESSIE-FILM
An unserer Vorstandssitzung vom letzten Montag, 21. August hat sich Ueli Grossenbacher vorgestellt. Ueli ist ein Dokumentarfilmer, dessen neustes Werk "Hippie Masala - für immer in Indien" (über Europäer und Schweizer, die auf ihren Indien-Tripps in den 60-er-Jahren für immer in Indien geblieben sind) demnächst in die Kinos kommt. Nun ist er eben dran, sich intensiv mit dem Messie-Phänomen und Messie-Persönlichkeiten auseinander zu setzen, um dann schliesslich einen Dokumentarfilm zu drehen, zusammen mit Thomas, dem Copräsidenten des Verbandes LessMess (Thomas ist eigentlich ausgebildeter Regisseur/Kameramann, er hat 3 Jahre an der Filmhochschule IDHEC in Paris studiert). Einige angefragte Messies haben sich freundlicherweise bereit erklärt mitzumachen. Ueli möchte aber gerne noch mehr davon kennen lernen. Selbstverständlich ist ein erstes Gespräch völlig unverbindlich. InteressentInnen melden sich bitte bei Thomas (tm@lessmess.ch, Tel. 031 332 89 89). Das Thema 'Messie' scheint auch andere Filmer zu reizen, wenn vermutlich auch nicht unbedingt im gleichen Sinne: unter dem eher provokativen Titel 'Sieben Mulden und eine Leiche' will der Zürcher Thomas Haemmerli den Tod und die Hinterlassenschaft seiner Messie-Mutter verarbeiten. Die Kantone Zürich und Aargau haben dazu bereits Produktionsbeiträge zugesichert.

DAS FORUM
Leider wird unser öffentliches Forum auf der website von lessmess nur sehr, sehr zaghaft benutzt. Wir haben daher neu eine Rubrik eingefügt, bei der sich Angehörige von Messies (und sonst indirekt vom Messietum Betroffene) zum Wort melden dürfen und sollen! Eine rege Diskussion wäre jedenfalls wünschenswert und wir danken allen, die sich im Forum äussern. Der Anonymitätsgrad kann von jedem Teilnehmer selbst gewählt werden - wir akzeptieren anonyme Gastbeiträge (solange die den board-regeln und dem allgemeinen Anstand genügen) und selbst wenn man sich - natürlich unter einem Pseudonym - anmeldet, bleiben emailadresse und sonstige Angaben auf Wunsch versteckt.

Wir grüssen euch alle freundlichst

Johannes von Arx / Thomas Moll

 

LessMess Info No. 2 / 30. Mai 2006


Grüss euch,

Endlich, endlich wieder mal Nachrichten von uns. Entschuldigung für die Verspätung, wir alle haben mit Terminen, Aufgaben, Engagements etc zu kämpfen. Hinzu kommen leidige Unfälle, unbrauchbare Computersysteme, der schlichte Alltag und die rasende Zeit... soll niemand sagen, wir kennen die Probleme der Messies nicht !
Aber eben, wir wollen aber nicht klagen sondern sind sehr zuversichtlich:

VORAB EIN RADIO-TIPP, den uns ein Mitglied zukommen liess (danke) zu einem Buch über das Thema Messies:

Freitag, 2. Juni um 14.05 Uhr Radio DRS 1 ('Siesta'): 'Trio Literal' mit dem Multitalent Patrick Frey:

Ins 'Trio Literal' bringt er 'Der Sammler' von Evelyn Grill mit.
Sie beschreibt das Porträt eines Messies und das gibt spannenden Diskussionsstoff.
Patrick Frey arbeitet als Kabarettist, Theaterautor, Filmproduzent und Schauspieler.
Privat ist er aber auch ein grosser Büchernarr und führt einen eigenen Verlag.

Hier findest du einen Text, den wir auf dem Internet gefunden haben: Ein Gespräch mit der Autorin Evelyn Grill.

GV VOM 3.5.06

Im Kreis von etwa 20 LessMess-Mitgliedern konnten wir am 3. Mai im Coopi, wie immer, die für jeden Verband erforderliche, jährliche GeneralVersammlung abhalten. Die Traktandenliste wurde zügig aber tiefschürfend abgearbeitet, sodass wir den Rest des lauen Frühlingsabends im Freien geniessen konnten. Das Protokoll der GV sowie das Tätigkeitsprogramm und eine Kurzfassung des Jahresberichtes sind ebenfalls durch entsprechendes anklicken zu finden. Darin ist – neu – ein Abschlussbericht über die Gruppe Messie-Spitex enthalten.
Wir haben bereits das Datum der nächsten GV festgelegt: 3. Mai 2007.

ARTIKEL SIE+ER

Die Berufskollegin von Johannes, Nicole Zurbuchen hat einen einfühlsamen Bericht über eine Messie-Frau gebracht in der Sie+Er (Beilage des Sonntags-Blick). Du findest den Artikel – darfst drei mal raten – HIER


FRAGEBOGEN MESSIE-MIETER

Seit ein paar Monaten sammeln wir mit einem Fragebogen (anonyme) Informationen über die Miet-Situation von Messies. Da ist schon einiges zusammengekommen und wir möchten allen, die sich hier beteiligt haben und ev. noch beteiligen werden, herzlich danken. Abgesehen von den konkreten Daten kommt vor allem deutlich zum Ausdruck, dass sehr viele Messies in ständigen Ängsten um ihre Wohnsituation leben und ein starkes Mitteilungsbedürftnis zeigen. Wir werden genauer darüber berichten und hoffen, dass sich durch den Verband eine Lobby bilden kann, die den Messies den Rücken stärkt!

A PROPOS BEAT DÜNKI

Zwar ist es Schnee von gestern - aber dennoch: Beat Dünki ist ziemlich in den Schlagzeilen gelandet im Zusammenhang mit einem sogenanntes "Folter Camp" in Spanien u.a. Beat Dünki ist ausgebildeter Therapeut und Unternehmer und in dieser Funktion moderierte er als aussenstehende Fachperson die erste, offene Versammlung von Messies (am 12. Januar 2005 in Zürich), bei der einhellig beschlossen wurde, einen Verband zu gründen. Im weiteren wäre er vorgesehen gewesen, dieselbige Verbands-Gründungssitzung im bereits folgenden 8.September 05 zu leiten. Er blieb aber unverschuldet in einem Stau stecken und erschien zum Sitzungsende. In diesem Zusammenhang taucht sein Name auf unserer Website auf und da diese doch erstaunlich oft besucht wird, verweisen Suchmaschinen im Internet sehr schnell auf LessMess. Diese Tatsache verleitete nun reisserische Journalisten, ungehemmt lästig bei unserer Copräsidentin nachzuhaken und es ging soweit, dass wir anonyme mails aus der untersten Schublade erhalten haben. Wir bedauern, dass - zwangsläufig anonym - offen gelassene Kanäle zu solch niederen Vorverurteilungen missbraucht werden und betonen nochmals, dass LessMess in keiner weiteren Verbindung mit Beat Dünki steht.

Soviel für heute.

Wir grüssen Euch alle herzlich und geloben Besserung mit neuen LessMess-Infos noch vor den Sommerferien. Wir werden dann v.a. auch das Programm für die Messie-Tagung an der Sigmund-Freud Privatuniversität Wien vom 3./4. November 06 vorstellen, an welcher auch einige von uns beteiligt sind.

In dem Sinn bis bald

Mit herzlichen Grüssen

Johannes von Arx / Thomas Moll

 

LessMess Info 1 / 22. Februar 06

Guten Tag,

Herzlich begrüssen wir alle Mitglieder und InteressentInnen von LessMess.
Endlich und wie angekündigt sind wir daran, das newsletter-system umzustellen und hoffen, dass dieses erste 'LessMess Info' alle gut erreicht - falls die übelsten Symptome von argen Kinderkrankheiten auftreten sollten, so bitten wir dies doch gnädig zu entschuldigen und uns dies auch entsprechend zu melden: ohne Information ist eben eine Verbesserung quasi unmöglich.... Aus Kompatibilitätsgründen und mit dem Willen, FreundInnen aller MAC-, LINUX-, SUN-, PC- & sonst jeglicher Betriebssystemfamilien erreichen zu können, verzichten wir vorerst auf grandiose Grafiken und schnörkelvolle Formatierungen und halten uns im schlichten Text (notfalls halt auch in Times New Roman...) zurück - umsomehr liegt uns aber der übermitelte Inhalt wirklich am Herzen. Hauptziel des neuen Systems ist seine Selbstständigkeit - will heissen, alle AbonnentInnen können (nein: müssen...) Ihre eigenen Daten selbst verwalten. Alle, die bis anhin den 'Rundbrief' erhalten haben, sollten die LessMess Info nahtlos weiter zugestellt bekommen. Am Ende jedes Info-mails sind jeweils zwei links enthalten, die man anklicken kann. Entsprechend will man damit seine eigenen Daten abändern (wenn man etwa die email-adresse gewechselt hat / man sich einen persönlichen Namen zulegen möchte) oder man kann sich aus der Versandliste austragen (sniff). Neuanmeldungen sind jederzeit und kostenlos möglich unter www.lessmess.ch/newsletter/lm_news.php . Aus Sicherheitsgründen (wir wissen ja, dass es im Internet von - sagen wir mal Spassvögeln - nur so wimmelt...) erfolgt die Anmeldung in 2 Stufen: man trägt vorerst seine eigene emailadresse und eventuell einen persönlichen Ansprech-Namen ein und erhält auf die angegebene Adresse augenblicklich ein persönliches email mit einem weiterführenden link um die Anmeldung definitiv abzuschliessen. Soviel zum Administrativen, aber wir haben wesentlich wichtigeres zu berichten:

Das brennend Aktuelle zuerst:

MESSIE-SENDUNG VITALISSIMO AUF U1 TV, Freitag, 24. Februar, 17 UHR

U1 ist ein privater Sender, der jeden Abend um 17 Uhr unter dem Titel "Vitalissimo" ein Interview mit einer medizinischen Fachperson bringt. Für den nächsten Freitag beantwortet unser Vorstandsmitglied Johannes von Arx Fragen zum Messie-Syndrom. Der Sender U1 (www.u1tv.ch ) ist über die Kabelnetze Swisscom/Cabelcom im Grossteil aller Haushalte in der Deutschschweiz empfangbar. Am einfachsten durchzappen und auf das Symbol U1 TV links oben auf dem Bildschirm achten. Die Sendung wird wiederholt um 18.30 sowie am Samstag um 6.30.

MESSIE-ARBEITSTAGUNG VOM 5. MÄRZ IN MÜNCHEN

Marianne Bönigk-Schulz, Vorsitzende des Fördervereins zur Erforschung des Messie-Syndroms (FEM), lädt auf Sonntag, 5. März zur Arbeitstagung für Messie-Betroffene mit dem Schwerpunktthema "Lernen durch Erfahrung" ein (näheres kann man unter http://www.messie-selbsthilfe.de/Tagung/3.ArbeitstagungDortmund.pdf erfahren). Die Teilnahme ist kostenfrei.

LESSMESS UMFRAGE - MIETERSITUATION

Die homepage des Verbandes www.lessmess.ch wird laufend erweitert und aus aktuellem Anlass wurde ein Fragebogen über die Mieter-Situation von Messies eingefügt. Bitte, bitte besucht die Seite, lest das 'Brennpunkt'-Thema und füllt den dort eingefügten Fragebogen aus. Wir sind dringend auf relevante Daten angewiesen. Herzlichen Dank für die Mitarbeit.

ZEITUNGSBERICHTE

Immer wieder werden wir auf Zeitungsberichte aufmerksam gemacht, die das Thema 'Messies' behandeln. Leider gleiten davon sehr viele in plakative Darstellungen ab, die 'Messietum' a priori mit desolater Vernachlässigung gleichstellen und dies auch noch mit möglichst sensationell unappetitlich gestaltetem Bildmaterial untermalen. Auch wird das Thema etwa mit der unangenehmen Erscheinung von sog. 'Mietnomaden' vermischt - dies sind Leute, die bewusst Vermieter prellen und rücksichtslos bis mutwillig Wohngut zerstören unter dem Fittich von unendlich dehnbaren Mieterschutzartikeln. Berichterstattungen dieser Art, die mit 'wahren Messies' eigentlich gar nichts zu tun haben, sind so natürlich zu verurteilen und schaden den Interessen des Verbandes. Unser Problem ist nun, dass wir meist (wenn überhaupt) sehr viel zu spät über das Erscheinen von Artikeln über Messies (seien sie nun vorbildlich gut (auch das gibt es zum Glück!) oder eben nicht) orientiert werden und bei den verantwortlichen Redaktoren nicht mehr glaubhaft eingreifen können. Der deutschsprachige Blätterwald ist glücklicherweise immer noch dicht genug und es ist uns schlicht nicht möglich, die Presse laufend zu durchkämmen. Unsere Bitte ist einfach: falls Ihr einen Artikel mit Hauptthema 'Messies' in einer Zeitung antrefft (und sei es noch so unbedeutend lokal), so meldet uns dies doch bitte umgehend unter info@lessmess.ch und sendet ein Belegsexemplar an Lessmess/ Tödistrasse 3 / ch-8034 Wallisellen. Wir sind als Fernziel daran, eine Art Datenbank mit Presseartikeln über Messies aufzubauen. Diese sollte dazu dienen, die Bemühungen von ehrlichen Journalisten, die sich der Messieproblematik ernsthaft annehmen, unterstützend zu fördern und deutlich abzuheben von billigster Sensationspresse, die in eingefahrenen Schienen läuft und das Publikum mit Schreckensnachrichten und -bilder auf dem Buckel von tragischen Schicksalen 'unterhalten' will. Sinngemäss trifft dies natürlich auch für im Internet gefundene Artikel zu: einfach link einsenden an info@lessmess.ch


KURZBERICHT AUS WIEN VON DER SFU - Johannes von Arx

Am 31. Jan. war ich, Johannes von Arx, eingeladen zum Besuch der ersten österreichischen Selbsthilfegruppe, die von der letztes Jahr gegründeten Sigmund Freud PrivatUniversität (www.sfu.at) betreut wird. Mitbegründerin und Dozentin Elisabeth Vykoukal sowie die Lehranalysandinnen Kathy Reboly und Nassim Agdari begleiten regelmässig die Gruppe. Am andern Tag durfte ich mit dem Rektor der SFU, Alfred Pritz ein Gespräch führen, wobei wir uns auch über Perspektiven der Messie-Forschung unterhielten. Auch am Nachtessen mit Elisabeth, Kathy und Nassim - die beiden letzteren hatte ich schon an einer Tagung in Bielefeld kennen gelernt - pflegten wir einen intensiven Gedankenaustausch. Frappant, wie sehr sich die konkreten Lebenssituationen und Probleme hier wie dort ähneln. Ich möchte mich auch an dieser Stelle nochmals sehr herzlich bei allen für den überaus freundlichen Empfang bedanken.

Soviel für heute - bald wird es wieder aktuell: die schweizer Zeitschrift 'annbelle' hat einen feinfühligen Messie-artikel ausgearbeitet, der demnächst erscheinen sollte - wir werden rechtzeitig orientieren.

Vielen dank für die Aufmerksamkeit und bis bald

LessMess / thomas moll / johannes von arx


 

Messie-Rundbrief vom 22. Januar 2006

Unsere neue Adresse:
LessMess
Tödistrasse 3
8304 Wallisellen
Tel. 044 831 02 78

info@lessmess.ch
www.lessmess.ch

UNSER NEUER VERTEILER, JAHRESRÜCKBLICK - AUSBLICK

Grüss euch

Mit einiger Verspätung – aber nicht minder herzlich – unser aller Glückwunsch zum angebrochenen Jahr. Möge es euch viele kleine, aber auch grössere Lichtblicke und Fortschritte bringen, Gesundheit auch und immer wieder ein Stück privates Glück (keine Pein, der Rest folgt ohne Reim).

An der zweiten Vorstandssitzung vom 16. Dezember 2005 haben wir uns eingehend mit der Neugestaltung des Rundbriefes (ab nächstem mal wird er „LessMess Info“ heissen) befasst. Da das temporäre Brief-Abo auf Ende 2005 ausgelaufen ist, haben wir uns nach gründlichen Variantendiskussionen auf folgenden Verteiler geeinigt:

1. Homepage: „LessMess Info“ top aktuell auf www.lessmess.ch
2. Emailversand: Gratis für alle
3. Briefversand: Nur für Mitglieder von LessMess

Im Detail:

1. LessMess Info sind stets top aktuell auf www.lessmess.ch (Direktzugriff www.lessmess.ch/Aktuell/akt_index.htm) allgemein zugänglich. Hier finden sich auch sehr kurzfristige Hinweise auf Veranstaltungen sowie Radio- oder TV-Sendungen. Solche werden jeweils auch per Mail versandt, jedoch verständlicherweise nicht mit Briefversand.

2. Emailversand: Alle bisherigen EmpfängerInnen des 'Rundbriefes' werden automatisch die neuen LessMess Info per Email erhalten. Neue Interessierte können die Info bald selbst abonnieren. In jedem Mail werden Links enthalten sein, mit denen man seine Daten ändern oder sich aus der Versandliste austragen kann. Nähere Informationen zu dem neuen Mailsystem folgen im ersten „LessMess Info“.

3. Briefversand: diese Dienstleistung (für Leute ohne Computer) ist ab 2006 nur noch für Mitglieder (und Gönner) des Verbandes LessMess möglich und es werden nur Informationen versandt, die nicht zu kurzfristig sind. Verbandsmitglieder mit Emailadresse erhalten die Infos vorzugsweise per Email.

Also: wer an den LessMess Info interessiert ist, braucht entweder einen PC mit Internetanschluss bzw. eine Emailadresse. Wer nichts von dem hat, ist (oder wird) Mitglied von LessMess. Oder aber lässt sich LessMess Info von KollegInnen in der Selbsthilfegruppe zukommen, setzt sich ab und zu bei einem Freund an einen PC, geht in ein Internetcafé usw.

Mitglied von LessMess werden:
- online unter diesem direkten Link hier
- Anmeldekarte anfordern bei LessMess, Tödistrasse 3, 8304 Wallisellen, Tel. 044 831 02 78

Bei der Gelegenheit: auf der Homepage gibts auch ein Forum. Betroffene wie Nichtbetroffene sind eingeladen, sich zu beteiligen und ihre Diskussionsbeiträge einzuspeisen.

Für LessMess:
Die neue Co-Präsidentin Helene Karrer und der neue Co-Präsident Thomas Moll

 

JAHRESRÜCKBLICK von Johannes von Arx

In meinem Rückblick auf 2004 und die ersten Monate des letzten Jahres konnte ich schreiben: "Wir wurden nachgerade verfolgt von lauter Glücksfällen!“. Und diese Glückssträhne ging 2005 ungebrochen weiter. Es lief so viel in der Messie-Szene Schweiz und Umgebung, dass ich zunächst die Schwerpunktthemen und anschliessend die Einzelereignisse chronologisch zusammenfasse.

Unser neues Flugi…

… ist für unsere Präsenz nach aussen das wichtigste Instrument. Nach variantenreichen, harten Diskussionen im Vorstand entworfen, konnten wir das Faltblatt „Messies sind vielseitig interessierte (…) und bringen nicht immer alles unter einen Hut“ gerade noch rechtzeitig auf die GV herausbringen. Seither liegen die Flugis in vielen Sozialstellen, Arztpraxen etc. auf. Hilf uns bitte mit, sie weiter zu verbreiten und fordere die entsprechende Anzahl bei LessMess an (s.o.). Es enthält einen Anmeldetalon. Eilige laden das Papier hier als A4-version herunter und drucken es selbst aus.

Gründung Verband LessMess

Am 12. Januar 2005 fand unser erstes offenes Treffen im Hotel Bristol Zürich unter der Leitung von Beat Dünki statt, an dem wir zahlreiche mögliche Projekte vorgestellt haben, worauf sich die Teilnehmenden in Listen zum Mitmachen bei einzelnen davon einschreiben konnten. Vor allem aber waren wir uns alle einig darüber, dass wir einen Interessenverband gründen wollen.

Am 9. Mai ging dann das zweite Treffen über die Bühne, seither (und künftig) immer im Saal des Restaurants Cooperativo Zürich (Coopi). Die Versammlung genehmigte den Namensvorschlag „LessMess – Netzwerk für Messies“.

In der ganzen Zwischenzeit vom Januar bis zur Gründung tagte die Vorbereitungsgruppe mehrmals und bereitete alle Aspekte des neuen Verbandes vor, sodass am 8. September 2005 LessMess gegründet werden konnte. Die neue Co-Präsidentin Helene Karrer (neben Thomas Moll) kann die erfreuliche Mitteilung überbringen, dass uns eine anonyme Donatorin einen ansehnlichen Geldbetrag als Starthilfe übermacht hat. Druckfrisch ist das neue Flugblatt LessMess (s.o.). Wir legen auch gleich das Datum für die erste GV fest: 3. Mai 2006.

Gruppe Messie-Spitex

Die Spitex-Gruppe hat fünf mal getagt (für unserer ausländischen Freunde: „Spitex“ steht für „spitalexterne Betreung“ und wird hauptsächlich durch die Krankenkassen bezahlt. Idee: eine Gruppe aufzubauen, welche Messies zur Verfügung steht für telefonische Beratungen, Beantwortung von Mails sowie Hausbesuche; „Messie-Spitex“ ist Arbeitstitel). Jedesmal stellte sich ein Gast zur Verfügung, welcher über ein Gebiet aus dem sozialen Bereich referierte. Wir haben uns auseinandergesetzt mit dem Helfersyndrom, dem Rollenverhalten (als HelferIn), ADS, usw. Es hat sich gezeigt, dass das Vorhaben sehr anspruchsvoll ist. Wir werden auch so rasch wie möglich mit den bestehenden Institutionen Spitex, Dargebotene Hand (war ja schon ein Abend bei uns) Kontakt aufnehmen, um die Möglichkeiten der Zusammenarbeit abzuklären. Auch an dieser Stelle noch mal allen Referenten unseren herzlichen Dank.

Kommunikation

Mit neun Rundbriefen – wie gesagt, ab nächstem mal „LessMess Info“ – haben wir eine Fülle an Informationen verbreitet. Vorab natürlich über die Verbandsgründung, Messie-Spitex, aber auch über Umfragen, Bewegungen in der Szene der Selbsthilfegruppen, Veranstaltungen im In- und Ausland etc. Wie sehr unsere Kommunikation noch im Aufbaustadium, d.h. lückenhaft ist, zeigt sich daran, dass eine SHG bis vor kurzem keine Nachrichten erhielt – offenbar gibt es auch verstopfte Mailbriefkästen… Deshalb unsere Bitte: Fragt nach in euren Kreisen, ob alle die gewünschten Infos erhalten und meldet entsprechende Mängel.

Studienarbeiten

Erfreulicherweise interessieren sich immer mehr Studis für das Messie-Phänomen und melden sich bei uns. Manchmal sind deren Vorkenntnisse noch etwas schwach, aber im Dialog können wir da nachhelfen. Solche Aussensichten sind für uns sehr wertvoll. Speziell möchte ich die umfassende Studienarbeit „Messies – Alltag zwischen Chaos und Ordnung“ von Annina Wettstein würdigen. Sie bietet tiefe Einblicke die Wohnungs- und Gedankenwelt von uns Messies. Empfehlenswert auch für Nicht-Messies. Wir werden laufend über solche Studien informieren.

Weitere Ereignisse 2005

· 14. März: An der Eröffnung des Selbsthilfezentrums der Offenen Tür Zürich (OTZ) sind die Mitglieder der Messie-Gruppen besonders stark vertreten.

· 10. Oktober: Einige aus unseren Gruppen und vom Vorstand haben sich aktiv an der Info-Veranstaltung von Pro Mente Sana am 05 beteiligt. Sie haben sich eine interaktive Form der Einstimmung in die Messie-Thematik einfallen lassen, indem Thomas die Messie-Typen aus unserem Prospekt in Bildern visualisiert hat. So haben sich die Teilnehmenden mit einem Klebepunkt mit ihrem Typus identifizieren können (am meisten gabs für den „sentimentalen“ Messie). Das Echo sei sehr gut gewesen.

· 3./4. Dezember: Ebenfalls sehr gut „angekommen“ sind wir bei der Wochenend-Veranstaltung der Schweizerischen Gesellschaft für Zwangserkrankung. Ich durfte dort zweimal ein Kurzreferat halten.

· Ich konnte je eine Tagung des „Fördervereins zur Erforschung des Messie-Syndroms (FEM) e. V.“ in Böblingen (24. April) und in Bielefeld (26. November) besuchen. Leider bin ich noch immer nicht dazu gekommen, die Berichte davon zu schreiben.

AUSBLICK

So, das wäre der Blick in den Rückspiegel. Jetzt gucken wir wieder nach vorne und da benötigen wir keinen Feldstecher, um nach allfälligen Aufgaben Ausschau zu halten. Im Gegenteil, es stehen u.a. an: Aufklärungsarbeit, Zusammenarbeit mit Hauseigentümern, Weiteraufbau der Messie-Spitex, Pilotversuch mit dem Sozialdienst eines Unternehmens (da bahnt sich schon was an), Ausbau von www.lessmess.ch, Förderung der Forschung usw. usf.

Bei all diesen Aktivitäten dürfen wir nie vergessen, dass es letztlich immer um Menschen in Not, manchmal in sehr grosser Not, geht und nicht um Institutionen. Wir dürfen und wollen keine „Vereinsmeierei“ betreiben! In diesem Sinn grüsst herzlichst

Johannes von Arx

 

28 Nov. 05

Grüss Euch

Vortrag und Buchvernissage - Studienarbeit Annina Wettstein

Wie letztes mal angekündigt, ist das Buch von lic. phil. Annina Wettstein „Messies – Alltag zwischen Chaos und Ordnung“ erschienen. Aus diesem Anlass spricht die Autorin zu diesem Thema am

Mittwoch, 7. Dezember 2005, 18.15 Uhr
in der Universität Zürich-Zentrum,
Hörsaal 152, Rämistr. 71, 8006 Zürich (Polybähnchen vom Central)

Veranstalter ist die Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde.
Anschliessend findet ein Apéro statt - eingeladen sind alle.

Zum Anlass schreibt Annina:
„Für Wohlstandsgesellschaften ist ein Zuviel an Gegenständen nd Informationen typisch. Innerhalb dieser Vielfalt auszuwählen, stellt eine alltägliche Herausforderung dar und kann als kulturelle Technik verstanden werden. Bei so genannten «Messies» zeigen sich hier jedoch Überforderungserscheinungen. Die Menge der Dinge sowie deren Anordnung im Wohnraum führen oft zu Bewegungs- und Nutzungseinschränkungen und wirken sich nicht zuletzt auch auf die Zeitstruktur des Alltags und das soziale Umfeld aus.
Der Vortrag bietet Einblicke in ein Phänomen der Alltagskultur, für das es (noch) keine medizinisch-psychologische Diagnose gibt. Beim Begriff «Messie» handelt es sich um eine Selbstzuschreibung mit lebensweltlicher Bedeutung für die Betroffenen. Das Problem ist aber kein ausschliesslich individuelles: Kulturell geprägte Normalitätsvorstellungen beeinflussen unser alltägliches Denken und Handeln.“

„Messies – Alltag zwischen Chaos und Ordnung“ kann zum Preis von Fr. 34.- bezogen werden bei:

Volkskundliches Seminar der Universität Zürich
Wiesenstr. 7/9
8008 Zürich

Tel. 044 634 24 33
vksek@vk.unizh.ch

FRAGEBOGEN

Der im letzten Rundbrief erwähnte Fragebogen (ihn hier herunterladen, drucken, für Freunde kopieren, ausfüllen, einschicken oder direkt hier online auszufüllen).
All das muss bis spätestens 10. Dezember geschehen !!!
Schneckenpost wird geschickt wird an:

Nathalie Bühler, Therwilstrasse 17, 4142 Münchenstein,
gemailt wird an michele_v86@hotmail.com und beim onlineausfüllen ist alles sofort erledigt...

4. MESSIE-FACHTAGUNG 26.11.05 BIELEFELD

Die Reise nach Bielefeld führte zu einer interessanten Messie-Fachtagung mit vielen guten Begegnungen in einem Uni-Hörsaal mit Turbolüftung, welche mir prompt eine starke Erkältung bescherte. Mehr dazu nach Genesung in einem späteren Rundbrief.

"Messie"-Spitex

Mit der «Messie»-Spitex mussten wir eine Zeit lang aussetzen, weil die Gründung von LessMess alle Kräfte absorbierte. Eine nächste Veranstaltung planen wir auf Januar.


Mit freundlichen Grüssen allerseits

Johannes


Johannes von Arx
Freier Journalist und Tabubrecher
Murwiesenstrasse 31
CH-8057 Zürich

Tel. 0041 44 310 77 10
johannes@dplanet.ch

6. Nov. 05

RUNDBRIEF LessMess 8
GRÜNDUNG VERBAND LessMess
1. VORSTANDSSITZUNG
2. FRAGEBOGEN
3. LIZ-ARBEIT ANNINA WETTSTEIN VERÖFFENTLICHT
4. MESSIE-FACHTAGUNG 26.11.05 BIELEFELD

Grüss Euch
Lange ists her seit dem letzten Rundbrief. Inzwischen haben wir am 8. September im Kreis von gut 30 Teilnehmenden im Coopi Zürich den Verband 'LessMess' gegründet. Sofort hat sich der Vorstand in die Arbeit gestürzt und am 28. November seine erste Sitzung abgehalten. Darüber werden wir im nächsten Rundbrief vertieft informieren.

2. FRAGEBOGEN Im Moment boomen die Untersuchungen von (Hoch)Schulen. Trotz nicht ganz unerheblicher Belastung unterstützen wir alle seriös angesetzten Umfragen, Studien etc, da sie letztendlich auch uns zugute kommen. Wir bitten allerdings speziell die Leute, welche noch über wenig Kenntnisse und Erfahrungen mit der Messie-Thematik haben, sich bei uns vorgängig zu informieren. Auch dazu stehen wir gerne zur Verfügung. So können unstimmige Ansätze vermieden werden, was der Qualität der Untersuchungen nur förderlich sein kann. Selbstverständlich geht es uns dabei keinesfalls um eine inhaltliche Beeinflussung. Damit zur aktuellen Umfrage von Vögeli & Co. Der Fragebogen (nur für Betroffene) findet sich zur Verdeutlichung hier weiter unten nochmals und kann online ausgefüllt und abgeschickt werden oder man kann ihn auch herunterladen, ausdrucken, in der Selbsthilfegruppe verteilen und von Hand ausgefüllt anonym per Post zustellen....

3. LIZ-ARBEIT ANNINA WETTSTEIN VERÖFFENTLICHT Unterdessen ist die Lizenziatsarbeit von Annina Wettstein „Messies – Alltag zwischen Chaos und Ordnung“ im Druck erschienen. Sie kann zum Preis von Fr. 34.- bezogen werden bei: Volkskundliches Seminar der Universität Zürich Wiesenstr. 7/9 8008 Zürich Tel. 044 634 24 33 vksek@vk.unizh.ch

4. MESSIE-FACHTAGUNG 26.11.05 BIELEFELD An dieser Tagung des „Fördervereins zur Erforschung des Messie-Syndroms (FEM) e. V.“ werden wiederum fünf prominente Referentinnen und Referenten das Messie-Phänomen unter psychologischen, aber auch rechtlichen Gesichtspunkten auftreten. Das Programm findet sich auf www.femmessies.de (Aktuelles) oder hier als Einladung (pdf). Auf Wunsch sende ich es gerne zu. Über die Anreise-/Unterkunftsmöglichkeiten kann ich ebenfalls Tipps geben. So, das wärs. Dies wird einer der letzten Rundbriefe sein. In einer der nächsten Vorstandssitzungen werden wir über die Neuaufteilung der Aufgaben beschliessen und dann werde ich von dieser – an sich schönen Aufgabe entlastet. In dem Sinn herzliche Grüsse
Johannes Johannes von Arx
Freier Journalist und Tabubrecher
Murwiesenstrasse 31 CH-8057 Zürich
Tel. 0041 44 310 77 10 johannes@dplanet.ch

 

Also nochmals, denselben Fragebogen:

Nach kleinen Einstiegsschwierigkeiten gibt es kurzfristig einen Fragebogen für Messies, mit dem 3 Schülerinnen eine Untersuchung machen. Bitte möglichst schnell antworten:

1) entweder hier online ausfüllen und sogleich anonym abschicken oder
2) hier als PDF ausdrucken, von Hand ausfüllen und per Post senden an:
Nathalie Bühler, Therwilstrasse 17, 4142 Münchenstein.

 

 

ARCHIV:

EINLADUNG ZUR GRÜNDUNGSVERSAMMLUNG VON
LessMess – Netzwerk für Messies

am Donnerstag, 8. September 2005, 19.15 Uhr
im Saal des Restaurants Cooperativo (Coopi), Zürich

Werdplatz (Strassburgstr. 5, Haltestelle Stauffacher, 3 Haltestellen mit Tram 3 und 14 vom Bahnhofplatz)

Schneller zu Fuss von der Unterführung unter den Hallengleisen des HB: Von der Einfahrtsrichtung aus gesehen nach rechts unten durch in die Kasernenstrasse (rechterhand der Sihl), vorbei an der Sihlpost, immer geradeaus bis zur Sihlbrücke (auf der die Trams fahren), geradeaus über die Gleise und dann halbrechts weiter auf der Werdstrasse (linkerhand das Tages-Anzeiger-Gebäude). Das Coopi findet sich dann links am Werdplatz.

Traktanden  
1. Begrüssung Beat Dünki
2. Statuten vorstellen Thomas Moll
3. Ziele des Verbandes LessMess Martin Biber
4. Info Finanzen / Mitgliederbeitrag Helene Karrer-Davaz
5. Wahlen- Vorstand- Co-Präsidium
(Helene Karrer-Davaz, Thomas Moll)
Beat Dünki
6. Weitere Infos u.a. zur Messie-Spitex Johannes von Arx
7. Verschiedenes und Fragen Beat Dünki
8. Terminvorschlag: 3. Mai 2006:
1. Mitgliederversammlung LessMess
Beat Dünki

ANMELDUNG an: info@lessmess.ch oder schriftlich an
LessMess, Tödistrasse 3, 8304 Wallisellen.

Hier gibt's die Einladung schriftlich (pdf zum Ausdrucken/Ausfüllen/Einsenden)

Vorstand LessMess - wir stellen uns vor

Mitglied Motivation
Elmira Claude,
St. Gallen

Jahrgang 1944
Aus eigener (fast) lebenslanger „Sammel-Tick- und Folgen-Erfahrung“ weiss ich, wie oft sich Messies ausgegrenzt, missachtet, unverstanden, allein gelassen fühlen.
Als Rückhalt und Rückendeckung gerade auch für Messies, die anonym bleiben wollen, ist ein Verband sinnvoll und notwendig, der sich in der Öffentlichkeit vor die Messies stellt und ihre Interessen vertritt. Dafür möchte ich mich einsetzen.
Helene Karrer-Davaz, Wallisellen
Jahrgang 1956

In meinem Berufsalltag erlebe ich Messies als interessante, vielseitige Menschen, welche sich oft schämen. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass Messies in der Öffentlichkeit einen anderen Stellenwert bekommen und sich nicht mehr verstecken müssen.

Johannes von Arx,
Zürich

Jahrgang 1943

Mir ist – nebst der direkten Hilfe an Betroffene und Mitbetroffene – das ganz grosse Anliegen, dass die Öffentlichkeit vorurteilsfrei von den Problemen hinter dem „Messie-Syndrom“ Kenntnis nimmt. Auch möchte ich, dass die Forschung intensiviert wird.

Mariann Zgraggen,
Jahrgang 1951
· Messies sind genau so wertvolle Menschen wie „Normales“ – nur eben anders!
· Messies brauchen Hilfe
· Messie brauchen eine Lobby
· „Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren, die wir hinterlassen, wenn wir gehen“ (Albert Schweitzer)
In diesem Sinne möchte ich was bewegen im Leben. Nicht nur predigen, sondern aktiv etwas tun. Als Gründungsmitglied des Verbandes LessMess ist es mir ein Anliegen, einer kleinen Minderheit zu Beachtung und dringend benötigter Unterstützung in unserer Gesellschaft zu verhelfen.
Martin Biber, Mettmenstetten
Jahrgang 1956

Bei einem zufälligen Gespräch hörte ich erstmals von der Messie-Problematik. Plötzlich musste ich feststellen, dass auch bei mir gewisse Ansatzpunkte vorhanden sind. Wenn ich jetzt durch meine Tätigkeit im Verband Menschen helfen kann, erfüllt mich dies mit grosser Freude.

Thomas Moll,
Bern

Jahrgang 1952

Ich entstamme einer Messie-Dynastie. Umgeben von Messies und selbst viel zu vielseitig interessiert bin ich leider zu macht- und disziplinlos für materielle Ordnung. Ich möchte dazu beitragen, dass Messies nicht diskriminiert werden, Selbstsicherheit finden und ihre Probleme lösen können.

Ursula Blum,
Riehen

Jahrgang 1948

Ich habe noch Zeit zur Verfügung, die ich sinnvoll nutzen möchte. Die durch jahrelange Arbeit in einer psychiatrischen Klinik erworbenen Fähigkeiten, Erfahrungen und angeeignetes Wissen durch Weiterbildungen möchte ich im Verband LessMess einsetzen.

Präsidium
Helene Karrer-Davaz und Thomas Moll stellen sich als Co-Präsidium zur Wahl.

Wir freuen uns auf zahlreiche Anmeldungen und grüssen herzlich

Für die Arbeitsgruppe Verband
Johannes von Arx

Hier kann ein Entwurf der Statuten des Verbandes LessMess eingesehen werden (pdf)