LessMess Aktuell

Aktueller Hinweis

«Aeschbachers Sommerjob» – Wohnungsräumerin
Donnerstag, 22. Juli 2010, 22.20 Uhr, SF 1
«Lifere statt Lafere» heisst es für Kurt Aeschbacher bei einer ganz besonderen Lehrmeisterin: Der Fernsehmoderator hilft kommenden Donnerstag der Wohnungsräumerin Erika Lörtscher, eine Messiewohnung zu entrümpeln. 

 


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LessMess INFO 2/2010
Nr. 2/10 - 12. Juni
Aktuelles Agenda, Selbsthilfegruppen - auch für Angehörige !
Pressespiegel DRS3 (Input), SFDRS (Rundschau), gedrucktes...
Interview Herr Prof. Dr. A. Wettstein, Stadtarzt der Stadt Zürich
Buchbesprechung

„Raus aus dem Chaos: Das Messie-Syndrom überwinden“ von Fugen Neziroglu, Jerome Bubrick und Jose A. Yayuara-Tobias. Ein Ratgeber zur Überwindung des zwanghaften Hortens. Deutsche Übersetzung.

Rätsel Auflösung / neues Rätsel

Liebe Messies und Nicht-Messies,

Bei den Kursen herrscht schon „Sommerpause“, denn die nächste Tagung der Stiftung KOSCH findet erst am 3. November 2010 statt: Näheres folgt im nächsten LessMess Info. Ein Höhepunkt im Vereinsjahr ist sicher das Sommerfest am Samstag, 10 Juli 2010 in Wallisellen. Die Einladung dazu haben Sie schon erhalten. Es erwartet Sie wiederum ein reichhaltiges Grillbuffett mit Salaten und Dessert von „unserem“ Chefkoch Röbi und seinem Team – und Freunde und Bekannte zum Plaudern. Es lohnt sich also, das Datum zu reservieren und sich rechtzeitig anzumelden.
Das Neueste aus den Medien über das Thema Messie stellt Thomas zusammen. Johannes hat für Sie (und sich) ein Fachbuch zur Überwindung des zwanghaften Hortens gelesen und kommentiert es.
Elmira hat in St. Gallen eine neue Selbsthilfegruppe für Messies aufgebaut. Die regelmässigen Treffen werden gut besucht und es wird angeregt diskutiert.
Bei uns gibt es also noch keine Sommerpause, sondern einiges zu lesen, zu diskutieren und zu festen!

LessMess


Aktuelles

NICHT VERGESSEN:
10. Juli 2010 Messie-Sommerfest in Wallisellen

Mehr infos hier (oder doch sogleich online anmelden)

Selbsthilfegruppen für Messies:
Bei den Selbsthilfegruppen in Zürich und St. Gallen tut sich was - näheres folgt in Kürze auf unserer homepage.

Selbsthilfegruppen für Angehörige von Messies:
Das Selbsthilfezentrum 'Offene Tür Zürich' (OTZ) informiert, dass neu eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Messies im Aufbau ist. Dazu gibt es hier einen Flyer mit mehr Infos.

Quasi zeitgleich erreicht uns folgende Meldung aus Basel (Zentrum Selbsthilfe):
'Wir beabsichtigen eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Messies im Raum Basel zu gründen. Den Flyer werden wir Ihnen Mitte Juli gerne zukommen lassen (ist noch am Entstehen).'

Auch in Herisau haben Angehörige von Messies eine Selbsthilfegruppe gegründet.

Bitte informiert euch doch direkt bei den betreffenden, regionalen Selbsthilfezentren.
Die Liste bei KOSCH sollte alleweil aktuell sein (man findet sie auch hier) und wir geben uns stets Mühe, unsere eigene Kopie davon à jour zu halten...

Nähere Auskünfte können selbstverständlich auch stets bei LessMess angefordert werden:
- am liebsten per mail an info@lessmess.ch
- oder per Post an:
LessMess, Mitteldorfweg 31, 8915 Hausen a.A.
- oder per FAX an 044 764 28 50

Vorschau: „Umgang mit herausfordernden Situationen in der Gruppe“,
am 3. November 2010 in Bern.
"Nicht immer läuft alles harmonisch und reibungslos ab in Selbsthilfegruppen. Unterschiedliche Wünsche und Erwartungen der Gruppenmitglieder prägen das Gruppenleben, und es ist nicht in jedem Fall möglich, all dem gerecht zu werden. Wie kann die Gruppe ein lebendiges Miteinander positiv beeinflussen? Der Kurs unterstützt die TeilnehmerInnen darin, neue Wege zu finden für eine offene, respektvolle und klare Kommunikation und Kooperation in der Gruppe."
Leitung: Klaus Vogelsänger, Co-Leiter Selbsthilfezentren Kanton Bern

Auskunft und Anmeldung: Stiftung KOSCH, Geschäftstelle, Laufenstrasse 12, 4053 Basel, Tel. 061- 333 86 01, gs@kosch.ch.


Interview mit Herr Prof. Dr. Wettstein, Stadtarzt der Stadt Zürich

Herr Prof. Dr. Wettstein ist auch Professor für Geriatrische Neurologie an der Universität Zürich und einer der Leiter des Zentrums für Gerontologie.
Das Thema Messie-Haushalte ist ein wichtiger Teil der Ausbildung von Studenten. Dafür sammelt Herr Wettstein Berichte, um das ganze Spektrum der Problematik aufzuzeigen.

LessMess
Welches sind Ihre Aufgaben als Stadtarzt?
Herr Wettstein Ich bin verantwortlich für die ärztliche Versorgung in 3 Bereichen, die für die Privatärzte nicht interessant sind: die ärztliche Versorgung in Pflegeheimen und in Drogeneinrichtungen und für die psychiatrisch-psychologische Versorgung von Sozialhilfeempfängern.
Als Amtsarzt der Stadt Zürich bin ich Ansprechperson für die Polizei, die Sanität und die Vormundschaftsbehörde. Ich erhalte Meldungen über Leute, die medizinische Probleme haben und nicht ins reguläre System passen. Bei 120 – 130 Hausbesuchen pro Jahr kläre ich ab, welche Probleme zu lösen sind. Die meisten Probleme lassen sich glücklicherweise regeln.
Ein Problem sind verwahrloste Häuser und Wohnungen. Die Verwahrlosung von Häusern am Zürichberg und im Kreis 5 ist grundsätzlich dieselbe. Weil man am Zürichberg mehr Platz hat als in einer 2-3 Zimmerwohnung im Kreis 5, braucht es dort zwanzig Lastwagen und im Kreis 5 nur einen Lastwagen.
LessMess Wann kamen Sie zum ersten Mal in Kontakt mit dem Messieproblem?
Herr Wettstein Mit ca. 8 Jahren wurde ich von meinem Vater zu einer alten Nachbarin geschickt, die das ganze Haus voll Sachen hatte, um ihr zu helfen. Weitere Kindheitserinnerungen habe ich von Handwerkstätten und Geräteschuppen, die voller Gegenstände waren, aber auch von tadellos aufgeräumten Wohnungen und Häusern.
Das Messieproblem ist ein altes Phänomen, auch „Diogenes-Syndrom“ genannt, nach dem griechischen Philosoph, der in einem Fass lebte. Er wurde von Alexander dem Grossen besucht, der ihm einen Wunsch erfüllen wollte: Diogenes wollte nichts, nur dass er ihm aus der Sonne tritt. Typisch ist, dass diese Leute Hilfe abweisen, auch Messies glauben, „alles im Griff“ zu haben. Deshalb ist auch eine präventive Hilfe kaum möglich.
LessMess Sehen Sie eine Entwicklung in der Messie-Problematik?
Herr Wettstein Ich kann es nicht historisch überblicken, aber ich gehe davon aus, dass es immer schon Sammler gegeben hat, wahrscheinlich auch schon bei den Pfahlbauern, die alles gesammelt haben und es mit der Ordnung nicht so genau nahmen, und Leute, die peinliche Ordnung hatten und alle Stufen dazwischen. Die heutige Situation ist insofern anders als immer mehr Leute in ein Alter kommen, in dem sie hilfsbedürftig werden und dadurch fremde Personen in die Wohnung lassen müssen.
LessMess Wo kann man eine Grenze zwischen einem Messie / Sammler und einem Verwahrlosten ziehen?
Herr Wettstein Diese Grenze ist fliessend.
Ungefähr 50 % der Haushaltungen, die ich besuchen muss, sind verwahrloste Haushaltungen: sie sind ein Zeichen einer anderen Krankheit, z.B. Alkoholmissbrauch, Drogensucht oder einer Psychose.
Ein „normaler“ Lebenslauf eines Messies sieht oft so aus: Er sammelt Papier und Zeitungen, stapelt viele Sachen bis im Alter dann die ganze Wohnung voll ist. Eines Tages fallen die Stapel um und bleiben liegen. Weil er nicht mehr beweglich ist, ist er zwischen dem Papier und anderen Dingen gefangen. Schliesslich findet ihn die Sanität und bringt ihn ins Spital. Inzwischen muss die Wohnung geräumt werden und der Patient nach seiner Genesung in eine Alterswohnung ziehen. Er ist dann sehr verärgert über mich! In der Alterssiedlung sammelt er wieder soviel Papier, dass man mit dem Kopf die Zimmerdecke berührt, wenn man darüber geht. Wiederum muss bei ihm geräumt werden.
Ein klassischer Messie ist also ein Sammler, der alles Mögliche sammelt und nichts wegwerfen kann. Ein sehr ungewöhnlicher Fall eines pensionierten Lehrers wurde mir berichtet, der seinen Urin in einem Fass im Garten und auch im Heizungskeller sammelte. Er brachte die Fässer zu seinem Ferienhaus in Frankreich, wo er den Inhalt als Dünger einsetzte.
In einem Haus in Wiedikon mit 4-5 Wohnungen, füllte die Besitzerin das ganze Haus und schliesslich auch das Treppenhaus mit Dingen. Da niemand mehr im Haus wohnt, toleriert die Feuerpolizei diesen Zustand. Langsam räumt sie das Treppenhaus und verkauft die Sachen auf dem Flohmarkt. Sie wohnt bei einem Freund, dessen Garten sie auch schon mit Sachen füllt.
Eine Frau ist aus ihrem vollen Haus in eine Eigentumswohnung umgezogen. Diese Wohnung ist auch schon wieder gefüllt mit Sachen, so dass sie fast den ganzen Tag im Auto vor dem Haus sitzt, weil es da bequemer ist! Die hinteren Sitze des Autos sind auch schon voll belegt.
Ein Mann aus Deutschland ist nach dem Krieg in die Schweiz immigriert: Er sammelte während ca. 20 Jahren Nahrungsvorräte, bis Konservendosen rosteten, ausliefen und Ratten anlockten. Er bedauerte sehr, die vielen Lebensmittel wegzuwerfen. Nach der Räumung war er einsichtig und konnte versprechen, nicht mehr Lebensmittel zu sammeln. Dieser Mann sammelte Lebensmittel, weil er im Krieg und den anschliessenden Jahren in Deutschland Hunger gelitten hatte. Diese Erfahrung wollte er nicht mehr machen. Für dieses Sammeln kann man sicher Verständnis haben.
Andere Personen haben nie gelernt aufzuräumen. Z.B. ein Mann, der bei seiner Mutter gelebt hat, welche ihm immer aufgeräumt hat. Bei einem Arbeitsaufenthalt in einer Kaffeeplantage in Afrika wurde sein Ordnungsproblem erkannt und es wurde ihm eine Haushalthilfe zur Seite gestellt. Wieder zu Hause räumt ihm seine Mutter alles auf, bis sie stirbt. Dann wird das Problem gravierend, weil er alles liegen liess. Als Beruf reinigte er Limousinen, die er perfekt putzte bis sie absolut sauber waren.
„Symptomatische Messies“ „sammeln“ Sachen, weil sie sie nicht entsorgen können, z.B. Alkoholiker, die die leeren Bierflaschen irgendwo in der Wohnung stapeln.
Ein extremer Sonderfall: Ich erhielt einen Polizeirapport wegen einer Frau, die Puppen sammelte. In der Regel kaufte sie die Puppen, aber wenn ich mit ihr telefoniert hatte, musste sie aus Frust eine oder gleich zwei Puppen kaufen. Wenn sie kein Geld hatte, stahl sie die Puppen. Durch ihr krankhaftes Sammeln füllte sie schliesslich die ganze Wohnung mit mehreren tausend Puppen und auch das Badezimmer, was sie dann schliesslich daran hinderte die Haare zu waschen – dann trug sie einfach eine Perücke! Beruflich arbeitete sie als Chefsekretärin.
Verwahrloste Wohnungen können Zeichen einer psychischen Erkrankung sein. Einmal fand ich in einer Wohnung Seile, die nach einem sehr speziellen System durch ein Zimmer gespannt waren. Die Wohnung widerspiegelte die Psyche des Bewohners als Ausdruck seiner psychotischen Krankheit.
LessMess Wer macht Gefahrenmeldungen und welche Massnahmen treffen Sie?
Herr Wettstein Gefahrenmeldungen erhalte ich von Hausbesitzern, vom Sozialamt, der Feuerwehr und der Polizei. Aufgrund der Meldung und einer Haushaltbesichtigung kläre ich die geeignete Massnahme ab.
Mein oberster Grundsatz ist, mit Mass einzugreifen. Leider steht für mich nach jahrelanger Erfahrung fest, dass Messies nur auf Grund von Druck ihr Verhalten ändern. Eine drohende Wohnungskündigung, eine Gefahrenmeldung bei einer Behörde oder sogar die Erwägung von vormundschaftlichen Massnahmen als stärksten Eingriff, sind Gründe für eine Einwilligung in die Räumung der Wohnung.
Ein Wohnungswechsel ist oft eine Chance, um Unwichtiges los zu werden, da sie meist nur das Wertvollste mitnehmen können. Oft muss eine kranke Person hospitalisiert werden und dann kann ebenfalls eine Wohnung geräumt werden.
Wenn verwahrloste Kranke aber auch exzessive Sammler nicht einsichtig sind, muss ich als Stadtarzt oft nochmals Druck machen und vormundschaftliche Massnahmen prüfen. So erhalte ich eine schriftliche Ermächtigung für die Räumung der Wohnung, wenn das Leben in einem verwahrlosten Wohnumfeld nicht mehr mit der Menschenwürde vereinbar ist.
Einige Leute sind froh, dass man ihnen geholfen hat und sie von ihren zu vielen Sachen befreit und ihre Wohnung geräumt und gereinigt hat. Meist ist der Zustand der Wohnung bald wieder gleich wie vor der Räumung. Andere sind nicht zufrieden, weil sie Gegenstände vermissen.
Leider ertragen einige Leute eine Räumung schlecht, sie ist besonders für sehr alte Menschen ein riesiger Stress. Ein älterer Mann half bei der Räumung tüchtig mit, aber nach einigen Wochen erlitt er eine Magenblutung, an der er starb.
Eine 90 jährige Frau lebte lange mit einer offenen, eitrigen Beinwunde in einer stark verschmutzten Wohnung. Sie musste in eine Klinik eingewiesen werden, wo sie nach einem Monat starb.
Dies sind einige eindrückliche und teilweise typische Schicksale von Messies und verwahrlosten Mitbewohnern von Zürich.
LessMess Herr Wettstein, ich danke Ihnen vielmals für den Einblick in Ihren breiten Aufgabenkreis und für das Gespräch.
Zürich, 30. April 2010  

Pressespiegel

Im Hintergrund war LessMess mitbeteiligt am Zustandekommen von zwei kürzlich ausgestrahlten Sendungen.

Da ist mal die DRS3-Radiosendung in der Rubrik 'INPUT' vom Sonntag Abend, 2. Mai 2010, 20 - 21h
' Messies - Im ständigen Kampf gegen das Chaos '

Messies öffnen ihre Wohnungstüren. Wir blicken in vollgestopfte Schränke, treffen einen Messie-Coach und einen Psychologen, der den schmalen Grat zwischen Unordnung und Chaos beleuchtet.
Die Sendung kann bei DRS3 weiterhin gehört werden, und zwar hier (auf <hören> klicken - der podcast kann auch heruntergeladen werden).

Im weiteren wurde von SFDRS in der Rundschau vom 19. Mai 2010 ein viertelstündiger Beitrag über Messies ausgestrahlt:
'Leben im Ausnahmezustand: Messies öffnen ihre Türen'

Ausserhalb ihrer vier Wände funktionieren sie normal, zuhause aber herrscht das nackte Chaos: Sogenannte Messies, abgeleitet vom englischen Wort «Unordnung». 25‘000 gibt es in der Schweiz. Meist lassen sie niemanden in ihre überfüllten Wohnungen, zu gross ist die Scham. Für die «Rundschau» haben drei Messies ihre Haustüren geöffnet.

Die Sendung ist auch hier noch anzusehen im Archiv von SFDRS

Wie üblich bei solchen links: die entsprechende software zum hören & sehen sollte installiert sein...
Wer Probleme hat darf gerne bei info@lessmess um Hilfe bitten...

Und für all unsere Briefpostempfänger noch was gedrucktes:

Erst im letzten LessMess Info habe ich spasshalber über den zum Messie verdruckten Fussballstar Lionel Messi berichtet. Jetzt erleben wir quasi dasselbe Thema erneut unter einem ganz anderen Aspekt: im Zuge der Fussball-WM tritt natürlich auch wieder die Firma PANINI auf und verleitet mit ihren Sammelbildchen kurzfristig Millionen von Menschen zur Sammelwut nach 'Messis'.
Die oberoesterreichischen 'nachrichten.at' haben die Namensverwandtschaft auch bemerkt und dem Panini-Phänomen einen Artikel gewidmet.
Ganz ernst darf dieser sicher nicht genommen werden, denn da wird unverblümt behauptet:
„Wenn Erwachsene sammeln, dann kann das zwei Gründe haben - ...- Zum einen, wie erwähnt, die genetische Veranlagung, und zum anderen die Sehnsucht nach der heilen Welt der eigenen Kindheit.“ tja - wenn doch alles so einfach wäre...

Nachlesen kann man den gesamten Artikel hier.

(Nota: Panini will in der Schweiz 60 Millionen Klebebildertüten (à 5 Bildchen) zum vorgeschlagenen Verkaufspreis von 1.-- verhökern (51 Millionen sind bereits verkauft!) - Man darf ruhig nach- und hochrechnen, was clevere Wucherer weltweit wohl am Sammelfieber erwirtschaften !)

Thomas


Tipp

Nur unterteilte Schubladen sind gute Schubladen.

Schubladen sind zum Schliessen da und keine schnell hervorzauberbaren Stapelflächen!

Prüfe nach, ob du sämtliche Schubladen in deiner Wohnung reibungslos öffnen & schliessen kannst.
smiley

BUCHBESPRECHUNG

Raus aus dem Chaos: Das Messie-Syndrom überwinden

Fugen Neziroglu · Jerome Bubrick · Jose A. Yayuara-Tobias
Patmos Verlag
Tiefer Einblick in die Gedankenwelt der Messies
„Raus aus dem Chaos!“ – Die amerikanische Antwort auf das Messie-Syndrom
Ratgeber zur Vermeidung des zwanghaften Hortens

Es handelt sich zum heutigen Zeitpunkt bestimmt um d a s Fachbuch, in dem das Messie-Syndrom am umfassendsten und transparentesten beleuchtet wird. Es ist gleichzeitig ein Theorie- und Praxisbuch. Betroffene, Mitbetroffene und Therapeuten, welche einen tieferen Einblick in die Gedankenwelt von Messies und die Zusammenhänge mit häufigen Begleiterscheinungen gewinnen wollen, sind mit diesem Werk gut bedient.

Klar: Auch dieses Buch kann nicht den Anspruch einlösen, eine endgültige, in sich abgeschlossene Theorie des Messie-Syndroms vorzulegen. Eine solche exitistiert – falls es je so weit kommt – längst noch nicht. So haben die drei amerikanischen Autoren, alles Fachleute aus der Psychologie/Psychiatrie, ihre eigene Anschauung der Thematik, die durchaus auf kulturellen Grundlagen fusst. Es spricht aber für ihr sorgfältiges Vorgehen, dass davon in der deutschen Übersetzung nur wenig spezifisch Amerikanisches durchdringt. Das Wenige verdauen wir angesichts der positiven Fülle des Ganzen problemlos.

Informativ, knapp, verständlich
Zunächst nehmen Neziroglu Bubrick und Yayuara-Tobias eine gründliche Auslegeordnung eines grossen Spektrums der psychischen Begleiter des Messietums wie Zwang, Depression, Psychose, Essstörungen und selbst seltene Erscheinungen vor. Einzig der nicht unwichtige Faktor AD(H)S (Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitäts-Syndrom) fehlt. Sie erklären biologische, hirnorganische Zusammenhänge – und dies durchgehend verständlich für Menschen ohne psychologische Vorkenntnisse. Die Texte sind immer so ausführlich wie nötig zum Verständnis, aber so knapp wie möglich, sodass das Buch nie in langatmige Theorie ausartet.

Einer solchen Gefahr beugt das Autorenteam zudem vor, indem es fast nahtlos viele praktische Übungen, Selbsttests, Aufgaben (jeweils grau unterlegt) einfügt. Damit wird das Buch zum Leitfaden für ein sehr systematisches, differenziertes Vorgehen zum Aufräumen. Die Vorbereitungen dazu sind überaus sorgfältig aufgebaut und dürften Aufräumwilligen gute Erfolgschancen bieten.

Besonders interessant sind die Ausführungen über den Bereich der (Zwangs)Gedankengeflechte, welche entscheidende Bestandteile jeder Messie-Existenz bilden. Mit fast mathematisch- logischer Präzision werden diese analysiert und Wege aufgezeigt, solche Gedanken zugunsten einer realistischeren Sichtweise aufzugeben und damit Fehlleistungen zu minimieren. Jeder Messie wird sich in diesen Darstellungen wie in einem Spiegel erkennen und wohl auch Nutzen ziehen können.
Die (kleinen) Schattenseiten
Ich habe es angetönt: Eine gewisse (kulturelle) Grundhaltung schimmert durch, dass das Messie-Sein grundsätzlich ein krankhaftes Verhalten darstellt, von dem man mit aller Entschlossenheit wegkommen soll. Meine – subjektive – Haltung ist die, dass das ein zu einseitiges, negatives Bild ist. Nicht alles in der Gedankenwelt der Messies ist krankhaft, bloss die Übertreibung. So mag zwischen den Zeilen ab und zu ein Hauch von Etikettierung durchschimmern. Einige Aspekte kommen zu kurz, wie z.B. die Fixierung mancher Messies auf die elektronischen Medien (man könnte etwas verpassen - ich spreche da durchaus aus eigener Erfahrung).
Schliesslich wünschte ich mir in einer kommenden Neuauflage ein etwas differenzierteres Inhaltsverzeichnis, damit gelesene Abschnitte schneller wiedergefunden werden.

Unter dem Strich: Ein Buch, das allen zu empfehlen ist, die wirklich weiterkommen wollen – in der Selbsterkenntnis wie im Haushalt.

Johannes von Arx

Buchtitel Vermüllungssyndrom

ISBN-10: 3-491-40126-7

„Raus aus dem Chaos"

Das Messie-Syndrom überwinden
von Fugen NezirogluJerome BubrickJose A. Yayuara-TobiasJose A. Yaryura-Tobias

Patmos Verlag 3/2008, 175 Seiten, kartoniert

Chf 31.50

 


Rätsel  Fragezeichen  

Auflösung des letzten Rätsels:

Die Beteiligung in unserer Rätselecke ist leider quasi auf NULL gesunken.
Vermutlich werden wir diese Rubrik nächstens mal streichen - es macht ja so weder Sinn noch Spass...

Wir haben nach dem amerikanischen Filmregisseur Stanley Kubrick gefragt, der ein exemplarisches Beispiel ist, dass die bedingungslose Suche nach Perfektion durchaus auch ins Chaos führen kann.
Wir kennen sehr viele Messies, die dies genauso erleiden - auch wenn sie nie in der Oscar-Nomination erwähnt werden...
Nobel formuliert tönt das dann etwa so:
' Der Nachlass des Regisseurs Stanley Kubrick stellt eine der umfangreichsten Sammlungen in der internationalen Filmgeschichte dar. Das große Anwesen im Norden von London, unweit der MGM Studios gelegen, diente Stanley Kubrick, seiner Familie sowie engen Mitarbeitern als Wohnort und Arbeitsstätte. Der Landsitz bot ausreichend Raum, Rechercheunterlagen zu den über lange Zeiträume vorbereiteten Projekten aufzubewahren. Zahlreiche Materialien zu den Filmproduktionen wie technisches Equipment, Requisiten und eine Fülle an Dokumenten, finden sich bis heute auf dem Gelände....'


Neues Rätsel:

Wir werden uns natürlich nicht selbst konkurrenzieren.

Zu unserem bereits fast traditionellen Sommerfest haben wir (NEIN, nicht wir, sondern Anita) ein ausgeklügeltes Kreuzworträtsel entworfen.

Diesmal gibt's wieder Preise (kann doch hoffentlich nicht der Grund für mangelnde Beteiligung sein ??)

Maile oder sende deine Lösung, dazu aber auch die eigene Adresse, an info@lessmess.ch, LessMess, Mitteldorfweg 31, 8915 Hausen am Albis, Fax 044 764 28 50


LessMess Beratungstelefon: 079 304 10 97 Montag 18.00 - 20.00 // Donnerstag 10.00 - 12.00

Wir danken herzlich für eventuelle Spenden an: PC 85-555 738-2, LessMess, Zürich

Redaktion dieser Ausgabe: Annemarie.
Layout und Gestaltung: Thomas.


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LessMess INFO 1/2010
Nr. 1/10 - 12. März

 

Aktuelles Agenda, Kurse für Selbsthilfegruppen
Pressespiegel Messie zum UNICEF-Botschafter ernannt
WOHNEN oder die KUNST des AUSMISTENS
Buchbesprechung

Das Messie-Syndrom / letztes Kapitel: „Das Messie-Phänomen im Spiegel der Kulturgeschichte“
Hrsg: Alfred Pritz, Elisabeth Vykoukal, Katharina Reboly, Nassim Agdari-Moghadam

Rätsel Auflösung / neues Rätsel

Liebe Messies und Nicht-Messies

Das erste Info im 2010 ist nicht so umfangreich wie das letzte im 2009.
Thomas berichtet und kommentiert über Aktuelles und was in der Presse steht.
Die Rubrik „Interview“ entfällt leider, aber wir bereiten ein Interview für das nächste Info vor.
Für alle Rätselfreunde hat Thomas wieder ein besonderes Rätsel vorbereitet.
In der Buchbesprechung hat Anita das letzte Kapitel aus „Das Messie-Syndrom“ zusammengefasst. Dieses anspruchsvolle aber auch spannende und interessante Kapitel von Joachim Prandstetter gibt einen Überblick und Einblick über das Messie-Syndrom von der Veda-Sammlung (vor 1000 J.v.Chr.) bis in die Gegenwart. In philosphischen, psychologischen, sprachlichen und weiteren Deutungen wird das Messie-Phänomen untersucht und verschiedene Erklärungsversuche dargelegt. Wir hoffen, euch motiviert zu haben, dieses vielseitige Fachbuch selber zu lesen.

Der Vorstand von LessMess bereitet verschiedene Aktivitäten für die Mitglieder vor: zunächst die Mitgliederversammlung am 19. März 2010 und dann das Sommerfest am 10. Juli 2010: zu beiden wichtigen Veranstaltungen im Vereinsjahr von LessMess erhalten alle Mitglieder und Interessierte rechtzeitig die Einladungen. Weitere Informationen werden an der Mitgliederversammlung bekanntgegeben. Es lohnt sich also an die Mitgliederversammlung zu kommen und auch aktiv mitzudenken und mitzureden!

LessMess


Aktuelles

Zur Erinnerung: Vorschau 2010
(Nähere Angaben und Einladungen sind erfolgt oder folgen)
19. März 2010 Mitgliederversammlung  
10. Juli 2010 Sommerfest  

Kurse für Selbsthilfegruppen:
Stiftung KOSCH: Unter dem Motto „Denk quer!“:

"Ermutigende Gesprächsführung in der Gruppe"
Mittwoch 26. Mai 2010, Selbsthilfezentrum Offene Tür Zürich

Für Betroffene aus Selbsthilfegruppen
Es tut gut, wenn die ganze Gruppe Anteil nimmt an dem, was ein Gruppenmitglied erzählt.
Dominiert Negatives, kann das Anteilnehmen hingegen zur Belastung werden. Und der Blick bleibt
fixiert auf die Schwächen. Allen ist mehr geholfen, wenn die Gruppe bewusst eine Kommunikation
pflegt, welche sich auf die Stärken ausrichtet. Das macht mehr Mut, etwas zu verändern. Die
KursteilnehmerInnen experimentieren mit der „ermutigenden Gesprächsführung“.
Leitung: Ruth Herzog-Diem, Stiftung KOSCH, Co-Leitung: Mitarbeiterin des Selbsthilfezentrums Offene Tür Zürich

Anmeldung und Auskunft: Stiftung KOSCH, Geschäftstelle, Laufenstrasse 12, 4053 Basel, Tel. 061- 333 86 01, gs@kosch.ch.

Vorschau: „Umgang mit herausfordernden Situationen in der Gruppe“,
am 3. November 2010 in Bern. Auskunft und Anmeldung: s. oben.




Pressespiegel


Messie zum UNICEF-Botschafter ernannt

Na also - endlich mal eine wirklich gute Nachricht für Messies - denkt man, bis man schnell merkt, dass es sich um einen Druckfehler handelt.... Gemeint ist nämlich nicht ein Messie, sondern der argentinische Starfußballer

"Lionel Messi ist zum UNICEF-Botschafter ernannt worden. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen teilte dazu am Donnerstag mit: "Messis Leistungen als Spieler sind wohl bekannt - es ist aber seine Entschlossenheit, den ärmsten Kindern der Welt zu helfen, die zur Ernennung führten." Der Weltfußballer sagte: "Für mich ist dies wie eine Trophäe." Messis Verein FC Barcelona engagiert sich ebenfalls für UNICEF, bezahlt seit 2006 sogar dafür, das Emblem der UN-Organisation auf den Trikots zu tragen."

Natürlich ist das trotzdem eine gute Nachricht - erst recht, weil man sie auf tausenden von Internetseiten findet (und so wieder mal deutlich merkt, wie heutzutage im "copy-paste"-Zeitalter quasi alles blindlings 'abgeschrieben' wird - also, das ist jetzt eigentlich wieder eine eher schlechte Nachricht)


Der folgende Artikel ist der Gratiszeitschrift "INTUITION" aus Hamburg entnommen, aus der Ausgabe Februar/März 2010. Es handelt sich dabei um ein "Magazin für Gesundheit - Ökologie - Natur - alternative Heilmethoden - Kultur", das auch einen online-Auftritt führt: intuition-hamburg.
Und warum ? Es geht hier um 'entrümpeln', ohne dass je das Wort 'Messie' erwähnt würde. Wir sehen also mal hinter die Kulissen und schauen, wie ganz 'normale' Menschen mit zuviel Material umgehen sollten:

WOHNEN oder die KUNST des AUSMISTENS

Wohnen ist etwas wunderbares, wenn wir ein gemütliches Zuhause haben, in dem wir uns wohl fühlen. Alles seinen Raum hat. Und dieser Ort uns - und im besten Fall auch unsere Entwicklung - widerspiegelt. Wenn es bei Ihnen so ist - wunderbar. Oder gehören Sie auch zu denen, bei denen sich irgendwie immer wieder das eine oder andere anhäuft, Sie nicht hinterher kommen und eines klar ist: Sie müssten mal wieder ausmisten?!
Wir wissen es alle: Ausmisten tut gut! Und wie bei so vielem im Leben, von dem wir wissen, dass es gut tut - gemeinsam mit „an die frische Luft gehen“, „auf der Party mal nach dem Mineralwasser und nicht nur nach dem Sekt greifen“ und „täglich auch bei Kälte die Wohnung durchlüften“ - fällt uns die Umsetzung nicht immer leicht.
Das hindert uns am Ausmisten:

- Der Gedanke „Irgendwann brauche ich es bestimmt.“
- Zu viele neue Projekte, so dass wir Altes nicht vollständig zu Ende bringen.
- Der Satz „Das mache ich, wenn ich mal Zeit habe.“
- Ein Gefühl von Mangel: „Lieber das alte Klemmbrett als gar keins.“
- Eine verschobene Priorität: „Das ist nicht so wichtig.“

Wahr ist: Wer ausgemistet hat bekommt gute Laune. Weil der Blick auf das Wesentliche frei wird. Wir Platz und Energie für Neues bekommen. Und irgendetwas Neues kommt immer. Wir können uns besser auf das Wesentliche konzentrieren. Ausmisten schafft Platz für neue Energie. Und: QUALITÄT gibt uns ein Gefühl von Fülle, nicht QUANTITÄT.
Die fernöstliche Lehre des Feng Shui, übersetzt „die Lehre von Wind und Wasser“, beschäftigt sich mit der Harmonisierung der Energie, die in Räumen fließt. Das Thema aus dem fernen Osten ist näher gerückt: Hausbesitzer lassen Ihre Grundstücke und Einrichtungen, Unternehmen ihre Büroräume auf Feng-Shui-Gesichtspunkte prüfen. Und eines wird in der Feng-Shui-Literatur immer wieder deutlich: Unnötiger Krempel, Unordnung und Unbenutztes hemmt Energie am Fließen. Also weg damit, dann ist mehr Energie für neue Ideen und Projekte vorhanden.
Schaffen Sie Platz für Gegenwart und Zukunft.
Kümmern Sie sich um Ihren Arbeitsplatz: Hier verbringen Sie einen großen Teil Ihres Lebens. Da ist es doch gut, wenn in ihrem sauberen, gut organisierten und ordentlichen Büro die Energie frei fließen kann.
Kümmern Sie sich um Ihr Zuhause. Dort kreieren Sie Ideen für Ihr Leben, wollen Kraft tanken und Freunde empfangen. Dafür braucht es Raum. Und Energie. Befreien Sie sich von Altem, Überholtem und schaffen Sie Platz für Neues, für Ihre Zukunft.
Schaffen Sie Freiräume. Manchmal halten wir an Altem fest, weil es uns so vertraut war. Weil wir es so gewohnt sind. Da macht es manchmal Sinn, einen Schritt zurück zu treten. Das Ganze unter dem Aspekt zu überprüfen: Passt das noch? Zu mir? Zu meinem jetzigen Leben? Nutze ich das noch? Oder ist es ein Relikt aus „alten Zeiten“?
In der täglichen Routine gehen wir über vieles hinweg und nehmen es hin, einfach, weil es so ist. Was passiert, wenn Sie sich Ihr Umfeld auf die Frage hin betrachten: Was passt noch? Was hat sich überholt? Was fliegt raus?

Die richtigen Schritte beim Ausmisten

1. Schritt: Schaffen Sie sich ein Zeitfenster zum Ausmisten, das Sie genauso ernst nehmen wie eine Verabredung mit einem Kunden oder einer Freundin. Tragen Sie es sich schriftlich ein, entweder elektronisch oder im Terminkalender.
2. Schritt: Nehmen Sie sich einen bestimmten Bereich vor, der so überschaubar ist, dass Sie ihn in der eingeplanten Zeit bewältigen können, also den Schreibtisch, einen Bereich des Schrankes, die elektronischen Ordner. Es hindert Sie ja niemand weiter zu machen, wenn es Sie packt und noch Zeit „über“ ist. Das motiviert auf jeden Fall mehr, als das Geplante nicht zu schaffen.
3. Schritt: Verteilen Sie Punkte zwischen 1 und 10 für Kleidungsstücke in Ihrem Schrank, den Nippes in der Wohnung und die Büromaterialien:
-
Alles von eins bis fünf fliegt raus.
- Dinge, die mit fünf bis sieben bewertet werden, fliegen hinterher. Oder landen in einer Zögerkiste, die ein Verfallsdatum bekommt: Zwei Wochen – bis 6 Monate für ganz harte Fälle (spätestens zum Sommerurlaub muss es weg!)
- genießen Sie den freigewordenen Blick auf die Dinge, vielleicht auch Beziehungen, die Sie mit acht bis zehn bepunktet haben – und den neu gewonnenen Freiraum.
4. Schritt: Sollte der Gedanke kommen „Das könnte ich aber noch gebrauchen“, dann üben Sie sich im Vertrauen, dass noch etwas viel besseres kommen wird als das, was Ihnen nur halb gefällt, nicht mehr ganz in Ordnung ist, Sie in den vergangenen zwei Jahren auch nicht gebraucht haben …

Weitere Tipps:

- Wenn Sie überprüfen wollen, ob Ausmisten angesagt ist: Betrachten Sie Ihren Arbeitsplatz, Ihre Wohnung oder Ihre Beziehungen mit den Augen einer anderen Person.
- Planen Sie, wenn großer Bedarf besteht, mindestens wöchentlich einen Zeitraum zum Ausmisten ein, sonst mindestens einmal im Monat.
- Misten Sie auch Schubladen und verborgene Räume regelmäßig aus. Krempel wirkt, auch wenn wir ihn nicht sehen.
- Misten Sie stagnierende Energie bei Teamsitzungen aus: Lassen Sie die TeilnehmerInnen regelmäßig nach Pausen die Plätze wechseln.
- Unterstützen Sie andere beim Ausmisten – wenn ihr Gegenüber das will (gilt also nicht für die eigenen pubertierenden Sprösslinge).
- Auch Akten– und Handtaschen wollen regelmäßig ausgemistet und durchgelüftet werden. Altes weg. Frischer Snack und Mineralwasser rein.
- Entrümpeln Sie den Kofferraum: Dadurch sparen Sie zwei bis fünf Prozent Kraftstoff.

Nina Stiewink

So viel anders ist das ja gar nicht - und der Tipp mit dem Kofferraum ist richtig gut!
Thomas



Tipp

Die aktuelle Steuererklärung jetzt sofort in Angriff nehmen und die nötigen Unterlagen zuammenstellen! smiley


BUCHBESPRECHUNG (Fortsetzung/Ende)

Das Messie-Syndrom
Hrsg: Alfred Pritz, Elisabeth Vykoukal, Katharina Reboly, Nassim Agdari-Moghadam

Letztes Kapitel

„Das Messie-Phänomen im Spiegel der Kulturgeschichte“

Nicht einfach kurzzufassen, aber sehr spannend und lesenswert ist auch der letzte Beitrag des Buches „Der Messie immer schon in uns – Kreuz / Quer zur Kultur oder jeweils des Gegenstandes“ von Joachim Prandstetter.

In der Einleitung macht sich der Autor Gedanken darüber, ob die spezifischen Verhaltensmuster jener Menschen, die von sich als Messie sprechen, eine Krankheit im Sinne einer eigenständigen Einheit darstellt. Er erwägt anbei die individuelle Symptomatik gegenüber gesellschaftlichen Phänomenen und Krankheit und Verhaltensauffälligkeit gegenüber Gesundheit und Normalität. Indem er Lévi-Strauss zitiert über das, was beispielsweise der Schamane für den Kranken leistet – versucht er eine symbolische Benennung im Blick auf die Psychosomatik zu finden. Erklärungsversuche, warum der Zwangsneurotiker sich – so - oder der Melancholiker sich – so - repräsentiert, öffnen eine neue Betrachtungsweise, die dem Messie helfen kann, den Modus zu verstehen, warum er das tun muss, was er tut oder eben nicht tut. Diverse Erklärungen (Schopenhauer, Freud, Nietzsche…) machen deutlich, dass uns Realität nicht etwa gegeben ist, sondern dass wir sie vielmehr strukturell erobern müssen –die Prozesse unserer Entwicklung widerspiegelnd.

Methodisches Vorgehen
J. Prandstetter versucht, das Phänomen „Sammeln“ besser erschliessen und interpretieren zu können. Das Interesse lenkt er dabei auf Relationen, die dem Sammeln entgegenstehen, wie „Wegwerfen“, „Aufgeben“ und „Verzicht“ etc.

Eigene Reflexion
Es ist nicht möglich alle kulturgeschichtlich relevanten Daten in ihrer Gesamtheit zu erfassen. In diesem Abschnitt zeigt der „Fall“ des Benjamin Pell (2000) auf, wie eng das Messie-Syndrom mit unserer Gesellschaft verflochten ist. Über den „Witz der Sache“ wird Freud zitiert, um der Ergründung des Unergründlichen etwas näher kommen zu können. Ein Zitat vom, als leidenschaftlicher Sammler bekannten Goethe:“ Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen“, zeigt sich wohlweislich prägend, dass der ultimative „Gegenstand“ im typischen Doppelsinn für Sache und letztlich auch als das eigene Ich gesehen werden kann.

Der Verzicht
Vor mehr als 3000 Jahren begann die „Literaturgeschichte“ des indogermanischen Sprachraumes mit dem „Veda“, in dem ein gewaltiges Sammeln von Texten stattfand. In inhaltlichen Interpretationen können wir mehr über das „Aufgeben“ erfahren und kommen sozusagen „zur Sache“ in die inhaltliche Ebene. Ein Abschnitt mit sehr anregenden Inputs dreht sich um das Rätsel um Leben und Tod, über Opferspeisen und Gottesgaben etc..
In Ritualismus wird der Entwicklungsprozess weiterverfolgt. Den Angelpunkt der Wandlung stellt jenes Moment dar, um dessen Bestimmung das Interesse noch immer kreist, nämlich das „Aufgeben“. In der Philosophischen Interpretation richtet sich die Aufmerksamkeit auf ritualwissenschaftliche-philosophische Spekulationen über Grundsätze, Handlungen und Ordnungen und über das Sanskritwort „artha“ zu deutsch „Gegenstand, „Bedeutung“ und „Sinn“ bis hin zu „Ziel“ und „Zweck“.

Entwicklung einer Formel für das Sammeln
Der Blick auf Kulturgeschichte als Fach zeigt auf, dass das Phänomen des Sammelns einen prominenteren Platz einnimmt als zunächst angenommen.
Im neuropsychologischen Einschub wird Jaak Panksepp zitiert, er sagt u.a., dass eine wichtige mentale Strategie für die Erhaltung des Lebens unter den strengen Bedingungen der letzten Eiszeit, die Fähigkeit gewesen sein müsse, Nahrung zu zentralen Speicher- und Versorgungsstellen zu bringen. Allerdings gäbe es nach seiner Meinung kaum Beweise für einen instinktmässig vorhandenen Mechanismus des Anhäufens von Ressourcen innerhalb der humanoiden Entwicklungslinie. Weiter setzt sich J. Prandstetter mit der Nützlichkeit und Bedeutung und der Formulierung der Formel des Sammelns auseinander.

Entwicklung einer These
In Anwendung der Formel auf das Opfer heisst es u.a.: „Das Opfertier“ selbst, das geschlachtet wird, ist in keiner Weise Vermittler für Transzendentes, es dient schlicht und einfach als Nahrung. Welche Bedeutung es dabei als unsichtbarer Gegenstand beim Priester im Prozess der Ritualisierung erlangt, ist vielschichtig erläutert.
Im Abschnitt Anwendung der Formel auf die für Messies charakteristische Form der Prozessierung der Umwelt lässt sich entnehmen, dass das Sammeln im wörtlichen Sinne Ausdruck der Hoffnungslosigkeit „an der Stelle“ einer, wenn auch umso mehr begehrten, Vollständigkeit ist. Es entsteht dadurch eine unstillbare „Erwartungshaltung“ – das Bedürfnis nach der Ergänzung des Fehlenden zu befriedigen. Im Abschnitt 7sind die bisherigen Überlegungen zusammengefasst.

Interpretation der Formel auf der Metaebene
Kurz gefasst zum strukturalistischen Ansatz, zitiert nach Barthes (1964): Der strukturale Mensch nimmt das Gegebene, zerlegt es, setzt es wieder zusammen. Nach Lévi-Strauss spannen zwei Achsen bei uns die Begriffe „Nützlichkeit“ und „Bedeutung“ als ein synchronisches Gefüge des Symbolischen auf. „Der unbewusste Einschlag in der Kette der Signifikanten“ zeigt auf, wie wir im Falle des ersehnten Einfalls – uns die Daten sammelnd – alle Vorbereitungen treffen, um auf dieses Moment des unbewussten Einschlags hoffen zu dürfen. Weiterführend im Abschnitt „Das Objekt“ steht, dass die Vorstellung einer Sehnsucht, die das Subjekt an das verlorene Objekt bindet und die das Wiederfinden mit dem Zeichen einer unmöglichen Wiederholung markiert. So wird verständlich, dass Sammeln eine Form des praktischen Erinnern ist, im Zeichen der Unmöglichkeit des Wiederfindens des verlorenen Objektes in steter Wiederholung. Die Wirkung des Signifikanten auf das Subjekt konstituiert nach Lacan auf das Unbewusste. So sei das Unbewusste strukturiert wie es in der Sprache zu finden ist. Somit wird das, was unbewusst ist, „ohne Wissen der betreffenden Person“, welche die „Realität“ erschafft, gewusst – also ist es nichts, was man aktiv und bewusst
in symbolischer Ordnung aufgebaut hat. -Das „Reale“ ist also als das zu verstehen, was noch nicht symbolisiert wurde.
Das Feld der Sprache erklärt sich, als Grafik dargestellt, wie das Sammeln des Messies in diesem Mechanismus zur Nützlichkeit findet, indem es als Formel ins Matrix eingespeichert wird.
Sehr spannend wird „der Mangel“ im Sinne massiver frühkindlicher Entbehrungen erklärt. Das Kind wird im Zuge der fortschreitenden Desillusionierung gezwungen eine Überlebensstrategie zu finden, um die Frustration zu ertragen.
Oft zitiert der Autor in seinem Artikel aus den Theorien Lacans/Freuds, so auch in der Metatheoretischen Hypothese. Er vergleicht z.B. die im Messie gespielte Figur des Prozessierens als seitenverkehrtes Spiegelbild des Opfers in Gestalt Ödipus – Augen zu besitzen, um nicht zu sehen – um in der „Durchquerung“ des Ödipuskomplexes auf die Imagination der Kastration zugunsten der symbolischen Ordnung verzichten zu können.

Reentry
Aus dem soziologischen Blickwinkel drängt sich vergleichend zum Phänomen des Sammelns der Mythos des Sisyphos auf, wo sich die Absurdität der ewigen Strafe in dem Moment auflöst, wo Sisyphos sich entschliesst, die an sich sinnlose Tätigkeit sinnvoll zu sehen (Hahn). So wird der vorher belanglose Gegenstand durch eine Bedeutungsinvestition von grosser Relevanz. Aus sozialökonomischem Blickwinkel unterteilen Sozialökonomen Dinge in vergängliche und dauerhafte. Der Wert der einen sinkt dabei gegen null, der der anderen steigt ins Unermessliche. Nach der Theorie Thompsons ist es genau jene Kategorie des Mülls, die die Verbindung zwischen Dauerhaftem und Vergänglichem herstellt und zwar in einer zirkulären Dynamik.
Im grösseren Kontext der Wirtschaftswissenschaften wird das Phänomen des Hortens in seiner volkswirtschaftlichen Dimension beschrieben. Das Selbstverständnis des Sammlers in der Renaissance erklärt die Äusserung nach Bredecamp, dass das erwachende Selbstbewusstsein des Menschen der Renaissance seinen symbolischen Ausdruck in der Identifikation des Sammlers mit Prometheus erhielt, welcher spätestens seit Plinius als Schutzpatron der Sammler gilt. Ein literaturgeschichtlicher Blickwinkel führt zum ältesten Beleg der Literaturgeschichte zum Wort „sammeln“ in einem Gedicht von Trimberg (1260-1309). Ein ganzes Genre französischer Literatur, das um das Thema des Sammelns kreist, nimmt mit Balzac seinen Anfang. Zur „familiären“ Symbiose mit dem Gegenstand zitiere ich nur Freuds Feststellung: wonach alles Denken nur ein Umweg von der Erinnerung an eine Befriedigung zu der identischen Besetzung derselben Erinnerung ist, die auf dem Wege der motorischen Bestätigung wieder erreicht werden kann. Nur - im Falle des Sammlers scheint sie nicht über diese motorische Bestätigung erreicht werden zu können, da doch deren Rolle bereits der Gegenstand eingenommen hat.
Um das vorgehend Gelesene abzurunden finden sich in den Abschnitten Die „Dekonstruktion“ und Jenseits des Gegenstandes weitere Klärungsversuche, die bestätigen helfen, dass „der Messie schon immer in uns“ existierte.

Zusammenfassung von Anita

 

Buchtitel Vermüllungssyndrom

ISBN 978-3-211-76519-7

„Das Messie-Syndrom – Phänomen, Diagnostik, Therapie, Kulturgeschichte des pathologischen Sammelns"

Pritz, A.; Vykoukal, E.; Reboly, K.; Agdari-Moghadam, N. (Hrsg.)

Springer Verlag 2008, 324 S., 21 Abb., 10 in Farbe., Softcover

Chf 67.90




Rätsel  Fragezeichen LessMess-Hut

Auflösung des letzten Rätsels:

Und das will wirklich niemand gewusst haben??
Es handelt sich um den genialen Ausstellungsmacher Harald Szeemann.

 

Ein Müsterchen nur aus WIKI: ...Mit der vielfach als legendär bezeichneten Ausstellung „Live in your head: When Attitudes become Form” (Wenn Attitüden Form werden) mit dem Untertitel „Werke – Konzepte – Prozesse - Situationen – Information” beschritt Szeemann eine neue Form der Inszenierung. Bei dieser Ausstellung stand nicht die chronologisch oder thematisch geordnete Präsentation im Vordergrund.....

Szeemann-Archiv

Harald Szeemann (1933–2005) war einer der bedeutendsten Ausstellungsmacher des 20. Jahrhunderts. Sein Archiv im Tessiner Ort Maggia ist eine wuchernde Wunderkammer des Wissens, die eigenen Gesetzen folgt. Zumindest bis heute. Denn die Zukunft dieser fünfzig Jahre festgehaltener Kunst- und Ausstellungsgeschichte ist ungewiss.

Unter dem Titel "Harald Szeemanns Wunderkammer" hat ihm die Zeitschrift 'DU' seine Ausgabe 795 vom April 09 gewidmet.


Neues Rätsel:

Wir bleiben bei Künstlern. Nicht, weil wir sie höher schätzen als andere Messies. Aber erstens ist es schwierig, mit unbekannten Messies ein Rätsel zu verfassen und zweitens zeigt sich gerade bei Künstler die Messieproblematik sehr ausgeprägt. Wir fragen nach einem berühmten Filmemacher, hinter dem man sicher NIE, aber auch gar nie einen Messie vermuten würde - seine Filme sind von einer obsessiven Perfektion in allem: Licht, Kameraführung, Timing, Spannung, Kostüme, Regie - schlicht allem (na ja, jetzt tönt es doch schon eher etwas nach Messie...). Kein Wunder, dass er bei über fünf Oscar-Nominierungen dann auch einen nach Hause trug.
Seine Messietendenz kam aber erst posthum so richtig zum Vorschein - und Kraft seiner Position sammelte er nicht nur selbst, er liess sammeln...


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LessMess INFO 4/2009
Nr. 4/09 - 12. Dezember

 

Aktuelles

Interview in TeleZürich mit Helene, Heinz und Brigitte vom 27. Oktober 2009

Gedicht Weihnachtsgedicht von Andi
Interview Exklusiv mit dem Samichlaus!
Pressespiegel Die Poesie des Plasticsackes
Buchbesprechung Das Messie-Syndrom / 3. Kapitel
Hrsg: Alfred Pritz, Elisabeth Vykoukal, Katharina Reboly, Nassim Agdari-Moghadam
Rätsel Auflösung / neues Rätsel

Liebe Messies und Nicht-Messies

Dies ist die vierte Ausgabe des LessMess-Info 2009: Ein besonderes Gedicht von Andreas Heeb und ein Exklusiv-Interview mit dem Samichlaus reichern sie an! Andreas Heeb schreibt Gedichte und er hat jetzt eines extra für das LessMess-Info verfasst. Auf die Anfrage für ein Interview via e-Mail antwortete der Samichlaus umgehend. Glücklicherweise fand er eine Lücke im Terminkalender!
Die übrigen Rubriken steuern Elmira und Thomas bei. LessMess dankt den fleissigen Schreibern ganz herzlich für die wertvolle Mitarbeit im 2009.
Wer auch einen Beitrag zum LessMess-Info beitragen möchte, kann sich bei info@lessmess.ch oder per Post melden.

LessMess hat ein vielseitiges und arbeitsreiches Jahr durchlebt. Vorstandsmitglieder gaben Interviews und Auskünfte zum Thema Messie bei verschiedenen Gremien und Medien. Das Thema ist Gesprächsstoff und wird erfreulicherweise zunehmend sachlich diskutiert.

Der Aufruf zur Bezahlung noch ausstehender Mitgliederbeiträge 2009 wurde von (fast) allen erhört: Vielen Dank!
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Der kommende Jahreswechsel regt wahrscheinlich uns alle wieder zum Auflisten von guten Vorsätzen an, aber dies birgt die Gefahr in sich, dass wir es nicht schaffen, diese umzusetzen. So sind wir entmutigt und enttäuscht. Vermutlich ist es besser, nur einen Vorsatz zu fassen und diesen umzusetzen.


LessMess wünscht euch eine besinnliche Adventszeit, fröhliche Festtage und einen guten Start in ein schönes neues 2010.


LessMess


Aktuelles

TalkTäglich

Am 27. Oktober 2009 sind Helene, Heinz und Brigitte im TalkTäglich von TeleZüri zum Thema Messie interviewt worden. Hugo Bigi stellte Fragen rund um das Messie-Phänomen.
Helene schildert die Ängste vieler Betroffener oder Angehöriger und zeigt praktische Hilfsmöglichkeiten auf. Die verschiedenen Aspekte des Messie-Syndroms werden von Heinz Lippuner verständlich erklärt und Brigitte erzählt von ihren Erfahrungen, ihrem Outing und den Reaktionen dazu. Dank der umsichtigen Gesprächsführung und kompetenten Gesprächspartnern wurde ein guter Einblick ins Messie-Syndrom mit Problemen von Betroffenen vermittelt.

Die Sendung kann hier nochmals angeschaut werden. Der link führt zum Archiv von TalkTäglich. Man wählt 'Oktober 2009' und drückt den blauen Doppelpfeil. Der drittoberste Eintrag dann ist der gesuchte Messiebeitrag und man schaut sich den Film an (braucht flash-player 9 oder höher).

Nota: Der Beitrag hat bewirkt, dass unsere homepage www.lessmess.ch vorübergehend von über 1000 Leuten besucht wurde. Ansonsten rechnen wir mit etwa 100 Besuchern pro Tag... Das Thema 'Messie' scheint also doch etliche Gemüter zu bewegen !

Selbsthilfe in St. Gallen:

Die Gründung einer neuen Gruppe ist geplant. Es fehlen aber noch Anmeldungen.
Infos / Anmeldungen an LessMess

Vortrag
Johannes hat am Informationstag der Jahrestagung
Zwangsstörung 2009 einen Vortrag über das Messiesyndrom gehalten. Er kann hier nachgelesen werden.




Gedicht – exklusiv für LessMess. Vielen Dank Andreas!


Ein Messie wie ich!

In seinem bewegend-langen Lebenslauf
hebt jener Mensch tatsächlich fast alles auf.
Weil er glaubt, dass er es bestimmt mal braucht,
obwohl er schon fast in seinem Müll untertaucht.

Er stapelt Mengen von buntem Klopapier in Rollen,
selbst Parfüms und Duschgels, die nie enden wollen.
Koffer, Schachteln, auch leere Tüten und Taschen,
Weichspüler, Weissmacher und zig Seifen zum Waschen.

Zeitungen und Zeitschriften, in so mancher Art,
viel Unnützes aus alten Tagen, alles hat er aufgespart.
Kurzum, er sammelt alles und das mit viel „Plaisier“,
Kugelschreiber, Leuchtstifte und viel buntes Papier.

Der eigentliche Wert des überflüssigen Plunders,
sind gesammelte Andenken des Wirtschaftwunders.
Aus frühster Kindheit hat er gesammelt seine blonden Locken,
im Schrank liegen mindestens acht Dutzend Socken.

Mit Scham und so manch traurig machendem Wort,
bekommt er zu spüren so vieler Menschen Spott.
Obwohl er auch im Alter war sehr beliebt und umworben,
ist unser gestrauchelter Messie viel zu früh gestorben.

Was zurück bleibt, bedrückt seine Lieben doch sehr,
haufenweise Abfall, doch unser Messie ist nicht mehr.
Undankbar und enttäuscht werfen die Erben,
den gesamten Müll weg, in Schutt und Scherben.

So war unseres Messie trauriges Schicksal im Leben,
er sammelte in Mengen und konnte nichts hergeben.
Da war er nun, unser Messie, vor dem himmlischen Tor,
stand mit leeren Händen, doch zufrieden, davor!

Und die Moral von dieser traurigen Geschicht’,
was irdisch bleibt, ist dieses kleine Gedicht.
Frage nie, warum ein Mensch Messie sein kann,
auch Dich kann es erwischen – und dann?


Text: Andreas Heeb
Copyright by Andreas Heeb

CH-8600 Dübendorf, 18. November 2009




Exklusiv-Interview mit dem Samichlaus
LessMess
Lieber Samichlaus, LM dankt dir vielmals für deine Bereitschaft für ein Interview. Du bist zu dieser Jahreszeit ein äusserst viel beschäftigter Mann! LM ist der Verein für Messies und Interessierte am Messie-Syndrom. Hast du auch schon Messies besucht?
Samichlaus
Nur selten. Ich erinnere mich an einen Besuch bei einer Familie mit zwei Kindern. Vor allem in der Küche fand sie kaum Platz um gemeinsam zu essen. Ich spürte, dass es niemandem wohl war.
Ich selber kämpfe auch jeden Tag mit dem Phänomen, dass sich zu viele Sachen anhäufen.
LessMess
Wie verhalten sich die Kinder und Eltern heute bei deinem Besuch?
Samichlaus
Im Vergleich zu früher: ungezwungener und offener. Das Thema „Ordnung“ wird von den Eltern öfters gerügt. Wenn ich das Kinderzimmer besichtigen darf, sehe ich meist ein relativ ordentlich aufgeräumtes Zimmer – dies sei nicht immer so, geben die Kinder zu, aber einmal pro Woche räumen sie auf. Ich meine, das reicht; diese Kinder sind vorbildlich! Ordnung erleichtert den Alltag sehr – „man“ braucht weniger Zeit beim Suchen nach der Brille, den Schlüsseln! Ich weiss, wovon ich spreche. Ich musste mir nämlich ganz konsequent angewöhnen, beim Nach-Hause-Kommen meinen Wohnungsschlüssel ins Schlüsselloch zu stecken - so finde ich ihn jetzt, wenn ich die Wohnung verlassen will.
LessMess
Gehst du alleine zu den Kindern oder hilft dir ein Schmutzli?
Samichlaus
Ohne Schmutzli könnte ich nicht so viele Kinder besuchen! Die Vorbereitungen geben viel Arbeit! Die Besuche sollen gut vorbereitet sein, müssen sorgfältig geplant werden.
Ja mein Gehilfe, der Schmutzli kann mir sehr viel helfen! Bis jetzt hatte ich Glück, denn nur ein Schmutzli bereitete mir Sorgen, weil er sich regelmässig verspätete. Ich kann doch die Kinder nicht warten lassen! - Das war ein Messie-Phänomen, seine Unpünktlichkeit.
Auch in meinem Waldhüsli, wo ich ab Herbst für ein paar Wochen mit dem Schmutzli wohne, besuchen mich Kindergarten- und Schulkinder. Sie sind dann ganz aufgeregt und vergessen oft, dass Abfall nicht auf den Boden gehört. Nach ihrem Besuch räumen wir sofort auf, damit die nächste Kinderschar ein gemütliches, aufgeräumtes Zimmer vorfindet.
LessMess
Ich spüre, dass dir die Menschen und vor allem die Kinder sehr am Herzen liegen.
Samichlaus

Ja, wir Erwachsenen sollen die Kinder lieben, zumindest mögen, sie fördern und unterstützen. Sie müssen soviel lernen. Vor allem brauchen sie Geborgenheit, Verständnis und Anerkennung für ihre Anstrengungen, auch für die kleinen Erfolge.

Wir Erwachsenen haben – hoffentlich - schon selbst erfahren, dass eine Anerkennung, ein (kleines) Lob uns für viele Tage das Leben leichter gemacht hat. Heute zählen leider meist nur grosse Erfolge, die sich in Geld messen lassen.

Wenn uns aber niemand lobt, anerkennt, müssen wir uns selber loben und uns auf die Schulter klopfen: „Gut gemacht“.

Gerade Messies verdienen auch bei „kleinen“ Taten anerkennende Worte, wenn sie z.B. nach jeder Mahlzeit die Küche aufräumen, das Schlafzimmer lüften und das Bett machen. Dies sind normale Haushalttätigkeiten, die für Messies täglich viel Überwindung brauchen. Vielleicht konnten sie dies nicht schon als Kind einüben und müssen dies nun nachholen, quasi sich selbst erziehen. Es braucht sehr viel Disziplin und Durchhaltevermögen um Ordnung im Haushalt zu schaffen!

Sich selber akzeptieren, das Problem zugeben, ist der erste Schritt zu einer Veränderung. Regelmässig an einer (Messie-)Selbsthilfegruppe teilnehmen, könnte ein nächster Schritt sein. Erleichterung bringt oft, wenn ein Messie sich bei guten Freunden zu erkennen gibt, dann hören oft das Versteckspielen und die Angst vor dem Entdecktwerden auf. In letzter Zeit haben sich Messies sogar im Fernsehen geoutet. Ein solcher Schritt muss sehr gut überlegt werden, denn der Medienrummel könnte einem über den Kopf wachsen und neue Probleme bringen.

LessMess
Was wünscht du Messies für die kommenden Festtage und das neue Jahr?
Samichlaus

Zuerst: Sich immer wieder mal Gedanken machen, wie sie ihre Situation verändern können; wie sie mehr Lebensfreude und mehr Ordnung, mehr Struktur in ihrem Leben gewinnen können. Der Weg der Erkenntnis führt für alle Menschen nach innen.
Für alle ist wichtig, Freundschaften, Kontakte zu pflegen. Mit Freunden und Bekannten etwas zu unternehmen: Kinobesuche, Konzerte, Spaziergänge usw. Dabei soll man sich wirklich genug Zeit nehmen, dass man nicht zu spät kommt, sondern in Ruhe die Verabredung geniessen kann.

Liebe Messies entschuldigt, wenn diese Tipps wie Ermahnungen klingen. Ich selber habe erfahren, wie wichtig es ist, sich selber Struktur zu schaffen, Disziplin zu halten.
Wie sonst könnte ich ein guter Samichlaus sein und so viele Familien besuchen, wenn ich mich nicht selber an diese Regeln halten würde.

LessMess
LM dankt dem Samichlaus für das einfühlsame Interview ganz herzlich, wünscht ihm viele fröhliche Begegnungen mit den Kindern, eine gute Adventszeit und fröhliche Festtage und anschliessend gute Erholung vom grossen Einsatz!



Pressespiegel

Wir sehen mal ab von den mittlerweile fast täglichen Sensations- und Prozessmeldungen, in denen von immer brutaler agierenden Messies die Rede ist, die Ihre Sammlungen tatkräftig gegen radikale Aufräumer verteidigen. Meist wären hier zur genaueren Beurteilung sowieso präzise Angaben notwendig.Von Bären & Wölfen hält sich ja das Gerücht der Gefährlichkeit und Unberechenbarkeit auch - obwohl längst nachgewiesen ist, dass hier alleine das völlige Fehlverhalten der betroffenen Menschen und deren Unverständnis der natürlichen Bedürfnisse dieser Tiere eben zur Katastrophe führen kann. In all diesem niederen Sensationsgeknatsche leuchtet aber ein subtiler Artikel der FAZ hervor:

Im toten Winkel der Poesie: Die Plastiktüte

Dieser witzige und tiefgründige Artikel umschreibt eine Nahtstelle zwischen Messies und Nichtmessies: den Plasticsack, die Plastiktüte oder das 'Sackerl'. Alle leben damit & für Messies ist sie quasi eine Lebensgrundlage. Es lohnt sich, die im Artikel verfolgbaren links anzuschauen: der etwas in Vergessenheit geratene, bekennende Messie aus Wien, Hermes Phettberg, moderierte vor Jahren im ORF eine Talkshow - die 'Nette Leit show'. Da äussern sich auch nahmhafte Professoren über unübliche Ordnungsprinzipien... so der auch in der folgenden Buchbesprechung erwähnte Marcel Prawy.

Viel Vergnügen und Einsicht wünscht
Thomas




BUCHBESPRECHUNG (Fortsetzung)

Das Messie-Syndrom
Hrsg: Alfred Pritz, Elisabeth Vykoukal, Katharina Reboly, Nassim Agdari-Moghadam

3. Kapitel, 2. Teil

Therapeutische Aspekte (S. 163) Selbsthilfe – Erfahrungsberichte von Betroffenen (Gabriele Flemisch)

Unter Selbsthilfe werden folgende Möglichkeiten aufgeführt:

1.

Bücher und Zeitschriften können hilfreich sein bei Themen wie Räumungen, Persönlichkeitsentwicklung, Erforschung von Hintergründen, Informationen über Begleit- und Krankheitssymptome, aber auch Ansätzen zu Verhaltensänderungen.

  1.1 Ratgeber sind mittlerweile in grosser Zahl vorhanden: z.B. „Endlich weg mit dem Ballast“ oder „Nie wieder Chaos“. Aber Achtung: „Ordnung ist ein Langstreckenlauf…“
  1.2 Wissenschaftliche Literatur mit unterschiedlichsten Theorien und Zuordnungs- bzw. Erklärungsversuchen (z.B. „Das Messie Handbuch“ von Eva S. Roth oder „Messies – Sucht und Zwang“ von Rainer Rehberger u.a.)

2. Räumungsstrategien – Abgabemöglichkeiten. In den Unterabschnitten:
  2.1 Kleine Räumungsstrategien (mit Devisen für den Alltag)
  2.2 Hilfsgemeinschaften (mit ausgewählten Vertrauenspersonen)
  2.3 Speditionen, Räumungen


Es geht um Sortieren, Wegwerfen, Organisieren, Aufräumen.

3. Unterstützung von einer Hilfsperson:
Verweis auf Voraussetzungen und Bedingungen, Zielsetzungen und Rücksichtnahmen, die zu beachten sind, damit Unterstützungshilfe gelingen kann (u.a. kein Zwang, klare Abmachungen, „Weg der kleinen Schritte“).
  3.1 Energieaufwand:
befasst sich mit dem Bezug zur Realität, meint die emotionale Verknüpfung, die mit jedem Gegenstand verbunden ist, den Loslöseprozess und Trennungsschmerz (brauche ich das noch? wofür? warum?).

4. Selbsthilfegruppen
Das regelmässige Treffen mit Menschen mit ähnlichen Problemen kann
- Selbstwertgefühl
- Eigen- und Fremdwahrnehmung
- Soziale Kompetenzen
- Toleranz gegenüber Gruppenmitgliedern
- Umgang mit Schamgefühl
- Umgang mit Problemen
verbessern und neue Sichtweisen ermöglichen.
„Selbsthilfe ist aller Ehren wert, weil sie von andern nichts begehrt.“
(Hoffmann von Fallersleben)

5. Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit – Ergründung der Ursachen
  5.1 Bindungsstile zwischen Mutter und Kind werden von Rehberger unterteilt in
- sicherer Bindungsstil
- unsicher-ambivalenter Bindungsstil
- unsicher-vermeidender Bindungsstil
Dabei spielen erfahrene Zwänge in der Kindheit bei Messies oft eine Rolle als Aufräumhemmer.
  5.2 Gefühlsblockaden werden oft ausgelöst durch Verluste (Partner, Arbeit, Überbelastungen oder traumatische Ereignisse), man bleibt in unangenehmen Gefühlen gefangen (Unfähigkeit, Ohnmacht, Selbstvorwürfe, Selbstabwertung).
  5.3 Identifikation als Messie ist meist mit Scham verbunden, könnte aber auch Stolz auslösen wie das Beispiel von Marcel Prawy zeigt: der ausgewiesene Opernkenner und –kommentator konnte mit seinem breitgefächerten Wissen, angesammelt und dokumentiert in seiner „Sackerl- und Papierl-Wirtschaft“ Kapital schlagen.

6. Verhaltensänderungen
Von zentraler Bedeutung sind folgende Entwicklungsschritte:
- Sinnfindung: Interessen- und Aufgabengebiete finden und effizient einsetzen.
- Persönlichkeit entfalten und sich der eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten bewusst werden.
- Inneres und äusseres Gleichgewicht wiederherstellen.

Grosses Ziel (nach Marianne Bönigk-Schulz zitiert): „eine reife Persönlichkeit erlebt wenig Selbstunsicherheit, wenig starre Denkmuster, ein gesteigertes konsequentes Verhalten, mehr Selbstakzeptanz bei vermeintlichen Defiziten und die Fähigkeit, sich auf veränderte Situationen stressfrei einstellen zu können.“
Dabei kann eine psychotherapeutische Begleitung sehr hilfreich sein.
  6.1 Grundvoraussetzungen für eine unterstützende Psychotherapie:
- Vertrauenswürdige und berechenbare Beziehung zwischen Therapeut und Betroffenen
- Einhalten von Struktur und Vereinbarungen (Pünktlichkeit?)
- Hintergründe des Verhaltens aufdecken
- Langsame Vorgehensweise („kleine Schritte“)
- Eigenständigkeit aufbauen
- Umgang mit Trennungen lernen
- Soziale Beziehungen kennenlernen und sichern
- Umgang mit schwierigen Situationen lernen
- Selbstwert und emotionale Stabilität stärken


Das Kapitel endet mit einer ausführlichen Literaturliste.

Selbstzeugnisse

Dieses Kapitel enthält den Bericht von Johannes von Arx über die Messie-Bewegung in der Schweiz - Von den Anfängen, der Messie-Thematik in den Medien, dem Weg zur eigenen Website, die Gründung des Verbandes LessMess, über strukturelle Probleme und ihre massgeschneiderten Lösungen, die weitere Entwicklung der Messie-Szene, Aktivitäten und Projekte von LessMess, die Entwicklung von Selbsthilfegruppen, die Beziehungen zum Ausland (Begegnungen) und einen Ausblick.

Worte eines Betroffenen

Erwin Prem sinniert über seine Messie-Befindlichkeit und die von Messies ganz allgemein und liefert eine „Narzisstische analytische Kurzabhandlung zum Messie-Syndrom“.

Buchtitel Vermüllungssyndrom

ISBN 978-3-211-76519-7

„Das Messie-Syndrom – Phänomen, Diagnostik, Therapie, Kulturgeschichte des pathologischen Sammelns"

Pritz, A.; Vykoukal, E.; Reboly, K.; Agdari-Moghadam, N. (Hrsg.)

Springer Verlag 2008, 324 S., 21 Abb., 10 in Farbe., Softcover

Chf 67.90




Rätsel  Fragezeichen

Auflösung des letzten Rätsels:

Messies scheinen ungern zu rechnen.. (und dass sich niemand gewagt hat zu raten, ist begreiflich).
Also: an Papier kommen bei jährlich ca. 300 Tagen à 2cm = 6m = 6 volle Beigen zusammen. Dazu kommen 52 Tragtaschen, wovon 12 auf die 6 Zeitungsbeigen verteilt werden können (mehr freie Beigen hat es ja nicht....) Verbleiben 10 Stapel Tragsäcke. Rechnen wir die beanspruchte Fläche der Zeitungsbeigen (wie die der Papiertragtaschen auch) mit 25 x 40 cm = 1/10 m2, so ergibt die bis anhin beanspruchte Fläche 1.6 m2. Dazu kommen 0.7 m2 vom Sperrmüll und noch etwas für den Anteil am Mottenschrank: auch wenn alles peinlich genau gestapelt wird geht's kaum unter 2.8 m2 pro Jahr...

Ein Messieindex von 7 heisst bei 70m2 Wohnfläche sind 49 m2 belegt. Zu Beginn waren es deren 21. Es werden also satte 28 m2 vollgestopft und es braucht dazu immerhin 10 Jahre !

Erstaunt?? - es zeigt uns zwei Sachen: einerseits müllt man eine Wohnung nicht von heute auf morgen zu aber andrerseits führt das kontinuierliche Anschleppen von Material eben doch relativ schnell zu einer unlebbaren Situation: denn 60 Zeitungsbeigen, 100 Stapel mit Tragtaschen, 40 Sperrmüllschnäppchen und 5 Mottenschränke stehen nämlich jetzt da herum....

LessMess-Hut


Neues Rätsel:
Der heute gesuchte Messie-Mann hat bereits mal die Titelseite des 'DU' beansprucht. Er sah sich eher als Archivar und schwärmte gerne von Leuten, die noch grössere Archive angelegt haben (oder hatten) als er selbst. Seine Berufung war auch, eben diesen (& anderen) für kurze Zeit die gebührende Plattform zu beschaffen.
Mehr zu verraten käme der Namensnennung gleich...


Maile oder sende deine Lösung, dazu aber auch die eigene Adresse, an info@lessmess.ch, LessMess, Mitteldorfweg 31, 8915 Hausen am Albis, Fax 044 764 28 50



„Nichts ist in der Welt so ansteckend wie Gelächter und gute Laune“
schrieb Charles Dickens und LessMess hofft, dass ihr euch davon und nicht von der Grippewelle anstecken lässt!
smiley



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Layout und Gestaltung: Thomas.


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LessMess INFO 3/2009
Nr. 3/09 - 15. September

 

Aktuelles

Wenn einer eine Reise macht, kann er was erzählen …

Fachartikel Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und Messies
Interview mit Hansruedi: „Hilfe die Elektro-Kontrolle kommt“
Pressespiegel A propos Messietest...
Buchbesprechung Das Messie-Syndrom / 3. Kapitel
Hrsg: Alfred Pritz, Elisabeth Vykoukal, Katharina Reboly, Nassim Agdari-Moghadam
Rätsel Auflösung / neues Rätsel


Liebe Messies und Nicht-Messies

Das zweite Sommerfest vom 11. Juli 2009 im evangelischen Kirchgemeindehaus Wallisellen ist schon Geschichte. Hoffentlich habt ihr das Treffen, Plaudern und Diskutieren mit „alt“-Bekannten und noch Unbekannten genossen. LessMess hat viele positive Rückmeldungen erhalten, was uns sehr freut.
Ganz entscheidend zum guten Gelingen hat wiederum unser Profikoch Röbi und sein Team beigetragen. Wir haben den Apéro, die verschiedenen feinen Grilladen, Zutaten und das Dessertbuffet sehr genossen. Den tüchtigen Helfern und Helferinnen sagen wir ganz herzlich: „M E R C I ! M E R C I ! M E R C I !“
Der A-cappella-Chor Voicieme hat gleich mehrstimmig die gute Atmosphäre verstärkt.
Und als krönenden Abschluss stellte Nina ihre Maturaarbeit mit ihrem ersten Kurzfilm zum Thema Messie vor. Nina „übersetzte“ ihre Eindrücke von Messie-Eigenschaften zurückhaltend und einfühlsam, aber aussagekräftig.
Ganz im Gegensatz dazu wurde der Zeitungsartikel über unser Sommerfest im Tagesanzeiger vom 13. Juli 2009, der Messie-Sein mit Verslumung gleichsetzte, geschrieben. Der Vorstand von LessMess wurde vor der Veröffentlichung nicht informiert. Er bedauert die unsensible, unangebrachte Berichterstattung sehr und distanziert sich in aller Form von den reisserischen Schlagzeilen und dem schlechtem journalistischen Stil.

In eigener Sache: Der Vorstand von LessMess bedankt sich bei allen Mitgliedern und Gönnern, die den Mitgliederbeitrag fürs 2009 bezahlt haben, ganz herzlich. Sie ersparen der Kassierin zusätzliche Arbeit und Auslagen für Mahnungen und ermöglichen LessMess mit den finanziellen Mittel haushälterisch umzugehen. LessMess hofft, dass die ausstehenden Beiträge auch bald bezahlt werden. Vielen Dank im Voraus!

Einen schönen Spätsommer und Herbst wünscht allen
LessMess


Aktuelles

Sommer und Herbst sind die Hauptreisezeiten. Und wenn einer eine Reise macht, kann er was erzählen …

Von Heinz Kurtzbach:

„Der krumme Nagel“

Ach ja. Das Leben könnte so einfach sein – wären da nicht die kleinen Überraschungen, die einem die Laune vergällen und in Erklärungsnöte bringen. Wie dieser blöde, krumme Nagel.

Nun ist ja klar, dass man auf dem Weg in die südliche Sonne nicht für einen Terroristen gehalten werden will; dass der Nagellack der Gattin nicht ins Handgepäck gehört, ist klar wie Klärchen und schon überhaupt nicht der Flacon mit dem Chanel Nr. 5. Es hatte zwar Mühe gekostet, das der Frau des Hauses klarzumachen, aber letztlich hatte es doch geklappt, obgleich die Miene der Guten auf dem Weg zum Airport nichts Gutes verhieß. Immerhin: Ein Sieg war es, ein Sieg der männlichen Vernunft über weibliche Fantasie. Chanel Nr. 5! Im Handgepäck!
Alles ging gut – die Gattin war schon durch, da schlug der Detektor an. Bei mir. Kleingeld, Schlüssel, Gürtel – es lag alles fein säuberlich in der Kiste zum Durchleuchten. Aber es piepte. Zurück. Vor. Piep! Noch einmal. Piep! Die Gattin zog die Augenbrauen in die Höhe, wie nur sie das kann, wenn sie, ohne sich laut zu äußern, "Trottel" denkt. Piep! Die Schlange hinter einem wird unruhig. Schweiß auf der Stirn ist nur selten Ausdruck von Souveränität. Man kramt in den Hosentaschen. In den Westentaschen. Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, diese Freizeitwesten mit einem Dutzend Täschchen zu bestücken? Die Kleidung der Freiheit? Kamel! Der Handdetektor verharrt vor der linken Brust. Die Handytasche. Mit langen Fingern wird ein Nagel ans Tageslicht befördert. Ein spitzer, rostiger, krummer Nagel! Man erkennt an den Gesichtern der Umstehenden, was gedacht wird.

Es war ein schweigsamer Flug. "Na?", hatte die Gattin gefragt, und es war ein "Na" mit vier "a". Das sind jene Momente, in denen man weiß, dass argumentative Erklärungsversuche keinen Zweck haben, weil unweigerlich die einfachste aller Fragen jedwedes Argument pulverisiert: "Was wolltest du mit dem rostigen Ding eigentlich?"

Sollte ich ihr nun erklären, dass ich als Kriegskind gelernt habe, mit den Ressourcen sparsam umzugehen, als man noch gar nicht wusste, was eine Ressource ist? Ein gebrauchter Nagel zum Beispiel ? Dass ich eben noch
weiß, wie man ein solches Ding geradekloppt und wieder verwendet? Und überhaupt: Dass ich mir keine neuen Nägel leisten kann, wenn sie dauernd mit dem sündhaft teuren Chanel Nr. 5 in der Gegend herumsprüht? Sollte ich
ihr die wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und ökologischen Verwerfungen dieser Wegwerfgesellschaft erklären, in der ein rostiger krummer Nagel eben nur ein rostiger krummer Nagel ist? Aber doch nicht im Urlaub!

Die Hotelbar war fünfsternig wie das Hotel, und die anderen Gäste ganz nett und ganz gebildet. "Der Goethe", hörte ich jemanden sagen, "der hat doch alles gesammelt, was nicht niet- und nagelfest war." Irgendwie gab mir das einen Stich. Nicht nagelfest? Waren die in der gleichen Maschine? "Kunst", wurde da erwidert. "Goethe sammelte nur Kunst. Etwa 25 000 Stück soll seine Sammlung betragen haben. Kunst. Goethe war schließlich kein Messie." Kein was?

"Sag mal", fragte ich meine Frau vor dem Schlafengehen, "was ist eigentlich ein Messie?" Oder hat der an der Bar Wessie gemeint – der Goethe, der war doch einer, aus Frankfurt am Main. Da war sie wieder, die hochgezogene Augenbraue. Ich werde, habe ich mir geschworen, mich auf der Straße nie wieder nach einem krummen, rostigen Nagel zu bücken. Ich mach rüber. In die Wegwerfgesellschaft.

Copyright © Volksstimme.de 2009 - Erscheinungsdatum 27.08.2009 | Ausgabe: mdx




Fachartikel : Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und Messies - Messies aus therapeutischer Sicht.

Schon in meiner Kindheit hing bei meinem älteren Bruder, welcher vielseitig begabt war, ein Plakat an der Türe mit der Aufschrift: Ein Griff und die Sucherei geht los.

Messies sollen ja laut Statistik ca. 10 % aller Menschen sein. Ab wann es für die betreffenden Menschen eine Qual ist in Ihrer Unordnung zu leben und wann es noch tolerabel ist, ist wohl individuell. Den Einen regt eine gewisse Unordnung zur Kreativität an, den Anderen lähmt die Unordnung bereits schon. Dies ist wie im Arbeitsbereich der Bürolisten, wo die Voll- oder Leertischler je anders reagieren und arbeiten.

Aus der Sicht der Meridianlehre führt ein Ungleichgewicht der energetischen Verteilung in den Meridianen zum Messietum. In meiner Ausbildung zur Therapeutin lernte ich, dass die Milz nach dem Verständnis der TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) die Mutter oder eben das Zentrum der Verdauung ist. Alles, was wir essen und trinken, wird in Energie umgesetzt. Wie beispielsweise jede Mutter das Gefühl kennt, nicht genug Milch zu haben oder nicht genug Nahrung für all die hungrigen Münder auf den Tisch zu bringen, so lässt sich die Wechselfolge einer geschwächten „Mutter“ Milz gut nachvollziehen.
Je schwächer die Milz ist, desto mehr fängt sie an zu sammeln und zu horten. Und das in den verschiedensten Lebensbereichen: Immer eine volle Tasche zu haben, Reserven anzulegen, nichts entsorgen zu können, endet zwangsläufig im natürlichen Sammeltick. Dies erklärt mir auch das Sammeln bei der älteren Generation, die in Kriegsjahren oft zu wenig Lebensmittel bekamen. Sie haben den Satz regelrecht verinnerlicht: „Kein Brot ist hart!“
Da habe ich Menschen erlebt, welche trotzdem sehr alt wurden, obwohl sie eben sehr hartes - oder gar schimmeliges Brot aßen, ohne gesundheitlichen Schaden zu erleiden.

Zudem beobachte ich auch, dass immer mehr junge Computer- angefressene Menschen zunehmend in Unordnung und in Bergen von Heften und Infobroschüren regelrecht "untergehen". Auch dies lässt sich in der Meridianlehre der chinesischen Medizin als ein Ungleichgewicht der Milz erklären. Der Computer liefert uns immer mehr wichtige Informationen. Zu viel studieren schwächt den Milzmeridian und somit auch das Organ Milz. Die Ziele im Kopf und der Wissensdurst sind sehr hoch; zur Computerarbeit reicht die Freizeit, es fehlt jedoch zunehmend die Milzenergie zum Aufräumen.
Die Informationsfluten, welche zum Hobby und/oder Beruf gehören, häufen sich und werden zum Ballast. Um all das Gesammelte los zu werden, braucht es nun noch mehr Energie – die Folge dessen ist einleuchtend.

Milz heißt auf Englisch „Spleen“! Im deutschen Sprachgebrauch reden wir von einem Spleen als Schrulle oder verschrobene Eigenart, aber auch, wenn jemand von einem Hobby und dem oft dazugehörigen Sammeltick besessen ist. Ein Nicht-Unterscheiden-Können von wichtig oder unwichtig und deshalb nicht loslassen können, kann auch darin eingeordnet werden. Bei Frauen häufen sich dann oft die Kleider im Schrank und doch finden sie nichts Nettes zum Anziehen.

Es ist auch bei anderen Meridianen so, dass die Psyche oft im Vordergrund steht, wie zum Beispiel der Herzschmerz bei Liebeskummer. Daraus resultieren erst bei längerem Dauern des Kummers oder bei stetem Wiederholen diverse Herzerkrankungen.

Nach TCM gibt es 12 Meridiane und jeder Meridian kann ins Ungleichgewicht kommen. Deshalb ist das Risiko, dass es den Milzmeridian betrifft gleichgroß wie bei jedem anderen Meridian.
Ich habe zwei Bekannte die sehr aktiv und produktiv sind. Der eine schreibt für einen Verein alle Monatsprogramme und gibt viele Informationen an die Mitglieder weiter, kommt mit dem Aussortieren und Entsorgen jedoch schon lange nicht mehr mit.
Der andere arbeitet für eine Computerfirma und muss neben seiner Computerarbeit sehr viel lesen und verarbeiten. Bei ihm stapeln sich die Hefte und seine Mutter räumt und putzt ihm sporadisch, damit er nicht ganz "versinkt".
So hat jeder Kranke seine eigene Geschichte, was ihn/sie schlussendlich aus der Bahn und dem alltäglichen Gleichgewicht geworfen hat. Die einen finden auch schneller und mit wenig Hilfe zurück und andere brauchen sehr viel Verständnis und eine gewisse Toleranz von den Mitmenschen. Wichtig ist, dass die Betroffenen früh genug motiviert werden.
Wie Kinder, welche lernen müssen aufzuräumen, brauchen auch betroffene Erwachsene Unterstützung und Ermunterung um „ihre Milz zu stärken“.
Allen Messies, die ich kennenlernte, ist gemeinsam, dass sie sehr sauber und oft auch gut gekleidet sind. Alle Aufgaben und Arbeiten erledigen sie sehr genau, ja fast pingelig.

Abgrenzen möchte ich „Messies“ ganz klar von Menschen, welche durch eine Suchterkrankung, Demenz oder eine psychische Erkrankung beeinträchtigt sind und aus diesen Gründen „nicht mehr alles unter einen Hut bekommen“!

Ein fachlich-persönlicher Erklärungsversuch zum Sammeln und Horten
von Jolanda Williams, Therapeutin und Pflegefachfrau in Dübendorf ZH

  



Interview mit Hansruedi: Hilfe die Elektrokontrolle kommt!
Dies denken wohl viele Messies, wenn sie eine schriftliche Terminankündigung für die Elektro-Installationskontrolle erhalten.
LessMess Hansruedi, dein Beruf ist Elektro-Sicherheitsberater und du bist einer jener Kontrolleure, die periodische Elektrosicherheitskontrollen in der Stadt Zürich durchführen. Weshalb musst du dies tun?
Hansruedi Der gesetzliche Auftrag für diese Kontrollen steht in der Niederspannungsinstallations-Verordnung (NIV) SR 734.27 vom 7. 11. 2001 des eidgenössischen Elektrizitätsgesetzes und dient dem Personen- und Brandschutz. Ich kontrolliere die elektrischen Festinstallationen alle 20 Jahre in Wohnungen und Häusern und führe bei allen Steckdosen Messungen durch. Zudem beurteile ich auch die elektrischen Installationen der Bewohner auf Mängel.
LessMess Wie reagieren die Leute auf deine schriftliche Ankündigung?
Hansruedi

Für die meisten Leuten ist dies kein Problem. Entweder sind sie selbst zu Hause oder haben den Schlüssel dem Eigentümer, Hauswart oder einem Nachbarn gegeben. Einige Personen erkundigen sich telefonisch, was genau kontrolliert wird: alle Steckdosen! Einige Personen fangen mich im Treppenhaus ab, damit sie gleich als Erste besucht werden. Andere versuchen eine Fristerstreckung auszuhandeln. Da ich durchschnittlich etwa 25 Kontrollen pro Tag vernünftig organisieren muss, gibt eine Terminverschiebung für mich Umtriebe, für die eine Umtriebsentschädigung bezahlt werden muss.

LessMess Weshalb betonst du, dass alle Steckdosen kontrolliert werden müssen?
Hansruedi Mit der Kontrolle übernehme ich die Verantwortung, dass die elektrische Festinstallation in Ordnung ist. Falls ich keinen Zugang zu allen Steckdosen habe, kann ich nicht bestätigen, dass die elektrische Festinstallation wirklich in Ordnung ist und falls es zu einem Brand oder Kurzschluss kommt, würde ich die moralische Haftung übernehmen müssen. Im Falle, dass ich nicht alle Steckdosen kontrollieren konnte, weil sie wegen Möbeln, Schachteln, Kisten oder anderen Dingen unzugänglich sind, muss ich auf meinem Formular vermerken, dass nicht alle Steckdosen für die Kontrolle zugänglich waren. Es gibt nur eine Ausnahme, wenn Steckdosen z.B. hinter einem Möbel liegen, kann ein fest installiertes dreipoliges (also geerdetes) Kabel als Verlängerung dienen, das ich kontrollieren kann.
Der Einwand, dass Geräte oder Licht (noch) funktionieren, gilt für mich nicht, denn die Sicherheit für Personen und Haus kann trotzdem gefährdet sein! Ich nehme meine Aufgabe sehr ernst und möchte meine Arbeit seriös und korrekt machen.
LessMess Was passiert, wenn du Mängel feststellst?
Hansruedi Ich muss die Mängel schriftlich auflisten. Sie müssen zwingend von einem Elektro-Fachmann behoben werden, dieser quittiert die Behebung. Bei einem zweiten Besuch kontrolliere ich, ob die Reparatur ausgeführt wurde.
„Nebenbei“ kontrolliere ich auch die elektrischen Installationen von Geräten. Denn auch diese können zu Personen- und Brandschäden führen! Falls elektrische Geräte nicht sicher angeschlossen sind, gebe ich den Bewohnern Empfehlungen, dass und wie sie diese Mängel beheben können.
LessMess Wie reagieren Messies auf deine Kontrollen?
Hansruedi

Es gibt Leute, die sich für ihre „Unordnung“ entschuldigen, obwohl es für mich als Messie ordentlich aussieht und eigentlich nichts herumsteht oder –liegt.
Oft sind es Messies, die sich telefonisch über die Kontrolle informieren.
Falls ich bei Messies etwas früher komme, sagen sie meist, dass sie gerade aufräumen wollten.
Andere Messies warnen mich, dass ich nicht erschrecken soll, weil sie sehr viele Sachen haben.
Andere Erklärungen von Messies lauten etwa:
- „Ich bin gerade am Zügeln.“
- „Nach einer Wohnungsräumung habe ich noch Material einer zweiten Wohnung bei mir.“
- „Ich hatte kürzlich einen Wasserschaden.“
- „Ich bin gerade daran, die Zimmer umzuorganisieren.“

Meist sind die elektrischen Installationen bei Messies fachmännisch gemacht, weil sie selbst sicher sein wollen, und weil sie nicht plötzlich jemanden (Hausabwart oder Feuerwehr) in ihre Wohnung lassen möchten.

Für mich spielt die Ordnung keine Rolle, ich muss nur Zugang zu allen Steckdosen haben!

LessMess Kannst du ungefähr schätzen, wieviele Messies es gibt?
Hansruedi Für mich gibt es zwei Gruppen von Messie-Wohnungen. Die einen (etwa 3 – 5 %) beherbergen auf jedem Quadratzentimeter viel bis sehr viel Material, das aber geordnet ist. Solche Wohnungen treffe ich in allen Quartieren und sozialen Schichten an.
Selten (ca. 1 %) sind Wohnungen verwahrlost, schmutzig und unaufgeräumt. Die Bewohner scheinen mir vereinsamt und randständig zu sein, vermutlich auch arbeitslos, ohne Tagesstruktur.
LessMess Kannst du ein Beispiel erzählen?
Hansruedi Vor ca. 8 Jahren wurde eine Wohnung umgebaut. Der Bewohner stellte nach sechs Monaten Störungen fest: er hatte nur noch teilweise Strom. Er traute sich aber nicht, dies der Verwaltung zu melden. Später fiel dann der ganze Strom aus und er lebte ohne Strom, bis ich dieses Jahr eine Kontrolle durchzuführen hatte. Ich konnte den Bewohner dann überzeugen, mich in die Wohnung zu lassen, um den Defekt zu suchen.
LessMess Gibt es unangenehme Situationen?
Hansruedi

Messies glauben oft, dass niemand etwas von ihrem Problem bemerkt, aber Mitbewohner ahnen es oft. Z.B. werde ich manchmal nach dem Grund für Verspätungen gefragt. Bei meiner neutralen Antwort, dass ich eine aufwendige Wohnung hatte, sagen die Mitbewohner dann, welche Wohnung es war.
Messies wollen eigentlich nicht auffallen, damit niemand einen Grund findet, zu ihnen in die Wohnung zu kommen.

Wirklich unangenehm sind Leute glücklicherweise sehr selten, d.h. dass sie sich weigern mich für die Kontrolle in die Wohnung zu lassen. Dann muss ich ihnen und dem Hausbesitzer oder Verwalter eine Mahnung schicken und einen zweiten kostenpflichtigen Termin mitteilen. Falls die Bewohner mich diesen Termin auch nicht wahrnehmen lassen, erhalten sie eine Busse. Schliesslich kann als Folge für die konstante Weigerung als letzte Massnahme die polizeiliche Öffnung der Wohnung angedroht und durchgeführt werden.

LessMess Ich danke dir für das Gespräch und die ausführlichen Informationen über deinen Beruf.


Tipp von Hansruedi:

Für mich und alle ist kooperatives Verhalten der einfachste Weg! smiley

 

Pressespiegel

Persönlichkeitstests sind sehr beliebt und in jeglichen Zeitschriften und Internetportalen kann man restlos alles über sein eigenes, tiefes, inneres 'Ich' erfahren...

Wen wunderts, dass da letzthin auch ein 'Messie-test' erschienen ist - und dies gar im deutschen Lifestyle-Magazin 'Jolie' der Springer Presse.

Er ist etwa gleich doof, wie alle übrigen Tests in diesem Stil: Man kann jeweils zwischen 3 krass unterschiedlichen Antworten zu einer themabezogenen Frage wählen und kriegt zuletzt eine auswertende Beurteilung. Unterschieden werden meist drei Antwortstränge die jeweils zu 'sehr ausgeprägt', 'sosolala' und 'überhaupt nicht' führen (und damit man sich nicht noch in Unsicherheiten über eventuell unscharfe Zuordnungen verliert sind die Richtungen auch noch gerade jeweils mit einer knalligen Farbe markiert...).
Warum ich den Test nun dennoch erwähne, wo er doch so doof ist? Er zeigt deutlich eine andere Seite des Missverständnisses gegenüber Messies auf. Das eine, weitverbreitete Missverständnis ist die Gleichsetzung von Messies und Vermüllung. Ein anderes nun ist die völlige Verniedlichung und Verharmlosung des Messiesyndromes. Da wird sogleich zum Messie gestempelt, wer mehr als drei Ansichtskarten an den Kühlschrank heftet und noch verblichene Bluejeans im Kleiderschrank hortet... Von Leidensdruck, von Zwanghaftigkeit, Scham, Ohnmacht, Ausgrenzung und Erniedrigung wird man in dem Test kein Wort erfahren. Darum ist die Lösung dann auch so einfach, wenn im test rauskommt, dass man ein Messie ist: "...Wenn Sie sich jetzt von der Hälfte des Kleiderhaufens trennen können, haben Sie einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Denn: Dinge aufheben, die Sie niemals vermissen würden, macht einfach keinen Sinn...."

Da muss man ja erst mal draufkommen !

Sind Sie ein Messie?


Thomas

 

BUCHBESPRECHUNG (Fortsetzung)

Das Messie-Syndrom
Hrsg: Alfred Pritz, Elisabeth Vykoukal, Katharina Reboly, Nassim Agdari-Moghadam

3. Teil: Therapeutische Aspekte (erste Hälfte)

Sammelsurium – ein buntes Durcheinander
Von Christa Luger

 

Die Autorin assoziiert erst im Sinn einer „Gedanken-Sammlung“ verschiedene Überlegungen und Aussagen zum Messie-Syndrom und kommt auf den Zusammenhang resp. Gegensatz von Mangel, Lücke, Riss einerseits und Wunsch, Sucht, Sehnsucht andrerseits. „Das früh Entbehrte kommt als Wunsch nicht zur Ruhe, und wer etwas von dem Vermissten später beschaffen kann, muss dennoch nicht daran satt werden.“ (Elfriede Gerstl, Kleiderflug, 1995,S.59)
Messies versuchen, den Mangel zu überwinden, scheinbar ein Loch zu stopfen mit Dingen, welche nicht verletzen können und von denen man nicht verlassen wird. Dabei wird aber der Gegensatz von innen (Leere) und aussen (Überfüllung) nur noch grösser. Die zugrundeliegende Angst erläutert die Autorin anhand eines Fallbeispiels. Die Verlagerung vom innern Mangel zum äussern Chaos ist auch ein Versuch, den eigenen Gefühlen zu entkommen. Zitat einer Betroffenen: „Wenn ich beginne, mich zu spüren, ertrage ich vielleicht das Chaos in meiner Wohnung nicht mehr…“

Das Messie-Kunstprojekt
Von Dorit Doppelhammer

 

Die Autorin sieht die Kunsttherapie als Entwurf für einen Lösungsprozess für Messies. In Ergänzung zum gesprächstherapeutischen Ansatz kann die Kunsttherapie kreativ-gestalterische Prozesse fördern. In entspannter, gelöster Atmosphäre kann sich in der Gruppenarbeit ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln. Die Autorin erwähnt die Anfangsschwierigkeiten, da die meisten Messies eher isoliert leben, sich deshalb erst abwartend verhalten und nur zögerlich zu öffnen wagen. Dann aber wird es möglich für sie zu erfahren, dass in der Gruppe gleichzeitig miteinander gearbeitet, beraten, unterstützt, gelacht, gelobt, berührt werden kann. Der Autorin fiel auf, wie oft sich Messies sehr selbst-kontrolliert verhalten, wie sie sich aber auch sehr um jene bemühen, die nicht mitmachen wollen oder können, und wie sie immer wieder versuchen, diese in die Gruppe zu integrieren.

Erwähnt wird die Bedeutung der Farben (Eva Heller, „Wie Farben wirken“, Rowohlt Tb, 1999), die Wirkung des gemeinsamen Malens, der „sozialen Wärme“, des schöpferisch Tätig-seins im Sinn von Joseph Beuys „Jeder ist ein Künstler“ (man/frau muss es nur entdecken).

Im Unterkapitel „Kunsttherapeutisch orientierte Zugänge zum Messie-Syndrom: Sammeln zwischen Leid und künstlerischem Akt“ sind die Ausführungen zur Unterscheidung zwischen geglücktem und unkontrolliertem, ausuferndem Sammeln lesenswert.

Die DEUTUNG eines Bildes sollte nur vom Malenden selbst erfolgen. Hingegen muss die Kunsttherapeutin eingreifen, wenn während eines Gestaltungsprozesses eine Krise entsteht. Dies erfordert eine grosse Achtsamkeit und Behutsamkeit.

Für die BILDANALYSE ist eine gute Schulung der Wahrnehmung unerlässlich. Aus der Erfahrung ergeben sich gewisse Hinweise in Bezug auf Dynamik, Grundelemente, Lebensgefühl, traumatische Erlebnisse u.a., was die Autorin anhand eines Bildes im einzelnen aufzeigt.

Kunsttherapie kann helfen, die eigene Problematik auszudrücken bzw. darzustellen, und den Wunsch nach Veränderung auszulösen und zu verstärken.


Buchtitel Vermüllungssyndrom

ISBN 978-3-211-76519-7

„Das Messie-Syndrom – Phänomen, Diagnostik, Therapie, Kulturgeschichte des pathologischen Sammelns"

Pritz, A.; Vykoukal, E.; Reboly, K.; Agdari-Moghadam, N. (Hrsg.)

Springer Verlag 2008, 324 S., 21 Abb., 10 in Farbe., Softcover

Chf 67.90

 

Rätsel  Fragezeichen

Auflösung des letzten Rätsels:
Mit den sehr plausiblen Vorschlägen 'Jean Tinguely' oder 'Daniel Spoerri' wurde die richtige Antwort eigentlich nur um haaresbreite verfehlt - beide genannten Künstler waren nämlich Freunde und Arbeitskollegen des Gesuchten: Dieter Roth !

Danke fürs Mitmachen.

LessMess-Hut

Beim neuen Rätsel kann man rechnen - oder auch raten.

Wir erläutern mal den 'Messie House Index' (MHI) - ein von A. Schmidt vorgeschlagenes Mass um das Ausmass einer Messie-Betroffenheit quantfizieren zu können. Dabei wird in einer Wohnung eigentlich nur das Verhältnis der belegten Fläche zur frei begehbaren betrachtet und die belegte Fläche als Zahl von 1 - 10 ausgedrückt. Bei einem MHI von 7 wären demnach bereits 70% der Wohnfläche überstellt. Bei einem 'normalen' Haushalt beträgt die belegte Wohnfläche etwa 30 %. Diese Betrachtung ist etwas vereinfacht, da bei einer echten MHI-Berechnung auch noch die Funktionalität von Küche und Bad mitberücksichtigt wird.

Dennoch - nehmen wir mal an, unser Messie X startet in einer cleanen Wohnung mit einem MHI von 3 - wobei aber alle Schränke und Gestelle jetzt belegt sind. Seine Wohnung hat eine Fläche von 70 m2 und ist demnach bester Durchschnitt. Unser Messie ist Meister im Stapeln und baut auch realistisch in die Höhe...
X ist Stadtbewohner und bekommt ansehlich interessante Werbebroschüren und Gratiszeitungen frei Haus oder in Bus und Bahn - vielleicht hat er auch eine Tageszeitung abonniert... Da kommen täglich (ausser Sonntags) gut 2 cm Papier zusammen, die gesammelt werden - vorzugsweise entlang von freien Wandflächen. Viel höher als einen Meter (!) können diese Beigen kaum gestapelt werden.
Aber es gibt ja nicht nur Zeitungen - wöchentlich kommt da noch eine volle Papiertragtasche dazu mit Büchern, oder Material aus Brockenhäuser, Geschenke, 'Erbstücke', Souvenirs uvam. 4 dieser Säcke können aufeinander gestapelt werden und stehen eng aneinander herum - immerhin kann die Hälfte eines solchen Sackstapels dann mal jeweils auf eine fertige Zeitungsbeige gestellt werden. Vierteljährlich ist Sperrmüllsammlung - da gibt's regelmässig ein Schnäppchen, das jeweils etwa 40 x 40 cm Boden beansprucht. Alle 2 Jahre kommt ein Mottenschrank oder ähnliches dazu für ausgediente und übernommene Kleider (oder was immer denn auch sonst gesammelt wird - ein Mottenschrank misst 50 x 80 x 160cm).

Nach etwa wieviel Jahren hat X den MHI von 7 erreicht, was von Fachkräften bereits als hochgradiges Messietum bezeichnet wird ?

Wohlgemerkt: dieses Szenario ist eher bescheiden beschrieben.



Maile oder schreibe uns die Anzahl Jahre, dazu aber auch die eigene Adresse, an info@lessmess.ch, LessMess, Mitteldorfweg 31, 8915 Hausen am Albis, Fax 044 764 28 50


LessMess Beratungstelefon: 079 304 10 97 Montag 18.00 - 20.00 // Donnerstag 10.00 - 12.00


Wir danken herzlich für eventuelle Spenden an: PC 85-555738-2, LessMess, Zürich

Redaktion dieser Ausgabe: Annemarie.
Layout und Gestaltung: Thomas.



LessMess Info Logo Ausdruckbares PDF dieser
LessMess INFO 2/2009
Nr. 2/09 - 7. Juni

 

Aktuelles

LessMess Sommerfest 11. Juli 2009

Fachartikel Das Messie-Syndrom und die Krankenkassen
Interview mit Brigitte. Sie hat sich geoutet
Pressespiegel Auf der Suche nach Ordnung
Buchbesprechung Das Messie-Syndrom / 2. Kapitel
Hrsg: Alfred Pritz, Elisabeth Vykoukal, Katharina Reboly, Nassim Agdari-Moghadam
Rätsel Auflösung / Wer ist der Künstler?


Liebe Messies und Nicht-Messies
Für das zweite Info 2009 braucht es viel Zeit zum Lesen – deshalb ist das Vorwort etwas kürzer. Unsere freien Mitarbeiter haben einen wissenswerten Fachartikel und eine Buchbesprechung verfasst, die zum Lesen, Studieren und Diskutieren animieren. Das Interview mit Brigitte zeigt Erfahrungen, die beim Outen eintreten können. Bitte beachtet auch den Hinweis auf das Sommerfest!

LessMess


Aktuelles

Der Vorstand von LessMess organisiert ein zweites Sommerfest.
Das Motto lautet: „Messies begegnen sich, diskutieren, essen, trinken, lachen und geniessen zusammen … und kriegen alles unter einen Hut“.
Auch diesmal erwartet euch wieder ein Apéro, ein reichhaltiges Sommerbuffet mit verschiedenen Grilladen und ein Dessertbuffet, umrahmt vom A-Cappella-Chor Voicieme. Die Maturandin Nina Zollinger stellt ihre Maturaarbeit und ihren Kurzfilm zum Thema Messie vor. Natürlich bleibt noch genügend Gelegenheit und Zeit zum Plaudern und Diskutieren mit neuen und alten Bekannten.

Die Kosten für Mitglieder beim Verband LessMess betragen Fr. 40.-, Kinder unter 16 Jahre bezahlen Fr. 20.- und Nichtmitglieder Fr. 50.- (jeweils ohne Getränke).

Mehr Infos hier, direkte Anmeldung da
Schriftliche Anmeldungen bis am 30. Juni 09 an: LessMess, Mitteldorfstrasse 31, 8915 Hausen a.A.
Nach Anmeldeschluss wird ein Zuschlag von Fr. 10.- erhoben.

Der Vorstand freut sich, euch, Freunde und Bekannte im evangelischen Kirchgemeindehaus Wallisellen am Samstag, 11. Juli 2009 ab 16.00 Uhr begrüssen zu können!




Fachartikel : Das „Messie-Syndrom“ und die Logik der Krankenkassen.

Von Heinz Lippuner, lic.phil. Fachpsychologe für Klinische Psychologie und Psychotherapie FSP

Journalisten/-innen fragen mich ebenso häufig wie Betroffene, ob denn das Messie-Syndrom mit Psychotherapie behandelt werden könne. Meine Antwort lautet immer: Psychotherapie behandelt Menschen und nicht Syndrome oder Krankheiten. Das weist auf wichtige Grundsatzfragen der Psychotherapie hin, stellt die Fragenden aber selten zufrieden und dies zu Recht.
Sucht ein „Messie“ Hilfe bei einem Psychotherapeuten und soll diese Therapie via Krankenkasse aus der Grundversorgung bezahlt werden, muss der Therapeut nach 6 Sitzungen beim Vertrauensarzt der Krankenkasse eine Meldung abgeben und eine Kostenübernahme für die 10. bis zur 40. Stunde beantragen. In dieser Meldung, die auf einem vorgegebenen Formular des BAG (Bundesamt für Gesundheit) gemacht wird, gilt es, neben der Beschreibung der Beschwerden und Symptome, sowie Ziel und Zweck der Behandlung unter Punkt 2.2. auszuführen, welches die (Vorläufige) Diagnose(n) sei, und dies im ICD-10 Code (so präzise wie möglich, ICD-10=Internationale Klassifikation der Krankheiten, 10. Revision). Hier verwende ich wie viele andere mir bekannte Therapeuten abschwächende Formulierungen wie „Verdacht auf...“, aber spätestens beim ausführlichen Bericht und dem Gesuch um Verlängerung nach 40 Sitzungen wird eine Diagnose mit Hand und Fuss verlangt.
Die Krankenkassen bezahlen die Behandlung von Beschwerden mit Krankheitswert, sie bezahlen also (berechtigterweise) nur die Behandlung von Krankheiten und das „Messie-Syndrom“ ist weder in dem erwähnten Manual (ICD-10, herausgegeben von der Weltgesundheitsorganisation WHO) enthalten noch im anderen wichtigen Klassifizierungssystem, dem DSM-IV (herausgegeben von der American Psychiatric Association APA). Ein Gesuch um Kostengutsprache mit der Diagnose „Messie-Syndrom“ hätte also keine Chance, gleich anderen „Modediagnosen“, die es eben auch „nicht gibt“, etwa „Burnout“ oder „Mobbing“.
In der Logik der Krankenkassen, nach deren wissenschaftlich medizinischen Kriterien, gibt es also keine eigenständige Krankheit „Messie-Syndrom“. Ich bin überzeugt, dass dies auch so bleiben wird. Unter der aktuellen Bezeichnung und mit den vorliegenden theoretischen Konzepten (aus der Selbsthilfebewegung und aus der Feder einiger Forscher/-innen) besteht keine Hoffnung, in die oben erwähnten Manuale aufgenommen zu werden.
Im aktuellen Buch „Das Messie-Syndrom“ (Hrsg. von Pritz, Vykoukal, Reboly, Agdari-Moghadam im Springer-Verlag/Wien 2009) schreibt Arnd Barocka treffend: „Dabei stellt sicher die ausgesprochen unpassende Bezeichnung „Messie“ ein Hindernis (...) dar.“ Die Bezeichnung erfasse weder die Tragik im Leben der Betroffenen noch vermittle sie Einsicht in das Wesen der Phänomene. Er fordert deshalb eine Umbenennung. „Da eine Störung mit Defiziten in Organisation und Planung aller Lebensbereiche vorliegt, soll diese Bezeichnung, nämlich 'Organisations-Defizit-Störung (ODS)' für den deutschen Sprachraum an dieser Stelle ausdrücklich vorgeschlagen werden“.
Nun kriegt aber der Schweizer „Messie“ von seiner Krankenkasse auch keine Kostengutsprache, wenn er mit der Diagnose ODS gemeldet wird. Die sehr engagierten Forschungen im Umfeld der „Sigmund Freud Universität“ in Wien wie auch vergleichbare Ansätze um die Forscherin Gisela Steins in Deutschland bringen uns wichtige neue Erkenntnisse und sie werden es auch ermöglichen, bei Fachpersonen aus dem psychosozialen und psychiatrischen Umfeld mehr Verständnis und mehr Verstehen der „Messies“ zu erreichen, aber eine eigenständige Diagnose bleibt in weiter Ferne.
Dem „Messie“ und seinem Therapeuten, seiner Therapeutin bleibt heute nur die Möglichkeit, die Beschwerden, die Symptome und typischen Funktionsweisen des Betroffenen als sekundäre Symptome, als Folgeerscheinungen einer zugrunde liegenden anerkannten Krankheit zu verstehen. Das „Messie-Syndrom“ maskiert in diesem Verständnis eine andere Krankheit, es kommt, wie wohl die Mehrheit der Betroffenen sagen würden, erschwerend hinzu.
Ein Überblick in bildlicher Darstellung soll uns in Erinnerung rufen, mit welchen Phänomenen und Krankheiten das Messie-Sein meist in Zusammenhang gebracht wird, um uns anschliessend zu fragen, welches die wichtigsten anerkannten Diagnosen sein könnten, die in den Meldungen an die Krankenkassen den Ansprüchen gerecht werden.

Illustration Messiesyndrom

(Quelle: E. Niedermann: Was ist ein Messie? 1.Studienarbeit Hochschule für Angewandte Psychologie HAP, 2005)

JournalistInnen berichten mir immer wieder, bei ihren Recherchen würden sie von psychiatrischen Institutionen meistens die Auskunft erhalten, das „Messie-Syndrom“ gebe es nicht, es handle sich um eine Depression. Auf Nachfragen kriege man oft noch ergänzt, es handle sich um Symptome bei chronischen Depressionen. Nicht gerade Präzisionsarbeit!
Das ICD-10 kennt unter dem Code F32 die depressive Episode, welche zusätzlich als leicht, mittelgradig oder schwer bezeichnet wird und - sicher hier wichtiger - unter dem Code F33 die rezidivierende depressive Episode, gegenwärtig leicht, mittelgradig oder schwer. Rezidivierend meint, dass es sich nicht um eine einmalige Episode handelt, sondern um ein phasisch wiederkehrendes Leiden, in welchen Abständen auch immer.
Zum Kern des Depressiven gehört die Antriebsstörung („ich kann nicht wollen“), sie erklärt dann etwa die Blockierungen, die es dem „Messie“ unmöglich machen, die längst geplanten Entsorgungsaktionen umzusetzen. Katharina Reboly schreibt im oben erwähnten Buch „Das Messie-Syndrom“, es gebe unter den Messies „die Wanderer und die Einsiedler“: Die Wanderer haben viele soziale Kontakte und Interessen, ...“. Sie ahnen es, einige „Messies“ sind offensichtlich nicht gerade die typischen Depressiven. Es könnte sein, dass neben den depressiven Episoden auch manische Episoden auftreten, das „Messie-Syndrom“ würde so möglicherweise eine bipolare affektive Störung (F31 im ICD-10 Code) maskieren.
Die Schwierigkeiten der meisten Messies beginnen bekanntlich aber nicht erst beim Entsorgen, sie beginnen beim Zusammentragen, nach Hause bringen, beim Einsammeln, kurz, beim Horten. Zum Horten (englisch: hoarding) liegen sehr viele Forschungsarbeiten v.a. aus den USA vor. Wir sind hier auf dem Feld der Zwangserkrankungen (F42) oder im Bereich des Zwangsspektrums. Der zwanghaft hortende Messie leidet also in dem Verständnis an einer Art Zwangserkrankung (obsessive compulsive disorder), welche letztlich in einer Therapie behandelt werden müsste. Die mir aus den Schilderungen vieler Messies einfallenden Zwangsgedanken, Rituale und v.a. die oft schwersten Kämpfe angesichts von Entscheidungen, machen die Zuordnung der dahinter liegenden Krankheit als Zwangserkrankung sicher nachvollziehbar.
Als Mitarbeiter von escape, dem Zentrum für Verhaltenssucht, kann ich sowohl Aspekte des Depressiven wie solche des Zwangs bei fast allen mir bekannten Messies feststellen, ich muss sie aber ergänzen um die typischen Symptome und Funktionsweisen von Menschen, die an einer Verhaltenssucht leiden, oft auch als stoffungebundene Süchte bezeichnet.
Escape (Zentrum für Verhaltenssucht 044/202 30 00) hat aufgrund der langjährigen Erfahrungen, welche an der Offenen Tür Zürich mit Onlinesucht, Glücksspielsucht, Kaufsucht und Sammelsucht gemacht wurden, ein neues Fachkonzept erarbeitet, sich aus der Offenen Tür herausgelöst und arbeitet jetzt mit Messies auch mit dem Arbeitsmodell, dem „Messie-Syndrom“ liege eine Verhaltenssucht zugrunde. In der Logik der Diagnose-Manuale bewegen wir uns dann im Bereich des Zwanges (F42) oder bzw. und im Bereich der abnormen Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle (F63).
Diverse andere Störungen/Erkrankungen, die „dahinter stecken könnten“ müssen wir hier unbeachtet lassen, präziseres Wissen über Messies wird uns vielleicht später ganz andere Verbindungen nahe legen.
Und noch dies: Mit Nachdruck ist zu hoffen, dass es dem Messie und seiner Therapeutin gelingt, sich in der gemeinsamen Arbeit aus den Fesseln dieser Logik zu lösen und die ganz individuellen Ängste, Verarbeitungen und lebensgeschichtlichen Bedeutungen ins Zentrum zu stellen. Nur so kann Psychotherapie erfolgreich sein.




Interview mit Brigitte
LessMess Warum hast du dich im Stern-TV als Messie geoutet?
Brigitte Ich habe mich schrittweise geoutet. Zuerst am 7. Geburtstagsfest für meine Tochter Samantha. Der Grund dafür war Samanthas Spitalaufenthalt mit anschliessender Operation. Während des Spitalaufenthalts (bei dem ich Tag und Nacht bei meiner Tochter gewesen bin), bemerkte ich, wie glücklich Samantha mit anderen Kindern spielte. Da kam ich zur Überzeugung, dass ich dafür sorgen will, dass Samantha mit ihren Freundinnen und Freunden zu Hause spielen kann.
LessMess Wie waren die Reaktionen auf dein Outing?
Brigitte

Mein Outing löste unterschiedliche Reaktionen aus: Einige meiner Freunde/innen, vor allem meine Freundin, wertete es sehr positiv, ein Teil meiner Familie war entsetzt. Einige Bekannte zogen sich zurück, gingen verloren. Dafür lernte ich im Laufe der Zeit andere Personen kennen, teilweise durch das Internet. Die Gspänli von Samantha kommen gerne spielen, sie beurteilen die überfüllte Wohnung nicht, sondern geniessen einfach die gemeinsame Zeit.
Die Fernseh-Reportage „Stern-Reportage, Leben im Chaos! Messies“ wurde am 19.01.2009 auf VOX ausgestrahlt. Diese kam zustande, weil mich eine Beauftragte von Imago-TV am 13.03.2008 über www.lessmess.ch angefragt hat, ob ich für eine Reportage bereit wäre. Da sich auch Samantha einverstanden erklärte, kam ein Filmteam für zwei Tage im Mai 2008 und interviewte und filmte uns.

LessMess Wie hast du dich beim Filmen gefühlt?
Brigitte Zuerst hatte ich Lampenfieber und war sehr nervös. Die Reporterin konnte mir aber die Nervosität nehmen und ich fühlte mich gut, fast wie ein Filmstar.
LessMess Würdest du nochmals eine Reportage oder etwas Ähnliches machen?
Brigitte Ja, ich habe vor kurzem zugesagt, in die Sendung „Stern-TV“ mit Günther Jauch zum Thema Messie zu gehen. Samantha und ich fliegen für zwei Tage nach Köln. Die Sendung wird voraussichtlich am 19.08.09 ausgestrahlt.
LessMess Welchen Grund hattest du, dich zu outen?
Brigitte Ich möchte zeigen, dass man mit dieser Krankheit nicht alleine ist und dass es nicht nur „zugemüllte Messies“ gibt. Vielleicht kann ich anderen Messies auch helfen, sich zu öffnen. Ich habe viele positive Reaktionen erhalten, auch später noch. Der wichtigste Grund aber ist Samantha: ich möchte etwas ändern.
LessMess Welche Risiken bringt das Outen?
Brigitte Einige Leute können nicht verstehen, dass ein Messie so viel Mühe hat, aufzuräumen und nicht zu sammeln. Sie lehnen Messies ab. In einer Partnerschaft funktioniert das Zusammenleben nur mit sehr viel Liebe, Vertrauen und Achtung. Vor allem gegenüber Frauen besteht die feste Erwartung, dass der Haushalt von ihr ordentlich geführt wird.
LessMess Welche Empfehlung bezüglich outen gibst du an andere Messies?
Brigitte Man soll sich privat oder öffentlich nur outen, wenn man 100 % sicher ist, auch negative Reaktionen ertragen zu können. Mir fiel ein Stein vom Herzen und ich habe das Outen nicht bereut.
LessMess Was hast du konkret im Haushalt geändert?
Brigitte Auf meinen Briefkasten habe ich einen Kleber gegen Reklame angebracht. Schon vorher habe ich Papier, Karton, Metall und Alu, PET- und Glasflaschen regelmässig entsorgt.
Nach der Fernsehsendung habe ich das Buffet aussortiert, den Putz- und Reserveschrank, den Badezimmer- und den Küchenschrank ausgeräumt und entrümpelt. Unterstützt werde ich 1x pro Woche/1 Std. von der Hauspflege, weil ich auch verschiedene körperliche Probleme habe.
Sachen wegzugeben war für mich sehr schwierig. Ich habe aber erkannt, dass sie nur Ersatz für ein Manko sind, und deshalb ist es mir einigermassen gelungen, mich von Dingen zu trennen.
LessMess Vielen Dank für das offene Interview!
Brigitte Ich freue mich auf neue Kontakte zu Messies und komme gerne ans Sommerfest!


Brigittes Tipp:

„Jedes Ding‘ an seinen Ort, erspart viel‘ Müh‘ und manch‘ bös‘ Wort!“
Gilt vor allem für Natel, Schlüssel, Brille smiley

 

Pressespiegel


Auf der Suche nach Ordnung
© ZEIT ONLINE 5.3.2009, Von Lars Klaaßen (Text) und Christian Muhrbeck (Fotos)

Es ist eine der verständnisvollsten Betrachtungen über Messies, die ich in den letzten Wochen gelesen habe - und dies von der prominenten Quelle "Die Zeit"! ...und dies ausgerechnet jetzt, wo unser Info bereits dermassen überbordet, dass hier eine vollständige Wiedergabe ausgeschlossen ist (der Artikel erstreckt sich über mehrere Seiten, mit illustrativen Bildern). Trotzdem: wer nach einer Verschnaufpause neue Kraft hat nehme sich unbedingt die Zeit und folge dem link!
Dennoch erwähne ich hier - quasi zur Steigerung der Neugier - auszugsweise 3 Stellen:

"...Die Wohnungen von Messies sehen von Fall zu Fall sehr unterschiedlich aus. Sie können etwa geprägt sein von Ordnungssystemen unterschiedlicher Art: Aktenordner, Hängeregistraturen oder akkurat beschriftete Kisten, die säuberlich geordnet in Regalen stehen. Daneben können sich auch Anhäufungen von Gegenständen befinden, die Besuchern völlig chaotisch erscheinen. Die Bewohner jedoch haben auch darin häufig noch ein System und wissen ziemlich genau, wo sie was finden können. Andere Messies wiederum sind auch mit der zeitigen Entsorgung von Lebensmitteln überfordert. Die Grenze zur Verwahrlosung verwischt für außenstehende Betrachter. Der Unterschied zu Menschen, die verwahrlost sind, oder die sich als „chaotisch-kreative Köpfe“ bezeichnen und ihre Unordnung lieben, besteht vor allem darin, dass Messies diese Zustände nicht egal sind – sie leiden darunter."

Es ist sicher wahr, dass sehr viele Messies an ihrem übersteigerten Ordnungsempfinden qualvoll scheitern (sieht man mal ab von der überwältigenden Menge an Dingen, die sie zu ordnen haben) und es tut gut, wenn dieses Ordnungsbestreben festgestellt und nicht ins Lächerliche gezogen wird. Es folgt auch ein sinnvoller Ratschlag:

"Der Psychologe Gunter König (...) empfiehlt, einen Plan zu erstellen, wie das Problem ganz pragmatisch gelöst werden kann – hier und jetzt. Dazu gehört unter anderem, sich zunächst kleine Ordnungsinseln zu schaffen und diese dann bewusst zu genießen. „Perfektionismus sollte vermieden werden“, so König. „80 Prozent Erfolg reichen auch schon!“ "

Sehr richtig! Und das entspricht genau dem Paretoprinzip: um diese 80% Ordnung zu schaffen bedarf es lediglich 20% des vermutlichen Gesamtaufwandes. Soll diese Ordnung dann aber um die 'fehlenden' 20% vervollkommnet werden, so wird das dann schlicht die verbleibenden 80% des Gesamtaufwandes verschlingen - reine Sisyphosarbeit.
Aber es kommt noch schlimmer: in einem Kommentar zu dem Artikel hinterfrägt sich ein Leser, warum Messies denn soviel zu ordnen haben. Und sein Ansatz, dass es sich dabei um die Sucht nach stets Neuem handeln könnte, gepaart mit der Weigerung, sich klar für oder gegen etwas zu entscheiden, ist halt auch sehr scharf beobachtet:

"... Das Messie-Syndrom ist vergleichbar mit der Flucht in die Zeit der Kindheit, wo alles neue interessant war und erkundet werden wollte, mit dem Unterschied, dass Kinder von der Energie der Forscher angespornt werden, werden die "Messies" sammeln, um sich das lästige Sortieren zu ersparen, wo sie Entscheidungen treffen und eben auch etwas aufgeben müssten.
Bei den Messies sammelt sich die Welt der Dinge und der Aufbruch in die Welt bleibt so mit seinen ganzen Risiken und Anstrengungen solange "erspart", bis die Unordnung nicht mehr auszuhalten ist."

Ein Messie würde diesem Vorwurf vermutlich entgegenhalten, dass gerade die hier als Zeichen des Erwachsenseins geforderten, schnellen, risikobehafteten Entscheide massgebend zu der misslichen Lage beigetragen haben, in der sich die aktuelle Weltlage befindet... (was wiederum nicht als Rechtfertigung gelten kann, sich gar nicht zu entscheiden).
Interessant, nicht? Jedenfalls wesentlich interessanter als das elende Geplärre, das um Tante Wittlers Aufräumopern in RTL entbrannt ist: da wird doch tatsächlich ernsthaft gefragt, wer denn das alles bezahle !!!
Zitat: Nun fragen sich zahlreiche TV-Zuschauer: Wodurch haben sich Messies die Hilfe von Tine Wittler überhaupt verdient? Und: Wer bezahlt eigentlich die aufwendigen Renovierungsarbeiten?
Was man dann da an Kommentaren zu lesen bekommt zeigt deutlich, dass gerade solche Sendungen nicht gerade geeignet sind, die Problematik des Messie-Syndroms zu erklären...


Thomas

 

BUCHBESPRECHUNG (Fortsetzung)

Das Messie-Syndrom
Hrsg: Alfred Pritz, Elisabeth Vykoukal, Katharina Reboly, Nassim Agdari-Moghadam

2. Teil Diagnostik

Horten und Sammeln im Spektrum der Zwangsstörungen
von Martin Aigner, Ulrike Demail, Markus Dold

1. Einleitend berichten die Autoren, dass eine Reihe psychiatrischer Erkrankungen dem „Messie-Syndrom“ zugrunde liegen können und sein zwanghafter Charakter es schon früh mit Zwangsstörungen in Verbindung brachte. Je nach Diagnostik der entsprechenden Grunderkrankung können geeignete therapeutische Schritte eingeleitet werden. Der „Sammeltrieb“ kann aber auch als „Urtrieb“ der Jäger und Sammler verstanden werden und ist somit nicht primär pathologisch, sondern ist eher ein Verhalten, das Spannungen reduzieren kann. Ein massloses Sammeln und Horten kann aber ins Spektrum der Zwangstörungen eingeordnet werden. In Tabelle 1 wird die Differenzialdiagnose des „Messie-Syndroms“ im ICD 10 ersichtlich.
2. Beispiele zur Differenzierung von Zwangsstörung und Zwangsspektrumstörung zwischen den Polen „zwanghaft“ und „impulshaft“ sind übersichtlich dargestellt. Differenzierend erklärt wird, dass das Verhalten zur Spannungsreduktion bei der Impulskontrollstörung zunächst „ich-synton“ = lustvoll (Spielen / Kaufen), bei der Zwangsstörung meist als „ich-dyston“ = belastend (Wasch- und Kontrollrituale) empfunden wird.
3. Der Abschnitt über biologische und psychologische Befunde und Komorbidität bei Hort- und Sammelzwängen weist auch auf genetische Faktoren und auf wichtige diagnostische Erkennungsmerkmale hin.
4. Zur Therapie des Hort- und Sammelzwanges wird als wichtiger Punkt die Diagnosestellung genannt. Erst nach sorgfältiger Analyse kann mit den Betroffenen gemeinsam eine angepasste Therapieplanung angegangen werden. Die therapeutische Herangehensweise legt psychotherapeutische und medikamentöse Ebenen nahe – wie z.B. die kognitive Verhaltenstherapie bei Zwangsstörungen und zum anderen die medikamentöse Therapie mit Antidepressiva, welche sich wirksam zeigten. Die Autoren betonen, dass aus ihrer Sicht auch der Wohnbereich in die Therapieplanung zwingend miteinbezogen werden sollte.

Krank oder nicht krank? –psychiatrische Aspekte einer Organisations-Defizit-Störung (sogenanntes „Messiesyndrom“)
von Arnd Barocka

1. In „Nosologische Vorbemerkung“ wirft der Autor die bemerkenswerte Hinterfragung ein, ob es sich bei der Störung von Organisation und Planung der Lebensabläufe vielleicht um eine neue eigenständige Erkrankung handeln könne. So wird auch bemerkt, dass psychiatrische Erkrankungen tatsächlich neu auftauchen und wieder verschwinden können, wie beispielsweise das Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) des Erwachsenen, das vor zwanzig Jahren noch weitgehend unbekannt war. Die graphische Darstellung zeigt übersichtlich das nosologische (systematische Beschreibung der Krankheit) Problem – being (a) messy.

2.
Im „Messie-Phänomen in der Ratgeberliteratur“ heisst es, dass laut Felton das Messie-Phänomen ein die gesamte Persönlichkeit prägendes Merkmal ist, das sich auf alle Lebensbereiche ungünstig auswirkt, ohne dass die Betroffenen deshalb immer psychiatrische oder psychotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen würden. Weiterführend werden Merkmale, die anhand eigener Erfahrungen Feltons das Problem darstellen, beschrieben. Dabei heisst es, dass in der Ratgeberliste bereits äthiologische Hypothesen zu lesen sind über biologische, psychologische und soziale Faktoren, welche aber empirisch kaum substantiiert sind. Trotzdem scheint das zugrunde liegende Phänomen sozial hoch bedeutsam zu sein, laut Tolin et al.
3. Im Abschnitt „Organisations-Defizit-Störung (ODS)der wissenschaftlichen Literatur“ wird über die Nomenklatur, ODS in der Normalbevölkerung und über ODS bei psychiatrischen Krankheitsbildern berichtet. Über aktuelle Forschungsergebnisse folgender psychiatrischer Krankheitsbilder, die im Zusammenhang mit dem ODS auftreten wird spezifisch berichtet: Zwangsstörung – Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) - Borderline-Persönlichkeitsstörung - Posttraumatische Belastungsstörung PTBS - Bipolare affektive Störung (mit Falldarstellung) - Schizophrenie und Demenz (mit Fallbeispiel aus der Gerontopsychiatrie) - Substanzabhängigkeit und Essstörungen.
4. Zur Neuropsychologischen Basis der Störungen von Ordnung und Planung wird einerseits die - gestörte Aufmerksamkeit – erwähnt, bei der die Aufmerksamkeit beispielsweise zu verschiedenen Gegenständen wandert und es den Betroffenen nicht gelingt, sich zu entscheiden ob sie den Gegenstand wegwerfen oder einordnen sollen. Neuropsychologisch kann man einen Teil des Verhaltens auf eine Störung eines Verhaltensmusters reduzieren – dem „delayed reward“. Laut klinischer Beobachtung beinhaltet Horten ein selbststärkendes Verhalten, verbunden mit lustvollen Emotionen – mit anderen Worten: Horten hat Suchtcharakter. Zudem weisen Betroffene Störungen der Informationsverarbeitung auf, z.B. wenn sie eine falsche Vorstellung über den Wert von Gegenständen haben, was zu Problemen bei der Entsorgung führt. Auch kognitive Störungen können der irrationalen Wertzuschreibung für Gegenstände zugrunde liegen.
5. Abschliessende Überlegungen umfassen, dass: „Organisations-Defizit-Störung“ (ODS) eine passendere Bezeichnung ist als „Messie-Syndrom“, da eine Störung der Organisation und Planung aller Lebensbereiche vorliegt. Zu den epidemiologischen Fragen wird erläutert, dass, um die Zusammenhänge zu erhellen unbedingt noch epidemiologische Studien nötig sind. Zum Bereich „Therapie wird empfohlen, dass der therapeutische Ansatz von Tolin et al. aufgegriffen und weiterentwickelt werden sollte.


Der Messie-House-Index (MHI)

von Andreas Schmidt

In bildhaften Aufzeichnungen und Tabellen ist der Messie-House-Index ein psychodiagnostisches Messinstrument, welches darauf abzielt, einen exakten Befund einer (überfüllten) Messie-Wohnung erstellen zu können. Hiermit ist eine gleichsam „objektive“ Vergleichsmöglichkeit verschiedener Schweregrade der Beeinträchtigungen gegeben.

Der Messie-Formenkreis

von Katharina Reboly

Das Messie-Forschungsprojekt an der Sigmund Freud Privat Universität Wien (SFU) setzt sich mit mehreren Schwerpunkten auseinander, welche in diesem Abschnitt erläutert werden. In den „Differenzialdiagnostischen Überlegungen“ werden (historisch) verwandte Bezeichnungen und Merkmale von Erscheinungsbilder zum Messie-Formenkreis genannt wie:

Häusliche und persönliche Verwahrlosung
Horten von Unrat und gekauften oder gesammelten Gegenständen
Sozialer Rückzug und Isolation – Müll als Entlastung von seelischen Problemen
Verweigerung von Hilfsangeboten
Nichtsehen bzw. Nichtakzeptieren der offenkundigen Verwahrlosung
Panikreaktion bei Entmüllungsaktion.

Der Abschnitt Komorbidität stützt sich auf amerikanische klinische Forschungsansätze, aus denen sich schliessen lässt, dass es sich beim Messie-Phänomen um ein Sammelsurium verschiedenster Ausprägungsformen handeln kann und vielschichtige zugrunde liegende psychodynamische Konstrukte beobachtet werden können. So werden Studien, welche die differenzialdiagnostischen Unterschiede zwischen dem Sammelzwang und beispielsweise Persönlichkeitsstörung, Demenz, Zwangserkrankung, Depression, Angststörung oder Suchterkrankung, posttraumatische Belastungsstörung PTB, ADHS und mehr… nachvollziehbar zitiert. Kulturwissenschaftlerin Annina Wettstein (2005) beschreibt in ihren Ausführungen aus der Schweiz, dass als subjektives Erklärungsmodell für das Messietum Betroffene von einem angeborenen Leiden, von auslösenden Faktoren in der Kindheit oder von ursächlichen Ereignissen im Erwachsenenalter berichten. Folgernd könne man verallgemeinernd von einer emotionalen Instabilität sprechen.

Interessante Resultate einer Erfassung des Messie-Fragebogens der SFU sind ergänzend aufgezeichnet.

Im nächsten Newsletter wird das 3. Schwerpunktthema „Therapeutische Aspekte“ zusammengefasst.

Buchtitel Vermüllungssyndrom

ISBN 978-3-211-76519-7

„Das Messie-Syndrom – Phänomen, Diagnostik, Therapie, Kulturgeschichte des pathologischen Sammelns"

Pritz, A.; Vykoukal, E.; Reboly, K.; Agdari-Moghadam, N. (Hrsg.)

Springer Verlag 2008, 324 S., 21 Abb., 10 in Farbe., Softcover

Chf 67.90

Anita Meito

 

Rätsel  Fragezeichen
Auflösung des letzten Rätsels:
Der Satz stammt aus dem Buch
"Der Tee der drei alten Damen" von Friedrich Glauser (1938 veröffentlicht).
Die erste richtige Antwort erreichte uns genau 20 Minuten nach dem Versand der LessMess Info und wurde entsprechend honoriert!
Wir gratulieren allen, die es herausgefunden haben.
LessMess-Hut


Welcher Schweizer Künstler hat dieses Messie-Stilleben geschaffen?

Kunstwerk

 


Maile oder schreibe uns den Namen des Künstlers, dazu aber auch die eigene Adresse, an info@lessmess.ch, LessMess, Mitteldorfweg 31, 8915 Hausen am Albis, Fax 044 764 28 50


LessMess Beratungstelefon: 079 304 10 97 Montag 18.00 - 20.00 // Donnerstag 10.00 - 12.00


Wir danken herzlich für alle Spenden an: PC 85-555738-2, LessMess, Zürich

Redaktion dieser Ausgabe: Annemarie.
Layout und Gestaltung: Thomas.


Kurzinfo 20. April 09:

Für unser Sommerfest 09 kann man sich jetzt online anmelden und erfährt hier mehr darüber. Da ist ein flyer zum ausdrucken, weitergeben, weitermailen ecc. Bitte macht Reklame für das Fest!

Der angekündigte Vortrag von Johannes, den er an der dritten deutschsprachige Messie Tagung am 7. November 2008 an der SFU in Wien über verschiedene Betreuungs- und Therapiekonzepte gehalten hat, kann man hier nachlesen.


Ausdruckbares PDF dieser
LessMess INFO 1/2009
Nr. 1/09 - 5. März

 

Aktuelles

Finanzierungshilfen für Coaching und Haushaltshilfe

Diplomarbeiten über Messies

Wissen Prokrastination
Agenda LessMess Mitgliederversammlung 20. März 2009
LessMess Sommerfest 11. Juli 2009
Pressespiegel Räumung in Biberist
Buchbesprechung Das Messie-Syndrom
Hrsg: Alfred Pritz, Elisabeth Vykoukal, Katharina Reboly, Nassim Agdari-Moghadam
Rätsel Wer hat das geschrieben ?


Liebe Messies und Nicht-Messies
Dies ist das erste Info im 2009. Wir möchten euch wieder über Neues rundum das Thema „Messie“ informieren. Die Buchbesprechung von „Das Messie-Syndrom“ erfolgt kapitelweise, da das Buch sehr ausführlich und tiefgründig ist. Das erste Kapitel hat Elmira zusammengefasst.
Reaktionen zum Rätsel waren keine eingetroffen? Der Zufall wollte es, dass ein Artikel über „Prokrastination“ im TagesAnzeiger Magazin erschienen ist und die Lösung vorweg geliefert hat!
Der Vorstand von LessMess freut sich euch zahlreich an der Mitgliederversammlung am 20. März 2009 zu sehen!
Und wir freuen uns schon jetzt auf unser Sommerfest: es wird heuer am 11. Juli stattfinden.


LessMess


Ich brauche Hilfe zur Haushaltsbewältigung, doch „Wer soll das bezahlen?“

Ich möchte Stellung beziehen zu folgenden, stets wiederkehrenden Fragen an Lessmess:

- „Welche lebenspraktischen Unterstützungsmöglichkeiten – und Finanzierungshilfe – gibt es?“  
- „Wie ist vorzugehen, wenn die Unterstützung abgelehnt wird, respektive die Kosten nicht übernommen werden?“
 
Nachfolgend möchte ich die wichtigsten offiziellen Möglichkeiten aufzeigen, aus meinem beruflichen Erfahrungsbereich im spitalexternen Bereich.

 
 
- Wann erhalten IV- oder AHV - Rentner/innen Ergänzungsleistungen – EL
Wenn die Rente oder das Taggeld nicht reichen? (bis ca. 25 000 Fr. steuerbares Einkommen)
IV-Renten und Taggelder sollen grundsätzlich den Existenzbedarf einer behinderten Person decken. Wenn diese Leistungen alleine nicht ausreichen, weil beispielsweise daneben kein weiteres Einkommen vorhanden ist, können Ergänzungsleistungen beansprucht werden. Dies sind Leistungen, welche den Fehlbetrag zwischen dem tatsächlichen Einkommen und einer bestimmten Einkommensgrenze, dem Existenzbedarf, ausgleichen. Auch auf Ergänzungsleistungen besteht ein Rechtsanspruch; sie sind keine Fürsorgeleistungen.
EL müssen bei der AHV –Zweigstelle der Wohngemeinde beantragt werden.
- Wer hat Anspruch auf Hilflosenentschädigung – HL für Lebenspraktische Begleitung
Ein Bedarf an lebenspraktischer Begleitung im Sinne von Artikel 42 Absatz 3 IVG liegt vor, wenn eine volljährige versicherte Person ausserhalb eines Heimes lebt und infolge Beeinträchtigung der Gesundheit:
o ohne Begleitung einer Drittperson nicht selbstständig wohnen kann;
o für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung auf Begleitung einer Drittperson angewiesen ist; oder
o ernsthaft gefährdet ist, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren.

Ist lediglich die psychische Gesundheit beeinträchtigt, so muss für die Annahme einer Hilflosigkeit gleichzeitig ein Anspruch auf mindestens eine Viertelsrente bestehen.
Eine HL wird auf Antrag der betroffenen Person geprüft.

Bundesamt für Sozialversicherungen
Effingerstrasse 20
CH-3003 Bern
Tel. +41 (0)31 322 90 11
Fax +41 (0)31 322 78 80

- Die Wirtschaftliche Sozialhilfe muss bei der Wohngemeinde beantragt werden. Auch Angehörigenunterstützung wird bei der Wohngemeinde geregelt. Das Fürsorgewesen leistet persönliche und finanzielle Hilfe für Personen in schwierigen Lebenssituationen.
Auskunft erteilt die Sozial- und Fürsorgebehörde der Wohngemeinde.
- Durch die Grundversicherung* der Krankenkasse werden die im Krankenversicherungsgesetz KVG - pflichtigen Leistungen bezahlt. (Siehe Krankenpflege-Leistungsverordnung – KLV). Die Leistungen werden durch Pflegefachpersonen der Spitex oder durch freiberufliche Professionelle durchgeführt.
Der „Auftraggeber“ ist der Arzt/in oder Psychiater/in, welcher eine Spitexverordnung erstellt.
 
* Verordnung des EDI über Leistungen in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung
(Krankenpflege-Leistungsverordnung, KLV)
Das Eidgenössische Departement des Innern verordnet:
A. Massnahmen der Abklärung und der Beratung:
1. Abklärung des Pflegebedarfs und des Umfeldes des Patienten oder der Patientin und Planung der notwendigen Massnahmen zusammen mit dem Arzt oder der Ärztin und dem Patienten oder der Patientin.
2. Beratung des Patienten oder der Patientin sowie gegebenenfalls der nichtberuflich an der Krankenpflege Mitwirkenden bei der Durchführung der Krankenpflege, insbesondere im Umgang mit Krankheitssymptomen, bei der Einnahme von Medikamenten oder beim Gebrauch medizinischer Geräte, und Vornahme der notwendigen Kontrollen.
B. Massnahmen der Untersuchung und der Behandlung:
13.
pflegerische Massnahmen zur Umsetzung der ärztlichen Therapie im Alltag, wie Einüben von Bewältigungsstrategien und Anleitung im Umgang mit Aggression, Angst, Wahnvorstellungen.
14. Unterstützung für psychisch kranke Personen in Krisensituationen, insbesondere zur Vermeidung von akuter Selbst- oder Fremdgefährdung.
C. Massnahmen der Grundpflege:
2. Massnahmen zur Überwachung und Unterstützung psychisch kranker Personen in der grundlegenden Alltagsbewältigung, wie: Erarbeitung und Einübung einer angepassten Tagesstruktur, zielgerichtetes Training zur Gestaltung und Förderung sozialer Kontakte, Unterstützung beim Einsatz von Orientierungshilfen und Sicherheitsmassnahmen.

Die Abklärung, ob Massnahmen nach Buchstabe B Ziffem 13 und l4 und Buchstabe C Ziffer 2 durchgeführt werden sollen, muss von einer Pflegefachfrau oder einem Pflegefachmann (Art. 49 KW) vorgenommen werden, die oder der eine zweijährige praktische Tätigkeit in der Fachrichtung Psychiatrie nachweisen kann.

-

Durch die Zusatzversicherung der Krankenkasse werden auch Haushaltshilfen mitfinanziert. Dies ist unterschiedlich geregelt – je nach Krankenkasse eine gewisse Stundenanzahl pro Jahr.

 
 


Probleme mit der Finanzierung der Pflicht-Leistungen der Krankenkasse

Haben Versicherte Probleme mit ihrer Krankenkasse oder ihrem Zusatzversicherer sind sie nicht auf sich allein gestellt. Sie können die Dienste des Ombudsmans der Krankenversicherung beanspruchen. Der Ombudsman befasst sich mit praktisch allen Fragen und Problemen, die zwischen Versicherten und Krankenkassen auftreten können. Seine Zuständigkeit erstreckt sich sowohl auf die obligatorische Krankenpflegeversicherung als auch auf die von den Krankenkassen oder deren Partnergesellschaften betriebenen Heilungskostenzusatz- und Krankentaggeldversicherungen. Der Ombudsman ist ein Mediator und kein Gratisanwalt!
Informieren Sie sich bei www.ombudsman-kv.ch und verwenden Sie bitte bei emailanfragen das Kontaktformular hier oder schreiben Sie an:

Ombudsman der sozialen Krankenversicherung
Morgartenstrasse 9
6003 Luzern

Natürlich gibt es noch diverse andere private Anbieter, welche Hilfe und Coaching zur Haushaltsbewältigung anbieten. Wenn diesbezüglich Infos gewünscht werden – bitte kontaktieren Sie uns. Gerne nehmen wir auch Ihre Erfahrungen und Tipps entgegen, über info@lessmess.ch

Anita

PS dieses Merkblatt kannst du hier als PDF betrachten und ausdrucken.

 

 

Diplomarbeiten über Messies


Blick hinter die Kulissen von LessMess: Studienarbeiten
15 Tomatendosen mit Rückwärtsgang

Etwa vier oder fünf Mal pro Jahr gilt es, Maturandinnnen oder Diplomanden für eine Facharbeit über Messies zu betreuen. Auch für solche Fälle steht LessMess zur Verfügung. Eine Aufgabe für Johannes, den „Theoretiker“ im Vorstand von LessMess.

Meistens beginnt es mit einem Mail: „Ich möchte eine Maturaarbeit zum Thema „Messie“ machen. Könnten Sie mir mehr Infos liefern und mir Kontakte zu Betroffenen vermitteln, damit ich Interviews machen kann?“ Die meisten dieser Leute haben aus Medienberichten von den Messies vernommen und finden das Thema spannend. Spannend ist dann jeweils auch, was dabei herauskommt. In einem Fall scheiterte eine Maturandin am übersteigerten Anspruch: Sie wollte etwa zehn Interviews mit Betroffenen machen. Sonst aber kommen nicht selten ganz beachtliche Arbeiten heraus. So eben erst die von Nina Zollinger aus Kreuzlingen. Anhand dieses Projektes möchte ich dessen Verlauf schildern und das Schlussresultat genauer vorstellen.

Das ambitiöse Vorhaben von Nina
Im Sommer 2008 erhielt ich von Nina Zollinger die Anfrage um Unterstützung bei ihrer Maturaarbeit. Wie üblich antwortete ich rasch, schickte Literatur, vermittelte die gewünschten Kontakte und bot ein persönliches Gespräch an. Das tue ich, wie es mir entspricht, immer gleich per Du – natürlich auf Gegenseitigkeit. So versorgte ich Nina vorerst mal mit Basisinformationen und traf sie in der Folge bald einmal in Kreuzlingen, ihrem Wohnort. Sie wollte aber nicht bloss einen Text schreiben, sondern ein ausführliches Interview mit einer Betroffenen machen und einen Film drehen – ein sehr ambitiöses Vorhaben.

Nina arbeitete sich rasch und gründlich in die Gedankenwelt der Messies ein und begann zu schreiben. Gleichzeitig setzte sie sich mit S., der Messie-Frau, die ich ihr vermittelt hatte, in Verbindung, befragte sie ausführlich und filmte in ihrer Wohnung – selbstverständlich mit deren ausdrücklichem Einverständnis.

Im Oktober 08 traf ich Nina nochmals zur Schlusskorrektur. Dabei durfte ich mit grosser Befriedigung feststellen, dass sie eine sehr stimmige Arbeit geschrieben hatte.

Seriöse Theorie – kreative Filmerei
Mittlerweile liegen die Maturaarbeit in gedruckter Form und der Film mit einer Dauer von 16 Minuten vor. Das Print umfasst einen 29-seitigen theoretischen Teil sowie ein weiteres, 25-seitiges Dokument mit einem Interview mit S. Nina hat die Schriftstücke sehr sorgfältig und lesefreundlich gestaltet. Das Interview zeichnet sich nicht nur aus durch eine intensive Vorbereitung, sondern auch dadurch, dass Nina gut zugehört hat und auch auf die jeweiligen Antworten von S. eingegangen ist. Bei der Bebilderung hat sich die Maturandin einer angenehmen Zurückhaltung befleissigt und nur wenige – eindeutig dem Messiesyndrom zuzuordnende – Bilder eingefügt.

Die ganz grosse Überraschung aber ist der Film. Da hat Nina gänzlich auf 360-grad-Schwenks durch eine Messiewohnung oder ähnliche „Dokumentationen“ verzichtet und stattdessen ein sehr kreatives Konzept entwickelt. In einer Garagenhälfte hat sie aus der Fülle der im Print untersuchten Fakten einige Themen herausgegriffen und sie mit Laiendarstellenden aus ihrem privaten Umfeld in abstrahierter Form filmisch umgesetzt. Die Entscheidungsschwierigkeiten etwa, die wir Messies häufig an den Tag legen, stellt Nina mit Hilfe von 15 verschiedenen Tomatenkonservendosen dar, die immer wieder im Zeitraffer umgestellt werden. Und die in die Rolle einer Messie geschlüpfte Frau goutiert den einen und andern Inhalt, der in der Folge bei Nichtgoutieren durchaus auch mal aus dem Teller zurück in die Dose fliesst...

Ich möchte Nina auch an dieser Stelle nochmals für diese durchwegs vorbildliche Arbeit danken. Sie hat aus meiner Sicht ohne den Hauch eines Zweifels die Bestnote verdient. Und uns von LessMess steht eine wertvolle Dokumentation für eine sachgerechte Information der Öffentlichkeit über das Messie-Syndrom zur Verfügung.

Johannes



Unser Tipp:
Jeden Tag 15 Minuten zum Ordnen einsetzen und sich dann etwas Gutes gönnen, z.B. einen Spaziergang im nahenden Frühling.
Die ersten Bärlauchblätter spriessen bereits und ergeben einen exquisiten Pesto

 

PROKRASTINATION

Mit diesem hochgestochenen Wort, das zudem ein irreführend positiv scheinendes "Pro" und gar auch die "nation" enthält, wird ein sehr, sehr alltägliches und weit verbreitetes, menschliches Verhalten bezeichnet, das in unserer Mundart "Aufschieberitis", auf spanisch etwa das "Mañana-Prinzip" heisst. Es geht um die Tatsache, dass viele Leute unangenehme Pflichten, die an sich eine hohe Priorität aufweisen, gerne auf morgen, übermorgen oder noch lieber auf unbestimmte Zeit hinausschieben. Sie handeln sich damit viele Probleme ein und geraten oft in sehr missliche Situationen, die enorm kostspielig werden können. Bei der notorischen Aufschieberei liegen oft vergleichbare Störungen vor, wie sie auch bei Messies gefunden werden - oder ist es etwa gerade umgekehrt? Jedenfalls ist es - wie bei Messies auch - völlig unangebracht, hier einfach von "Faulheit" zu sprechen. Dem aufschiebenden Verhalten liegen teilweise komplexe Ursprünge zugrunde, die nicht einfach überwunden werden können. Der momentane Lustgewinn des Aufschiebens steht ja in keinem Verhältnis zu dem Leiden, das durch die Aufschiebung entstehen kann. Vermutlich ist jeder fünfte Mensch ein starker Aufschieber. Von irgendwo muss ja auch das gut gemeinte Sprichwort: "Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen" kommen! Oder auch: "Morgen, morgen, nur nicht heute sagen alle faulen Leute." Aber so einfach geht das eben nicht. Die Prokrastination scheint ein Wesenszug der betroffenen Menschen zu sein. Wie sagt doch Sir Peter Ustinov so treffend: "Die Menschen, die etwas von heute auf morgen verschieben, sind dieselben, die es von gestern auf heute verschoben haben".

 

Über Prokrastination gibt es viel zu lesen und es wird auch viel geforscht.
Besonders neugierig gemacht hat mich die Vorstellung des Buches mit dem verlockenden Titel: Dinge geregelt kriegen - ohne einen Funken Selbstdisziplin von Kathrin Passig und Sascha Lobo
(Rowohlt 2008, 39.90 Fr.)

Wir werden uns auch weiterhin mit dem Begriff Prokrastination und der Verwandschaft zum Messietum befassen und darüber berichten.


Thomas



Agenda

Mitgliederversammlung LessMess 20. März 2009, 19h im OTZ, Asylstr. 130, 8032 Zürich
Messie Sommerfest

11. Juli 2009 - Wallisellen




Pressespiegel

© Oltner Tagblatt / MLZ; 25.02.2009; Seite 20
Kanton Solothurn

«Über das Ziel hinausgeschossen»

Sozialdienst
Adelheid Häslins Haus in Biberist wurde geräumt - für 30 000 Franken
Die durch die Gemeinde Biberist angeordnete Entrümpelung ihres Hauses kam Adelheid Häslin teuer zu stehen. Knapp 30 000 Franken stellte man ihr in Rechnung. «Ein völlig unverhältnismässiges Vorgehen», findet ihr Anwalt. Die Gemeinde ist überzeugt, alles richtig gemacht zu haben und lehnte einen gerichtlichen Vergleich ab.
Christian Fluri
Als im April des letzten Jahres ein Heizungsmonteur im Haus der 85-jährigen Adelheid Häslin in Biberist am Arbeiten war, traute er seinen Augen kaum: Die Wohnung war völlig verwahrlost - über-all lagen Abfälle herum. Es erging eine Gefährdungsmeldung an die Biberister Vormundschaftsbehörde. Diese wurde sogleich aktiv und erteilte dem Regionalen Sozialdienst BBL (Biberist, Bucheggberg, Lohn-Ammannsegg) den Auftrag, sich der Sache anzunehmen. Was dann passierte, ist in den Details unklar, nicht mehr nachvollziehbar oder zumindest bestritten. Fakt ist: Während die betagte Adelheid Häslin auf Geheiss der Gemeinde zwei Wochen ins Altersheim musste, wurde ihr kleines 2-Zimmerhaus sowie der Garten durch ein Entsorgungsunternehmen entrümpelt und gesäubert. Für diese Aktion hatte Häslin vorgängig eine Vollmacht unterschrieben. Vom Garten ist in dieser Vollmacht allerdings keine Rede.
365 Stunden und 13 Tonnen
Die Rechnung für die Säuberungsaktion verschlug der Rentnerin - sie lebt von einer monatlichen Rente von rund 1500 Franken - die Sprache. Knapp 30 000 Franken kostete das Unterfangen. Gemäss Abrechnung der Reinigungsfirma hat eine fünf- bis siebenköpfige Equipe während neun Tagen satte 365 Stunden mit der Entrümpelung zugebracht. Dabei sollen sage und schreibe 13 Tonnen Abfall abgeführt worden sein. Das Entrümpeln ihres Hauses, das über keinen Estrich verfügt und eine Grundfläche von 60 Quadratmetern aufweist, kostete Häslin schliesslich des 1,5-fache ihres Jahreseinkommens. Der verordnete Aufenthalt im Altersheim, der ihr Biberist in Rechnung stellt, schlägt zusätzlich mit rund 3000 Franken zu Buche.
Von «Amtsmissbrauch und eklatanter Verletzung der Persönlichkeitsrechte» spricht Wolfgang Salzmann, Anwalt aus Solothurn und Häslins Rechtsvertreter. Es sind happige Vorwürfe an die Adresse des Sozialdienstes. So sei nicht nur das Vertrauen der betagten Dame mehr als überstrapaziert worden, sondern man habe sie auch absolut würdelos behandelt, so der Jurist. «Der Sozialdienst hat die gutgläubig erteilte Vollmacht missbraucht und Aufträge erteilt, die zum Grossteil durch diese Vollmacht nicht abgedeckt waren. Die Aktion muss nach dem Vertrauensprinzip als masslos und über das Ziel weit hinausgeschossen bezeichnet werden», so Salzmann. Dass jedoch Handlungsbedarf bestanden habe, bestreitet weder Anwalt Salzmann noch Adelheid Häslin. Die Verhältnisse seien tatsächlich unzumutbar gewesen.
Viel zu viel entsorgt?
«Am meisten vermisse ich mein gerahmtes Herzjesu-Bild und das Gebetsbuch des Dritten Ordens», sagt Adelheid Häslin im Gespräch mit dieser Zeitung. Alles habe man ihr weggenommen, erzählt sie leise. «Sogar den Fernseher». Die religiöse Frau ist offensichtlich vereinsamt und lebt praktisch ohne Kontakte. Sie hat auch keine Angehörigen. Ihr Anwalt findet deutliche Worte: «Man hat sie nicht nur durch eine von der Dimension her völlig unverständliche Aktion eines Grossteils ihres bescheidenen Vermögens beraubt. Man hat ihr auch noch all jene persönlichen Gegenstände weggenommen, zu welchen sie eine enge persönliche Beziehung hatte.»
Einflussmöglichkeit gegeben
«Die Entsorgungsaktion war viel teurer, als vorher angenommen», sagt Marlies Jeker, Leiterin des Regionalen Sozialdienstes BBL. «Wir haben aber korrekt und adäquat gehandelt», so Jeker weiter. Zu den Vorwürfen an ihre Behörde will und kann sie sich nur allgemein äussern. «Wir unterstehen natürlich der Schweigepflicht.»
Die Frau sei aber immer miteinbezogen worden und habe immer die Möglichkeit gehabt, Einfluss zu nehmen. «Manchmal ist das halt schwierig», ist sich Jeker bewusst. «Irgendwann muss man einfach handeln.» Die Gemeinde argumentiert, es sei dringender Handlungsbedarf gegeben gewesen. Eine Gesundheitsgefährdung habe sowohl für Häslin als auch für die angrenzende Nachbarschaft bestanden.
«Es sollte verhindert werden, dass eine unterstützungsbedürftige Person ihrem Schicksal überlassen bleibt und unter menschenunwürdigen Verhältnissen leben muss - und dies im Wissen der zuständigen Behörden», heisst es in einer Mitteilung des Sozialdienstes an den Biberister Gemeinderat. Dieser wurde in der Sitzung von vorgestern Montag über den Fall orientiert.
Gemeinde lehnte Vergleich ab
Häslin klagte die Gemeinde schliesslich ein. Gefordert wurde ein Schadenersatzbetrag von 27 000 Franken sowie eine Genugtuung von 5000 Franken. Die Aussöhnungsverhandlung endete mit einem vom Gericht vorgeschlagenen Vergleich, den die Gemeinde Anfang letzter Woche ablehnte. Der Vergleich sah vor, dass die Einwohnergemeinde Biberist in monatlichen Raten von 300 Franken einen Entschädigungsbetrag von 18 000 Franken Häslin bezahlt hätte. Weiter hätte die Gemeinde der Frau eine Genugtuungssumme von 2000 Franken bezahlt. Biberists ablehnende Haltung stösst bei Salzmann auf völliges Unverständnis: «Der Vergleich wäre für die Gemeinde sehr wohlwollend gewesen. Ich hätte der 85-jährigen Frau einen Prozess unbedingt ersparen wollen.»

Kommentar von Thomas:
Offensichtlich ist hier etliches sehr schief gelaufen. Glücklicherweise wird nach unseren Informatiomen die Frau durch einen kompetenten und engagierten Anwalt unterstützt. Auch drei in derselben Zeitung veröffentlichte, mitfühlende Leserbriefe zeigen deutlich, dass solch unverständliche Aktionen allgemein betroffen machen und dass man mit gesundem Menschenverstand wirkungsvoller und hilfreicher eingreifen könnte als mit der rein behördlicher Durchsetzung von schwer zu verstehenden Paragraphen. Die bezifferten Kosten sind zwar auch aus professioneller Begutachtung kaum nachvollziehbar - zur genauen Beurteilung fehlen uns aber die Unterlagen. Dennoch: dieser schockierende Artikel zeigt einmal mehr, wie dringend notwendig der Einsatz von LessMess ist. Wir arbeiten an der Zusammenstellung von Richtlinien, die bei der Räumung von Messiebehausungen unbedingt zu befolgen sind. Schliesslich geht es hier um Menschen und ihr Dasein - nicht nur um das Zuviel an sogenannt totem Material !! Es ist doch schlicht unbegreiflich, wie 'Sozial'-ämter helfen: wenn Mitmenschen aus konkreten, ehrlichen und persönlichen Gründen in missliche Umstände geraten, wird Ihnen behördlich noch zusätzlich schweres Leid zugefügt. Und das Schlimme daran ist, dass dies wohl vor allem aus Unwissenheit und mangelnder Information entsteht. LessMess bestreitet nicht, dass vermutlich viele Messies in kaum mehr lebbaren Wohnsituationen hausen, die früher oder später zu einer einschneidenden Veränderung führen müssen. LessMess will aber, dass unter dieser verständlicherweise notwendigen Veränderung die Würde der Betroffenen erhalten bleibt und dabei niemand unnötig leiden muss.
Und hier steht uns noch viel Aufklärungsarbeit bevor!

 

 

BUCHBESPRECHUNG

Das Messie-Syndrom
Hrsg: Alfred Pritz, Elisabeth Vykoukal, Katharina Reboly, Nassim Agdari-Moghadam

1. Etappe „Phänomenologie“

Das im Sommer 2008 im Verlag Springer Wien New York erschienene Buch enthält die zur Zeit umfassendste Zusammenstellung des heutigen Stands der Erkenntnisse und Untersuchungen zum Phänomen des pathologischen Sammelns, zur Diagnostik, zur Therapie (Arten und Möglichkeiten) und über kulturgeschichtliche Hintergründe.
In Anbetracht der umfangreichen und ausführlichen Behandlung des Themas wird das Buch in 3-4 Etappen besprochen.

In diesem ersten Teil kommt die Phänomenologie, d.h. das Erscheinungsbild des Messie-Syndroms in 5 Unterkapiteln zur Sprache:

1. Das Messie-Syndrom – zur Entstehungsgeschichte einer psychischen Störung (Alfred Pritz)
Der Autor erwähnt die Sammelleidenschaft als zum Menschen gehörend, die für Notzeiten eine kluge Überlebensstrategie ist, bei Messies jedoch ausufert (nebenbei heute aktuell: was ist eigentlich mit „Geldsammlern“??). Ähnlich, oder identisch der Messiesymptomatik werden: das Brüder-Collyer-Syndrom, das Diogenes- oder Vermüllungs-Syndrom und die Organisations-Defizit-Störung (ODS) (nichts wegwerfen können, Post nicht öffnen, Unpünktlichkeit u.a.) interessant geschildert. Über den Leidensdruck der Betroffenen wird erklärt, dass dieser sich unterschiedlich zeigt. Die Frage nach der Verbreitung wird gestellt und nach Krankheiten, die mit dem Messie-Phänomen in Verbindung stehen können (Zwänge, Depressionen, Alkoholabhängigkeit u.a.). Daran anschliessend kommt die Psychodiagnostik zur Sprache, in welcher laut Angaben Zwangs- und Suchtkomponente eine Rolle spielen und weiterführend bietet der nächste Abschnitt Infos zu therapeutischen Konsequenzen.

2. Selbstbilder (Nassim Agdari-Moghadam)
Der Autor lernte Messies und Ihre Art zu leben persönlich kennen und berichtet von individuell sehr unterschiedlichen Ausprägungen, reichend von total ungeordnet bis zu ordentlich aufgetürmten Behältnissen. Jeder Gegenstand hat für Messies eine Geschichte, eine Bedeutung, dienend als „Gegenwart der Vergangenheit“, als Gedächtnis- und Erinnerungsstütze.
Zwei Fragen interessieren den Autor vor allem: Warum haben sich Messies diese Form des Ausdrucks ausgesucht? – Was möchten sie der Welt damit mitteilen?
Anhand von zwei Fallbeispielen wird nach anderen psychischen Störungen gefragt und der Psychodynamik nachgegangen betreffend Verlust und Verlustängsten, Bindung und Beziehungen, Aggressionen, Abwehrverhalten, Leidensdruck und Selbstbestrafung.

3. Fallgeschichten (Elisabeth Vykoukal)
Die Autorin berichtet von verschiedenen Fällen ausführlicher Therapiearbeit und spezifischen Schwierigkeiten bei Messies: Identifikation mit den Gegenständen - nicht entscheiden können. Es gibt aber auch Ansätze, einen Weg zur allmählichen Lösung des Problems zu finden.

4. Angehörige von Messies (Gina Borsos, Robert Gruber)
Die Autoren gehen auf die spezielle Situation von Angehörigen, Verwandten, Partnern und Kindern von Messies ein. Sie befürworten die Hilfe durch Selbsthilfegruppen für Angehörige von Messies, damit auch sie in einem geschützten Rahmen offen über ihre Probleme reden können.

5. Fallgeschichte: Frau B.Z. (Katharina Reboly)
„Der Zustand meiner Wohnung ist der Spiegel meiner Seele!“ Frau B.Z. erzählt, wie sie sich in ihrer Wohnung fühlt. Die Lebensgeschichte, Hintergründe und ihr Weg zur Therapie kommen zur Sprache, ebenso der Versuch zur Aufarbeitung in der Therapie.

Soweit also diese Uebersicht über den ersten Teil des Buches „Das Messie-Syndrom“ (Fortsetzung folgt in der nächsten Ausgabe von LessMessInfo)

 

Das Messie-Syndrom

ISBN 978-3-211-76519-7

„Das Messie-Syndrom – Phänomen, Diagnostik, Therapie, Kulturgeschichte des pathologischen Sammelns"

Pritz, A.; Vykoukal, E.; Reboly, K.; Agdari-Moghadam, N. (Hrsg.)

Springer Verlag 2008, 324 S., 21 Abb., 10 in Farbe., Softcover

Chf 67.90

Elmira Claude

 

Rätsel 

Welcher geniale Schweizer Schriftsteller hat unser LessMess-"Motto" schon längst vorausgesehen?

»Aber Herr Staatsrat, ich bitte Sie, erklären Sie mir, wie Sie indische Petroleumquellen, amerikanische Missionare als Delegierte der Standard-Oil, Geheimagenten der Sowjets, basilidianische Gnosis, Giftpflanzen, Hexenrezepte, indische Maharajas, an lebendem Material experimentierende Psychologen, verschwundene Psychiatrinnen, als irrsinnig eingelieferte harmlose Menschen, den Meister der goldenen Himmel mit dem Holzgesicht, gestohlene und wieder auftauchende Mappen, und zum Schluß noch teetrinkende alte Damen unter einen Hut bringen wollen!«

Redaktion dieser Ausgabe: Annemarie.


TV Hinweis VOX - Di. 13. Jan. 09 - 22h15

In unserem Forum macht uns Brigitte aufmerksam auf eine TV-sendung, bei der sie und ihre Tochter selbst beteiligt sind - herzlichen Dank.
Dazu schreibt sie noch: "...Ich möchte gerne mit dieser Reportage dazu beitragen und bewirken, dass wenn man Messie hört - nicht immer gleich an Unrat, faulenden Müll, Schimmel, Ungeziefer aller Art, Ratten, Mäuse etc. denken sollte....". Bravo !

Laut ihrem Beitrag wird die Reportage am 06.01.2009 auf dem Sender VOX in der Sendung Stern TV - Die Reportage um 22.15h ausgestrahlt.

Recherchen im Internet weisen aber eher darauf hin, dass die Ausstrahlung eine Woche später erfolgt:
Wenn die Wohnung überquillt...! - Messies
Di, 13.01.2009, 22:15 - 23:15 Uhr, VOX, stern TV-Reportage (Wiederholung Sa, 17.01.2009 , 13h50)

Bitte informiert euch selbst rechtzeitig über die tatsächliche Sendezeit.

Hier kann man mehr über den Inhalt der Sendung erfahren.

 

LM_logo Ausdruckbares PDF dieser
LessMess INFO 3/2008
Nr. 3/08 - 16. DEZEMBER

 

Aktuelles / Internes Telefondienst
Bericht über Fachtagung „Zwangsstörungen“ vom 6./7. Dezember 08
Bericht über internationalen Kongress zum Thema „Messie“ in Wien Buchneuerscheinung
Film WALLE - ein Roboter räumt auf
Interview Mit einer Angehörigen eines Messie
Agenda LessMess Mitgliederversammlung 20. März 2009
Pressespiegel Hinweise auf kürzlich erschienene Artikel
Buchbesprechung Das Vermüllungssyndrom –Theorie und Praxis
Von Peter Dettmering und Renate Pastenaci
Rätsel Was denkst du, ist .....


Liebe Messies und Nicht-Messies

Schon geht das Jahr 2008 langsam aber sicher zu Ende und das neue beginnt unweigerlich. Damit naht auch die Zeit der guten Vorsätze. Wir möchten doch alles oder wenigstens vieles besser oder anders machen! Die Erfahrung hat uns gelehrt, dass zu viele Vorsätze nicht umgesetzt werden können. Deshalb bleiben wir bescheiden und konzentrieren uns „nur“ auf einen Vorsatz und beginnen, ihn schon heute in die Tat umzusetzen. Welchen Vorsatz du wählst, er darf geheim bleiben. Sicher darfst du stolz sein, wenn du deinen guten Vorsatz konsequent durchführst und durchhältst.
Zunächst wünscht euch das Redaktionsteam fröhliche Feiertage und einen guten Start in ein erfülltes neues Jahr.


LessMess

 

Aktuelles / Internes:

LessMess
Telefondienst

Seit Doris die telefonische Kontaktstelle für LessMess betreut, hat sie rund 20 Telefonanrufe erhalten. Sie waren zeitlich unterschiedlich verteilt. Es erkundigten sich Ämter und Angehörige nach Hilfsangeboten für Messies. Zwei Messies fragten selbst um Rat und Hilfe.
Ermutigen Sie andere Messies sich an die Kontaktstelle zu wenden. Doris berät sie gerne kompetent und diskret. Sie kann Anfragenden auch an weitere kompetente Fachpersonen oder –Stellen vermitteln.

Zur Erinnerung:
Das Beratungstelefon ist erreichbar unter der Mobilenummer 079 304 10 97
betreut wird es jeweils Montag 18 - 20 Uhr und Donnerstag 10 - 12 Uhr
Schriftliche Anfragen können auch jederzeit an info@lessmess.ch gerichtet werden oder per Briefpost / Fax an:
LessMess, Mitteldorfweg 31, 8915 Hausen am Albis, Fax 044 764 28 50

Bericht über die Fachtagung „Zwangsstörungen“ 6./7. Dezember 08

Unser Vorstandsmitglied Elmira hat die im letzten LessMess INFO angekündigte Fachtagung besucht. Hier ihr Bericht:

Jahrestagung 2008 der Schweiz. Gesellschaft für Zwangsstörungen (SGZ)

Thema: Zwangsstörungen – Einsichten und Auswege

Die Tagung fand am Universitätsspital Zürich an zwei Tagen statt:
Am Samstag, 6. Dezember: als Fachtagung für Aerzte, Psychologen und andere Therapeuten
Am Sonntag, 7. Dezember: als Informationstag für Betroffene, Angehörige und weitere Interessenten

Am Vormittag führten jeweils fünf Referenten mit 20-minütigen Vorträgen (und anschliessender kurzer Gelegenheit für Fragen) in verschiedene Teilaspekte ein:

  Samstag Sonntag
1 Neurobiologie der Zwangsstörungen
Erich Seifritz (Psychiatrische Privatklinik Kilchberg ZH) und Michael Rufer (Psychiatrische Poliklinik Zürich; Präsident SGZ)
2 Behandlungsmöglichkeiten für Kinder mit Zwangsstörungen
Susanne Walitza (Kinder- und Jugendpsychiatrie, Würzburg)
3 Traumatisierungen im Kindes- und Jugendalter bei Zwangserkrankungen
Susanne Fricke (Psychiatrische Poliklinik Hamburg)
4 Kognitive Modelle und Therapiestrategien in der Behandlung von Zwangsstörungen
Christine Poppe (Psychiatrische Privatklinik Kilchberg ZH)
Erkennen und Behandeln von Zwangsgedanken
Christine Poppe (Psychiatrische Privatklinik Kilchberg ZH)
5 Behandlungsoptionen bei therapieresistenten Zwangsstörungen
Ulrich Voderholzer (Psychiatrie Universitätsklinikum Freiburg D)
(Samstag)
Kognitive Verhaltenstherapie bei zwanghaftem Haareausreissen (Trichotillomanie): Erfahrungsbericht einer Betroffenen
Antonia Peters (Hamburg; Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Zwangserkrankungen)

Die Vorträge waren durchwegs inhaltlich fundiert und anschaulich präsentiert (mit Beispielen in multimedialer Form). Am Sonntag wurde die Gelegenheit für Fragen von den Betroffenen rege benutzt. Dies ist sicher auch auf die von Anfang an ausgezeichnete Atmosphäre und die Begegnung auf gleicher Augenhöhe zwischen den Akademikern und den Teilnehmenden zurückzuführen.

Am Sonntag-Nachmittag standen die folgenden Workshops zur Auswahl:
1 Soziale Unsicherheit und Zwang Uta Liechti Braune
(Psychiatrische Privatklinik Kilchberg ZH)
2 Empowerment in der Selbsthilfe: Selbsthilfegruppen gründen und am Leben erhalten Antonia Peters
(Hamburg; Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Zwangserkrankungen)
3 Achtsamkeit als Hilfe gegen den Zwang Fabienne Mathier
(Psychiatrische Poliklinik Zürich)
4 Kognitive Therapieansätze bei Zwangsstörungen Christine Poppe
(Psychiatrische Privatklinik Kilchberg ZH)
5 Zwangsstörungen und die Anderen – wie Familienangehörige, Partner und Freunde helfen können Michael Rufer
(Psychiatrische Poliklinik Zürich; Präsident SGZ)
6 Machen Sie es Ihrem Zwang ungemütlich – Zwänge verstehen und selbst bewältigen Susanne Fricke
(Psychiatrische Poliklinik Hamburg)

Mich hätten die Workshops 1, 3 und 4 auch interessiert, aber ich entschied mich für Workshop 6. Frau Fricke verteilte zu Beginn eine umfangreiche Checkliste möglicher Zwangssymptome. Ich nahm an, dass daraus eine intensive Gruppenarbeit entstehen würde, indem alle Teilnehmenden, die gleiche Symptome ankreuzten, in Kleingruppen sich austauschen könnten. Leider war dem nicht so. Die Referentin gestaltete den Nachmittag als vertieften Vortrag vom Vormittag. Dieser enthielt zwar einige gute Ansätze und praktikable Vorschläge (z.B. Feinanalyse, d.h. die Selbstbeobachtung schulen und versuchen, Abstand zum Zwang zu nehmen, sich auch als normal wahrnehmen), aber eine eigentliche Mitarbeit aller Beteiligten – wie für einen Workshop üblich – fand nicht statt. Positiv war jedoch die angenehme Art von Frau Fricke, wie sie sehr einfühlsam auf alle Fragen einging.
Im ganzen war die Tagung sehr professionell organisiert und brachte viele neue Einsichten, interessante Ansichten und einzelne Begegnungen.

Elmira

Drei Messie-Tagungen und ein neues Buch

2005 wurde in Wien die Sigmund Freud PrivatUniversität (SFU) als Ausbildungsstätte für Psychotherapeuten gegründet. Da zwei der Gründungsmitglieder, Prof. Alfred Pritz – der heutige Rektor – und Dr. Elisabeth Vykoukal in ihrer früheren Therapeutentätigkeit schon mit Messies zu tun hatten, wählten sie das Messie-Syndrom als einen der Forschungsschwerpunkte der SFU. In diesem Rahmen wurden auch expertenunterstützte Selbsthilfegruppen für Betroffene sowie für Angehörige gegründet. Messies haben auch die Möglichkeit der Betreuung zu Hause oder der Teilnahme an einer Gruppenpsychoanalyse sowie an einem Kunstprojekt. 2006 lud die SFU Fachleute wie Messies zu einer ersten internationalen (A, D, CH) Tagung nach Wien ein. Ich war eingeladen als Vertreter der Schweiz. Damals, wie an den beiden folgenden Veranstaltungen dieser Art wurden jeweils die neusten Forschungsergebnisse vorgestellt. Und selbstverständlich dienen solche Tagungen auch der gegenseitigen Kontaktnahme und dem Erfahrungsaustausch.

An der diesjährigen Tagung war auch Heinz Lippuner von der Offenen Tür Zürich (OTZ) mit dabei sowie meine Freundin Susan, welcher wir den Bericht aus Nicht-Messie-Sicht verdanken (s.u.). Mir kam die Ehre zu, über verschiedene Modelle im ganzen Bereich Selbsthilfegruppe-Betreung-Psychotherapie und deren Kombinationen zu sprechen. Nach einer Nachbearbeitung werden wir den Vortrag gerne auch auf unsere Webseite www.lessmess.ch stellen.

Mittlerweile ist schon eine beachtliche Menge an Erkenntnissen zusammengekommen. Um diese einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen, kam auf die jüngste Tagung ein Buch heraus. Darin beschäftigen sich 14 AutorInnen mit zahlreichen Aspekten des Messieseins und der Therapie. Ich selbst durfte auch ein Kapitel beisteuern. Darin beschreibe ich ausführlich die Geschichte der Messie-Bewegung in der Schweiz.

„Das Messie-Syndrom – Phänomen, Diagnostik, Therapie, Kulturgeschichte des pathologischen Sammelns",
Springer Verlag 2008, ISBN 978-3-211-76519-7.

Klappentext: Messies (engl. mess = Unordnung) sind Menschen, die in ihren Wohnungen eine Unmenge von Dingen horten. Ihr Verhalten schränkt ihren Lebensbereich drastisch ein und kann unter Umständen die Organisation ihres Alltags extrem erschweren. Erstmals widmet sich ein Buch einem Phänomen, das bisher nicht als psychische Störung erfasst wurde. Es setzt sich mit einer klinischen wissenschaftlichen Definition, psychodynamischen Prozessen und den Problemen im sozialen Umfeld auseinander. Zusätzlich vergleicht es Selbsthilfegruppen und Angehörigengruppen, die von Experten unterstützt werden sowie die Gruppenpsychoanalyse für Messies. Eine Dokumentation für mehr psychotherapeutische Kompetenz: Strategien für die effiziente Arbeit mit dem Messie-Syndrom.

Wir werden in der nächsten Ausgabe von LessMess-Info ausführlicher darauf zurück kommen. So viel vorab: Da es sich um ein (in allgemein verständlicher Sprache gehaltenes) Fachbuch handelt, ist sein Preis mit 62 Franken recht hoch.

Johannes von Arx


Bericht über die dritte Deutschsprachige Messie Tagung
7. und 8. November 2008

Wien, SFU

„Wien ist eine Reise wert"...

... sagte ich mir, als mein Freund von der Messie-Tagung vom 7./8. November 2008 in der österreichischen Hauptstadt erzählte, die er besuchen würde. Und so meldete ich mich spontan für sämtliche Referate ebenfalls an. Die Absicht war, das Angenehme (eine Stadtbesichtigung) mit dem hoffentlich Nützlichen – nämlich mehr über das Phänomen Messie zu erfahren, mit welchem ich durch diese Bekanntschaft konfrontiert bin – zu verbinden.

Beides ist gelungen. Die zwei Tage vor der Tagung dienten dem Wieder-Entdecken einer seit Jahrzehnten nicht mehr besuchten Stadt (bei föhnig-warmem Wetter, nebenbei bemerkt). Und mit dem Regen am Freitag Abend kam das nötige Sitzleder, um die Tagung aufmerksam zu verfolgen. Der Faden dazwischen ist eine Linie, die U-Bahn-Linie nämlich, mit der man in kürzester Zeit von der Schnirchgasse (Sitz der SFU) irgendwohin in die Stadt gelangt, auf den Stephansplatz zum Beispiel. Die Tagung begann am späteren Freitagnachmittag mit warmen Begrüssungsworten des „Hausherrn" und einem Referat von Dr. Rainer Rehberger über die Psychodynamik von Zwangsstörungen, nachzulesen auch in seinem Buch „Messies – Sucht und Zwang" (vgl. letzte Ausgabe LessMess-Info). Hauptthema des Abends war die Vorführung des Films „Sieben Mulden und eine Leiche", vermutlich den meisten Lesenden bekannt. Ich sah ihn das erste Mal, hatte es, als er bei uns im Kino lief, abgelehnt „so etwas" anzusehen, hatte meine Vorurteile „wie kann man nur …" etc. Nun, dieser Film hat wirklich seine sehr eigene Sprache und der Anfang ist äusserst deftig. Doch durch ihren zum Teil auch sehr drastischen Humor und eine ganz spezielle, für mich nicht nachvollziehbare, Distanz haben die Autoren einen traurigen Bericht geschaffen über eine Entwicklung, die sich Baustein für Baustein so ergeben konnte. Ich glaube keinesfalls „musste" – aber gerade über diesen Aspekt haben nachher die weiteren Referate Aufschluss gegeben. Die Filmer, die Brüder Haemmerli, waren leider beide verhindert am Kommen, dafür war die Produzentin Mirjam von Arx – nicht verwandt mit „meinem" Johannes – anwesend und bei der anschliessenden Podiumsdiskussion gefragte und engagierte Teilnehmerin. Fazit für mich: ich bin froh, dass ich den Film doch noch gesehen habe (und vielleicht war er dank Kleinformat doch noch etwas erträglicher als auf Grossleinwand).

Der weitere Abend: Gespräche mit Betroffenen (lies Messies), mit Sozialarbeitern und andern Mittragenden. Die Tagungsteilnehmenden waren vorwiegend aus dem Gastland und aus Deutschland, einige wenige aus der Schweiz, darunter auch Heinz Lippuner von der Anlaufstelle „Offene Tür" und Johannes, der am Samstag dann auch über verschiedene Betreuungs- und Therapiekonzepte berichtete. Ich schätze, dass es ungefähr 80 Teilnehmende waren, die sich da eingefunden hatten, um mehr zu erfahren aber auch, und das war wohl genau so wichtig, sich miteinander austauschen zu können.

Der Samstag war geprägt von teilweise sehr wissenschaftlichen Referaten, auf die einzugehen ich weder befähigt noch legitimiert bin. Es waren Beiträge über Hypothesen für die therapeutische Arbeit, es waren diagnostische Ableitungen für die psychotherapeutische Praxis, Wege der Psychotherapie mit Messies, ebenso ein Bericht über ein gruppenpsychotherapeutisches Dokumentationssystem. Selbst wenn ich nicht alles verstand – eines begriff ich: da wird sehr ernsthaft und gewissenhaft geforscht, analysiert, gemessen. Man nimmt das Messie-Phänomen und alles, was dazu gehört, ernst. Was ist die Ursache, resp. Auslöser? Gibt es – neben der unbestrittenen frühkindlichen Beeinflussung – auch anatomische Gemeinsamkeiten? Wie kann der Messie trotzdem (oder erst recht mit seinen speziellen Gaben) ein befriedigendes und beglückendes Leben führen? Gibt es „Heilung"? Dann gab es aber auch „handfestere" Berichte, so z.B. die Präsentation der Messie-Kunstgruppe, oder darüber, wie man einen Messie erkennt. Ich lernte, dass es einen Messie-House Index gibt (das Verhältnis der in einer Wohnung belegten Bodenfläche zur Gesamtfläche), was ich eher komisch fand. Ich stelle mir vor, dass ein Wohlfühl-Indikator wohl weniger wissenschaftlich wäre, dafür präziser den Seelenzustand eines Menschen beschreiben würde als hochgerechnete Zahlen.


Nach den morgendlichen Referaten gab es mit den betr. ReferentInnen eine Podiumsdiskussion und zum Schluss nochmals eine mit den Vortragenden am Nachmittag. Dazwischen lagen Kaffee- und Erfrischungspausen mit lebhaften Gesprächen und reich bestückten Büchertischen.

Es war eine interessante Tagung mit vielen Beiträgen – und trotzdem war sie nicht überlastet. Ob sie für Messies die Reise (und Tagungskosten!) wert war, müssen andere entscheiden. Ich als „Zugewandte" habe viel dazu gelernt und so schliesse ich den Kreis:

Wien in eine Reise wert! In zwei Jahren soll es wieder eine Tagung zum Thema geben in der SFU; die Ausschreibung wird an dieser Stelle sicher auch wieder zu finden sein.

Susan

 

Unser Tipp:
Bringe die leeren PET- und Glasflaschen umgehend beim nächsten Einkauf in den Laden bzw. zur Sammelstelle

 

Film

Walle– Der letzte räumt die Erde auf

Eigentlich heisst er genau WALL-E ('Waste Allocation Load Lifter * Earth-Class', zu deutsch sinngemäss: 'Müll-Sortierer-Lasten-Heber, Baureihe: Erde') und ist der Hauptdarsteller in Disney's letztem, computeranimierten Trickfilm aus der Schmiede der PIXAR-Studios. Er ist ein auf Raupen fahrender, kleiner Roboter - ganz alleine zurückgelassen auf der mittlerweile unbewohnbar gewordnen Erde. Wir schreiben das Jahr 2800. Die bis zur Unbeweglichkeit verfetteten Erdenbewohner haben sich auf luxuriöse Raumschiffe zurückgezogen und warten auf bessere Zeiten. Die Aufgabe unseres Roboters ist es, in mühsamer Kleinarbeit tagein, tagaus den gigantischen Müll, den die Menschen auf der Erde zurückgelassen haben, zu sammeln und zu ordnen - vermutlich in der Absicht, so die Erde wieder einmal bewohnbar zu machen.
Ein durchaus realistisches Thema mit einem sehr pikanten Detail, das in den meisten Filmkritiken dezent verschwiegen wird: ausgerechnet WALL-E selbst entpuppt sich als ausgewachsener Messie. In all dem Müll, den er täglich zu Päckchen presst und kunstvoll zu riesigen Türmen schichtet, findet er immer wieder Schnäppchen für sich selbst, die er behutsam in seine Schatzkammer rettet. Da sieht man denn auch alles, was Zeugnis der menschlichen Kultur war und das sensible Roboterherz rührt. Von der fast-food Plasticgabel über einen Rubik-Würfel, jenen Videokassetten, Radkappen und natürlich gängigen Ersatzteilen, um sich selbst reparieren zu können, sammelt WALL-E alles - und subtil beobachtet - gefällt ihm das schnucklige Etui eines Schmuckstückes wesentlich besser als der darin enthaltene Diamantring, den er achtlos wegwirft...

Vor allem die erste halbe Stunde dieses mit verblüffender Perfektion animierten Trickfilmes ist sensationell sehenswert und kann manchem Messie (mit der in die Roboterwelt verschobenen Emotionalität) einen ironischen Spiegel vorhalten und auch garantiert keimfreie Cleanis werden WALL-E wohl heimlich ins Herz schliessen.

Der Film entwickelt sich dann zu einem turbulenten Liebesabenteuer - denn WALL-E bekommt Besuch von EVE, einer faszinierenden Roboterdame der neusten Generation, die die Erde nach eventuell wieder frisch entstandenem, pflanzlichem Leben untersuchen soll. Und hat doch WALL-E erst gerade ahnungslos aus einem total versifften Kühlschrank einen jungen, zarten Keimling in sein Reich gerettet....

Absolut sehenswert !

Pixar Studios, 95 Min, ohne Altersbeschränkung.
Der Film ist ende September in die Deutschschweizer Kinos gekommen und läuft zur Zeit noch vereinzelt - zumindest in Zürich und Bern. Erscheint auf DVD vermutlich im Februar 2009.

Thomas

 

Interview

Anna* ist seit 36 Jahren mit einem Messie verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.
Annemarie hat sie interviewt.

Wann und wie hast du entdeckt, dass dein Ehemann ein „Messie“ ist?
Anna: Erst nach einigen Ehejahren störte mich seine Unordnung im Schlafzimmer. Ich setzte die Sachen vor die Tür, was zu einem Streit führte. Ich wollte das Schlafzimmer nicht zu einem Abstellraum werden lassen.
Rückblickend hatte ich nie den Verdacht, dass mein Mann ein Messie ist. Vor der Heirat räumte seine Mutter auf, während er wochen- oder monatelang im Ausland auf Montage arbeitete. Mit der Heirat wurde er sesshaft und arbeitete sehr engagiert im Beruf, so blieb ihm keine Zeit für Hobbies. Sein sehnlichster Wunsch nach einer selbständigen Arbeit erfüllte er sich teilweise, indem er einen Tag pro Woche für eigene Kunden arbeitet. Damit begann die Sammeltätigkeit und löste Streit und Krisen aus.
Wir beschlossen, ein Kinderzimmer für meinen Mann als Arbeitszimmer und Büro frei zu geben und richteten den Kindern ein gemeinsames Zimmer ein. Diese Lösung entlastete die übrige Wohnung nur für kurze Zeit. Aber nach ungefähr 25 Ehejahren trennten wir uns vorübergehend, weil das Zusammenleben äusserst schwierig wurde.

Wusstest du schon etwas über das Syndrom „Messie“?
Anna: Damals wusste ich nichts über das „Messie-Syndrom“. Erst vor ungefähr drei Jahren erfuhr ich davon und dass es Selbsthilfegruppen gibt. Mein Mann leitet(e) eine Gruppe, da er sich auch in diesem Bereich weitergebildet hat.

Welche Einflüsse hatte diese Entdeckung auf dein Leben?
Anna: Es hat mein Leben erschüttert. Obwohl ich mich auch auf psychologischem Gebiet weiter gebildet habe, kann ich das Messie-Syndrom nicht verstehen. Ich sammle für meinen Beruf auch Unterlagen, aber ich ordne sie nach Themen ein, damit ich sie schnell finde. Mein Beruf ist auch mein Hobby, das ich sehr gerne ausübe und pflege, aber nachher räume ich immer auf. Mein Mann räumt nicht gerne auf und schiebt alles oder vieles vor sich hin.

Wie lebst du heute damit?
Anna: Nach einigen Krisen wünsche ich mir seit zehn Jahren eine eigene Wohnung. Vor acht Jahren sind wir in eine neue Wohnung gezügelt – mit dem Versprechen meines Mannes, dass es keine Unordnung mehr geben wird. Leider klappte es nicht und ich überlegte mir ernsthaft, mich scheiden zu lassen.
Jetzt zieht ein Sohn, der in der gleichen Überbauung wohnt, in eine grössere Wohnung und mein Mann übernimmt die 2 - Zimmer-Wohnung. So leben wir doch in der Nähe voneinander und können uns oft sehen.
Ich bin glücklich, dass es mir endlich gelungen ist, Nägel mit Köpfen zu machen und in einer eigenen Wohnung zu leben: Es ist das erste Mal und ich will lernen, alleine zu leben.

Kannst du deinem Ehemann helfen?
Anna: Nein, eigentlich nicht – ausser ihn lieben und versuchen zu verstehen. Es gibt hie und da Möglichkeiten konsequent zu sein, z.B. das gemeinsame Nachtessen im Restaurant findet erst statt, wenn er die Post oder Rechnung(en) erledigt hat.

Kannst du Tipps oder Regeln für den Alltag und das Zusammenleben geben?
Anna: Regeln helfen leider nicht, weil es für ihn schwierig ist, sich daran zu halten. Loslassen und tolerant sein, bis zum Exzess.

Liebe Anna, ich danke dir für das spannende Gespräch und wünsche dir und deinem Mann alles Gute in euren eigenen Wohnungen.

*Name geändert


Agenda

Mitgliederversammlung LessMess

20. März 2009

 

Pressespiegel

Der folgende Artikel ist am 10. Dezember 08 online und in Lokalteilen des
St. Galler Tagblattes erschienen. Er ist noch hier im Archiv abrufbar.
Das Copyright liegt bei den Autoren/Herausgebern.


Da hier die Tätigkeit und das Sommerfest von LessMess eine nicht unwesentliche Rolle zu spielen scheint, haben wir uns erlaubt, den Artikel abzudrucken.

Melanie Graf

Wenn Sammeln Leiden schafft, hilft Eva Flury aus Brunnadern den Betroffenen. Sie begleitet Messies auf ihrem «mess-weg». In Kontakt mit Messies ist sie vor einigen Jahren beruflich gekommen. Als sie weitere Betroffene kennen lernte, beschloss sie, Messies zu helfen.

Brunnadern. Sammeln ist Leidenschaft. Für viele Menschen kann das zu einem grossen Problem werden. Messies sammeln viel und gerne, können sich von nichts trennen. Der Begriff Messie kommt aus Amerika, «mess» bedeutet Chaos und Unordnung.

Überfordert mit Unordnung
Den Messies wächst die Unordnung über den Kopf. In manchen schlimmen Fällen gibt es in ihrer Wohnung kein Durchkommen mehr. Den betroffenen Menschen ist meist von ihrem Problem nichts anzumerken. «Messies sind oft gebildet und kommunikativ. Sie leiden jedoch sehr unter der Unfähigkeit, ihren Haushalt und Alltag zeitlich und räumlich zu organisieren», schreibt der Verband Lessmess auf seiner Internetseite.

Messies werden oft mit Müll und Verwahrlosung in Verbindung gebracht, das ist jedoch nicht immer der Fall. Im Forum des Verbandes schreibt eine Angehörige: «Bis anhin hatte ich angenommen, dass Messies verwahrloste Menschen sind, die im eigenen Müll leben, so wie man es manchmal in Schock-Dokumentationen im Fernsehen zu sehen bekommt.» Ihr Mann sei ein Technik Messie, «ein Genie mit unzähligen Interessen. Unser ganzes riesiges Haus ist von der letzten Kellerecke bis auf den Dachboden voll mit Motorradteilen, Autoteilen, Computern, Dampfmaschinen, Kabeln, Steckdosen und Elektrogeräten.»

Messies auf dem «mess-weg»
Eva Flury kam vor einigen Jahren mit Messies in Kontakt. Zu der Zeit arbeitete sie als Sozialpädagogin in einer Wohngemeinschaft für leicht behinderte Menschen. Unter den Bewohnenden befand sich ein Messie.

Später habe sich eine Bekannte zum Messietum geoutet, berichtet Eva Flury. Am letzten Sommerfest des Verbandes Lessmess habe sie viele Betroffene kennen gelernt und beschlossen, Menschen, die unter dieser Sucht leiden, zu helfen. Mit «mess-weg» will sie Betroffenen Mut machen und unterstützt beim Aufräumen, Aussortieren, Verstauen und Ordnen. «Das Problem ist, dass sich Messies oft nicht von ihren Dingen trennen können», sagt Eva Flury. Im Gegensatz zu Menschen mit dem Verwahrlosungs-Syndrom oder Wohn-Nomaden, haben Messies grosse Mühe sich von ihren Sammelsurien zu trennen. Auf die Frage, ob nun jeder ein Messie ist, der eine grosse Sammlung vorweisen kann, antwortet Eva Flury: «Das Messietum beginnt dann, wenn man sich in seiner eigenen Wohnung nicht mehr wohl fühlt. Wenn man beginnt, sich für den Zustand seiner Wohnung zu schämen und sich immer mehr isoliert.» Manchmal sei es schwierig sich einzugestehen, dass man ein Messie sei und Hilfe braucht. Ihr Angebot spricht Privatpersonen und soziale Institutionen an, beispielsweise Sozialstellen, Spitex und Behinderteninstitutionen. Eva Flury zieht in ihrem Engagement allerdings Grenzen und beschränkt ihr Angebot auf Unterstützung in der Umsetzung der äusseren Problematik. «Ich bin keine Psychologin», sagt sie. Eine tiefergehende, die Ursachen aufgreifende Arbeit überlasse sie einem Spezialisten. Sie wäre allerdings nur zu gerne bereit, beim Ausbau und organisieren einer Selbsthilfegruppe für Messies im Kanton St. Gallen zu helfen.

Hilfe für Messies mess-weg,
Eva Flury, Dorfstrasse 41a, 9125 Brunnadern. Telefon 071 377 12 91,
E-Mail: eva.flury@bluewin.ch.

 

BUCHBESPRECHUNG

Das Vermüllungssyndrom –Theorie und Praxis
Von Peter Dettmering und Renate Pastenaci

Wir wissen es und leiden darunter: In sensationslüsternen Medien werden Messies immer wieder in die Nähe zu Vermüllung und Verwahrlosung gesetzt. Doch was ist eigentlich der Unterschied? Auf diese Frage gibt das Buch Auskunft, mindestens für diejenigen, welche über das Messie-Sein vorinformiert sind. Dem Autorenduo mit breiten Ausbildungen als Ärztin, Psychiater, Psychoanalytiker-/in kommt das Verdienst zu, anhand von 30 untersuchten Beispielen das Vermüllungssyndrom differenziert behandelt zu haben. Und zwar sowohl auf den Ebenen von Fallbeispielen als auch statistisch-wissenschaftlich mit wohlbegründeten Thesen. Diese lassen sich so zusammenfassen:

1. Vermüllung als Syndrom stellt eine Reaktion auf ein Trauma dar.
2. Es kann zwischen verschiedenen Vermüllungstypen unterschieden werden.
3. Das Syndrom kann bei älteren und jüngeren Menschen gleichermassen angetroffen werden.
4. Zur Erstellung einer genauen Diagnose und Erarbeitung einer optimalen Therapie ist es wichtig, dass die individuelle Art der Vermüllung und deren Ursachen/Hintergründe berücksichtigt werden.

Dettmering und Pastenaci beziehen in ihre wertvolle Arbeit auch frühere Veröffentlichungen ein, in denen darauf hingewiesen wird, dass Vermüllung oft mit psychologischen Fehlentwicklungen und psychiatrischen Erkrankungen im Zusammenhang steht. Meistens gehäuft, wie sie in ihren eigenen Untersuchungen aufzeigen: Bei 17 von den 30 VermüllungspatientInnen stellen sie die Diagnose „Psychose", bei 20 Depressionen, Stimmungsschwankungen, Selbstmordgedanken, 15 litten unter Wahrnehmungsstörungen. Dazu kommen etliche weitere Störungen.

So weit ein kurzer Einblick in die analytischen Ergebnisse. Doch bei ihren weiter gehenden Überlegungen vermitteln die Autoren einen tiefen Einblick in die verletzten Seelen der Betroffenen. „Da, wie ich meine, der gehortete Müll einen symbolischen Ersatz für den Verlust einer lebenswichtigen Person, z.B. eines Angehörigen, darstellt, wird vom Patienten auf das vermeintliche „Hilfsangebot", den „Müll" zu entfernen, mit Panik reagiert..." schreibt Pastenaci. Man beachte, das Wort wird in Anführungszeichen geschrieben. Dies nicht nur aus Respekt vor den Leidenden, sondern auch deshalb, weil – wie im Buch fast leitmotivisch dargelegt – dem „Müll" in deren Leben eine nachvollziehbare tiefenpsychologische Funktion innewohnt.

Wenn wir zwei Haare in der Suppe finden, so ist es einerseits die Tatsache, dass sich die Untersuchung auf bloss 30 Betroffene bezieht, weil das nicht reicht für eine verlässliche Statistik. Aber das ist zwar bedauerlich, doch auch verständlich, denn solche Untersuchungen sind wohl ziemlich aufwändig. Schade finden wir, dass Peter Dettmering erst fast am Schluss des Buches auf das Thema Messie zu sprechen kommt und auch das nur knapp. Da wäre für eine nächste Ausgabe ein klärendes Wort zum Unterschied zwischen Messietum und Vermüllung gleich am Anfang wertvoll – noch mehr: schon fast eine Pflicht.

ISBN-10:3-88074-295-2
Veröffentlichungsdatum:Januar 2004
Einband:kartoniert/broschiert
Verlag:Klotz GmbH
Auflage:4. Auflage
Seiten:155

CHF 32.50

Johannes von Arx und Elmira Claude

 

Rätsel 


Was denkst du, ist „Prokrastination“?

Es geht jetzt nicht darum, den Begriff nachzuschlagen und uns mit Erklärungen beizustehen. Wir wissen, was es ist, möchten aber gerne erfahren, was man sich unter diesem doch etwas exotischen Begriff vorstellt, wenn man ihn zum ersten mal hört...

Teile uns deine Erklärungen, Meinungen oder Vermutungen mit unter info@lessmess.ch
Die originellsten Antworten werden im Info 1/09 veröffentlicht. (auf wunsch anonym.)

 

Redaktion dieser Ausgabe: Annemarie.

Vermüllungssyndrom

 

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Ausdruckbares PDF dieser
LessMess INFO 2/2008
Nr. 2/08 - 7. Oktober
Aktuelles / Internes

- Mitgliederversammlung vom 9. Mai 2008
- Sommerfest vom 12. Juli 2008
- Beratungstelefon LessMess

- Sendereihe zum Thema „Messie“ von SF Lebenlive

Film / Reportage - RTL2 - Reportage
- „Morgen räum‘ ich auf“ von Martina Elbert (gesendet im ARD)
Agenda - Fachtagung Zwangsstörungen 6./7. Dez. 08
- Internationaler Kongress zum Thema „Messie“ im November 2008 in Wien
Pressespiegel hinweise auf kürzlich erschienene Artikel
Buchbesprechung Rainer Rehberger, „Messies – Sucht und Zwang"


Grüss Euch

Dies ist die zweite Ausgabe des Lessmess-Info 2008. Das Sommerfest ist vorbei, schon Geschichte? Ich glaube kaum, sind doch zum Fest dreimal mehr begeisterte Personen gekommen als zur Mitgliederversammlung am 9. Mai 2008. Lag es am ungewohnten Ort der MV-Versammlung? Nächstes Jahr wird sie am 20. März 2009 wieder im „Cooperativo“ statt finden.

Mit herzlichen Grüssen

LessMess

Aktuelles / Internes:

Rückblick auf die Mitgliederversammlung von LessMess
vom 9. Mai 2008

Die letzte Mitgliederversammlung fand im Dynamo Kulturhaus statt. Nur 14 Mitglieder fanden den Weg ins „Dynamo“ und ins Sitzungszimmer unter dem Dach. Thomas führte durch die Traktanden. Der ausführliche Jahresbericht 2007 von Johannes enthält Wichtiges wie der Hinweis auf eine Therapeutenliste, die an Interessierte abgegeben wird; eine kritische Besprechung des Films „Sieben Mulde und eine Leiche“; Informationen aus den vier Selbsthilfegruppen (Basel, Bern und zwei in Zürich); seine Präsenz an der internationalen Messie-Tagung im November 2007 in Wien und über die sieben Sitzungen des Vorstands.
Claudia erklärte die Jahresrechnung 2007, die mit einem Verlust endete. Sie wurde trotzdem einstimmig genehmigt. Nach dem Tätigkeitsprogramm 2008 des Vorstands, der die Öffentlichkeitsarbeit ausbauen und die bestehenden Strukturen festigen will, wurde das Jahresbudget 2008 mit budgetierten Mehrausgaben von gut Fr. 1300.- genehmigt. Alle werden aufgerufen, die Abnahme des Eigenkapitals durch die Suche von neuen Mitgliedern zu bremsen. Die Mitgliederbeiträge bleiben unverändert.
Der Antrag des Vorstands, die Statuten in zwei Punkten zu ändern, wurde einstimmig angenommen: Die Generalversammlung heisst neu „Mitgliederversammlung“. Da das Datum der folgenden Mitgliederversammlung (MV) immer frühzeitig bekannt gegeben wird, werden neu die Einladung und Unterlagen zur MV „erst“ zwei Wochen vor der MV verschickt anstatt schon sechs Wochen vorher.
Fragen zu Verhaltenstraining und speziellen Therapien im Zusammenhang mit AD(H)S werden gestellt und von Anita kompetent beantwortet mit einem Hinweis auf einen Vortrag im Spital Uster.
Medien und PR: Leider wird das Thema „Messie“ im Fernsehen, Kino und teilweise auch in der Presse eher als Sensation denn als Problem behandelt, unter dem die Betroffenen leiden. Dies hilft Messies keineswegs sich zu „outen“, was aber ein gutes Gegengewicht zu Vorurteilen wäre. Denn die wirklichen Menschen, die hinter dem Syndrom stecken, sind vielfältig und interessant.
Ein Hinweis auf eine Veranstaltung in Boldern, Männedorf beendet die Diskussionsrunde.
Nächstes Jahr treffen wir uns zur Mitgliederversammlung am Freitag, 20. März 2009 wieder im Cooperativo!
Im Restaurant Dynamo an der Limmat diskutierten die meisten MV-Besucher weiter bis ihnen der laue Maiabend doch zu kühl wurde.

Rückblick auf das
erste Sommerfest von LessMess
am 12. Juli 2008

In Zusammenarbeit mit der „Offenen Tür Zürich“ OTZ organisierte der Vorstand von LessMess das erste Sommerfest. Über 40 Messies, Angehörige, Freunde und Interessierte folgten der Einladung. Nach dem Begrüssungstrunk hiessen Helene und Thomas alle willkommen und stellten die Journalistin Jessica Fritz vom Tagblatt der Stadt Zürich vor. Jessica Fritz hatte eine Reportage über einen Messie geschrieben, die ein Bild zeigte, wie es Aussenstehende von einem Messie wahrnehmen könnten. Für den betroffenen Messie gab es Anstoss zu einer Reflexion über sich selbst. Seine Ehefrau leidet manchmal mehr und gelegentlich weniger unter der Krankheit ihres Mannes.
Jessica Fritz erklärte ihre Vorgehensweise bei einer Reportage. In der Diskussion wurde deutlich, dass eine sachliche, einfühlsame Berichterstattung besonders geschätzt wird. Trotz dem guten Beispiel der erwähnten Reportage bleibt die Schwelle für Messies, aus der Anonymität hervorzutreten, hoch.
Viele Wortmeldungen belebten die Diskussion, die dann beim Apéro und Essen fortgeführt wurde. Die schöne Tischdekoration mit Blumen, Muscheln und Steinen verlieh dem Fest einen besonderen und fröhlichen Anstrich. Profikoch Röbi Habegger verwöhnte die Anwesenden mit verschiedensten leckeren Grilladen, Beilagen und feinen Desserts, was mit einem grossen Applaus verdankt wurde. Seine Familie und die Vorstandsmitglieder von LessMess unterstützten ihn und erhielten ebenfalls eine spezielle Anerkennung.
Das Sommerfest wurde sehr geschätzt und das Echo fiel positiv aus. Gibt es ein zweites Fest? Die Antwort erfahren Sie rechtzeitig …

Beratungstelefon LessMess

Neue Nummer
Neue Präsenzzeiten

ab September 08

Seit Anbeginn des Verbandes bemüht sich LessMess, Messies, Angehörige, Bekannte und Freunde telefonisch zu beraten. Dieser Dienst steht allen kostenlos zur Verfügung und ist ca. 4 Stunden pro Woche erreichbar.
Leider ist es erfahrungsgemäss nicht einfach, einen solchen Dienst mit unseren bescheidenen Mitteln (sprich freiwilliges Engagement von kompetenten Helfern !) zuverlässig und permanent aufrecht zu halten. Wechselnde Betreuungszeiten und wechselnde Zugangsnummern müssen auch jeweils kommuniziert werden und erfordern Änderungen in zahlreichen gedruckten und elektronischen Dokumenten. Es ist daher nicht verwunderlich, dass manch EineR hilfesuchend dann leider frustriert ins Leere gestossen ist. Dies tut uns sehr leid und wir bekämpfen den uns bekannten Missstand laufend. Also: ende August hat wiederum ein Wechsel Stattgefunden und die neue Numer lautet:

079 304 10 97

betreut wird sie am

Montag 18 - 20 Uhr und Donnerstag 10 - 12 Uhr

Schriftliche Anfragen können auch jederzeit an info@lessmess.ch gerichtet werden oder mit Briefpost / Fax an

LessMess
Mitteldorfweg 31
8915 Hausen am Albis

Fax 044 764 28 50

Wer diesen Dienst unterstützen möchte wird ganz einfach Mitglied bei LessMess...

Sendereihe zum Thema „Messie“ von SF Lebenlive

Mit viel Engagement hat der verantwortliche Redaktor, Christian Rensch, von Lebenlive des Schweizer Fernsehens eine Sendereihe zum Thema „Messie“ vorbereitet. Der Vorstand von LessMess wurde für eine aktive Mitarbeit angefragt und hat intensiv Messies für die Dreharbeiten gesucht. Doch kurz davor hat die Direktion von SF entschieden, die Sendereihe Lebenlive nicht mehr weiter zu führen und damit wurde auch die Sendung über „Messie“ gestrichen. Die Enttäuschung im Vorstand war gross, fanden doch die Sendungen von Lebenlive grossen Anklang wegen der sorgfältigen Recherche und der guten Wahl von Fachpersonen bei den gewählten Themen. Damit gab und gibt es auch eine Gelegenheit weniger, um das „Messie-Syndrom“ auf eine sympathische Art und Weise darzustellen und Verständnis für die verschiedenen Schwierigkeiten von Messies zu wecken.

 

Unser Tipp:
Gehe nur mit einer Einkaufsliste einkaufen – nachdem du zuvor kontrolliert hast, ob die gewünschten Sachen wirklich nicht bereits vorrätig sind.


Medien / Filme


RTL II Exklusiv - Die Reportage:
„Das Leben ist Müll – Die Messies sind unter uns“
(Ausstrahlung war am 22. Juli 2008)


„In Deutschland leiden rund 1.8 Millionen Menschen unter dem „Messie-Syndrom“. Messies versinken im Chaos, horten Plunder, sind unfähig ihren Alltag zu organisieren und haben oft ein eingeschränktes Sozialverhalten …
Petra Z. schämt sich für das Chaos in ihrem Haus und möchte deshalb auch niemanden hereinlassen. Vor sechs Jahren wurde bei ihr das „Messie“-Syndrom diagnostiziert. Ihre chronische Unordentlichkeit ruinierte sogar die Beziehung zu ihrem letzten Freund. Ständig versuchte er das alte Bauernhaus aufzuräumen. Und auch der zehnjährige Sohn von Petra leidet unter den chaotischen Umständen. Einen geregelten Tagesablauf, wie er für Kinder doch so wichtig ist, kennt er nicht. Dafür bestimmt ein heilloses Durcheinander das Bild. Aber Petra schafft es einfach nicht, etwas zu ändern. …“


So kündigt das Programm von RTL II die „Exklusiv“-Episode mit zwei weiteren Beispielen von Messie-Leben an.

Wenn man jetzt gewohnt üblen Boulevard-Voyeurismus erwartet wird man für einmal angenehm überrascht: es ist eine subtile, einfühlsame und recht tiefgründige Reportage geworden in der Messies offen über Ihre Probleme reden und ernsthaft angehört werden. Bravo! (für Interessierte: wir haben eine Videoaufzeichnung der Sendung - anfragen per mail an info@lessmess.ch.)


„Morgen räum‘ ich auf“
ein Fernsehfilm von Martina Elbert
(Erstausstrahlung war am Mittwoch, 20. August 2008 um 20.30 Uhr im ARD)


Dieser Film erzählt die Geschichte von Ellen und ihrer zwölfjährigen Tochter Nina. Nach einem Seitensprung ihres Mannes trennt sich Ellen von ihm und zieht mit ihrer Tochter in eine kleine Mietwohnung. Ellen ist wie gelähmt und findet nicht die Kraft, sich neu einzurichten. Sie lässt die Umzugskisten unausgepackt stehen und beginnt den Haushalt zu vernachlässigen bis sie nicht mehr weiss, wo sie mit Aufräumen beginnen soll. Für Nina, die ihr Zimmer als Oase pflegt, wird die übrige Wohnung zum unhaltbaren Zustand: sie bittet die Mutter inständig, endlich aufzuräumen. Ellen verspricht schliesslich Nina: „morgen räum‘ ich auf!“ Rigoros wirft sie alle Erinnerungen und allen Müll zusammen in die Müllkippe.
Dies ist kurz zusammengefasst die Geschichte des Films. Dahinter steht aber auch eine Mutter-Tochter-Beziehung, die unter dem „Messie-Syndrom“ leidet. Die Regisseurin verpsychologisiert die Situation nicht, sie zeigt aber die verschiedenen Schwierigkeiten der Tochter und der Mutter auf. Da tauchen sicher Fragen auf: Hat Ellen das seelische Tief, die Lebenskrise überwunden und gelingt es ihr, die Wohnung aufgeräumt und sauber zu halten?
Die Reportage und der Film zeigen, wie Angehörige mit dem „Messie-Syndrom“ hautnah in Berührung kommen. Die Fragen nach dem Befinden von Angehörigen von Messie-Partnern interessiert mich. Wie reagieren sie auf die Erkenntnis, dass ihr Partner unter dem „Messie-Syndrom“ leidet? Wie leben sie damit? Wie gehen sie im Alltag damit um? Finden sie einen Weg, zusammen zu leben? Helfen Regeln fürs Zusammenleben? Können sie dem Messie-Partner helfen?

Im nächsten LessMess-Info stelle ich diese und weitere Fragen einem Messie-Partner.


 

Agenda

Fachtagung
Informationstag

Schweizerische Gesellschaft für Zwangsstörungen


Zwangsstörungen –
Einsichten und Auswege
Jahrestagung 2008
in Zusammenarbeit mit der
Psychiatrischen Poliklinik
des UniversitätsSpitals Zürich

Fachtagung
Samstag, 6. Dezember 2008
für Ärzte, Psychologen und andere Therapeuten

Informationstag
Sonntag, 7. Dezember 2008
für Betroffene, Angehörige und andere Interessierte

Schweizerische Gesellschaft für Zwangsstörungen

mehr Infos als PDF

 

3. Messie-Tagung Wien

7./8. November 2008

SFU Wien. Nochmals zur Erinnerung!
Hier gibt's nähere Infos (auch als PDF)

Wer sich dafür interessiert, darf sich gerne auch melden bei Johannes von Arx, Tel. 044 310 7710


Pressespiegel

Im Würgegriff der Dingwelt
Ein ausgezeichneter Artikel über das Messiephänomen ist am 19.9. beim Internetanbieter 'Echo online' erschienen und kann hier nachgelesen werden.

Chaos im Kopf
auch in der Sueddeutschen Zeitung vom 1.9. ist ein lesenswerter Beitrag erschienen - kann hier eingesehen werden.


Gesucht:
Tagblatt Zürich 1 – 10 – 08
Gefunden in der Rubrik 'email' infobox
"
Bist Du ein «Messie »? Studentengruppe macht ein Referat über das Thema und sucht dich für ein Interview. Diskretion zugesichert. messies@gmx.ch"


BUCHBESPRECHUNG

Rainer Rehberger, „Messies – Sucht und Zwang", Psychodynamik und Behandlung beim Messie-Syndrom und Zwangsstörung

Tiefgründige Sammlung von Wissen zum Messie-Syndrom

Fachbücher über das Messie-Syndrom sind noch sehr rar. Rainer Rehberger beschäftigt sich in seiner Praxis am Nordufer des Bodensees seit langem damit und hat sich bereits in zwei Büchern „Angst zu trauern" und „Verlassenheitspanik und Trennungsangst" mit psychischen Phänomenen auseinander gesetzt, die häufig auch bei Messies anzutreffen sind. Was bringt diesen eine Lektüre des kürzlich herausgekommenen Buches „Messies – Sucht und Zwang"? Und was können Fachpersonen für ihre Arbeit daraus ziehen?

„Erfahrungen erheblichen und anhaltenden Mangels an Zuwendung und Halt in der frühen Entwicklung (...) führen zu einem meist unstillbaren Verlangen, Sehnen und Streben nach Zuwendung und veranlassen zur Selbsthilfe in Gestalt von Selbstzuwendungen." Mit diesen Ausführungen zur Theorie des Sammelns ist der Autor auf Seite 73 mitten in der Thematik aus psychoanalytischer Sicht. Klar, dieser Satz wie viele andere Sätze in diesem Buch sind nicht eben für die späte Bettlektüre geeignet.

Aufschlussreich ist da etwa die Beschreibung des prozeduralen Unbewussten nach Eric R. Kandel. Darin sind im Unterschied zum bewussten Gedächtnis (in dem sich alle Inhalte finden, die uns im Alltag bei unseren Aufgaben stützen) die im Lauf des späteren Lebens gelernten Fertigkeiten gespeichert, „die uns beispielsweise erlauben Fahrrad zu fahren oder Geige zu spielen". Das ist – so Rehberger weiter – hilfreich, weil es Aufschluss über Gefühlszustände und Handlungsmuster gibt. Und da führt wiederum ein entwicklungspsychologischer Faden zurück auf (früh)kindliche Erfahrungen und Prägungen.

Viele Messie-Betroffene kommen über solche Zusammenhänge zu einem Aha-Erlebnis, besonders wenn sie der Autor auch noch durch zahlreiche, teilweise ausführliche Fallbeispiele erläutert. Mit anderen Worten: Das Buch ist keineswegs eine Ansammlung trockener Theorie, aber deren Lektüre fordert dennoch ein nicht geringes Mass an Zeit und Aufmerksamkeit. Wer Schlüsselstellen markiert, erleichtert sich bei einer vertiefenden Zweitlektüre die Übersicht und kann sich leichter in die Materie vertiefen. Denn einmal lesen dürfte kaum genügen bei einem Text, der doch sehr umfassend ein breites Feld an Informationen beinhaltet, denn die zitierten Messie-Faktoren sind nur ein Teil des Ganzen, es kommen noch weitere dazu wie Beziehung, Entwicklungsstörungen, Zwang, Verdrängung usw. usf.

Psychotherapeut Rehberger beschäftigt sich dann auch ausführlich mit der Therapie von Messies und berichtet über eine Gruppenbehandlung. Er beleuchtet speziell auch messietypische Verhalten im Rahmen einer Therapeutenbeziehung wie zu spät Kommen, sich zu Entschuldigen, Anpassungs- und Unterwerfungsmuster. Deshalb dürften auch Fachleute, die sich beruflich mit Messies beschäftigen grossen Nutzen aus diesem Fachbuch ziehen.

Fazit: Wir haben endlich ein Buch, das einen zentralen Teil des Wissens über das Messie-Syndrom darstellt. Und dies nicht einfach kühl-distanziert, sondern auf einfühlsame Weise. Dies äussert sich etwa daran, dass Rainer Rehberger die Reizwörter wie Chaos, Schrott etc. meidet und stattdessen „Sammlung" schreibt. Das Einzige, das ich bei der Lektüre etwas problematisch finde, ist die 37-seitige Beschreibung der Lebenserfahrung und der psychoanalytischen Therapie von Frau R, einer Patientin Rehbergers am Anfang des Buches. Denn ein so langer Text vor dem eigentlichen Eintauchen in die Messie-Thematik mag die Geduld einiger LeserInnen doch etwas strapazieren. Aber es ist auch eine Qualität des Buches, dass die einzelnen Kapitel nicht in der „richtigen" Reihenfolge gelesen werden müssen um es verstehen zu können.

Johannes von Arx / Elmira Claude

 

Rainer Rehberger, „Messies – Sucht und Z wang"
Psychodynamik und Behandlung beim Messie-Syndrom und Zwangsstörung


Verlag:

Klett-Cotta

 
Auflage: 2. Aufl. 2007  
Seiten: 248  
Ausstattung: broschiert  
ISBN: 978-3-608-89049-5  
Preis: SFr 40.90 Online-preis bei Buch.ch

Redaktion dieser Ausgabe: Annemarie.

 

Aktueller Medienhinweis TV, Mittwoch, 20. August 08, 20h15, ARD, ARD-Hinweis

"Morgen räum ich auf"

Fernsehfilm Deutschland 2008, Drehbuch/Regie: Martina Elbert

Auszugsweiser Kommentar von 'Der Westen' (Portal der WAZ Mediengruppe)


ARD-Drama, Vom Putzteufel zum Messie

„Morgen räum ich auf” ist die spielfilmgerechte Annäherung an das Thema Messie. Humor, Spannung, Gefühl – der Film bietet von allem etwas und kann mit guten Schauspielern punkten. Trotzdem wirkt die Geschichte gestellt. Ellen ist nicht nur die helfende Hand bei der Geburt des unehelichen Kindes von ihrem eigenen Mann, sie wird auch ganz plötzlich vom Putzteufel zum Müll-Liebhaber und das Jugendamt drückt bei Messie Ellen ein Auge zu.

Wer selbst auch mal ein Auge zudrückt und nicht auf eine, bis ins kleinste Detail glaubhafte Handlung schwört, kann hier fündig werden. Eine nette Geschichte über Betrug und Zusammenhalt in Familien bietet „Morgen räum ich auf” allemal. Doch mit dem aufgezwungenen Happy-End wirkt das Messie-Dasein wie eine kurze Phase. Sie hat zwar sämtliche Symptome des Messies, befreit sich jedoch wie durch Magie von ihren Zwängen. Den Leidensweg realer Betroffener, die oft ihr Leben lang mit dem Chaos kämpfen, zeigt der Film nur in der weichgespülten Fassung.

© 2008 WAZ NewMedia GmbH & Co. KG

 

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Nr. 1/08 - 7. Juni

 

Aktuelles / Internes Espresso DRS1, Boldern, 3. Messie-Tagung SFU Wien, GV
Sommerfest LessMess macht ein Sommerfest für Messies
Doku Aus dem Leben eines Messies
Buchkritik „Endlich aufgeräumt - der Weg aus der zwanghaften Unordnung“
von Thomas Ritter


Grüss Euch

diesmal ersparen wir uns mal unnötige Kommentare über das Erscheinungsdatum unserer Infos - alles hat seine Zeit wie der Philosoph sagt.

Umsomehr hat es aktuelle und reizvolle Themen. Vor allem der Hinweis auf unser Sommerfest, bei dem wir eine rege Beteiligung erwarten: 'Messies & Medien' ist unserer Ansicht nach ein brisantes Thema - also bitte sofort anmelden, mitreden und geniessen!

An dieser Stelle möchten wir auch mal all jenen danken, die sich für diese Infos interessieren - die Gemeinde wächst alle paar Tage.

Mit herzlichen Grüssen

LessMess

 

Aktuelles / Internes:

Messie-Porträt auf Radio DRS 1

Montag, 16. Juni, 8.15
"Espresso"

Im Rahmen einer kleinen Reihe in der täglichen Morgensendung "Espresso" mit Porträts über Menschen mit besonderen Konsumwünschen sendet DRS auch eines über einen Messie. Zu hören auf Radio DRS 1, 16.6. ca. 8.15 Uhr.
Achtung: auf Grund anderer aktueller Themen kann die Sendung verschoben werden auf einen späteren Termin. In jeden Fall können alle Beiträge des Espresso später über www.drs1.ch nachgehört werden.


Boldern

Mehr Farbe bekennen

Freitag-Samstag,
20. - 21. Juni 08


Denk-quer!
Werkstattgespräch für Selbsthilfegruppen.
Ausführliches Programm / Tarife hier. Organisiert von der KOSCH

Tagungszentrum Boldern (www.boldern.ch)

3. Messie-Tagung Wien

7./8. November 2008

Die Sigmund Freud Privatuniversität Wien (www.sfu.ac.at) beschäftigt sich seit ihrer Gründung vor wenigen Jahren auch intensiv mit dem Messie-Phänomen. An ihren Tagungen werden jeweils die neusten Forschungsergebnisse dargelegt. Wertvoll sind natürlich auch die Kontakte, die an solchen Anlässen entstehen, zumal sie international, d.h. über die drei deutschsprachigen Länder angelegt ist sowohl von den ReferentInnen wie von den Teilnehmenden her.

Es wäre schön, wenn dieses Jahr die Beteiligung aus der Schweiz etwas grösser wäre als in den vergangenen beiden Jahren. Für Menschen mit geringerem Budget gibt es eine sehr günstige Übernachtungsmöglichkeit im Haus der SFU selbst. Das Ankündigungsblatt mit Anmeldung gibt's hier.

Wer sich dafür interessiert, darf sich gerne auch bei mir melden: Johannes von Arx, johannes@anreger.ch, Tel. 044 310 7710


GV Verband LessMess
vom 9. Mai 08

Kurzbericht:

Die GV, die nach Beschluss nun neu und sympathischer MV = Mitgliederversammlung heisst, wurde in eher kleinem Rahmen in einem Säälchen der 'Chuchi am See' abgehalten.
Ein ausführlicher Bericht erscheint im nächsten LessMess Info

 

Unser Tipp:
Schreib deinen Briefkasten an mit: 'Bitte keine Werbung - Bitte keine Gratiszeitungen'
(es gibt immer noch genug und sinnvolleres zum Lesen...)

 

Sommerfest
Samstag, 12. Juli 2008, 16.00 Uhr
in Zusammenarbeit mit und im Selbsthilfezentrum Offene Tür OTZ
Asylstrasse 130, 8032 Zürich
Karte
Tram 3 ab Zürich HB Richtung Klusplatz bis Haltestelle Hölderlinstrasse.

Eingeladen sind alle vom Messie-Sein Betroffene:
Messies, Angehörige und Freunde oder daran Interessierte, egal ob organisiert oder nicht, Mitarbeitende von Beratungsstellen, etc.
Um für einmal den ganz engen Kreis der Begegnung unter ihresgleichen etwas auszuweiten, laden wir drei oder vier uns persönlich bekannte Vertreterinnen und Vertreter von Medien ein. An einem Podiumsgespräch zu Beginn des Anlasses sollen sich die Journis vorstellen und aufzeigen, wie sie mit Beiträgen in Zeitungen und Sendungen auch eine wichtige Aufklärungsfunktion wahrnehmen möchten. Umgekehrt können Messies sagen, wie sie sich den Umgang mit den Medien vorstellen. Vielleicht hilft dieses Podiumsgespräch und das anschliessende persönliche Gespräch mit den JournalistInnen – sie werden auch am Fest teilnehmen – Brücken zu bauen.

Unser Programm

ab 16.00 Uhr
Begrüssungstrunk

16.30 Uhr
Begrüssung durch Helene Karrer sowie Thomas Moll, Co-Präsidenten LessMess und
Gastreferent Heinz Lippuner, OTZ, anschliessen Podiumsgespräch mit Journalistinnen und Journalisten.
Anschliessend Apéro, Messie-Fest im idyllischen Park (bei schlechtem Wetter in den
OTZ-Räumlichkeiten). Profikoch Röbi Habegger grilliert für uns.

Wir freuen uns auf eine rege Teilnahme.

LessMess und OTZ
Teilnahmegebühr 30 Franken für Mitglieder von LessMess, 40 Franken für Nichtmitglieder
inbegriffen Begrüssungstrunk, Apéro, Essen
nicht inbegriffen: weitere Getränke - können am Buffet gekauft werden.
Bitte beachten: Die Kosten müssen vor dem Fest an der Kasse bezahlt werden.


Es gibt keine Parkplätze im und unmittelbar beim OTZ
 
Online-Anmeldung bis 30. Juni 2008 hier


Oder mit Postkarte an:

LessMess
Mitteldorfstrasse 31
8915 Hausen a.A.

Unter Angabe von Namen, Adressse, Telefonnummer und ob LessMess-Mitglied sowie Datum und Unterschrift.

 

Sei es im Forum, sei es in Antworten auf unseren Fragebogen, sei es mündlich geäussert - viele Messies erfahren dieselben einschneidenden Erlebnisse in ihrer Wohnsituation. So auch Koni, der uns seinen Text hier zugesandt hat:

Das Leben eines Messies.


Mit der Ordnung hätte ich eigentlich kein Problem. Aber diese hat vielleicht eines mit mir. Auf jedenfall harmonieren wir nicht zusammen.
Als ich am 16.06.06 nach 20:00 nach Hause kam, fand ich einen Zettel der Polizei an meiner Wohnungstüre. Man hätte die Wohnung aufgebrochen wegen schlechtem Geruch. Es sei ein neues Schloss an der Türe. Auf dem Zettel stand, dass der Hauswart den Schlüssel hätte. Ich ahnte Schlimmes. Meine Wohnung war ganz und gar nicht aufgeräumt. Ich habe mich stark aufgeregt und auch geschämt. Der Hauswart hat mir den Schlüssel vorbeigebracht.
Ich habe ihn gebeten diese Angelegenheit für sich zu behalten. Er sagte mir, dass er der Schweigepflicht unterstellt sei. Am anderen Tag habe ich bei der Polizei vorgesprochen. Der zuständige Polizist sagte mir, so könnte man doch nicht leben und er müsse die Vormundschaftsbehörde informieren. Ich habe ihm geantwortet, dass ich einen Anwalt beiziehen würde.
Zum Glück hatte ich bereits vorher Kontakt zu einem professionellen Aufräumedienst. Mit diesen Leuten hatte ich
bereits an zwei Tagen je eine Stunde aufgeräumt. Die Verwaltung hat mir dann angedroht die Wohnung zu kündigen, falls ich diese nicht kurzfristig aufräumen und putzen würde. Da ich total überfordert war, habe ich sofort einen Bekannten informiert. Dieser konnte eine Fristverlängerung erwirken. Unter starker Mithilfe der Aufräumer, einer weiteren Bekannten und meinem Bruder konnte ich die Wohnung innerhalb der gewährten Frist wieder Instand stellen. Aber es brauchte doch einen sehr starken Einsatz der Helfer. Am 03.08.06 hat die Verwaltung im Beisein von Zeugen meine Wohnung besichtigt und diese für gut befunden.
Man könnte sagen Ende gut alles gut. Jetzt kommt jeden zweiten Mittwoch Juanita, meine Putzfrau vorbei. Dann gehe ich am Mittwoch über Mittag nach Hause. Dann räume ich meistens etwa eine Stunde fertig auf. Ich habe bis jetzt nicht heraus gefunden warum ich das nicht an den Tagen vorher machen kann.

Koni

 

 

BUCHBESPRECHUNG
"Endlich aufgeräumt – Der Weg aus der zwanghaften Unordnung"
von Thomas Ritter

Das Taschenbuch lässt sich auf einen kurzen Nenner bringen: Alle individuellen Ursachenforschungen, jeder Blick auf das persönliche Umfeld der Betroffenen, mögliche Begleitumstände wie Krankheiten, Ängste usw. sind sinnlos, helfen nichts. In den Augen des Autors gibts nur ein Rezept, dem Messie-Sein zu entrinnen: zu sich selbst zu sagen, besser sich zuzuschreien: „Nein, ich will kein 'Messie’ mehr sein. Ich will zukünftig normal und frei als Nicht-Messie leben!“ Dann ist nämlich alles ganz einfach. In Bälde ist – ohne einen Hauch des Zweifels und ohne schlechte Gefühle – die Wohnung frei, geputzt und clean. Und es wird so bleiben, denn nach der Methode Ritter ist man dann definitiv Nicht-„Messie“: Die mehr als zwei Tage alte Zeitung landet problemlos im Altpapier, die Brotkrümel am Boden werden reflexartig aufgenommen. Der Buchautor – nach eigenem Bekunden seit Kind Messie – ist auf diese Weise nachhaltig „Cleenie“ geworden.

Die Formulierung, die vordergründig ganz nach freiem Willen klingt, unterschwellig aber wie eine Drohung daherkommt, lautet: „Wenn du Messie bleiben willst, so bleib in deinem Chaos und geniesse es.“ Aber das ganze Buch ist im Grunde durchdrungen von der Botschaft, den Blickwinkel zu ändern: Ich will – nicht aus Angst oder Druck, sondern weil ich es möchte - kein Messie mehr sein. Also alles auf diese eine Karte zu setzen - und das ist nicht immer ganz ohne Risiko...

Das Buch ist leicht zu lesen, übersichtlich geordnet (der Autor kennt alle Einwände!), regt an zum Anfangen, heute und jeden Tag neu – auch nach Rückschlägen. Immer wieder appelliert der Autor an den freien Willensentscheid, statt sich von eigenen und fremden Einwänden und abschätzigen Fixurteilen bestimmen und entmutigen zu lassen. Seine Methode mag vorab jüngeren Messies ohne jahrelange Negativerfahrungen zum Durchbruch zu verhelfen.

Doch eine Gefahr sollten Messies bedenken, die sich mit Hilfe des Buches „Endlich aufgeräumt“ helfen wollen,: Geht die Sache irgendwie schief und erfüllt sich das Versprechen von Thomas Ritter, es komme nie mehr zur Versuchung, ins „Messie“-Sein zurück zu fallen, nicht, dann ist der Frust, zum Tausendunderstenmal versagt zu haben, vorgezeichnet. Mein Tipp: Kritisch lesen, wer sich angesprochen fühlt, wage einen Versuch, nehme die Sache aber durchaus auch von der spielerischen Seite her, welche ein Verlieren ohne Gesichtsverlust ermöglicht. Doch das ist bereits wieder gegen die Doktrin des Buches.

Johannes von Arx / Elmira Claude


Andere Erfahrung gemacht? Ist die Kritik ungerecht? Gibt es doch mehr „einfache“ Messies als gedacht, denen es nur an einem „Tritt in den Hintern“ fehlt? Deine Meinungen und Erfahrungen sind uns wichtig. In unserem Forum lässt sich zu diesen Fragen und andern Anliegen à fond diskutieren – zensurfrei.

"Endlich aufgeräumt! Der Weg aus der zwanghaften Unordnung"

erschienen im Rowohlt Taschenbuch Verlag, Sachbuch, Band 61591
ISBN 3-499-61591-6 (Chf 16.70) z. Bsp. bei Buch.ch

Gibt es auch als Hörbuch (Chf 28.70)

Es gibt eigens eine offizielle Internetseite über das Buch bei www.endlichaufgeraeumt.de

 

 

 

Beinahe 100 Messies haben mittlerweile unseren Fragebogen zur Mietsituation beantwortet!

Ganz vielen herzlichen Dank allen, die sich an der Umfrage beteiligt haben.

Wir sind daran, die Antworten auszuwerten und zu einem Bericht zusammenzufassen. Dabei kann es aber nicht nur um statistisches Erfassen der Daten gehen - wir suchen einen Weg, die teilweise erschütternden Berichte hier auf unseren Seiten so zu veröffentlichen, dass unter allen Umständen die Anonymität gewährleistet ist.

Wir sind echt erstaunt, wie mitteilsam sich messies über ihre Wohnsituation äussern - und leider zeugt dies manchmal auch von genau der sozialen Isolation, der wir mit unserem Verband entgegen wirken wollen.

Es steht allen offen, die Umfrage weiterhin zu beantworten, der Fragebogen der online ausgefüllt werden kann und uns anonym übermittelt wird, kann hier ausgefüllt werden

 

 


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