LessMess Aktuell

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LessMess INFO 4/2011
Nr.4/11 - 22. Dezember
Aktuelles

LessMess Sekretariatswechsel, MV & Sommerfest 2012, Solothurner Filmtage

Interview

Mit Alexander Frommherz

Studienarbeiten

Tipps von Johannes

Pressespiegel

Verständnis & Unverständnis

Gedicht

„Rychtum im Alter“ von Frieda Habegger

Büchertipp Ursus räumt auf

Eisblumen von Anita


Liebe Messies und Nicht-Messies

Schon stehen die Festtage wieder vor der Türe und sicher auch schon mit einem Bein in der Wohnung mit Kerzen, Tannenzweigen, Weihnachtskrippen, Adventskalender und was uns sonst noch so freut in dieser eher grauen Jahreszeit.
Dies ist das Schlussprogramm des LessMess-Infos 2011: Anita lässt alle im Namen des Vereins LessMess mit ihrem stimmungsvollen Bild zum neuen Jahr grüssen und Frieda Habegger bringt euch hoffentlich mit ihrem Gedicht „Rychtum im Alter“ zum Schmunzeln und Staunen. Helene weist auf das neue Buch von Ursus hin, unserem grosszügigen Sponsor, und Thomas bringt aus den vielen Pressemitteilungen die interessantesten, gescheitesten oder auch unangenehmsten über Messies. Alexander Frommherz arbeitet seit Jahren für Messies und hat seine Erfahrungen im Interview zusammengefasst. Johannes ist Ansprechperson für Studienarbeiten und hat die wichtigsten Tipps zusammengestellt.
Fröhliche Festtage und einen guten und sicheren Rutsch ins neue Jahr 2012 wünscht euch das Redaktionsteam.

LessMess



Aktuelles

In eigener Sache:
Claudia Habegger, die nun seit Jahren das Sekretariat von LessMess so vorzüglich geleitet hat, tritt auf Ende Vereinsjahr zurück. Wir danken Ihr schon jetzt ganz herzlich für Ihre liebenswürdige & kompetente Mitarbeit. Sie wird auch noch bis und mit dem nächsten Sommerfest tatkräftig dabei sein - merci!
Nachfolgerin wird Trudi Engelhardt, die dem Verband seit langem nahe steht und sich nun dafür engagiert. Auch Ihr gilt unser ganz herzlicher Dank.
Damit verbunden ist auch eine Adressänderung des Sekretariats.
Dieser Adresswechsel gilt nun ab sofort und die neue Anschrift lautet:

LessMess Sekretariat
Postfach 42  
8934 Knonau

Hinweis:
Die Mitgliederversammlung des Verbandes LessMess sowie das beliebte 'Sommerfest' finden am 5. Mai 2012 statt.
Reserviert Euch dieses Datum!

Film:
Mehrfach haben wir über den Film 'Messies - ein schönes Chaos' berichtet.
Der Film kommt nun definitiv am 1. März 2012 in die Schweizer Kinos.

Zuvor aber wird er noch an den 47. Solothurner Filmtagen gezeigt, und das am:

Samstag, den 21. Januar 2012, 14h30 im Kino Canva
Mittwoch, den 25. Januar 2012, 21h00 im Kino Reithalle


 

Gedicht von Frieda Habegger: „Rychtum im Alter“


Wüsse mir eigetlig wi wärtvoll mir sy
Chöschtlegi Sache trage mir nämlig mit üs
Edelmetall – gäng meh jedes Jahr
Luege mir doch ds Silber i üsne Haar

Ou Guld, das gits i de Müüler zfinge
Nid nume a Brosche, Chötteli u Ringe

Das isch ja ganz es bsungrigs Edelmetall
Eso hei mir allermüglichs guets Kapital

Plombe, Prothese u de ou Brügge
Wo hälfe ds Aesse guet chönne z’schlücke

U de ygsetzt i de Hüfte oder de Chnöi
Titan – was doch di Dökter alls chöi

Steine i de Niere oder der Galleblase
U im Mage u de Därm verschidnegi Gase

U zletscht i de Füess no richtigs Blei
E Rychtum – wo mir fasch alli im Körper hei

Silber u Guld u Brügge u Stei
Gas u Titan u äbe no Blei.


Tipps

Wenn ihr über Weihnachtsmärkte, Flohmärkte oder durch Warenhäuser schlendert, sollt ihr euch – bevor ihr schon zum Portemonnaie greift – fragen:

smiley
 

… brauche ich das wirklich und konkret? (nicht vielleicht dann einmal ..!)
… hat es Platz oder vergrössert es nur mein Chaos?


Also im Zweifelsfall nichts kaufen!


Interview mit mit Alexander Frommherz, Geschäftsinhaber von Praxas

Praxas bietet seit Januar 2008 im Raum Bern, Freiburg und Biel verschiedene Dienstleistungen an: Aufräumhilfe/Ordnungscoaching, Seniorenservice und Gartenunterhalt.

LessMess:
Herr Frommherz, wie entdeckten Sie diese Bedürfnisse, besonders die Aufräumhilfe/das Ordnungscoaching?
Alexander Frommherz:
Ich führte für das Arbeiterhilfswerk verschiedene Aufträge in Haus und Garten aus, was mir gut gefiel und die ich gerne machte. Zur Aufräumhilfe kam ich durch Frau Joss, Ergotherapeutin in Bern, die mich für die Betreuung eines Messies anfragte.
Welche Dienstleistungen werden am häufigsten gebraucht? Eindeutig die Aufräumhilfe, dann aber auch der Gartenunterhalt.
Der Senioren-Service ist noch neu.
Stellt sich bei der Anfrage nach dem Senioren-Service auch gelegentlich eine Messie-Situation heraus?

Ja, oft wird der Senioren-Service zuerst fürs Einkaufen angefragt und später dann fürs Reduzieren der vielen Sachen, weil vielleicht der Umzug ins Altersheim geplant ist. Oder jemand braucht den Gartenunterhalt und dann später auch Hilfe im Haushalt, zum Putzen oder allgemein zum Aufräumen. Es sind meistens Stammkunden, die uns schon lange kennen.
Unsere Kunden bezahlen die Dienstleistungen selbst, deshalb haben wir auch mehr Möglichkeiten auf ihre persönlichen Bedürfnisse einzugehen als die Spitex. Wir sind für dringende Bedürfnisse für sie auch immer erreichbar. Zudem arbeitet immer die gleiche Bezugsperson mit den Kunden, ausser für Ferienablösungen.

Wer setzt sich für Aufräumhilfe / Ordnungscoaching mit Ihnen in Verbindung? Meist die Betroffenen selber. Dies ist gut, denn das zeigt auch die erste Bereitschaft, etwas zu ändern. Gelegentlich melden sich Angehörige für Informationen. Hie und da meldet sich auch eine Behörde, ein Sozialdienst, die uns dann einen Auftrag erteilen.
Welche besonderen Herausforderungen erleben Sie bzw. Ihre Coaches bei der Betreuung von Messies? Das Gewinnen von Vertrauen ist zu Beginn eines Auftrags eine sehr grosse Herausforderung. Messies müssen zuerst erfahren, dass wir für sie da sind, dass wir sie nicht verurteilen und dass wir vor allem vertraulich arbeiten. Konnten wir das Vertrauen gewinnen, läuft es gut.
Mit welcher Einsatzdauer rechnen Sie beim Coaching von Messies? Dies ist sehr unterschiedlich: 2 Wochen bis 2 Jahre. Es hängt davon ab, ob z.B. ein Kündigungsdruck vorhanden ist, oder wie alt das Problem ist.
Welches Alter hat Ihre Kundschaft? Das Alter unserer Kunden reicht von 25 bis 85 Jahren.
Müssen Sie auch Einsätze für Wohnungsräumungen für Messies machen? Welche Gründe gibt es dafür? Oft sind es im Rahmen des Senioren-Service Umzüge ins Altersheim. Aber es gibt auch Zwangsräumungen, weil die Verwaltung zu keinen Konzessionen bereit war. Glücklicherweise gibt es auch kulante Vermieter.
Welche Lösungen bieten Sie Messies beim Räumen und Entsorgen betreffend Diskretion an? Dies hängt sehr von der Wohnsituation ab. Wir besprechen dies mit den Kunden. Bis jetzt hatten wir wenige Probleme damit. Wenn wir sehr viele Waren entsorgen müssen, machen wir dies gestaffelt, damit es nicht so auffällt.
Gibt es genügend finanzielle Zuschüsse für Messies in bescheidenen finanziellen Verhältnissen? Welche hauptsächlich? Unser Sozialarbeiter stellt die Gesuche z.B. an Pro Senectute oder an eine Stiftung, die einen passenden Stiftungszweck hat. Es ist oft sehr schwierig und braucht viel Zeit und Geduld bis eine Antwort oder gar Zusage für einen Teilbetrag kommt.
Worauf achten Sie besonders im Umgang mit Messies? Diskretion ist besonders wichtig. D.h. wir tragen keine beschriftete Arbeitskleidung und unsere Korrespondenz trägt keinen Firma-Absender.
Eine wichtige Feststellung müssen wir immer wieder Familienangehörigen mitteilen oder sie sogar trösten, dass sie und auch gute Freunde als Helfer von Messies ungeeignet sind. Denn die ganze Familiengeschichte ist oft durch das Messieproblem stark belastet und wird beim Aufräumen wieder aktiviert.
Beim Vorgehen unserer Hilfe machen wir zuerst möglichst schnell wieder Platz für den Alltag, sei es, dass die Küche, der Tisch aufgeräumt oder das Bett frei geräumt wird. Wichtig ist auch, dass wir vermisste Sachen gleich suchen (Schlüssel, Brille, etc.)!
Mit Hilfe von kleinen Aufgaben lassen wir Messies ausprobieren, was für sie beim selber Aufräumen möglich ist. Dies führt zu den ersten wichtigen Erfolgserlebnissen!
Die Vision des Kunden von einem (neuen) Wohnalltag hilft dem Messie und uns seinen Wunsch in die Tat umzusetzen.
Vielen Dank, Herr Frommherz für das interessante und einfühlsame Gespräch. Herzlichen Dank für Ihr Interesse!
Interview von Annemarie

Studienarbeiten über das Messie-Syndrom – Ja, aber wie

Liebe Verfasserinnen und Verfasser von Studienarbeiten 

Wir freuen uns, dass ihr euch dafür interessiert, bei eurer Vertiefungs-, Matura-, Diplomarbeit etc. das vielschichtige Thema „Messie-Syndrom“ vorzunehmen. Im Verlauf der letzten Jahre haben wir gut zwei Dutzend Anfragen erhalten und in der Folge entsprechend begleitet. Daraus können wir eine erfreuliche Bilanz ziehen:

  • Für LessMess sowie die ganze Messie-Bewegung sind solche Arbeiten wichtig, weil sie in den jeweiligen Institutionen mit zu einer seriösen Aufklärung beitragen. Das ist nach wie vor nötig, weil das Informationsdefizit seit dem Start der Bewegung in der Schweiz 2001 noch gross ist.
  • Wir werden immer wieder mit Fragen konfrontiert, die wir nicht mit einem Standardsatz beantworten können, sondern welche uns zum Nachdenken und Nachforschen animieren. Das vergrössert auch unsere Erkenntnisse.
  • Es entstehen immer wieder hervorragende Arbeiten, welche einen würdigen Platz in der Messie-Literatur verdienen.

Diese Erfolgsbilanz wirft allerdings auch ihre Schattenseiten: Die zeitliche Belastung durch solche Unterstützungen ist gross und manchmal kaum vereinbar mit den übrigen Aufgaben, die bei LessMess anstehen. Wir haben uns deshalb überlegt, wie wir die Situation für beide Seiten, also für uns sowie für die Verfasserinnen und Verfasser der Arbeiten, optimieren können. Die wichtigste gemeinsame Erfahrung ist diejenige, dass viele die Komplexität des Themas unterschätzen. Dies und die angestrebte Optimierung führen uns zu einigen Ratschlägen und Forderungen: 

  • Einem Entscheid zur Themenwahl muss ein Vorstudium vorangehen: Mindestens die Lektüre von einem oder zwei der Fachbücher aus unserer Literaturliste. Das darin Aufgeführte muss auch einigermassen nachvollzogen werden können – nicht nur sachlich, sondern auch gefühlsmässig. Erfahrungen im eigenen oder engeren Bekanntenkreis und Gespräche mit Messies bzw. deren Angehörigen, sind weitere Hilfen bei der Themawahl.
  • Es muss unbedingt ausreichend (Reserve)Zeit eingeplant werden. Um eine seriöse Arbeit zu gestalten, werden in der Regel mindestens zwei Monate beansprucht, es sei denn, jemand könne sich vollzeitlich auf diese Aufgabe konzentrieren.
  • Um das komplexe Thema auch nur einigermassen adäquat beschreiben und darstellen zu können, sollte die Arbeit mindestens 30 Seiten umfassen, besser 40 oder mehr, es sei denn, man beschränke sich auf ein Unterthema, z.B. „Messie-Syndrom in der Literatur“ oder „Wie kreativ sind Messies wirklich?“
  • Um unsere eigenen Ressourcen zu schonen, können wir keine Unterstützung auf der Ebene des sprachlichen Ausdrucks und der Orthographie anbieten.
  • Aus dem gleichen Grund müssen wir uns auf Studienarbeiten aus der Schweiz beschränken. Das schliesst keineswegs aus, dass wir nach Möglichkeit Verfasserinnen und Verfasser aus anderen Ländern unterstützen.

Wir erwarten gerne eure Anfragen direkt über cleardotstudienarbeiten@lessmess.ch (vgl. dazu auch unsere Ausführungen unter www.lessmess.ch und bitten um Verständnis für unsere Situation.

Mit aufmunternden Grüssen, der Zuständige für Studienarbeiten bei LessMess, Johannes 


Pressespiegel

Über Verständnis & Unverständnis oder anders ausgedrückt: über Intelligenz & Dummheit

Verständnis zuerst: wie ein deutscher Kolumnist, der sich 'Phillip Zapper' nennt, in wenigen Sätzen die Komplexität von Zeit, Welt & Ordnung quasi so nebenbei derart erwähnen kann, dass man noch tagelang darüber nachdenken und -forschen darf...:

MainPost

Der Zapper-Philipp: Immer schlimmer

Gestern hatte ich angesichts der Kabel 1-Sendung „Raus aus dem Messie-Chaos“ gefordert, man solle nicht die Wohnungen chronisch unordentlicher Menschen entrümpeln, sondern das Fernsehprogramm. Nun hat mich einer meiner hochintelligenten und gut informierten Leser per Mail darauf aufmerksam gemacht, dass das ein vergebliches Unterfangen sei.

Denn es gebe die Entropie. Die sei Thema des zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik – ich versuche die hoch komplizierte Mail zusammenzufassen –, und der sei ein Naturgesetz, das im ganzen Kosmos gelte. Bei Wikipedia fand ich unter „Entropie“ ein Bündel von Formeln. Die optisch schönste – über die Wichtigkeit des Inhalts kann ich nichts sagen – hätte ich Ihnen gerne präsentiert. Doch als ich die Ansammlung von griechischen und lateinischen Buchstaben kopierte, kam das heraus:

„\mathrm dS = \frac{\delta Q_{\mathrm}}“

Mein Computer hatte aus der schönen Gleichung eine hässliche Unordnung gemacht.

Nun habe ich nicht nur hochintelligente Leser, sondern ebensolche Freunde. Einer von denen erklärte mir, dass genau das Entropie sei: Aus Schönheit und Ordnung wird zwangsläufig Unordnung. Es habe also gar keinen Sinn aufzuräumen, egal ob es sich um Messie-Wohnungen oder ums Fernsehprogramm handelt. Laut Naturgesetz wird sowieso alles immer schlimmer. Ein unordentliches Zapperlott!

Copyright by philipp.zapper@mainpost.de

Was Herr Zapper nicht erwähnt, ist, dass er als Profi-journalist natürlich im Interesse der Geschichte etwas verschönert, etwas kürzt & etwas verschweigt: denn er hat die Formel zu einer mathematischen Sinnlosigkeit herabgekürzt & die 'hässliche Unordnung' ist halt Konstrukt einer Programmiersprache, die TeX (oder LaTeX) heisst und die versucht, mathematische Formeln & ähnliches so zu beschreiben, dass ein fortgeschrittenes Textprogramm daraus automatisch ein korrektes, grafisches Bild erzeugen kann, das dann eben so aussehen würde:

  Entropie-Formel


Kopiert man das 'Formel-Bild' allerdings in ein äusserst einfaches Textprogramm (was Zapper als low-tech-fanatiker entlarvt (und dies wiedrum auf dessen Intelligenz & Professionalität hinweist !)), so entsteht daraus dann allerdings "\mathrm dS = \frac{\delta Q_{\mathrm{reversibel}}}{T}
".

 

Über Unverständnis:

Leider betrifft uns das in eigener Sache:
Seit ein paar Monaten läuft unsere PowerPoint Präsentation 'Was sind Messies?' auf YouTube. Immerhin wurde sie bereits über 2'300 mal angeschaut. In den letzten paar Wochen nun haben sich Leute entschlossen, Kommentare zu schreiben. Leider geht es um Wortwechsel, die mit der Sache eigentlich rein überhaupt nichts zu tun haben. Das Phänomen ist bekannt: die Leute surfen stundenlang im Internet und hinterlassen in allen Blogs, Filmen, Meldungen und Foren ihren Kommentar - weit abseits von Fach- und Sprachkenntnis. Vermutlich handelt es sich hier auch um ein psychologisch erklärbares Verhaltensmuster.
Erschreckend aber ist die Vermutung, dass die massenhaft ausgestrahlten, erniedrigenden 'Messie'-Drecksendungen von RTL, Kabel1 usf. halt doch Wirkung zeigen.Ich kopiere hier zwei Kommentare :

1) Sammeln ist ja eine andere Sache Teil weise Leben diese Menschen Wie Schweine selbst im Schweine Stall ist es Teilweise Sauberer.Teilweise sind das Faule Menschen die keine Sauberkeit kennen Harz 4 Kassieren fressen ficken und im Dreck leben wollen.Ob es wirklich eine Krankheit ist weis ich nicht aber Faulheit ist es jedenfalls.Man kann es mal unordentlich zu Hause haben aber bei einigen Messies ist es im Dreck leben wegen Faulheit weil sie ihren Arsch nicht hoch bekommen.Bahhhhhhhhh ekelig

2) Messies sind faule hartz4 schmarotzer die ihren lahmen´ fetten vereiterten arsch nicht hochbekommen , warum sollte man verschimmelten dreck sammeln und nicht einmal etwas aufräumen , alles ausreden ihr lappen , von wegen krankheit hahaha das ich nicht lache

Tja - leider ist es so & verschlägt einem die Sprache.
Thomas


Büchertipp


Das neue Buch von Ursus Wehrli

Ursus Buchtitel

In seinem neusten Buch räumt Ursus Wehrli den Alltag auf: einen Tannenzweig, eine Buchstabensuppe, die Wäsche auf einer Wäscheleine, einen Pausenplatz, einen Spielkasten, einen Sternenhimmel, einen Hühnerhof, eine Portion Pommes-frites und vieles mehr.

Ursus_puff_3aUrsus_aufger_3bBuchstabensuppe

Weiteres zu den Büchern vom Künstler findet ihr auf: www.kunstaufräumen.ch

ursus portraitUrsus Wehrli ist Linkshänder, Querdenker und gelernter Typograf. Seit 24 Jahren tourt er zusammen mit Nadja Sieger als Bühnenduo „URSUS & NADESCHKIN“. Sie wurden mehrfach ausgezeichnet – u.a. mit dem „New York Comedy Award“, dem „Salzburger Stier“, dem „Deutschen Kleinkunstpreis“ und dem „Reinhart Ring“.

Am 26. August stellte Ursus Wehrli sein neues Buch in Zürich vor. Schweizerische und deutsche Medien freuen sich über dieses Buch und stellen es detailliert vor. Bereits früher sind zwei Bücher zum Thema „Kunst aufräumen“ erschienen.


Helene

 


LessMess Beratungstelefon: 079 304 10 97
Montag 18.00 - 20.00 // Donnerstag 10.00 - 12.00

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LessMess Sekretariat
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Wir danken herzlich für eventuelle Spenden an:
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Redaktion dieser Ausgabe: Annemarie.
Layout und Gestaltung: Thomas.


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LessMess INFO 3/2011
Nr.3/11 - 12. Oktober
Aktuelles

KOSCH: Workshop am 26. Oktober 2011, Chur

Interview

Schwierigkeiten bei Wohnsituationen: Ein Interview mit Herrn Manser, Rechtsanwalt

Film

Messies - ein schönes Chaos - Gewinnt Berner Filmpreis

Pressespiegel

Mietrecht Mieter und Vermieter - von Nomaden und Haien - Bericht aus Deutschland



Anfangs September habt ihr aus hoch aktuellem Anlass eine tolle Spezialausgabe des LessMess Info erhalten. Der Film „Messies – ein schönes Chaos“ konnte in Locarno einen Preis gewinnen und wurde daher auch am Filmfestival Zürich gezeigt. Jetzt gewinnt er auch noch den Berner Filmpreis. Der Film kann nur wärmstens empfohlen werden: Schaut ihn euch an! Er kommt am 1. März 2012 in die Kinos.
In diesem „normalen“ LessMess Info finden sich weitere Themen, die Messies und auch Nicht-Messies beschäftigen: Zur oft sehr schwierigen Wohnsituation und der häufig drückenden finanziellen Lage von Messies werden Fragen von Rechtsanwalt Manser beantwortet.
Im Pressespiegel hat Thomas einen zum Interview passenden, aktuellen Artikel gefunden.
LessMess wünscht allen einen schönen Herbst.


LessMess



Aktuelles

KOSCH: Workshop am 26. Oktober 2011, Chur
Thema: „Gemeinsam neue Perspektiven entwickeln“.


„Wenn’s anhaltend schwierig ist, versucht man häufig mit gleichen Mitteln die Situation zu bewältigen, auch wenn es nichts nützt. Die Selbsthilfegruppe hat ein grosses Potenzial, einander für neue Perspektiven und Handlungsweisen zu ermutigen. Damit verbunden ist ein verstärkter Blick auf das, was in einem positiven Sinn „Vorhanden ist und werden könnte“. In Gruppen, die mehr ressourcenorientiert arbeiten, gibt’s kaum mehr „diese undefinierbare Schwere oder das Gefühl, an Ort zu treten.“
„In diesem Workshop erweitern Sie auf spielerische Weise Ihre Kompetenzen in ressourcenorientierter Gesprächsführung“.
Anmeldung und Auskunft: KOSCH Geschäftsstelle, Laufenstrasse 12, 4053 Basel;
Tel: 061 - 333 86 01; e-mail: gs@kosch.ch; website: www.kosch.ch.

Wer ist nicht schon einmal in einer Sackgasse gesteckt und hat den Ausweg fast nicht gefunden? Kreative und positive Vorschläge, andere Sichtweisen können einen Weg aus einer schwierigen Lage zeigen.


Tipps

„Das Aussortieren des Unwesentlichen ist der Kern aller Lebensweisheit.“ (Lao Tse)

smiley
  Folgende Fragen sind hilfreich für eine Entscheidung:
    - Was mag ich?
- Was brauche ich noch?
- Was ist kaputt?

Interview mit Herrn Manser, Rechtsanwalt

Herr Urs Manser, Luzern, ist Anwalt und Notar mit langjähriger Erfahrung auch mit Problemen von Messies.
Er absolvierte eine anerkannte Zusatzausbildung als Mediator.

LessMess:
Messies haben oft Probleme mit dem Hauswart, der Wohnungsverwaltung oder dem Hauseigentümer, weil sie zu viele Sachen haben (sichtbar auf dem Balkon, im Keller).
Wo liegt die Grenze zwischen vielen und zu vielen Sachen? Gibt es eine rechtliche
Regelung?
Herr Manser:
Der Vermieter hat gegenüber den Mietern die Pflicht, das Mietobjekt in einem tauglichen Zustand zu übergeben und in demselben zu erhalten. Gleichzeitig hat der Mieter die Pflicht, die Mietsache vertragsgemäss und sorgfältig zu gebrauchen und auf die anderen Hausbewohner und Nachbarn Rücksicht zu nehmen.
Die Grenze liegt dort, wo aufgrund des Verhaltens eines Messies, dem Vermieter und/oder den anderen Hausbewohnern die Fortsetzung des Mietverhältnisses nicht mehr zumutbar ist. Dann nämlich gibt das Gesetz dem Vermieter das Recht, dem Messie nach erfolgloser schriftlicher Mahnung unter Beachtung der gesetzlichen Frist zu kündigen.
Die Sorgfaltspflichtverletzung muss eine gewisse Schwere aufweisen. Nur weil also ein Messie eine gewisse Unordnung in seiner Wohnung aufweist oder mehr Sachen besitzt als der Durchschnittsmensch, kann ihm noch nicht gekündigt werden. Lässt er hingegen seine Wohnung dermassen verwahrlosen, dass die Wohnung Schaden nimmt oder dass dies für die übrigen Mieter negativ spürbar wird - z.B. durch Ungeziefer oder Gestank - dürfte die Grenze überschritten sein. Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Frage der Zumutbarkeit. Was im Einzelfall den übrigen Mietern und dem Vermieter zumutbar ist, bestimmt sich nach Billigkeit, d.h. ob die vom Messie ausgehende Störung für die anderen Hausbewohner erträglich ist, bzw. ob die Gründe für eine ausserordentliche Kündigung vernünftig und verhältnismässig sind. Dies beurteilt sich aus der Sicht eines "vernünftigen Mieters". Kriterien hier sind auch die Dauer und die Art der Störung, der Verwendungszweck der Mietsache, ihr baulicher Zustand oder die Lage der Liegenschaft. Ebenfalls entscheidend sind auch die Anstrengungen des Messies, die Störung zu beheben.
Kein Messie ist ein leidenschaftlicher Sammler, der im Laufe der Zeit sehr viele Sammelobjekte zusammen getragen hat, sie gut organisiert aufbewahrt und unter diesem Zustand nicht leidet.
Welche ethische Haltung wäre von einer Verwaltung und der Nachbarschaft ideal? Die Verwaltung steht in diesen Fällen meist unter Druck von den anderen Mietern. Diese drohen häufig mit der Geltendmachung einer Mietzinsreduktion oder einer Kündigung, wenn die Verwaltung das Problem nicht beseitigt. Es ist deshalb wichtig und auch verständlich, dass die Verwaltung dem Messie klarmacht, dass dieser Zustand nicht geduldet wird und jetzt sofort etwas geschehen muss. Als hilfreich erweisen sich oft auch Anzeigen bei der Gemeinde, der Pro Infirmis oder der Pro Senectute (bei älteren Messies), welche dann den Kontakt mit dem Messie suchen und ihm professionelle Hilfe anbieten.
Eine ideale ethische Haltung wäre, das Problem zu benennen, einzugreifen und gleichzeitig durch Information geeigneter Stellen Hilfe anzubieten. Wenn sich dann abzeichnet, dass der Messie die angebotene Hilfe annimmt und sich eine Verbesserung der Situation abzeichnet, ist ein gewisses Mass an Geduld und Toleranz seitens der Vermieterschaft und der Mitmieter gefordert und wünschenswert.
Wenn sich ein Messie jedoch völlig verschliesst und auf keinerlei versuchte Kontaktaufnahme reagiert, bleibt der Verwaltung nichts anderes übrig, als zum Wohle und Schutz der übrigen Mieter eine Kündigung auszusprechen, und eine allfällige Zwangsräumung anordnen zu lassen.
Welche Fristen sind bei Ankündigung einer Wohnungsbesichtigung einzuhalten?
Wer darf mitkommen? (Verwaltung? Hauswart?)
Das Gesetz spricht in diesem Zusammenhang davon, dass die Besichtigung dem Mieter rechtzeitig vorangemeldet werden muss. Rechtzeitig bedeutet in diesem Zusammenhang ungefähr eine Woche im Voraus (liegt nicht ein dringender Fall vor, muss der Vermieter gemäss Art. 5 Abs. 2 PWG (= Rahmenmietvertrag Westschweiz, vom Bundesrat bis 30. Juni 2014 als allgemeinverbindlich erklärt) eine Besichtigung 5 Tage im Voraus ankündigen und die Interessen des Mieters mitberücksichtigen.).  
Das Besichtigungsrecht steht dem Vermieter und dessen Vertretung (Verwaltung, Hauswart, Architekt, Handwerker) zu.
Welche Gründe gibt es für den Zutritt zur Wohnung bei Abwesenheit?
Wer darf dann die Wohnungstüre öffnen?
Verweigert der Mieter eine Besichtigung durch den Vermieter, so läuft er Gefahr, für einen allfälligen Schaden des Vermieters haftbar zu werden. Der Vermieter darf sich aber auch bei einer Verweigerung der Besichtigung nicht eigenmächtig und gewaltsam Einlass verschaffen. Der Vermieter muss sich in diesem Fall an das Gericht wenden und beantragen, der Mieter sei zur Duldung der Ausübung des Besichtigungsrechts zu verpflichten.
Ein Selbsthilferecht steht dem Vermieter nur bei Notstandssituationen zu (Art. 52 Abs. 3 OR). Andernfalls macht er sich des Hausfriedensbruchs schuldig.
Darf der Hauswart oder die Verwaltung Fotos von der Wohnung machen? Auch ein Messie hat Anspruch auf den Schutz seiner Persönlichkeit. Ohne seine Erlaubnis darf der Vermieter m. E. Fotos nur erstellen lassen, wenn er zuvor beim Gericht eine vorsorgliche Beweisabnahme verlangt hat. Diesfalls werden dann die Fotos durch einen vom Gericht bestellten Beauftragten erstellt. Fotos dürfen aber nur soweit gemacht werden, als damit Schäden an der Wohnung nachgewiesen werden sollen. Voyeuristische Bilder sind unzulässig.
Gibt es Fristen für die Entsorgung bei zu vielen Sachen? Auch hier wird von einer angemessenen Frist auszugehen sein. Die Grenze kann hier nicht nach Tagen bestimmt werden. Entscheidend sind die Umstände des Einzelfalls.
Falls eine Zwangsentsorgung durch die zuständige Behörde erfolgte: wem gehören die Sachen? Wie ist der Zugriff auf die Sachen zu regeln? Wer ist kostenpflichtig? Das eigenmächtige Entsorgen der Habe des Mieters ist juristisch heikel und das Gesetz gibt darauf keine eindeutige Antwort. Unbestritten ist immerhin, dass Abfall und verderbliche Ware entsorgt werden dürfen.
Häufig wird kaum mehr etwas brauchbar sein. Müssen hingegen Waren des Mieters in einem Lagerhaus zwischengelagert werden, geht das ebenfalls auf Kosten des Mieters. Dieser wird die Ware wohl auch nur gegen Bezahlung wieder heraus erhalten. Von daher muss gut überlegt sein, ob sich im Hinblick auf die Lagerkosten eine Zwischenlagerung überhaupt lohnt.
Entsorgung und Lagerung gehen somit auf Kosten des Mieters. Vorleistungspflichtig ist der Vermieter, von dem der Auftrag in der Regel ausgehen wird. Bei diesem bleiben die Kosten auch hängen, wenn er sich nicht beim Mieter schadlos halten kann.
Bei wem kann ein Messie Hilfe holen? Inzwischen gibt es zahlreiche Webseiten und Stellen, welche Messies Hilfe anbieten sowie Organisationen, welche sich auf die Räumung von Messie-Wohnungen spezialisiert haben, wie etwa über den Verband Lessmess oder die Home Management GmbH.
Zu denken ist aber auch an die Gemeinden, das Sozialamt, die Caritas oder die Pro Senectute, oder Messie-Coaching und Messie-Räumungen im Kanton Luzern bzw. in der ganzen Deutschschweiz.
Ein zweiter Problemkreis sind finanzielle Probleme, weil einerseits die Post nicht geöffnet oder weil zu viel Geld unkontrolliert für „Hobbies“ (Kaufzwang) oder den Haushalt ausgegeben wird.
Bei Schulden droht die Betreibung: Wo kann Hilfe geholt werden?
Bei der Schuldenberatung. Beispielsweise bietet die Caritas kostenlose Schuldenberatungen an. Auch die Fachstelle für Schuldenberatung Luzern ist eine mögliche Anlaufstelle. Teilweise bieten die Gemeinden auch die freiwillige Vermögensverwaltung an. Dies kann eine Hilfe sein, wenn man mit dem Finanziellen überfordert ist.
Wo soll nicht Hilfe geholt werden? Bei diversen unseriösen Kreditinstituten. Mit einem kurzfristigen Kredit wird die Schuldenlast nur grösser.
Einige Messies wollen rechtzeitig aus ihren Problemen herauskommen und möchten gerne Hilfe.
Ist eine finanzielle Unterstützung durch die Krankenkasse, Ersatzleistungen, o.a. möglich? Braucht es dazu allenfalls ein Arztzeugnis? Von welchem Arzt (Hausarzt, Psychiater?)?

Die Krankenkasse wird wohl nur für die Gesundheitskosten aufkommen, sofern und soweit das Messie-Symptom Krankheitswert aufweist und eine ärztliche Betreuung notwendig ist. Bei einer "blossen" Überforderungssituation müsste eine allfällige Kostenübernahme der Gemeinde und/oder eventuell des Sozialamtes abgeklärt werden.

Möglicherweise findet sich eine Stiftung, wie beispielsweise die „Stiftung Hilfe für betagte Menschen in Bedrängnis“, Luzern, die auf schriftlichen Antrag eventuell einen finanziellen Beitrag leisten könnte.
Vielen Dank Herr Manser für Ihre ausführlichen und kompetenten Antworten


MESSIES, EIN SCHÖNES CHAOS

Berner Filmpreis für den Kinodokumentarfilm von Ueli Grossenbacher

Medienmitteilung der Erziehungsdirektion
Amt für Kultur des Kantons Bern / Berner Filmförderung

Der Filmpreis 2011 geht an "Messies, ein schönes Chaos"

Die Berner Filmförderung verleiht dieses Jahr einen Berner Filmpreis, zwei Regiepreise und zwei Nachwuchsförderpreise: Ausgezeichnet mit dem Berner Filmpreis 2011 von 30'000 Franken wird der Dokumentarfilm "Messies, ein schönes Chaos" von Ulrich Grossenbacher. Der Spielfilm "Silberwald" von Christine Repond und der Dokumentarfilm "Bouton" von Res Balzli erhalten den Regiepreis 2011 von je 10’000 Franken. Zwei Nachwuchsförderpreise von 5’000 Franken gehen an den Animationsfilm "Eisprung" von Loretta Arnold und den Abschlussfilm "Handschlag" von Gregor Frei. Die Preisverleihung findet am 16. November 2011 statt.
Eine unabhängige Fachjury der Berner Filmförderung zeichnet dieses Jahr zwei Dokumentarfilme, einen Spielfilm, einen Animationsfilm und einen Kurzfilm aus.

Der Berner Filmpreis von 30'000 Franken geht an den hervorragenden Film "Messies, ein schönes Chaos" von Ulrich Grossenbacher. Sein Film ist witzig und traurig zugleich, schafft das Kunststück, dass wir hinter sich türmenden Bergen von Gerümpel nicht Verwahrlosung sondern Menschen mit ausserordentlichen Fähigkeiten entdecken. In diesem tiefgründigen Spiegel unserer Wegwerfgesellschaft verschwimmt der Unterschied zwischen Krankheit und Normalität, während sich die Notwendigkeit gegenseitiger Toleranz verdeutlicht.

Die Berner Filmemacher Res Balzli und Christine Repond erhalten je einen Regiepreis von 10’000 Franken. Mit ihrem ersten Kinospielfilm "Silberwald" schafft es Christine Repond, den Prozess einer Rechtsradikalisierung von jungen Menschen intelligent und sensibel nachzuzeichnen. Angesiedelt im Emmental, baut der Film in ruhigen Bildern und mit wenig Worten eine beklemmende Atmosphäre auf und erzählt uns eine universelle und aktuelle Geschichte. Die Regisseurin beeindruckt mit einem guten Drehbuch, grossem Einfühlungsvermögen und einer starker Handschrift.
Dem feinfühligen Dokumentarfilm "Bouton" von Res Balzli gelingt es, eine todkranke junge Schauspielerin im letzten Jahr zu begleiten und dabei gleichzeitig nahe und respektvoll zu sein. Durch den Dialog mit der sprechenden Handpuppe „Bouton“ entsteht eine dramatische Dynamik zwischen Begeisterung und bangender Verzweiflung mit durchdringendem Schmerz, der direkt ins Herz der Zuschauer trifft.
Zwei Nachwuchsförderpreise von je 5’000 Franken gehen an zwei Absolventen von Filmschulen. Der Animationsfilm "Eisprung" von Loretta Arnold ist erfrischend, kurz und bündig. Der Macherin gelingt es, mit einfachen Mitteln, der ältesten Frage der Welt nachzugehen: "War das Huhn oder das Ei zuerst da?". Sie vermag die Frage zwar nicht zu beantworten, doch auf sehr humorvolle und starkem Text amüsant und gescheit zu beleuchten. Der junge Filmemacher Gregor Frei inszeniert in seinem Kurzfilm "Handschlag" gekonnt eine Geschichte, die auf einer Schweizer Baustelle spielt und wunderbar aufzeigt, wie schnell es geht, durch einen inneren Konflikt mit seinem Umfeld in ein Dilemma zu geraten.
Die Fachjury des Berner Filmpreises betont, dass die eingereichten Filme für den Berner Filmpreis 2011 gegenüber den Vorjahren qualitativ und quantitativ einen Quantensprung gemacht haben. Noch nie zuvor wurden so viele hochstehende Berner Filme eingereicht. Insgesamt 44 Filme visionierte die Fachjury innert drei intensiven Tagen.


Die Verleihung des Berner Filmpreises 2011 findet gemeinsam mit der Verleihung des Berner Musikpreises 2011 am Mittwoch 16. November, um 19.30 Uhr, in der Dampfzentrale Bern statt. Die Preisverleihung ist öffentlich und der Eintritt ist frei. An der Preisverleihung werden auch Ausschnitte aus allen fünf ausgezeichneten Filmen gezeigt.
Notiz an die Redaktionen
Zur öffentlichen Preisverleihung vom Mittwoch, 16. November 2011 um 19.30 Uhr in der Dampfzentrale Bern sind auch die Medien herzlich eingeladen.


Pressespiegel

Derwesten.de
© 2011 WAZ New­Me­dia GmbH & Co.

Mietrecht Mieter und Vermieter - von Nomaden und Haien

Essen, 07.10.2011, Jörn Esser

Essen. Feuchte Wände und horrende Nebenkosten auf der einen, Mietnomaden und Messies auf der anderen Seite. Mieter und Vermieter leben nicht immer friedlich miteinander. Zwei Rechtsanwälte von Mieterschutzbund und Haus und Grund berichten aus ihrem Alltag.

Das sagt der Mieterschutzbund:
Harald Bartnik
Harald Bartnik vom Mieterschutzbund. Foto: Christoph Wojtyczka

Feuchte Wände in Häusern und Wohnungen aus den 50er, 60er und 70er Jahren sind für viele Mieter ein Problem. Sie sind besonders betroffen weil in diesen Gebäuden oft keine ausreichende Wärmedämmung vorhanden ist. Deshalb werden viele Außenwände feucht. Im Grunde müsste man 20 Mal am Tag lüften und natürlich auch nachts, aber das ist natürlich nicht zumutbar. Schimmel ist besonders von Oktober bis April ein Problem, da es kalt und feucht ist und sich diese Feuchtigkeit dann an den kältesten Stellen der Wohnung festsetzt. Früher waren es die Eisblumen an den Fenstern, doch durch nachträgliche Isolierverglasung sucht sich die Feuchtigkeit jetzt andere Stellen. Wir empfehlen, dreimal täglich stoßzulüften. Beim Heizen sollte man zudem nicht zu sparsam sein, denn die Wärme muss in den Zimmern bleiben, damit die Außenwände eine gewisse Temperatur behalten. Entscheidet sich der Vermieter für eine vernünftige Wärmedämmung, ist das Thema jedoch schnell vom Tisch.

Nebenkosten sind über das ganze Jahr aktuell, vor allem wenn große Nachzahlungen fällig werden. Wir hatten gerade noch einen Fall, wo 40 Euro Vorauszahlung geleistet wurde und dem Mieter nach der Abrechnung 700 Euro als Nachzahlung berechnet wurden. Das ist wie eine zweite Miete. Wenn der Vermieter die Nebenkosten zuvor zu niedrig kalkuliert, ist es praktisch ein Lockvogelangebot. Man sollte sich vor Abschluss des Mietvertrages informieren, wie hoch die Nebenkosten wirklich sind. Positiv ist jedoch, dass die Qualität der Abrechnungen, zumindest bei Großvermietern, grundsätzlich in Ordnung sind.

Eigenbedarf anzumelden ist vor allem bei Eigentumswohnungen ein wiederkehrendes Phänomen. Jüngst hatten wir den Fall, dass eine Wohnung zwangsversteigert wurde. Noch bevor der Käufer den Zuschlag bekam, wollte er den Mieter zu einer Anpassung des Mietvertrags bewegen. Dieser lehnte ab. Nachdem der Käufer das Objekt ersteigert hatte, gab es sofort eine Kündigung wegen Eigenbedarf. Eingezogen ist der Käufer natürlich nicht. Vorher heißt es immer, dass sich der Eigentümer von Frau oder Freundin getrennt habe und deshalb eigenen Bedarf habe. Doch bevor er einzieht kommt es dann regelmäßig zur Versöhnung. Leider gibt es für solche Geschichten immer wieder Menschen, die das auch noch bezeugen.

Abzuraten ist übrigens davon, in einem Zwei-Familienhaus einzuziehen, wenn dort eine Wohnung vom Eigentümer bewohnt wird. Der hat nämlich in diesem Fall ein Sonderkündigungsrecht.

Das sagt Haus und Grund:
Werner Weskamp
Werner Weskamp, Geschäftsführer von Haus und Grund. Foto: Jan Dinter

Große Sorgen machen Essener Vermietern sogenannte Mietnomaden. Wir bei Haus und Grund verstehen darunter solche Personen, die schon bei Abschluss des Mietvertrags wissen, dass sie innerhalb kürzester Zeit nicht mehr in der Lage sind, zu zahlen. Meist wird eine Monatsmiete bezahlt und dann kommt nichts mehr. Oft kommt es dann zu Grimms Märchenstunde – so geben viele Mieter der Bank die Schuld und erklären, dass das überwiesene Geld zurückgekommen sei, obwohl sie nie überwiesen haben. Private Vermieter sind meist sehr geduldig, auch wenn schon drei oder vier Monatsmieten ausgeblieben sind. Oft bleibt dann nur die fristlose Kündigung und eine Räumungsklage. Auf den Kosten, die oft im vier- oder sogar fünfstelligen Bereich liegen, bleibt der Vermieter meist sitzen.

Nicht selten sind diese Wohnungen bei der Räumung extrem unhygienisch. Weil der Strom schon lange abgestellt ist, machen sich im dennoch prall gefüllten Kühlschrank Maden breit. Dieses Szenario zu vermeiden, ist für den Vermieter nicht einfach. Um selbst die Messie-Wohnung in Augenschein nehmen zu können, braucht er zuvor gewisse Anhaltspunkte. Manchmal fällt so etwas jedoch bei Reparaturarbeiten auf oder wenn der Heizungsableser in der Wohnung war. Meist erkennt man gar nicht, wo der Mieter überhaupt schläft. Trotzdem kann in diesen Situationen das Mietverhältnis vom Vermieter nicht sofort beendet werden – auch hier muss erst abgemahnt werden.

Nicht ungewöhnlich ist es, dass Mieter beim Auszug vor allem aus dem Badezimmer, fast alles mitnehmen: Handtuchhalter, Spiegel, Lampe oder den Halter für die Toilettenrollen. Auch wenn ein Mieter lange in einer Wohnung gelebt hat und nach einer gewissen Zeit ohne Rücksprache mit dem Vermieter zum Beispiel ein neues Waschbecken angeschafft hat, kommt es vor, dass er dieses beim Auszug mitnimmt. Das alte Waschbecken ist natürlich längst weg. Zudem sehen Badezimmer oft aus wie Schweizer Käse. Die Bohrmaschine kommt manchmal viel zu oft zum Einsatz. Die Fliesen sind dann völlig durchlöchert. Häufig sind so viele Fliesen betroffen, dass ein punktueller Austausch nicht mehr möglich ist.

Gnerell raten wir unseren Mitgliedern jedoch immer, mit den Mietern ins Gespräch zu kommen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Schließlich haben alle Parteien ein Interesse an einem partnerschaftlichen Mietverhältnis.


Anmerkung von LessMess:

Zu diesem spezifisch auf Deutschland bezogenen Artikel hat es mehrere Leserbriefe gegeben. Zwei davon seien hier wiedergegebe - sie illustrieren den etwas angespannten Ton der Kontrahenten...

1)
Neue Mieter?
Nur mit vorgelegter eigener Schufa-Auskunft (siehe Kasten unten), Creditreform-Auskunft eingeholt und Rufnummer vom Vormieter.
Weiterhin sollte man sich über den potentiellen Mieter, genau wie bei Jobbewerbern, im Internet erkundigen und wenn die Vormiet-Stätte zu weit entfernt ist, auch über diese im Internet mitsamt Kartendarstellung.

Weiterhin sollte man auf Kleidung, Auto und Allgemeinbildung bei der Besichtigung achten!

Hinzu kommt ein entsprechender Mietvertrag sowie Kaution.
Danach sollten beide Parteien die Vereinbarung entsprechend pflegen.

Oder man hat schon ohnehin abgewirtschaftete Objekte, wo der Mietzins die Kosten weit übertrifft. Dann ist es auch egal...

von WilliErpel , am 10.10.2011 um 10:46

2)
tja Erpelchen....mit deinem letzten Absatz hast dich als Vermieterhai geoutet. Schufa: Ist normalerweise Gang und gebe, jedoch braucht ein Mieter lediglich den Teil der Schufaauskunft preisgeben,der sich auf Mietschulden bezieht. Eine allgemeine Schufaauskunft ist nicht Rechtens. Auskunft über den letzten vermieter. tja..wenn ein schwebendes verfahren GEGEN den letzten Vermieter läuft,braucht man mit Hinweis darauf auch nichts Preis geben.

Kleidung,Bildung und Auto als Kriterium ? Sonnenbrille auf,oder wie ? Die meisten Mietnomaden kommen nicht in Asi-Aufzug daher,sondern treten ordentlich gekleidet,rasiert etc auf. Stellenweise haben sie sogar ein gutes Mittelklasse-Fahrzeug (können die sich dank der nicht gezahlten späteren Miete leisten)

Letztendlich ist es eine 50/50 Chance an ordentliche Mieter zu geraten.Ich kann da selber ein Liedchen von singen.

Aber eins ist sicher: Lieber einen Hartzler ( wo dann im Mietvertrag eine Regelung reinkommt,das der Mietzins direkt von den Argen überwiesen wird),als einen Jungspund,der grade mal 1 oder 2 Monate als Lagerhelfer beschäftigt ist...

von WatKykJy , am 10.10.2011 um 16:42


Wikipedia klärt auf:
Die Schufa Holding AG (Eigenschreibung SCHUFA, früher: SCHUFA e. V.; Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung) ist eine privatwirtschaftlich organisierte deutsche Wirtschaftsauskunftei, die von kreditgebenden Unternehmen getragen wird. Sitz der Schufa Holding AG ist das hessische Wiesbaden.
Ihr Geschäftszweck ist, ihre Vertragspartner vor Kreditausfällen zu schützen; nach Meinung der Schufa trägt sie zudem zum Schutz der Verbraucher vor Überschuldung bei. ...
In der Schweiz haben die Vereine der privatwirtschaftlichen Institutionen – Verein zur Führung einer Zentralstelle für Kreditinformationen (ZEK) und Verein zur Führung einer Informationsstelle für Kreditinformationen (IKO) – eine mit der Schufa vergleichbare Funktion. Im normalen Leben, z.B. für Bestätigungen für Vermieter, sind aber die Auskünfte und Bestätigungen der Betreibungsämter der Gemeinden – also öffentliche, unabhängige und demokratisch kontrollierte Stellen – maßgeblich.

Was Asi & Hartzler sind sollte ja aus den bisherigen LessMess-Infos zur Genüge bekannt sein...






LessMess Beratungstelefon: 079 304 10 97
Montag 18.00 - 20.00 // Donnerstag 10.00 - 12.00

Wir danken herzlich für eventuelle Spenden an:
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Redaktion dieser Ausgabe: Annemarie.
Layout und Gestaltung: Thomas.

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LessMess INFO spezial September

Spezial September 11

Film

«Messies, ein schönes Chaos» am ZFF (Zurich Film Festival)
«Messies, ein schönes Chaos» von Ulrich Grossenbacher (CH), der Gewinnerfilm der diesjährigen Semaine de la critique von Locarno, wird am Zurich Film Festival zweimal aufgeführt:
Sonntag, 25.9.2011, 13.15, corso 2 (in Anwesenheit des Regisseurs)
Freitag, 30.9.2011, 19.00, corso 4



Liebe Messies und Nicht-Messies

im letzten LessMess Info (2/11) haben wir von der Präsentation des Filmes "Messies - ein schönes Chaos" von Ueli Grossenbacher am Filmfestival von Locarno berichtet.

Der Film erzielte einen überwältigenden Erfolg bei Publikum und Kritik und wurde bald zum Geheimtyp der Festivalbesucher: trotz einer zusätzlich eingeräumten, dritten Projektion mussten leider sehr, sehr viele Besucher wegen Platzmangel zurückgewiesen werden.
Als Krönung hat der Film schlussendlich den Preis SRG der 'Semaine de la critique' gewonnen:

Auf der Internetseite des SVFJ (Schweizerischer Verband der Filmjournalistinnen und Filmjournalisten) kann man folgendes lesen:


"Seit 1990 führt der Schweizerische Verband der Filmjournalistinnen und Filmjournalisten (SFVJ) am Filmfestival von Locarno die Semaine de la Critique durch und zeigt in diesem Rahmen jedes Jahr sieben herausragende Dokumentarfilme aus aller Welt. Seit 2009 wird der mit dem Preis SRG-SSR ausgezeichnete Siegerfilm jeweils auch am Zurich Film Festival zweimal vorgeführt. Nachdem 2009 ... ist dieses Jahr eine Schweizer Produktion an der Reihe: «Messies, ein schönes Chaos» des Berners Ulrich Grossenbacher.

Ulrich Grossenbacher porträtiert in seinem äusserst witzigen, zugleich auch sehr feinfühligen Film vier Menschen, die am so genannten Messie-Syndrom leiden. Er vermittelt dabei einmalige Einblicke in einen Alltag, der sich für die Betroffenen als permanente Gratwanderung zwischen Genialität und Überforderung darstellt. Grossenbacher nimmt seine Zuschauer mit auf Expeditionen in überfüllte Wohnungen, Dachstöcke und Scheunen und lässt sie teilhaben an vergeblichen Auf- oder besser Umräumaktionen. Dabei ringen die vier Protagonisten nicht nur stets mit sich selber, sondern ihr Verhalten wird auch für ihre Umgebung – ihre Lebenspartner, die Nachbarn, die Behörden – immer wieder zur Herausforderung.
Ulrich Grossenbacher hat seinen Film mit viel Respekt vor seinen Protagonisten, einem ausgesprochenem Sinn für Dramaturgie und viel Flair für leise Situationskomik gedreht. «Messies, ein schönes Chaos» ist ein wunderbar skurriler, zugleich tief humaner Film über die bisweilen köstlichen Unwägbarkeiten des menschlichen Seins.
Der Preis SRG-SSR / Semaine de la critique 2011, Jury-Begründung
Die Jury der 22. Filmkritikerwoche von Locarno, bestehend aus Hans Hodel (Schweiz), Stas Tyrkin (Russland) und Isabelle Regnier (Frankreich), begründet ihren Entscheid folgendermassen:
«Die Jury zeichnet ‹Messies› wegen seiner prägnanten und witzigen Darstellung der Conditio humana aus, die zugleich satirisch, metaphorisch aber auch äusserst human ist. Die Art und Weise, wie dieses filmisch vollendete Werk Menschen portraitiert, die am Messie-Syndrom leiden, ist komplex, widersprüchlich und äusserst unterhaltsam. Indem sich der Film weigert, das Verhalten seiner Protagonisten zu werten, stellt er auch unsere Vorstellungen von Normalität und Ordnung zur Diskussion und bringt selbst den ‹normalsten› Zuschauer dazu, sich unerwartete Fragen zu stellen.»
Locarno, 13. August 2011
Für die Semaine de la Critique
Die Delegierten Irene Genhart und Simon Spiegel
"

Das sogar so etwas geordnetes wie das Alfabet schwer zu beherrschen ist zeigt das 'Zurich' Film Festival (es heisst wirklich so) deutlich: es reiht den Film unter 'A' ein...

Screenings

Zeit

 

Kino

13:15

So, 25. Sep

corso 2

19:00

Fr, 30. Sep

corso 4


Der Ansturm auf den Film wird auch in Zürich gross sein - wer kann, nutzt die Billetvorbestellung oder erscheint rechtzeitig.
Der Kinostart des Filmes ist im Frühjahr 2012 vorgesehen.

Der Vorstand von LessMess ist einhellig begeistert von dem Film und überzeugt, dass dank ihm viele Menschen ihre Vorurteile gegenüber Messies abbauen werden und das hoffentlich viele Messies sich aus ihrer Isolation lösen und vermehrt und offener über ihre Situation sprechen können.

Wir wünschen viel Vergnügen

LessMess

PS
Auf der Seite www.messies.ch werden demnächst ausführlichere Informationen und Pressestimmen zum Film veröffentlicht.

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LessMess INFO 2/2011
Nr.2/11 - 18. Juli
Aktuelles

Rückblick auf Mitgliederversammlung und Frühlingsfest
KOSCH-Tagungen

Interview

mit Johannes: „10 Jahre Messie-Bewegung Schweiz“

Film

Messies - ein schönes Chaos - Der Kinodokumentarfilm von Ueli Grossenbacher

Pressespiegel

Fette, faule Sau - das Ekel-TV (20 Min) und
Annes Antwort: Was tue ich, wenn mein Arbeitskollege Messie ist?



Liebe Messies und Nicht-Messies
Dass „man“ viel zu tun hat und dabei nicht merkt, wie schnell die Zeit vergeht, kennt ihr sicher aus eigener Erfahrung. So sitze ich jetzt – in meinen „Ferien“ - endlich am Computer und schreibe das LessMess-Info Juni 2011. Offensichtlich hat noch niemand das Info vermisst, wohl weil ihr alle auch viel zu tun habt! Es gibt einen Rückblick auf die Mitgliederversammlung vom 28. Mai (das Protokoll wurde inzwischen schon verschickt) und auf das Frühlingsfest mit dem Interview über „10 Jahre Messie-Bewegung Schweiz“.
Thomas hat für den Presespiegel recherchiert und ist dabei einmal mehr auf sensationslüsterne Sendungen in deutschen Fernsehsendern gestossen. Es ist doch sehr traurig, wie unsensibel und unkritisch "Journalisten" oder "Messie-Therapeuten" mit Situationen von schwer kranken Menschen umgehen - da zählt offensichtlich nur die hohe (!) Einschaltquote! Der Vorstand von LessMess wird darauf schriftlich und deutlich reagieren. Umso erfreulicher ist der gerade fertig gestellte Kinodokumentarfilm von Ueli Grossenbacher "Messies - ein schönes Chaos". Er zeigt echte Messie-Situationen, aber im Mittelpunkt stehen die vier kreativen Menschen mit ihren Stärken und Problemen. Wir freuen uns auf diesen Kinobesuch besonders!

LessMess wünscht euch allen einen guten Sommer!


LessMess


Aktuelles aus dem Vorstand von LessMess

Rückblick auf die Mitgliederversammlung vom 28. Mai 2011
Der vollständige Vorstand und drei Mitglieder fanden sich im reformierten Kirchgemeindehaus in Wallisellen um 15 Uhr zur Mitgliederversammlung ein. Die Traktanden wurden professionell und zügig behandelt.

Johannes stellte den Jahresrückblick 2010 zusammen, der natürlich nur einen Teil der gesamten Arbeit des Vorstandes zeigt. Hier die wichtigsten Arbeiten in Stichworten:

-

Mitgliederversammlung 2010 in der „Offenen Tür Zürich“ mit 17 Mitgliedern.

- LessMess-Sommerfest 2010 mit einem überraschenden Gewitter, das alle ins Haus zwang und dabei auch gleich das Aufräumen mit gemeinsamer Hilfe erledigte!
- Telefondienst: Neu betreut Francesca den Telefondienst während zwei mal zwei Stunden pro Woche.
- Webseite / LessMess-Info: Thomas betreut unsere Webseite www.lessmess.ch, die ca. 130 Besucher pro Tag und 3‘500 bis 4‘000 pro Monat verzeichnet! Im Forum haben sich 155 Mitglieder angemeldet, die Beiträge, Fragen, Antworten schreiben. Das LessMess-Info erscheint viermal und wird auch auf der Webseite publiziert.
- Weitere Aktivitäten: Die Vorbereitungen für eine Informationskampagnie bei Institutionen wie Spitex, Sozialbehörden, medizinsichen und psychologischen Verbänden usw., die 2011 in die Tat umgesetzt wurde. Bei verschiedenen Anlässen waren Vorstandsmitglieder von LessMess präsent.
- Studienarbeiten: Johannes erhielt wieder einige Anfragen für Auskünfte zu Studien- oder Maturaarbeiten.
- Selbsthilfegruppen: In St. Gallen wurde eine neue Selbsthilfegruppe für Messies gegründet.
- Wien: Johannes nahm an der Tagung über Messie-Themen der Sigmund Freud Privatuniversität in Wien teil.
-

Vorstand: 2010 trafen sich die Vorstandsmitglieder viermal.

Warum zeigen die Mitglieder nur ein schwaches Interesse an der Arbeit des Vorstandes und am Verein LessMess? – mindestens anhand des Erscheinens an der Mitgliederversammlung! Der Vorstand wird sich Fragen stellen und Antworten suchen. Er hofft, dass am 12. Mai 2012 mehr Mitglieder an die Versammlung kommen.

Frühlingsfest 2011

Gegen vier Uhr trafen erste Gäste des Frühlingsfestes ein. Sie durften im Garten den Apéro geniessen, den die Küchenmannschaft und der Vorstand schon vorbereitet haben. Begehrt war wieder der feine selbstgemachte Holdersirup von Anita: Herzlichen Dank dafür! Nach und nach trafen die weiteren Gäste ein und genossen den Apéro.
Die Überraschung dieses Festes wurde bald hörbar: Marcel begrüsste die Anwesenden mit einem Tusch und Helene hatte dann die ganze Aufmerksamkeit für die Begrüssung der Anwesenden im Namen des Vorstandes. Sie wünschte ein geselliges und genüssliches Fest mit Bekannten und neuen Gästen. Dann wurde das Buffet mit vielen verschiedenen Sommersalaten eröffnet! Und schliesslich brachte unser „Hausküchenchef“ Röbi unter dem Trommelwirbel von Marcel die köstlichen Grilladen und Zutaten, die sich alle schmecken liessen. In der Essenspause vor dem Dessertbuffet wurde Johannes zu „10 Jahre Messiebewegung Schweiz“ interviewt (s. unten).
Das Dessertbuffet mit Kuchen, Torten und Gebäck von Vorstandsmitgliedern gebacken und mit schön präsentierten Früchten rundete dieses Frühlingsfest kulinarisch ab.
Anita hat einen Wettbewerb vorbereitet: In einem grossen Glasgefäss standen Zweige, die mit roten, grünen und gelben Wollfäden umwickelt waren. Die Wettbewerbsfrage: Von welcher Farbe war der längste Wollfaden? Aus vielen richtigen Antworten zog Marcel die drei ersten Preise: Ein freier Eintritt ans nächste Frühlingsfest, eine einjährige Gratismitgliedschaft im Verband LessMess und ein Buch.
Einen besonderen Tusch erhielt die gesamte Küchen- und Servicecrew von Marcel und Anita bedankte sich bei ihr für den tollen Einsatz, das vielseitige Buffet und die frühlingshafte Tischdekoration mit Rhododendrenblüten von Claudia.


KOSCH-Tagungen

am 4. Oktober 2011 in Lausanne: „Animer les rencontres de groupe“ (französisch!) und am

26. Oktober 2011 in Chur: “Gemeinsam neue Perspektiven entwickeln“.

Diese Workshops werden im Rahmen von Denk Quer veranstaltet.

Anmeldungen und Informationen zu den Workshops erhalten Sie unter
Stiftung KOSCH, Laufenstrasse 12, 4053 Basel,
Tel. 061/333 86 01, gs@kosch.ch


Tipps

von Thomas Carlyle:

„Fang an. Dadurch allein kann das Unmögliche möglich werden.“

Oder: Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt – so auch das Aufräumen in kleinen aber stetigen Etappen.

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Interview mit Johannes: „10 Jahre Messie-Bewegung Schweiz“
Johannes, wie ist die Messie-Bewegung entstanden? Am 6. September 2001 hat Heinz Lippuner, Psychologe die erste Selbsthilfegruppe in der Schweiz gegründet. Die damals populäre Fernsehsendung „Quer“ des Schweizer Fernsehens interessierte sich für das Thema „Messies“ und strahlte am 28. September 2001 eine Informationssendung darüber aus, bei der neben Heinz Lippuner auch ich als bekennender Messie teilnahm. Das grosse Echo löste – nach Zürich - ab Januar 2002 die Gründungen  von schliesslich neun Selbsthilfegruppen aus: in Olten, Uster, Weinfelden, Bern und Basel.
Im November 2003 entdeckte ich die Webseite www.messie.ch, die von Thomas ins Leben gerufen und gestaltet wurde. Meine Anfrage bei Thomas, ob eine Zusammenarbeit mit der Messie-Bewegung Schweiz und der Webseite möglich sei, beantwortete Thomas sofort und grosszügig mit „Ja“.
Wie entwickelte sich die Messie-Bewegung Schweiz und ihre Selbsthilfegruppen? Die Idee war eine Zusammenarbeit von Selbsthilfegruppen, Psychotherapie und Coaching = ein Netzwerk für Messies.
Die Selbsthilfegruppen hatten oft ein kurzes „Verfalldatum“. Offensichtlich hatten Messies Mühe mit einer gemeinsamen Selbstorganisation, was nicht so erstaunlich ist, da sie ja auch in ihrem Alltag meist Probleme mit der eigenen Organisation haben. Andere fanden – dank ihrer Kreativität – alternative Lösungen für sich und ihre Gruppen.
Die Psychotherapie ist meist nötig, um einen Weg aus gravierenden psychischen Problemen heraus zu finden.
Coaching ist eine weitere unterstützende Hilfe für Messies, um ihren Alltag und die Wohnsituation zu verbessern.
Wie viele Selbsthilfegruppen für Messies gibt es heute? In Zürich gibt es zwei Gruppen und in der Stadt St. Gallen ist kürzlich eine neue Gruppe entstanden.
Von Wo kommt die erste Messie-Bewegung? Wieso nennen sich die Messies „Messie“? Messie kommt aus dem Englischen:“mess“ heisst auf deutsch „Unordnung, Chaos“. Die Bezeichnung „Messie“ haben sich die Betroffenen selbst gegeben. Die ersten bekennenden Messies haben sich in den USA zu Selbsthilfegruppen zusammen gefunden. Bald entstand eine ausgiebige Literatur über das Thema.
Welche Verbindung gibt es zum Verein LessMess? Durch die Begegnung mit Helene Karrer entstand die Idee und dann die konkrete Gründung von „LessMess“ am 9. September 2005 in Zürich. Somit ist LessMess dieses Jahr 5 Jahre jung! Eine grosszügige anonyme Gönnerin ermöglichte die Startfinanzierung des Vereins.
LessMess hat ein Beratungstelefon eingerichtet. Da du gerade die Ferienvertretung für Francesca machst, die das Telefon seit einem Jahr betreut, kannst du einige Einblicke in diese Arbeit geben? Wie viele Anrufe gibt es pro Woche? Wer ruft an? Die Anrufe sind unterschiedlich oft: 1 bis mehrere. Es rufen Betroffene wie auch Angehörige, Freunde an. Meist wollen sie Auskünfte über Hilfen oder Unterstützung.
Danke Johannes für deine interessanten Einblicke.
Literaturhinweis: Im Buch „Das Messie-Syndrom – Phänomen, Diagnostik, Therapie, Kulturgeschichte des pathologischen Sammelns“ (S. 189 ff.), Springer Verlag 2008 beschreibt Johannes die Messie-Bewegung Schweiz ausführlich.


MESSIES, EIN SCHÖNES CHAOS

Der Kinodokumentarfilm von Ueli Grossenbacher

Vor etwa 4 Jahren haben wir zum ersten Mal über das Filmprojekt von Ueli Grossenbacher berichtet. Nun ist es soweit: der Film ist eben fertiggestellt und darf einen fulminanten Start erleben.
Der Film wurde ausgewählt zur Projektion in der 'Semaine de la Critique' am Filmfestival Locarno vom 3. - 10. August 2011.

Projektionen am Festival Locarno:
06.08.09, 11.00 – cinema Teatro Kursaal
07.08.09, 18.30 – L’Altra Sala

Dazu schreibt Thomas Schärer:

Etwa zwei Prozent der Schweizer Bevölkerung gelten als krankhafte «Messies». Sie sammeln so extensiv und kompromisslos, dass ihr Verhalten sie isoliert. Sie werden ihren Mitmenschen zur Last oder verkriechen sich in den eigenen Wänden – sofern da noch Platz ist. Nicht nur in Boulevardmedien werden jeweils besonders abstruse Fälle vorgeführt: als Beleidigung jeglichen Empfindens für Ordnung und Mass in der aufgeräumten Schweiz. Ulrich Grossenbacher wählte einen anderen Weg. Neugierig begegnet er vier Menschen, die mit ihrem «Puff» auf unterschiedliche Weise umgehen.
Arthur, ein lediger Bauer, bewohnt sein Heimetli auf seine Art. Nicht Geranien sind sein Stolz, sondern verrostende Traktoren, Bagger, Autos und Lastwagen. Seine Passion für schweres Gerät hält die Gemeindeverwaltung seit Jahren auf Trab.
Elmira legt in ihrer Wohnung äusserste Gelenkigkeit an den Tag. Meterhoch türmen sich die zu überquerenden Zeitungs- und Kassettenstapel, keine Kultursendung darf unaufgenommen bleiben.
Karl und Trudi bewohnen ein grosses Bauernhaus. Einer der letzten passierbaren Räume ist die Küche. Sie beklagt das verlorene Sozialleben, nicht mal mehr die eigenen Kinder besuchen sie. Ihr Ultimatum: Er schafft Platz oder sie zieht aus. Der Tüftler Thomas baut aus Schrott sinnige Apparate. Seine Werkstatt ist so übervoll wie seine Pläne.
Grossenbacher scheut zwar keine Drastik der Anschauung, etwa wenn er in einem Schwenk genüsslich langsam die Dimension eines Chaos enthüllt oder wenn er seine Protagonisten bei ihren Gängen durch ihre archäologischen Ablagerungsschichten mit einer Minikamera behängt. Die präzis gesetzte Musik unterstützt mitunter den ironisierenden Blick. Es ist aber das Interesse für seine Protagonisten, ihr Erleben, ihre Kreativität, ihre Verdrängungsstrategien und ihre Erklärung des eigenen Tuns, das ihn leitet. Hinter Verschrobenheiten zeigen sich komplexe Charaktere. Sie präsentieren sich nicht vornehmlich als Kranke, sondern als Menschen mit einem überschäumendem Interesse für alles. Sie konfrontieren uns mit Fragen: Was ist normal, was ist krankhaft? Grossenbachers Respekt für seine «Messies», sein Sinn für Dramaturgie und seine visuelle Poesie führen zu Szenen voller Situationskomik und Skurrilität, ohne dass unser Lachen auf Kosten der Protagonisten geht. (Thomas Schärer)

Anderen Orten wird der Film folgendermassen angepriesen:

Messies - eine Gratwanderung zwischen Genialität und Überforderung. Beherrschen sie das Chaos oder beherrscht das Chaos sie? Der Film gewährt einen vielschichtigen Einblick in den Alltag von vier Messies. Wir begeben uns auf Höhlenwanderungen durch ihre vollen Schatzkammern, entdecken ihre genialen Erfindungen, ihre gefährlichen Basteleien und stöbern in ihren riesigen Archiven. Wir erleben Konflikte, die sie durch ihr Anderssein mit ihren Angehörigen, Nachbarn und Institutionen zu bewältigen haben. Ein intimer Blick auf ein irritierendes wie faszinierendes Phänomen.

messies_filmplakat

Switzerland 2011
Director/cinematographer: Ulrich Grossenbacher
Screenplay: Ulrich Grossenbacher
Editing: Maya Schmid
Music: Resli Burri
Sound: Niklaus Wenger, Balthasar Jucker, Wendelin Schmidt-Ott, Peter von Siebenthal, Olivier Jeanrichard
Production/World Sales:
Fair&Ugly filmproduktion GmbH
Lorrainestr 15, CH-3013 Bern
ulrich@lorraine.ch
DCP, 117’
Swiss German, English and German subt.


Der Regisseur
Ulrich Grossenbacher, 1958 in Langenthal geboren, besuchte ab 1975 die Kunstgewerbeschule in Basel. Anschliessend arbeitete er als Künstler und Kunstrestaurator; ab 1994 belegte er Filmkurse an der Kunstgewerbeschule in Bern. Seither arbeitet Grossenbacher als freischaffender Kameramann und Regisseur. 2006 realisierte er seinen ersten Kinodokumentarfilm Hippie Masala, für immer in Indien. 2009 Gründung der Fair&Ugly filmproduktion GmbH. Grossenbacher ist Mitglied der Schweizer Filmakademie.

Im 'Filmbulletin', der renommierten Schweizer Filmzeitschrift, wird im Augustheft bereits vor der Erstaufführung ein Artikel über den Film erscheinen!

An dem Film sind auch vier Vorstandsmitglieder von LessMess beteiligt - Elmira, Helene, Claudia und Thomas.

Wir haben den Film bereits sehen dürfen und sind allesamt sehr glücklich über den Film, der die Anliegen von LessMess grossartig unterstützt und die wirkliche Messieproblematik einem breiten Publikum nahe bringen kann (ganz im Gegensatz zum aktuellen Sensationsfernsehen, das immer wie schlimmer und grausiger mit dem Thema umgeht).

Vermutlich wird der Film dann anfangs Winter im Kino zu sehen sein.
Wir werden noch ausführlicher darüber berichten.


Pressespiegel

Die Zeitungen sind wieder randvoll von "Besprechungen" der Quotenreiter von RTL & Co.(1.42 Mio Zuschauer...), wo zum x-ten Male "Messie"-Behausungen mit viel Hauruck und Hobbypsychologie zu lifestyle-Wohnungen gepimpt werden.

Einen guten Kommentar dazu hat es ausgerechnet in 20-Minuten gegeben - er beschränkt sich nicht auf "Messies" sondern entlarvt auch andere "Shows", die in Deuschland auch unter dem Sammelnamen "Assi-TV" (von "asozial") kursieren:

Entwürdigendes Ekel-TV

11. Juli 2011

«Fette, faule Sau»

von Bettina Bendiner - RTL 2 und Sat.1 geben alles: Sie räumen Messie-Wohnungen auf, vermitteln bärtige Single-Ladys und operieren ästhetisch benachteiligte Menschen schön – willkommen bei Ekel-TV.

In Markus' Bude gab es laut RTL 2 nur eine Sau – nämlich Markus. Ihn lernt der Zuschauer bei «Das Messie-Team – Start in ein neues Leben» gleich noch besser kennen. Er sei auch «fett und faul».

Über den schwerkranken Frühpensionär erfahren wir so einiges: Er haust in einer versifften Höhle, hat seinen Haushalt gar nicht im Griff und verbringt seine Tage zwischen leeren Suppendosen, verschimmelten Essensresten, einer toten Katze und einem fröhlichen Geschwader von Kakerlaken und sonstigem Getier. Ah ja, Markus leidet an einer Leberzirrhose, an Diabetes und unter schwerem Übergewicht.

Doch keine Bange – Hilfe naht: Therapeutin Sabina Hankel-Hirtz will Markus’ verkorktes Leben wieder blitzblank polieren. Ihre erste Offenbarung, ein Treffer ins Schwarze: «Er ist ernsthaft krank.» Bravo. Eine messerscharfe Diagnose von einer Frau, deren Lebenslauf mit Weiterbildungskursen wie «Fruchtbarkeitsmassage», «musikalisches Coaching mit Djembe, Bongo, Cajon & Xylophone, zur Nutzung von Musik zur Selbstheilung & Fantasiereisen in Spanien/Ibiza» oder «Hypnosetherapie bei unerfülltem Kinderwunsch» brilliert.

Mit Spezialtransport ins Spital

Nur ein Kurs in Feingefühl fehlt: Natürlich ist es eklig, wenn zwischen Müllbergen Katzenbaby-Kadaver vor sich hin modern. Doch Hankel-Hirtz' Standpauke verstört den Patienten dermassen, dass er zusammenbricht und zusammen mit seinem letzten Quentchen Würde von einem Spezialtransport für Übergewichtige abgeholt werden muss.

Um sich zu gruseln, braucht es heute kaum mehr Horror-Filme. Da reicht es, im Abendprogramm auf RTL 2 oder Sat.1 zu zappen. Dank der Sendung «Schwer verliebt» mit Britt Hagedorn steht Sat.1 der Konkurrenz in nichts nach. Das Konzept der neuen Kuppel-Show ist schnell erklärt: Frauen und Männer wollen sich verlieben. Dass die Herrschaften ein wenig skurril sind – eine Barbie-Puppen-Sammlerin, ein «einsamer Kirchgänger mit Schnappatmung» oder «der fröhliche Flötenspieler» – versteht sich von selbst.

Frau mit Bart sucht Mann

Doch skurril reicht nicht mehr. Zwischen Erdbeertörtchen und fröhlichem «ich hab totales Verständnis für deine Probleme»-Gedöns von der hochschwangeren Moderatorin erzwingt die Fernsehkamera von einem laut Britt «sanften Harzer» noch flugs ein Coming-out. Sein Vater erfährt im Fernsehen von der Homosexualität des Sohnes. Den Vogel schoss der Sender jedoch mit Kandidatin Mariam ab: Die 47-Jährige sucht einen Mann, der sie mit Haut und Haaren liebt. Die Haare sind bei ihr der Knackpunkt. Mariam hat einen Bart. Und der ist echt – die Moderatorin zupft am Bart und beweist es höchstpersönlich. Statt Streichelzoo gibts bei ihr Freaks zum Anfassen. Zwar suggeriert die Sendung, dass jeder Topf einen Deckel verdient, doch die Art und Weise wie Menschen inszeniert werden – beim Coming-out des sanften Harzers läuft im Hintergrund der Song «YMCA» und Mariam will einen Mann zum Fingerpuppen Basteln – ist schlicht entwürdigend.

«Extrem schön» dank neuer Zähne

Die Kollegen arbeiten bei «Extrem schön» auf RTL 2 zumindest hart daran, die Krone zurückzuholen. Auch hier funktioniert das Konzept auf dem traurigen Schicksal ästhetisch benachteiligter Menschen. So verlor Marina (32) vor 16 Jahren bei einem Fahrrad-Unfall fast alle Zähne. Dank dem Team von «Extrem schön» bekommt die verzweifelte Hausfrau einen neuen Satz Zähne – und von Star-Chirurg Werner Mang auch gleich noch eine Brustvergrösserung, Bauchdeckenstraffung, Fettabsaugung an der Hüfte dazu. Zurecht gezurrt kehrt Marina zurück in den Schoss ihrer Lieben. In ein neues glückliches Leben – dabei ist das doch gar nicht, wie wir bei «Schwer verliebt» gelernt haben, von Schönheit abhängig.

Worin der Zauber solcher Shows liegt? Das ist leicht. Schon vor vielen hundert Jahren strömten Menschen auf den Jahrmarkt um Menschen, die aus der Norm fielen, anzustarren. Das Publikum war schon damals abgebrüht – und ist es immer noch. Warum? Auch darüber dürfen Generationen von Sozial- und Medienwissenschaftlern spekulieren. RTL 2 findet da in seinem Slogan viel schlichtere Worte: «It’s Fun». Denn feststeht: Ekel-TV kommt gut an.

Gute Quoten, viele Staffeln

Die Quoten geben den Machern recht. So wollten immerhin 1.42 Millionen Zuschauer die zugemüllte Wohnung von Markus sehen. Auch «Extrem schön» läuft erfolgreich in der dritten Staffel. Bei «Schwer verliebt» wirds im Herbst ernst, dann zeigt Sat. 1 das Resultat des Kuppel-Aufrufs. Auch dort scheint absehbar: «Bauer sucht Frau» und «Schwiegertochter gesucht» liefen (und laufen) bei RTL sehr erfolgreich. Ein gutes Omen für die noch trashigere Variante von Sat.1.


Financial Times Deutschland, 29.05.2011

Annes Antwort

Probleme, haufenweise

Als Beraterin und Coach kennt sich unsere Autorin mit Problemen im Büro bestens aus. Jede Woche beantwortet sie Ihre Fragen. Heute: Was tue ich, wenn mein Kollege ein Messie ist? von Anne Weitzdörfer

Das Problem Ich bin Doktorand an der Uni und teile mir mein Büro mit einem anderen Doktoranden - einem vom Typ "Messie". Er sammelt einfach alles: Fachzeitschriften, Bücher, ausgerissene Artikel und Notizen liegen in großen unordentlichen Stapeln überall herum. Das hat zur Folge, dass unser Büro aussieht wie eine Müllhalde. Mich nervt das ungemein, denn ich brauche Ordnung, um mich zu konzentrieren. Was kann ich tun?

Annes Antwort Eine Freundin von mir hat ihrem sehr unordentlichen Typen jahrelang die Klamotten hinterhergeräumt und sich dabei vor lauter Ärger etwa 20 Magengeschwüre zugezogen. Irgendwann kam ihr die Idee, die Sachen nicht mehr wegzuräumen, sondern ohne Rücksicht auf Verluste auf seine Seite des Bettes zu legen. Jacken, Schuhe, saubere und auch schmutzige Wäsche bunt gemischt. Freundlich und kommentarlos aufgetürmt. Abends hat sie dann mit viel Genugtuung auf ihrer Seite des Bettes gelegen und zugesehen, wie er den ganzen Krempel wegräumen musste. Ich habe keine Ahnung, wie lange es gedauert hat, bis dieses Therapiekonzept anschlug, aber Klagen höre ich keine mehr.
Nun ist das vermutlich kein Ansatz, der Ihnen hilft. Würde man Ihre Fragestellung auf ein normales Arbeitsumfeld in einem Unternehmen übertragen, müsste sich Ihr Chef - aus eigenem Antrieb oder auf Ihr Bitten hin - den Kollegen mal zur Seite nehmen und ihm erläutern, dass seine Neigung zum Haldenbau nicht in die Kategorie "professionelles Arbeitsumfeld" passt. Er müsste ihn bitten, sich diesem Anspruch zügig zu nähern. Dabei ist allerdings unbedingt erforderlich, dass Ihr Chef die nachhaltige Umsetzung dieser Bitte auch konsequent im Auge behält. Fraglich, ob er Lust hat, sich diesen Schuh anzuziehen. ("Wenn du nicht sofort dein Zimmer aufräumst, dann ...").
Ausziehen wäre noch eine Option. Ich bin gespannt, welche interessante Geschichte Sie sich aus den Fingern saugen, damit ein Kollege mit Ihnen das Büro tauscht. Vielleicht eine spontan auftretende Stauballergie? Das wird ein schwieriges Unterfangen, und ich bezweifle, dass Sie damit Erfolg haben werden.
In Ermangelung möglicher Ansatzpunkte bleibt also nur der Blick auf Sie selbst. Blöd, aber aus meiner Sicht die einzige Möglichkeit. Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, dass die Unordnung auf dem Schreibtisch Ihres Kollegen vielleicht ein Spiegel sein könnte für das Durcheinander in Ihrem Kopf? Und Sie deshalb so ungern damit konfrontiert werden? Nachvollziehbar wär's. Wenn dem so ist, wäre die Lösung so einfach wie schwer: Räumen Sie auf! Schmeißen Sie Altes weg, behalten Sie, was Ihnen lieb und teuer ist, und erfreuen Sie sich an der gewonnenen inneren Klarheit. Woran Sie merken, dass es so weit ist? Wenn Sie gelassen und schmunzelnd am Schreibtisch sitzen, während der Kollege gegenüber eifrige neue Häufchen baut




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LessMess INFO 1/2011
Nr. 1/11 - 10. März
Aktuelles

MV, Sommerfest, Gönner, Hinweise

Thema

Haltbarkeit von Lebensmitteln

Pressespiegel

Homer & Langley

Bücherliste Eine Übersicht über Büchern zum Thema „Messie“


Liebe Messies und Nicht-Messies


Anstelle einer Buchbesprechung hat Johannes eine Liste von Büchern zusammengestellt. Johannes: „LessMess-Info hat im Verlauf der letzten Jahre zahlreiche Buchbesprechungen gebracht. Damit Betroffene, Angehörige, Fachleute, Medien, Kandidaten und Kandidatinnen für Studienarbeiten und weitere Interessierte rasch eine Übersicht gewinnen und die für ihre Ansprüche geeignetsten Bücher finden können, präsentieren wir eine stichwortartige Inhaltsangabe und Wertung. Die Reihenfolge richtet sich, subjektiv gewichtet, nach Informationsgehalt, Aktualität und Qualität.
Ausführliche Besprechungen findet ihr auf dieser Seite weiter unten oder im archiv.
Es findet sich bestimmt ein lesenswertes und lehrreiches Buch für Interessierte!
Die Vorbereitungen für die Mitgliederversammlung und das Sommerfest am 28. Mai 2011 nehmen konkrete Formen an und der Vorstand freut sich auf eure Teilnahme. Sie erhalten rechtzeitig eine schriftliche Einladung.
Für uns alle, aber besonders für Messies ist die Haltbarkeit von Lebensmitteln ein häufiges Thema. Das Kantonale Labor der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich beantwortet oft gestellte Fragen professionell. LessMess hat einige Fragen und gekürzte Antworten zusammengestellt.


LessMess

 



Aktuelles aus dem Vorstand von LessMess

um Weihnachten Urs(us) Wehrlin ist ein grosszügiger Gönner von LessMess und hat uns einen nahmhaften Betrag gespendet. Vielen, herzlichen Dank!
Ursus ist ein Profi im aufräumen: Kunst aufräumen, oder bei youtube

ab sofort

Unsere Powerpoint Präsentation "Was sind Messies" kann jetzt direkt auf unserer homepage (und auch auf youtube) betrachtet werden. Sie wird jetzt als DVD versendet, läuft somit auf allen Betriebssystemen & DVD-player und bietet viele zusätzliche Informationen.
Bestellungen unter info@lessmess.ch

im Februar Post:
Liebe Macher von Less-Mess,   
wir freuen uns Euch folgende neue website vorstellen zu können:  
http://www.angehoerige-messies.de/
Alles Gute vom  Team von Stadtrand gGmbh Berlin

26. Mai 2011
Basel

Post mit Veranstaltungshinweis:

„Das Messie-Phänomen“, Leitung Veronika Schröter
26.5.11 / 19 - 20.30 Uhr im L’ESPRIT in Basel
(Laufenstrasse 44/46, Tram 15/16 Haltestelle Heiliggeistkirche)
Anmeldung

Freundliche Grüsse

Zentrum Selbsthilfe
Feldbergstr. 55
4057 Basel

28. Mai 2011 Wallisellen

Unser Sommerfest ist jetzt schon im Frühling, kombiniert mit der MV:
Mitgliederversammlung (15h) und anschliessend das Sommerfest (ab 16h)

 




Pressespiegel

Unser Pressespiegel ist zur Abwechslung eine auditive Überraschung:

Hören

na ja - wer es lieber liest (geht auch simultan...)

Lesen

Und wer keine Überraschungen liebt und die Katze nicht im Sack geschenkt kriegen will:

Es geht um den Versuch eines erfahrenen & bewährten, amerikanischen Schriftstellers, das Leben der beiden grössten Messies des vergangenen Jahrhunderts zu beschreiben: "Homer & Langley" von E. L. Doctorow.

Nimm dir mal echte 20 Minuten :-) Zeit !!




Thema: Haltbarkeit von Lebensmitteln

„Kann ich ein Joghurt mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum noch essen?“
„Darf ich Resten in geöffneten Konservendosen aufbewahren‘“
„Was tun mit einem Glas angeschimmelter Konfitüre?“
„Weshalb ist beim Umgang mit rohem Fleisch (und insbesondere bei Geflügel) Vorsicht geboten?“

Diese und weitere Fragen stellen Konsumentinnen und Konsumenten an das Kantonale Labor Zürich der Gesundheitsdirektion, welches kompetente Antworten gibt.

Der Gesetzgeber hat in der Verordnung über die Kennzeichnung und Anpreisung von Lebensmitteln (LKV) vom 23. November 2005 Vorschriften über das Mindesthaltbarkeitsdatum und das Verbrauchsdatum erlassen. Wir Konsumentinnen und Konsumenten sollen damit vor verdorbenen Lebensmitteln geschützt werden. Wir können schon beim Kauf kontrollieren, ob wir das Lebensmittel überhaupt noch essen dürfen. Auf der Verpackung stehen auch die Bedingungen wie das Lebensmittel aufbewahrt werden muss. Werden diese Bedingungen nicht eingehalten (z.B. Kühlung), kann ein Lebensmittel schon vor dem Verbrauchsdatum verdorben sein. Ob ein Lebensmittel verdorben ist oder noch nicht, sieht man ihm nicht unbedingt an! Deshalb ist das Verbrauchsdatum unbedingt zu beachten!

Mindesthaltbarkeitsdatum – Verbrauchsdatum
„Das Mindesthaltbarkeitsdatum gibt das Ende des Zeitraumes an, bis zu dem ein Lebensmittel unter angemessenen Aufbewahrungsbedingungen seine spezifischen Eigenschaften behält. Nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums ist die Ware nicht automatisch verdorben. (Z. B. Teigwaren, Reis, u.a.; Die Redaktion)
Im Unterschied dazu gibt das Verbrauchsdatum den Zeitpunkt an, bis zu welchem ein Lebensmittel verzehrt werden soll. Nach diesem Datum ist das Lebensmittel nicht mehr für die menschliche Ernährung geeignet, unabhängig davon, ob dessen Zustand noch einwandfrei erscheint. Die Angabe des Verbrauchsdatums ist für leicht verderbliche, resp. hygienisch kritische Lebensmittel vorgeschrieben. (Sie enthalten viel Wasser! Die Redaktion)
Der Lebensmittelhersteller legt das Mindesthaltbarkeitsdatum oder das Verbrauchsdatum in eigener Verantwortung fest. Er garantiert bis zum angegebenen Zeitpunkt eine einwandfreie Qualität seiner Ware. Dabei wird das Datum so gewählt, dass das Lebensmittel mit Ablauf der angegebenen Frist die von den Konsumentinnen und Konsumenten erwarteten spezifischen Eigenschaften besitzt und nicht gesundheitsschädlich ist. Auf die Datierung kann sich allerdings nur verlassen, wer sicherstellt, dass das Produkt auch ohne massgeblichen Unterbruch unter den auf der Verpackung angegebenen Bedingungen aufbewahrt wird (insbesondere Einhaltung der Kühlkette).“ (Kantonales Labor Zürich)

„Kann ich ein Joghurt mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum noch essen?“ „Was tun mit einem Glas angeschimmelter Konfitüre?“

Vor allem Joghurt, Kompott und Konfitüre können verschimmelt sein. Wir alle haben schon Schimmelpilze gesehen und wenn wir die Schimmelpilze sehen, sind dies schon Millionen! Schimmelpilze scheiden Gifte (Mykotoxine) aus, die für uns krebserregend sind. Die Mykotoxine können auch durch Kochen nicht zerstört werden! Verschimmelte Lebensmittel müssen also weggeworfen werden! „Durch hygienische einwandfreie, kühle und trockene Lagerung lässt sich im Haushalt das Wachstum von Schimmelpilzen in Grenzen halten.“ (Kant. Labor Zürich)

 „Darf ich Resten in geöffneten Konservendosen aufbewahren?“ Wie bewahrt man Lebensmittel richtig auf?
Auf der Verpackung steht, unter welchen Bedingungen das Lebensmittel aufbewahrt werden muss. Lebensmittel, die gekühlt aufbewahrt werden müssen, müssen auch gekühlt nach Hause gebracht und sofort in den Kühlschrank gestellt werden. Denn wird die Kühlkette zu lange unterbrochen, können sich Schimmelpilze und Bakterien schnell vermehren. Der Kühlschrank muss auf ca. 2 – 4°C eingestellt sein und damit er diese Temperatur einhalten kann, darf er nicht überfüllt sein! Die Temperatur soll jede Woche kontrolliert werden.
Resten von Lebensmitteln, auch gekochten, müssen im Kühlschrank aufbewahrt werden. In sauberen Behältnissen können sie bis drei Tage im Kühlschrank aufbewahrt werden. Zum Essen müssen sie wieder gut gewärmt oder gekocht werden.
Resten von beschichteten Konservendosen dürfen kurze Zeit darin und im Kühlschrank aufbewahrt werden. „Es gibt nur noch wenige Lebensmittel wie Ananas, Tomatensaucen, Pelati und Spargeln, die in unbeschichteten Weissblechdosen aufbewahrt werden. Diese sind auf der Innenseite verzinnt. Bei einer geöffneten Dose kommt die metallische Innenfläche mit dem Sauerstoff aus der Luft in Kontakt, was zu Korrosion führt. Dadurch werden die Metalle gelöst und gelangen in das Füllgut. Geöffnete Dosen ohne Beschichtung sollten daher raschmöglichst entleert werden.“ (Kant. Labor Zürich)

„Weshalb ist beim Umgang mit rohem Fleisch (und insbesondere bei Geflügel) Vorsicht geboten?“
„Rohes Fleisch, insbesondere dasjenige von Geflügel, ist häufig mit Keimen, die Lebensmittelvergiftungen verursachen können, belastet. Durch Erhitzen über 65°C (Kochen, Braten, Grillieren) werden diese Keime abgetötet und das Fleisch ist ohne gesundheitliche Bedenken geniessbar.“ (Kant. Labor Zürich) Das kantonale Labor Zürich empfiehlt dringend schon bei der Zubereitung von rohem Fleisch Hygieneregeln zu befolgen: Händewaschen, Benützen von Einwegtüchern, alle Materialien, die mit dem rohen Fleisch in Berührung gekommen sind, sofort gründlich reinigen, für Fondue chinoise kein Geflügelfleisch verwenden.
Dies sind einige wichtige Punkte zur Haltbarkeit von Lebensmitteln und zum hygienischen Umgang mit Lebensmitteln. Viele weitere Fragen und ihre ausführlichen Antworten findet ihr unter www.klzh.ch.
Natürlich werfen wir nicht gerne Lebensmittel weg, die vielleicht noch essbar wären. Aber lohnt es sich z.B., das Brot oder die Konfitüre fertig zu essen, obwohl schon mehrere Schimmelkolonien sichtbar sind? Unsere Gesundheit ist doch wichtiger! Übrigens: verschimmelte und verdorbene Lebensmittel sollen auch nicht an Tiere verfüttert werden!

Weiterführende links zum Thema:

Im Auftrag von Stern-TV hat Professor Dr. Guido Ritter, seines Zeichens Professor für Oekotrophologie an der Fachhochschule Münster, eine Studie über Haltbarkeit von Lebensmitteln verfassst und sie im September 08 mit dem bekannten Moderator Günther Jauch vorgestellt. Die Sendung selbst ist leider nicht mehr zu sehen aber auf der folgenden Seite finden sich Ratschläge zu einzelnen Lebensmitteln.

Stern-tv: Mindesthaltbarkeit Daraus seien hier ergänzend zwei Beiträge zitiert, die uns wichtig erscheinen:
Trockengewürze: ( z.B. getrocknete Kräuter) unbedingt nach Ablauf des MHD wegwerfen. Die Dosen stehen oft in der Nähe des Herdes, wo sie immer wieder im Wasserdampf stehen, was wiedrum die Keimbildung beschleunigen kann. Außerdem verlieren sie deutlich an Geschmack. Im verschlossenen Zustand halten gewürze länger: Vor Gebrauch prüfen.
Nüsse: Auch wenn "nur" die Schale von Schimmel befallen ist, müssen Nüsse komplett weggeworfen werden. Hier bilden sich besonders gefährliche Schimmelpilzgifte, die Aflatoxine. Eine Vergiftung kann zu Leberschäden führen. Zudem wirken Aflatoxine stark krebsfördernd.

Münstersche Zeitung
Hier gibt Dr. Guido Ritter ein Interview zu eben zitierter Sendung mit einem wichtigen Ratschlag:
" Ein Grundsatz bei mir ist: Durch den Schimmel in den Himmel. Man sieht dem Schimmel nie an, ob er einen Giftstoff bildet oder nicht."

Mehr zum Thema Schimmel erfährt man bei Schimmel-auf-Lebensmitteln


Tipps

Damit wir möglichst keine Lebensmittel wegwerfen müssen, weil sie verdorben sind oder das Verbrauchsdatum überschritten haben, machen wir einen Menuplan und brauchen die vorhandenden Lebensmittel innert der Verbrauchsfrist.

Wir kaufen nur nach Menuplan und mit  Einkaufszettel ein.

Wir bewahren unsere Lebensmittel richtig und übersichtlich auf. Wir prüfen unsere Vorräte im Kühlschrank mindestens einmal pro Woche und unsere anderen Vorräte einmal im Monat.

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Bücherliste

Alle Angaben beziehen sich auf buch.ch.
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Auch wenn ein Buch als 'nicht mehr lieferbar' bezeichnet wird ist es durchaus möglich, dass es bei einer Buchhandlung oder einem anderen Lieferanten noch auf Lager ist oder dass man es antiquarisch beziehen kann.

Das Messie-Syndrom - Phänomen, Diagnostik, Therapie, Kulturgeschichte des pathologischen Sammelns
Dieses – im Auftrag der Sigmund Freud Privatuniversität (SFU) Wien geschriebene – Buch ist das erste, in dem über das Phänomen Messie wissenschaftlich umfassend und auf Grund der dortigen Forschungstätigkeit sowie der Erfahrung mit eigenen Selbsthilfegruppen informiert wird. Es wendet sich an Fachleute wie Betroffene gleichermassen. In 17 Kapiteln, je von anderen AutorInnen verfasst, wird ein Überblick gegeben über historische Aspekte, die Frage, ob Messie-Sein eine Krankheit ist, Diagnosekriterien, Therapieformen. Betroffene kommen zu Wort.
Pritz, A.; Vykoukal, E.; Reboly, K.; Agdari-Moghadam, N.
Springer Verlag 2008, ISBN-10:3-211-76519-0, CHF 56.90, bild

„Messies – Sucht und Zwang, Psychodynamik und Behandlung beim Messie-Syndrom und Zwangsstörung“
von Rainer Rehberger

In diesem Buch wird das Phänomen v.a. unter dem Aspekt des Zwangs beleuchtet und analysiert. In der frühen Kindheit ausgeübter Zwang führt später zu Fehlverhalten, wie übermässigem Sammeltrieb. Ebenso verheerend wirkt sich der Mangel an Zuwendung aus. Rehberger beschreibt auch messietypisches Verhalten im Rahmen einer Therapeutenbeziehung wie zuspätkommen, sich zu entschuldigen, Anpassungs- und Unterwerfungsmuster. Eine aufschlussreiche Entwicklungspsychologie. Fachleute finden in diesem Buch wichtige Erkenntnisse zur Therapie, Betroffene und Angehörige erfahren viel über Zusammenhänge in einer Messie-Laufbahn.
Klett Cotta 2007, ISBN-10:3-608-89049-1 , CHF 37.90 bild

„Das Vermüllungssyndrom –Theorie und Praxis“
von Peter Dettmering und Renate Pastenaci

Primär ein Fachbuch, in dem wissenschaftlich fundiert den psychoanalytischen Wurzeln von Vermüllung und Verwahrlosung nachgegangen wird. Wiewohl die beiden Autoren nur am Rande über das Messiesyndrom schreiben, lassen sich die fundamentalen Unterschiede zwischen Messie und Vermüllung erkennen. Ein Fachbuch, das aber auch für interessierte Laien aufschlussreich – und für „seriöse“ Medien Pflicht – ist.
Dietmar Klotz 2004, ISBN 3-88074-295-2 ,CHF 27.50 bild

„’Messies’ – Alltag zwischen Chaos und Ordnung“
von Annina Wettstein

Diese volkskundliche Lizenziatsarbeit beruht auf einem guten Dutzend längeren Interviews mit Betroffenen in ihren Wohnungen, ausführlichen Hintergrundrecherchen sowie einer Diskussion der vorhandenen Literatur. Das Buch führt vom Ursprung der Messie-Bewegung, 1981 in den USA, über die allgemeine Selbsthilfegruppen-Bewegung zur Schweizer Szene. Ein aufschlussreicher Einblick in die Wohn-, Beziehungs- und Arbeitssituationen, Vorgeschichten von Messies. Für sämtliche Wissensansprüche sehr empfehlenswert.
Reihe: «Zürcher Beiträge zur Alltagskultur» 2005, ISBN-10:3-908784-03-4, (CHF 34.--) leider nicht mehr lieferbar bild

„Raus aus dem Chaos: Das Messie-Syndrom überwinden“
von Fugen Neziroglu · Jerome Bubrick · Jose A. Yayuara-Tobias
Das amerikanische Fachbuch, das sich umfassend und klar strukturiert mit dem Messie-Syndrom beschäftigt. Biologische, hirnorganische Zusammenhänge werden – auch für Laien – verständlich dargestellt. Behandelt wird auch das ganze Spektrum der psychischen Begleiter wie Zwang, Depression, Psychose, Essstörungen usw. Viele praktische Übungen, Selbsttests, Aufgaben ermöglichen ein systematisches, differenziertes Vorgehen zum Aufräumen. Einzige Kritik: die Orientierung am einseitig krankheitsorientierten Messie-Bild.
Patmos Verlag 2008, ISBN-10: 3-491-40126-7, (CHF 29.80), leider nicht mehr lieferbar bild

Das Leben einsammeln: Olga, die Geschichte einer Messie“
von Herrad Schenk

Ein höchst eindrücklicher Roman, der auf der Geschichte zweier real existierender Messie-Frauen beruht. Er leuchtet tief in die Abgründe einer Messie-Seele, die nicht nur vom Alltags-Chaos erdrückt wird, sondern sich auch immer heilloser in die bedrohlichen Verwandten-Beziehungen verstrickt.
Beltz 2009, ISBN-10:3-407-85885-X, CHF 27.50 bild

„Einmal Messie, immer Messie“
von Eva Roth

Frühkindliche Traumatas und ihre Folgen im Erwachsenenleben bilden das Rückgrat dieses Buches. Der tägliche Kampf um Übersicht über das Zuviel an Gegenständen, die Angst vor der Dunkelheit wird höchst eindringlich und hautnah geschildert.
Dietmar Klotz, ISBN-10:3-88074-470-X. CHF 19.90 bild

Desorganisationsprobleme: Das Messie-Phänomen“
von Gisela Steins

In diesem Buch wird eine Annäherung an das Phänomen „Messie“ aus einer sozialpsychologischen und empirischen Perspektive versucht. Die dargestellte Forschung trägt zu einem besseren Verständnis von Messies bei und regt zur Generierung weiterer Annahmen und zur Entwicklung eines Interventionskonzeptes an.
Pabst 2003, SBN-10:3-89967-009-4, (CHF 21.50), leider nicht mehr lieferbar bild

Endlich aufgeräumt – Der Weg aus der zwanghaften Unordnung“
von Thomas Ritter

Ein Buch, das mit einem radikalen Autosuggestions-Konzept den Befreiungsschlag provozieren soll: „Nein, ich will kein ‚Messie’ mehr sein. Ich will zukünftig normal und frei als Nicht-Messie leben!“. Ein rechter Funke Wahrheit steckt drin, es kann eine träge Messie-Seele einmal richtig aufrütteln und ihr inneres Spiel entlarven, aber der Erfolg dürfte doch fragwürdig sein.
rororo 61591, Hamburg, März 2004, ISBN-10:3-499-61591-6, CHF 14.50 bild

„Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags“
von Karen Kingston

Respekt vor einer Philosophie, die sich nicht nur an oberflächlicher Ordnung orientiert. Wer aber heillos im Chaos verstrickt ist und tief in der Verzweiflung steckt, dem müssen Weisheiten à la Kingston vorkommen wie der Rat, bei einer Lungenentzündung Hustentäfeli zu lutschen.
rororo 62584, 2009, ISBN-10:3-499-62584-9, CHF 15.90 bild

„Kampf dem Alltags-Chaos – Wie Messies organisieren lernen“
von Andrea Rodat

Fragwürdige Rezepte, schlecht geschrieben. Für leichte Fälle (speziell in Partnerschaften) mag das Buch nützlich sein. Alle andern: Lieber das Geld für LessMess spenden ;-)
Falken Band 60659, 2000, ISBN-10:3-635-60659-6, (CHF 13.60), leider nicht mehr lieferbar bild

Johannes



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LessMess INFO 4/2010
Nr. 4/10 - 19. Dezember
Aktuelles

Aus dem Vorstand von LessMess, KOSCH-Tagung

Interview

Medienerfahrungen von Norma und Dominik

Pressespiegel

Fara Zetsche fotografiert Messies

Adventsgeschichte

Brief an eine Freundin

   

Liebe Leserinnen und Leser
Der letzte Monat des Jahres 2010 ist angebrochen und erfüllt uns mit weihnächtlichen Gedanken und mit geschäftigem Treiben: Grittibänzen, Weihnachtsguetsli, Geschenke, Einladungen usw. Vielleicht wollen wir noch ein Jahresziel erreichen und einen Kasten oder eine Zimmerecke aufräumen, um das neue Jahr unbelastet(er) angehen zu können. Halt, wir haben uns doch vorgenommen nur kleine Ziele zu setzen, die wir in nützlicher Frist und mit genügend Energie umsetzen können. Also gönnen wir uns auch gelegentlich eine Pause, einen Spaziergang mit einem Freund oder einer Freundin an der Wintersonne im Schnee oder eine Tasse Kaffee oder Tee.
Der Vorstand von LessMess und das Redaktionsteam wünschen euch allen fröhliche Feiertage und einen guten Start in ein neues Jahr, das euch nur Gutes bringen soll.


LessMess

 



Aktuelles aus dem Vorstand von LessMess
Der Vorstand von LessMess sieht nach wie vor die Information über das Thema Messie als wichtigste Aufgabe. Es sollen Institutionen, die mit Messies in Kontakt kommen können oder schon sind, angeschrieben werden, um sie über die Messie-Problematik zu informieren und zu sensibilisieren.
Zudem wird in Zürich eine Messie-Tagung 2012 mit Fachleuten geplant. Dafür wurden schon erste Gespräche geführt, die sehr positiv verlaufen sind. Die involvierten Personen sind sehr an einer Tagung interessiert und planen nun die weiteren Schritte. Da eine solche Tagung Geld kostet und nicht über hohe Tagungskosten gedeckt werden soll, sucht der Vorstand potentielle Sponsoren.

BERICHT über KOSCH-Tagung (Koordination und Förderung von Selbsthilfegruppen in der Schweiz)
vom 3. November 2010 in Bern

Thema: „Umgang mit herausfordernden Situationen in der Gruppe“

Wie jedes Jahr bot KOSCH zwei Weiterbildungskurse für Teilnehmer und Teilnehmerinnen von Selbsthilfegruppen an: am 3. November wieder unter der bewährten Leitung von Klaus Vogelsänger (Leiter Selbsthilfezentrum Bern-Mittelland). Mit seiner aufmerksamen, konzentrierten und zugleich lockeren und entspannten Art fällt es einem als Teilnehmerin leicht, sich wohl zu fühlen und ohne Vorbehalte mitzumachen. Dabei gelten Grundsätze wie „Jeder Beitrag ist wertvoll“ – „Es gibt nicht richtig oder falsch“ – „Alles hat Platz“. In Gruppen von 4-5 Personen lernten wir in kurzen Vorstellungsgesprächen die ersten Beteiligten kennen und übten dabei auch gleich aufmerksam zuzuhören. Auf die Frage nach konkreten schwierigen Situationen in unseren Gruppen kamen vor allem drei immer wieder auftauchende, den Gruppenprozess störende und lähmende Schwierigkeiten zur Sprache, auf die wir uns als lohnende Übungsbeispiele einigen konnten:

  • Teilnehmer, die immer wieder/jedesmal vom Gleichen erzählen;
  • Teilnehmer, die sich nicht an Gruppenregeln/Strukturen halten;
  •  Schwierigkeiten bei anhaltender Aversion/Konfrontation zwischen zwei bestimmten Teilnehmern und Verunsicherung der übrigen Teilnehmern.

Beim anschliessenden Durchspielen mit abgesprochen verteilten Rollen und nach genauem Beobachten und Beschreiben der jeweiligen Verhaltensweisen zeigten sich teils erhellende, teils unerwartete, teils auch recht erheiternde Einblicke sowohl für die Mitspielenden als auch für die Zuschauenden. Bei andern Lösungsvorschlägen als den gespielten wurden die Rollen gewechselt. So ergaben sich je nach dem andere Reaktionen und Lösungsvorschläge. Im intensiven Überdenken, Hinterfragen und gegenseitigen Austauschen zeigten sich einerseits durchaus klare Erkenntnisse, andererseits neue Aspekte, die erst nochmals durchgedacht und/oder „verdaut“ werden wollten. So gingen wir sicher alle „neu eingedeckt“ und reicher an Erfahrungen heim mit dem Auftrag, Gelerntes in der Gruppe umzusetzen und zu versuchen, Neues auszuprobieren.
Ich bin überzeugt, dass viele von uns diese Art von Weiterbildungsangebot nicht missen möchten und sich bereits auf die nächste Möglichkeit zur Teilnahme freuen.
Elmira 



Interview mit Norma* und Dominik* über ihre Medien-Erfahrungen beim Radio-Interview auf DRS3 vom 2.5.2010 über „Messie: Im ständigen Kampf gegen das Chaos“

LessMess Dominik, war dies dein erstes Radio-Interview?
Dominik Dies war mein erstes Interview. Es wurde durch Helene vermittelt. Die Radiofrau Karoline Thürkauf war bei mir zu Hause und hat mich dort interviewt. Vorgängig telefonierte sie mir und informierte mich über den Ablauf und den Rahmen des Interviews. Sie gab mir auch schon Fragen, über die ich mir Gedanken und Notizen machte. Vor dem Interview räumte ich natürlich auf, begutachtete mein altes Sofa und legte eine Decke darüber. Frau Thürkauf schaute sich im Wohnzimmer um und entdeckte einen Stapel Zeitungen, die ich noch nicht entsorgen konnte und die ich rasch ins Büchergestell geschoben habe. Diese Zeitungen fielen ihr sofort auf, was mir peinlich war.
LessMess Welche Gefühle, Empfindungen hattest du während und nach dem Interview?
Dominik

Ich hatte keine negativen Empfindungen. Ich war über meine eigene Stimme erstaunt und denke, dass sich Norma besser ausgedrückt hat. Ich wollte mich nicht outen, da ich eine Arbeitsstelle hatte. Dies bewog mich, sehr vorsichtig zu sein, weil ich negative Konsequenzen befürchtete. Ich informierte nur ausgewählte Verwandte „top secret“ über die Ausstrahlung des Interviews!

LessMess Welche Überlegungen hast du dir über dich und deine Situation gemacht?
Dominik Ich habe mich mit meinem Messietum auseinander gesetzt. Zu Hause hat meine Mutter immer hinter mir aufgeräumt. Ordnung war wichtig! Ich hatte schon immer eine Unordnung im Zimmer, auch als ich dann ein Zimmer gemietet habe, räumte die „Schlummermutter“ auf, was ich nicht schätzte.
Mir wurde gesagt, dass ich verwöhnt sei. Dies verstand ich nicht, da ich in der Jugend sehr viel auf dem elterlichen Bauernhof helfen musste. Mir wurde jeweils spontan eine Aufgabe gegeben: abwaschen, draussen wischen, Schuhe putzen, im Stall helfen. Ich erhielt nicht verantwortungsvolle Ämtli und konnte somit nicht selbständig werden. Heute denke ich, dass ich lieber ein Ämtli für längere Zeit erledigt und damit auch Verantwortung für das Ämtli erhalten hätte.
Ich habe es schwer beim Ordnung-Halten, es gibt so viele Sachen, z.B. WC-Rollen, die ich sammelte bis ich Berge davon hatte. Jetzt habe ich eine Karton- und eine Papiersammlung. Wenn man nicht entsorgt, ist man zu bequem dazu oder hängt es damit zusammen, dass Messies einen Tunnelblick haben? Sie sehen ihre Ordnung nicht, sondern wollen fernsehen, gehen einkaufen oder ins Kino.
Häufig improvisiere ich. Manchmal habe ich auch zwei linke Hände. Oft stelle ich die Sporttasche im Korridor ab und gehe dann hundert Mal um sie herum, statt dass ich sie auf die Seite stelle. Je älter ich werde, merke ich, dass mein unordentliches Verhalten auch eine Gefahrenquelle für Stürze ist.
An Lieblingssachen hänge ich manchmal und kann sie nicht weggeben oder wegwerfen, wenn sie alt und verbraucht sind.
Heute stelle ich beim Erledigen von Hausarbeit ein gutes Gefühl fest, z.B. beim Abwaschen. Da sehe ich den Erfolg sofort.
LessMess Norma, wie erging es dir beim Interview?
Norma Ich fühlte mich sehr wohl und fand, dass Frau Thürkauf das Interview sehr gut führte. Sie war sehr wohlwollend und respektvoll. Ich war über mich selber überrascht, dass ich so spontan auf die Fragen antworten konnte. Gelegentlich denke ich, dass ich noch weiteres hätte sagen können. Dies war nicht mein erstes Interview: ich wurde schon einmal in einem Arbeitstauschkreis interviewt.
Auch in der Selbsthilfegruppe hörten wir das Interview und die Anwesenden fanden das Interview sehr gut. Selber würden sie sich aber doch nicht wagen, ein Interview zu geben. Sie hätten Angst, dass ihre Stimme in einem Radio-Interview erkannt würde.
Dieses Interview war nicht live, sondern wurde für die Sendung sorgfältig bearbeitet.
LessMess Welche Erkenntnisse oder Folgerungen habt ihr aus dem Interview gezogen?
Dominik Ich nehme mir das chinesische Sprichwort: „Jeden Tag kämmt man die Haare, warum bringt man nicht auch die Seele in Ordnung?“ zu Herzen. Denn zur Seele gehört auch das Umfeld, die Wohnung. Ich habe jetzt eine Putzfrau, die regelmässig meine Wohnung reinigt. Bevor sie kommt, muss und will ich aufräumen.
Das Aufschieben von Arbeiten, die ich doch erledigen muss, macht mir am meisten Mühe und doch bringe ich das sofortige Erledigen nur selten fertig.
Norma

Ich weiss, dass ich viele Sachen habe, z.B. sieben Brieföffner und viel Papier … Eigentlich kann ich gut etwas verschenken, vor allem wenn der Beschenkte Freude hat und das Geschenk brauchen kann. Meist ist das Weggeben oder Entsorgen mit guten Gefühlen verbunden: ich fühle mich nachher befreit, entlastet. Nach dem Zügeln habe ich eine Schachtel mit Briefen von meiner Mutter gefunden. Beim Lesen der Briefe musste ich weinen, weil mir so viele Erinnerungen wieder präsent wurden. Ich kann die Briefe trotzdem nicht wegwerfen und werde sie nochmals lesen – im Gegensatz zu meiner Schwester, die die gelesenen Briefe wegwerfen würde.
Am meisten belastet mich, dass ich eigentlich aufräumen will, aber oft blockiert bin und nicht einmal damit beginnen kann

LessMess Würdet ihr noch weitere Interviews geben, z.B. für eine Zeitung oder fürs Fernsehen?
Dominik Eine Tageszeitung möchte ein Interview - mit Foto - machen. Dies will ich nicht, da ich ein Erkennen sehr fürchte.
Norma Ich würde wahrscheinlich sogar beim Fernsehen ein Interview geben. Bei den Sendungen / Interviews vermisse ich weiter führende Hilfe, wie Messies aus ihrem „Chaos“ herauskommen können. Für mich war das Beste, dass ich Zügeln und vorher Vieles aussortieren musste.
LessMess Norma und Dominik, vielen Dank für das Interview!

*Namen von der Redaktion geändert.

Input vom Sonntag, 2.5.2010, DRS3
Die Sendung kann hier gehört werden, sie dauert ca.50 Minuten.

Das Interview hat Annemarie geführt.




Pressespiegel

Die
Süddeutsche Zeitung Magazin
 
hat am ‎25.11.2010‎ ein Interview mit einer Fotografin veröffentlicht, das gut in unsere heutiges Thema des 'outings' passt...

Zu Hause bei den Messies

Wir stellen Ihnen jede Woche junge, talentierte Fotografen vor. Diesmal: Fara Zetzsche, die den Alltag einer Familie mit "Vermüllungssyndrom" dokumentiert.

von Krisha Kops (Interview)

messiefamilie Es gibt hier eine Bilderstrecke

Name:
Fara Phoebe Zetzsche
Alter: 26
Ausbildung: Fotojournalismus im 7.Semester an der FH Hannover (Information und Design)
Kontakt: fara.zetzsche@googlemail.com

Frau Zetzsche, in Ihrer Bilderstrecke Hoard and Clutter dokumentieren Sie das Leben einer Messie-Familie. Wie waren die Arbeitbedingungen in solch einem Umfeld?

Anfangs war die Familie sehr skeptisch und wollte nicht fotografiert werden. Sie willigte erst ein, nachdem wir uns Zeit füreinander genommen hatten, damit wir uns besser kennen lernen konnten. Von da an war die Familie sehr offen und unkompliziert. Sie hat mich tief in ihr Leben blicken lassen. Das ging soweit, dass ich mich die ganze Zeit frei in ihrem Haus bewegen durfte; nach einer Weile schien es fast so, als hätten sie vergessen, dass ich da oder jemand Fremdes bin. Die Arbeitsbedingungen haben mich wenig irritiert. Mit dieser Geschichte möchte ich auf die Thematik aufmerksam machen und nicht mit dem Finger auf die Familie zeigen.

Wie wird eine Familie zu einer Messie-Familie?

Messies kommen in allen Gesellschaftsschichten vor. Ich möchte mir nicht anmaßen zu sagen, woher es bei dieser Familie kommt, da ich kein Psychologe bin. Meist jedoch resultiert das Verhalten aus Verlust- und Existenzängsten.  Das "Vermüllungssyndrom" ist Element einer Zwangsstörung, bei der Menschen es nicht fertig bringen, sich von Gegenständen zu trennen.

Wie gehen die Behörden mit der Situation um?

Ich begleite diese Familie jetzt schon seit einem Jahr, und es ist mir in dieser Zeit sehr oft passiert, dass Menschen vorschnell urteilen. Eine Pressesprecherin des zuständigen Landratsamtes, dem das Jugendamt unterstellt ist, meinte zum Beispiel: "Die sollen erst einmal aufräumen!" Leider fehlt das nötige Verständnis für die Problematik. Erst waren die Behörden zu nachsichtig und haben weggeschaut. Dann waren sie zu streng und haben ihnen das Sorgerecht für drei Kinder entzogen. Dazwischen war nichts.

Wie kamen Sie auf die Idee eine Messie-Familie zu fotografieren?

Schicksal. Es war nicht von vornherein meine Intention, darüber eine Geschichte zu machen, aber das Thema interessiert mich. Es ist mir wichtig, dass marginalisierte Menschengruppen gesehen werden, und dass sich die Öffentlichkeit damit auseinandersetzt, anstatt sie blindlings zu verurteilen.


Anmerkung:

Neben den drei Siegerfotos im 'Unicef-Foto des Jahres' fanden sieben weitere eine ehrenvolle Erwähnung - darunter von Fara Zetsche ein Foto aus der oben beschriebenen Messiefamilie. Der dortige Kommentar zu den Fotos tönt leider schon nicht mehr so wertfrei:

Deutschland: Der Vermüllung zu Hause ausgeliefert
Möbel, Pappkartons, knittrige Klamotten, Kunststofftüten, ungeöffnete Verpackungen, abgegriffene Spielsachen bis unter die Decke aufgetürmt. Sehen Außenstehende auf Situationen wie diese, sagen sie vielleicht „Die müssen einfach mal aufräumen“. Aber das greift manchmal zu kurz und ist wenig hilfreich. Dies ist auch die Einschätzung der deutschen Fotografin Fara Phoebe Zetzsche, nachdem ihr Menschen, die es nicht schaffen ihre Alltagsaufgaben zu organisieren, Einblicke in ihre verwahrloste Lebenssituation zugestanden. Oft sehen die Betroffenen die Irrationalität ihres unkontrollierten Hortens und Vermüllens zwar ein, sind aber nicht in der Lage, den Einsichten entsprechend zu handeln.
Kinder, die in einer solchen planlosen Misere aufwachsen, steht ohne das Eingreifen von Behörden, Medizinern oder Justiz später oftmals ein vergleichbares Leben bevor. Fara Phoebe Zetzsche erhofft sich durch ihre Reportage ein erhöhtes Verständnis, Einfühlungsvermögen, auch Zuwendung und professionelle Hilfe für die Betroffenen. Denn mögen die Kinder auf ihren Bildern auf den ersten Blick auch fröhlich wirken, Schaden an ihrer Seele nehmen sie durch ihre gesellschaftliche Isolation dennoch.



Tipp

Nehmt euch die Warnung von Klaus Klages zu Herzen:
„Es gibt so vieles im Leben, das auf zunehmende* Begeisterung stösst.“
* in Bezug auf Körpergewicht, z.B. zu viele Weihnachtsguetsli, Schokolade, etc.
* in Bezug auf Sachen, z.B. Sammeln von Engeln, Elefanten, Puppen, Büchern, usw. und so fort.

smiley


Adventsgeschichte

Brief an eine Freundin

Liebste Freundin,
Ich erinnere mich noch daran, als wäre es gestern gewesen – damals, vor dem Brockenhaus, als ich eine Autoladung voll Utensilien aus meinem Haushalt fortbrachte. Du sprachst mich spontan an und hast von mir den Kerzenständer erbeten, welchen Du angeblich schon lange gesucht hattest und batest auch um die Dosen für Dein  Weihnachtsgebäck, welches Du backen wolltest. Sehr gerne gab ich Dir die Sachen ab,  denn es bereitete auch mir Befriedigung, Dir Freude machen zu können… und zudem fiel mir dadurch das Weggeben umso leichter. Voll Begeisterung durchwühltest Du die Kiste mit den Souvenirs, Büchern und CDs, welche ich zum Weggeben bereithielt.
Vollgepackt und zufrieden wirkend gingst Du zu Deinem Auto. Ich denke, dass dies ein schöner Augenblick war für uns beide.  Dies war unsere erste  Begegnung.
Tage darauf trafen wir uns wieder im „Brocki“ – und danach verabredeten wir uns in einem Café und es entwickelte sich zwischen uns bald eine herzliche Freundschaft mit vielen Berührungspunkten. Wir teilten Meinungen, Ideen, Vertrautheiten, Freuden und auch Sorgen in interessanten Gesprächen und machten Spaziergänge und Velotouren.
Wir trafen uns nun fast regelmäßig, ab und zu auch bei mir zuhause. Du wurdest für mich ein Teilstück meines Lebenspuzzles – für mich eine bedeutungsvolle interessante Beziehung.
Dass Du mich nie einludst, oder dass ich Dich auch nie zuhause abholen konnte, weil immer irgendetwas dies verhinderte, darüber machte ich mir kaum Gedanken, es ergab sich einfach nicht und deshalb war es verstehbar so.  Ich empfand  mit Dir Freude, wenn Du, in sichtbarer Begeisterung, „Brauchbares“ finden konntest aus meinem Sammelsurium  fürs Brockenhaus.  Du hattest für jedes Ding immer eine kreative Anregung oder eine Sinndeutung parat, was mich enorm faszinierte.
Da Du zu unseren Plauderstündchen oft etwas Süßes oder ein Blümchen mitbrachtest oder mit mir sogar Deinen Apfel teiltest, war es für mich ein Geben und Nehmen ohne Hintersinnen und Zweifeln. Aber dann, letzte Woche ist es dann passiert, liebe Freundin – zu Beginn der Adventszeit - der Türe zu Weihnachten.
Spontan wollte ich bei Dir reinschauen, was sich bisher nie ergeben hatte, um Dir den selbstgebastelten  Adventkalender vorbeizubringen – als kleines Zeichen der Freundschaft – wurde zum regelrechten Desaster.
Alle Fensterläden Deines Hauses waren verschlossen, der Balkon auf der Frontseite war überfüllt mit Säcken, Schachteln vertrockneter Blumen und Kisten  - und vor der Haustüre standen zwei Polizisten und zwei Herren vom Amt. Es war anzunehmen, dass sie schon geraume Zeit dort waren. Weil Du aber  nicht geöffnet hast, drangen sie gewaltsam in Dein Reich ein. Unbeabsichtigt wurde ich Zeugin, liebe Freundin, eines ergreifenden Bildes  -  für mich!
Meine emotionale Bindung zu Dir trieb mich an den Amtspersonen vorbei zu Dir ins Haus, um  Dir zu helfen!  Meine darauffolgende  innere Erschütterung wurde weniger durch das enorme Chaos mit  maßlosen  Ansammlungen und der durchdringenden Geruchsemission ausgelöst, als durch den Anblick Deiner Person, die  in Verzweiflung und Abwehrhaltung zu zerfallen schien. Während unserer monatelangen Beziehungsphase hätte ich mir diese heutige Realität nie und nimmer vorstellen können – ein wahrer Alptraum.
In völliger Betroffenheit wollte ich auf Dich zugehen, Dich umarmen und Dir meine Hilfe anbieten, aber Du wehrtest mich dezidiert ab, schriest:“ Geh, geh, verlasse sofort mein Haus, ich will Dich nicht mehr sehen … nie mehr, Du bist gestorben für mich!“ Ein Polizist drängte mich nach draußen und drückte mir seine Visitenkarte in die Hand „für den Fall, dass Sie Fragen hätten oder Hilfe benötigen“, sagte er. Ich weinte und schlich mich erschüttert davon.
So sitze ich nun da und schreibe Dir den Brief, da Kontaktaufnahmen missglückten. Ich bin selbst verzweifelt und fühle mich zudem erdrückend schuldig, weil auch ich Dich zum Sammeln verführte! Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll oder welche Handlung die richtige wäre.
Und nun kommt die Weihnachtszeit, liebe Freundin, das Fest der Liebe und des Friedens und ich hoffe mir nichts sehnlicher, als dass Du wagst mich aufzusuchen um unsere Freundschaft weiterleben zu lassen – ich gebe Dir meine Hand! Dies ist mein größter Weihnachtswunsch.
Eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit wünscht Dir

eine Freundin.

 


Titel Ausdruckbares PDF dieser
LessMess INFO 3/2010
Nr. 3/10 - 9. September

 

Aktuelles Agenda, Kurse für Selbsthilfegruppen
Pressespiegel

Aeschbachers Sommerjob und ein Messie-Blog aus Deutschland

Interview

Mit Sandra Rusch über Humor

Buchbesprechung

„Das Leben einsammeln – Olga A., die Geschichte einer Messie – Die Abgründe einer Seele“ von Herrad Schenk

Rätsel Auflösung

Liebe Messies und Nicht-Messies

Fleissige Mitarbeiter halfen dieses LessMess-Info mit interessanten Berichten und Artikeln zu gestalten: Thomas kommentiert die Sendung „Aeschbachers Sommerjob“, in der Kurt Aeschbacher einer Frau beim Ausräumen der Wohnung einer verstorbenen Messie hilft. Johannes hat ein spannendes Buch gelesen und seine Eindrücke für euch nieder geschrieben. Das Interview mit Sandra Rusch über Humor soll zeigen, dass wir alle Stress, Schwierigkeiten, Peinlichkeiten und Schwächen mit Humor besser überwinden können. Das Echo auf die Rätsel, die Thomas jeweils gesucht und umschrieben hat, wurde immer kleiner und zuletzt beantwortete gar niemand mehr die Frage. Deshalb wird es kein Rätsel mehr geben. In diesem Info nur noch die Auflösung des letzten Rätsels. LessMess wünscht allen Lesern und Leserinnen einige spannende und vergnügliche Stunden mit dem neuesten LessMess-Info.
Eine wichtige Vorinformation: Der Vorstand von LessMess hat beschlossen die Mitgliederversammlung 2011 am gleichen Tag und Ort wie das Sommerfest (welches aus organisatorischen Gründen eh zum "Maifest" mutiert...) durchzuführen: am Samstag, 28. Mai 2011. Näheres folgt.


LessMess



Aktuelles

Rückblick auf das Sommerfest


Am 10. Juli 2010 trafen sich rund zwanzig Gäste und zehn Helfer zum schon traditionellen Sommerfest. Das hochsommerliche Wetter versprach ein lauschiges Fest im Garten des Kirchgemeindehauses Wallisellen unter schattenspendenden Bäumen. Beim Apéro begrüsste Thomas die Gäste, die von nah und fern gekommen sind, herzlich. Dann tischte „unser“ Chefkoch Röbi die köstlichen Grilladen auf, die alle zusammen an den ansprechend geschmückten Tischen genossen. Gerade als sich Elmira und Johannes anschickten, über ihre Erfahrungen bei der Presse und bei Informationsveranstaltungen über Messies zu berichten, zogen dunkle Wolken auf, Windböen bliesen Servietten über den Rasen und bevor der Regen niederprasselte, halfen alle zusammen alles abzuräumen und die Tische und Stühle ins Haus zu tragen. Als Dankeschön für die spontane Aufräumhilfe wurde allen eine Runde Holunderblütensirup spendiert. Im Trockenen erzählten dann Johannes und Elmira von ihren Erfahrungen, bei denen sie auf viel Interesse und auch Wohlwollen trafen. Es entwickelte sich eine angeregte Diskussion im Saal, die schliesslich durch das Dessertbuffet beendet wurde. Mit einem herzlichen Applaus an die Organisatoren Claudia und Röbi für das gelungene Sommerfest bedankten sich alle Gäste!

 


4. Österreichische Messie Tagung an der Sigmund Freud PrivatUniversität

Vierte Deutschsprachige Messie Tagung -
"Veränderungen – was muss sich ändern und was muss bleiben, wie es ist?"
Datum: Samstag, 13.11.2010, 9 - 17 Uhr
Mehr Infos: SFU, PDF-dokument

Kurs für Selbsthilfegruppen der Stiftung KOSCH:


„Umgang mit herausfordernden Situationen in der Gruppe“ am 3. November 2010 in Bern. Auskunft und Anmeldung: Stiftung KOSCH, Geschäftsstelle, Laufenstrasse 12, 4053 Basel, Tel. 061 – 333 86 01, E-Mail: gs@kosch.ch


Selbsthilfegruppen für Angehörige von Messies:

Das angekündigte Flugblatt für die Angehörigengruppe in Basel ist jetzt fertig:

logo selbsthilfe basel

Selbsthilfegruppe für Angehörige von Messies

Wir Angehörige sind gefordert im Zusammenleben, da Messies keine Ordnung halten und nichts wegwerfen können.
In unserer Gruppe geht es darum, unsere Erfahrungen mit Ohnmacht, Wut, Erschöpfung oder Verunsicherung auszutauschen. Was können wir uns selbst zumuten, und wo sind unsere Grenzen? Wir möchten uns gegenseitig stärken.
Sind Sie Partner oder Geschwister von Messies? Haben Sie Töchter oder Söhne, die Messies sind? Wenn Sie sich angesprochen fühlen, melden Sie sich unter:

Zentrum Selbsthilfe
Feldbergstr. 55
4057 Basel
Tel: 061 689 90 90

mail@zentrumselbsthilfe.ch

 

Korrigenda: Die im letzten LM-Info erwähnte Angehörigengruppe in der Klinik Herisau (Region St.Gallen) ist nicht spezifisch für Messiebetroffene, sondern im Rahmen psychisch kranker Menschen





„Humor ist, wenn man trotzdem lacht“?

Interview mit Sandra Rusch

LessMess Herzliche Gratulation zu deinem erfolgreichen Abschluss des Psychologie-Studiums im März. Welche Schwerpunkte und Vertiefungen hast du bei deinem Studium gewählt?
Sandra Den Schwerpunkt legte ich auf „positive Psychologie und Humor“ mit der Vertiefung in Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik bei Prof. Dr. Ruch. Die „positive Psychologie“ ist ein sehr junges Gebiet der Psychologie, die selber auch eine junge Wissenschaft ist verglichen z.B. mit Philosophie. Die Wurzeln der positiven Psychologie liegen in Amerika. Seligman war der Vorreiter. Zusammen mit Petersen und Park begründete er das Gebiet der positiven Psychologie. Sie kreierten den Grundsatz: “Fix what is wrong, but build what is strong”, d.h. Repariere, korrigiere, was falsch ist, aber stärke die persönlichen Ressourcen, fördere die Charakterstärken, stärke deine Stärken! In einigen Studien unter anderem auch an einer Studie der Universität Zürich von Prof. Dr. Ruch konnte gezeigt werden, dass verschiedene Charakterstärken zur Erhöhung der Lebenszufriedenheit beitragen. Da zu gehört neben Neugier und Dankbarkeit auch der Humor.
Paul McGhee ein bekannter Humorforscher hat in Amerika ein 8-stufiges Humortraining entwickelt. Dies wurde von Heidi Stolz und mir für unsere Lizentiatsarbeit „Ist Humor lernbar?“ auf den deutschen Sprachraum adaptiert und in Form eines Trainings an der Universität Zürich am Lehrstuhl von Herrn Prof. Dr. Ruch angeboten. Das Ziel ist, Humor zu fördern, denn Humor kann trainiert werden. Humor fördert die Heiterkeit und die schlechte Laune geht zurück. Der Ernst im Leben ging zwar auch zurück. Aber Ernst und Heiterkeit sind keine Gegensätze, denn wir können mit Ernsthaftigkeit arbeiten, aber dabei auch Humor einbringen. Bei Arbeiten, die man nicht gerne macht, kann eine Pause mit humorvollen Gedanken oder mit humorvollen Merksätzen hilfreich sein, um die Arbeit fertig zu stellen.
LessMess Welche Personen machen ein Humortraining und wie ist der Inhalt der acht Stufen?
Sandra

In einem Humortraining treffen sich ganz verschiedene Leuten aus verschiedensten Berufen und auch Pensionierte. Wir führen auch Kurse für bestimmte Berufsgruppen durch, z.B. Lehrer, Bankangestellte, Verwaltungsangestellte und Krankenschwestern. Bei diesen speziellen Gruppen berücksichtigen wir das Arbeitsumfeld.

Stufe 1 Arten von Humor: Die Kursteilnehmer (TN) lernen verschiedenste Arten von Humor kennen und sollen herausfinden, welche Art von Humor sie mögen und was ihnen daran gut tut.
Stufe 2 Spielen: Die TN lernen Spiele kennen. Zunächst sind einige TN skeptisch und zurückhaltend. Aber beim Spielen ist man im „Hier und Jetzt“ und vergisst für einige Zeit seine Probleme, man vertieft sich in eine andere Situation, findet spielerisch eine Lösung, findet aus einer anderen Perspektive wieder zu sich selber zurück.
Stufe 3 Öfters lachen, den Optimismus bewahren und öfters Witze erzählen. Den TN wird ein Einblick in die Welt des Lachens und seinen positiven Auswirkungen gegeben.
Stufe 4 Verbaler Humor. TN erforschen, wie sie die Sprache humorvoll brauchen können. Wortspielereien in allen Variationen werden geübt.
Stufe 5 Humor im Alltag finden. TN beobachten alltägliche Begebenheiten, peinliche Situationen und schauen sie aus einer anderen humorvollen Perspektive nochmals an, setzen sich z.B. auf den Boden oder stehen auf oder versuchen sich, in eine andere Person zu versetzen.
Stufe 6 Über sich selber lachen können. Wie gehen TN mit peinlichen Situationen um? Vielleicht hat ja gar niemand etwas Peinliches bemerkt! Oder man lernt eine Schwäche zu akzeptieren, wenn man sie nicht ändern kann. Oder man kann mit einer vertrauten Person darüber sprechen, die vielleicht das Problem auch kennt!
Stufe 7 Humor im Stress finden. Dies ist die schwierigste Stufe. TN spielen eine Theaterszene für eine schlechte und für eine gute Problemlösung. Aber es gibt kein Allheilmittel, kein sicheres Rezept! Das Üben in einer stressfreien Situation kann helfen, Distanz in einer stressigen, peinlichen Situation zu finden.
Stufe 8 Zusammenfügen aller Stufen. Was hilft mir als TN am besten?
Damit sagen wir auch, dass nicht jede Art von Humor jedermann zusagt und dass nicht alle Stufen gleich intensiv studiert werden müssen.

Der logische Aufbau der Stufen zeigt, dass man nicht einige Stufen herauspicken kann. Der Kurs verlangt sehr viel Mitdenken, Engagement und Selbstreflexion. Dafür gibt es sehr viel Material, das für eine Beschäftigung mit den persönlichen Humorressourcen weitere Hinweise liefern. Eigeninitiative ist sehr wichtig, denn der Kurs allein kann nicht als Allheilmittel für jede Lebenslage angesehen werden.

Wir (Heidi Stolz und Sandra Rusch) bieten den Kurs während 8 wochen einmal wöchentlich zu zwei Stunden an. Eine Evaluation hat aber gezeigt, dass grössere zeitliche Abstände für die Auseinandersetzung mit dem Thema erwünscht sind. Stärken suchen und Selbstreflexion sind nicht immer lustig, sondern anstrengend. Die TN müssen selbst herausfinden, ob es für sie stimmt und es ihnen etwas bringt. Sie müssen Lösungsmöglichkeiten selbst ausprobieren.

Wir bieten Informationsabende an und führen ganztägige Workshops durch für diejenigen Interessierten, die wissen wollen, worin der Inhalt des Humortrainings besteht. Für bestimmte TN-Gruppen passen wir den Kurs auf Wunsch an.

LessMess Kannst du das Humortraining auch Messies empfehlen?
Sandra Ja sicher, auch Messies können ein Humortraining machen. Ein Kursteilnehmer bezeichnete sich als Sammler und er wollte mit dem Training Distanz zu seiner Problematik gewinnen.
Da das Messie-Phänomen vielschichtig und oft ein Symptom für verschiedene psychische Probleme ist, kann das Humortraining sicher kein Ersatz für eine Therapie sein. Humor kann aber eine Stütze fürs Leben sein.
LessMess Was empfiehlst du bei der Betreuung von Messies?
Sandra Bei längerfristigen Einsätzen bei Messies müssen sich beide Seiten zuerst kennen lernen. Dabei spüre ich, wie sie mit gewissen Situationen umgehen, welche Art von Humor sie haben, denn es gibt natürlich auch humorvolle Messies! Wenn die Beziehung stimmt, kann aus der Situation heraus eine Entscheidung, etwas wegzuwerfen, mit Humor gefällt werden. Aber es gibt Kunden und Kundinnen, bei denen funktioniert Humor nicht und man muss andere Gründe für Entscheidungen finden. Wichtig ist, dass beide authentisch bleiben, sonst stimmt es für den Kunden/die Kundin und/oder für mich nicht. Allgemein ist zu beachten, dass Humor missverstanden werden könnte, es darf kein Auslachen sein.
LessMess „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“. Was sagst du dazu?
Sandra

Dies ist eine alte Volksweisheit und hat sicher Wahres an sich.
Humor und Lachen liegen nach beieinander. Beim Lachen heben wir die Mundwinkel, was im Hirn die Ausschüttung von Endorphinen (Glückshormonen) auslöst, die uns erwiesenermassen besser fühlen lassen. Beim Lachen sind viele Gesichtsmuskeln aktiv, dies führt zu einer Entspannung nach dem Lachen.
Es soll ein wohlwollendes Lachen, kein Lachen über sich selber als Person sein, sondern über die Situation. Dabei kontrolliert man, wie man sich fühlt.

Bei zu grosser Ernsthaftigkeit ist man angespannt und zu stark fokussiert. Mit Humor kann man manchmal einen Gedankenstopp einbauen, in dem man z.B. in einem Witzbuch blättert oder im Internet Witzseiten anschaut oder sich etwas Lustiges anhört. Es ist nicht nötig, dass man schallend lacht, aber ein Wechsel der Perspektive führt oft zu einem weiteren Lösungsschritt.

Für Messies ist es wichtig, dass sie beim Aufräumen oder bei einer Räumung den Humor nicht verlieren. Im Alltag kann eine humorvolle Struktur, spielerisches Aufräumen entspannend wirken.

Die Arbeit mit Messies führt manchmal zu schwierigen oder nicht befriedigenden Situationen. Dann suche ich für mich eine humorvolle Erklärung oder baue zur Entspannung eine Humoroase ein, indem ich ein lustiges Buch lese. Dabei finde ich Distanz und neue Energie.

Ich finde bei Messies oft sehr viel Humor, was viel Spass macht. Er lässt Stärken entdecken und Energie regenerieren.

LessMess Sandra, ich danke dir vielmals für das interessante Gespräch.
Das Interview hat Annemarie geführt.




Pressespiegel

TV-Programm 24. Juli 2010

Aeschbachers Sommerjob - (3) mit Wohnungsräumerin Erika Lörtscher

"Lifere statt lafere"

 

PFUI AESCHBACHER

Aeschbachers Auftritt in seinem Sommerjob als Aufräumhelfer darf hier nicht unkommentiert bleiben.
Einmal mehr vermittelt eine Fernsehsendung in einem doch recht populären Gefäss mit einem doch recht populären Moderator ein völlig verfehltes Bild von Messies.
Da entsetzt sich der gepflegte Moderator Kurt Aeschbacher über den hinterlassenen Schmutz und die deutlichen Zeichen von Vernachlässigung einer alten, in ihrer Wohnung verstorbenen Dame, deren Nachlass notariell entsorgt werden muss. Die 73-jährige Entrümplerin Erika Lörtscher zeigt sich da wesentlich abgebrühter und erzählt bereits zum Morgenkaffee einleitende Schauergeschichten über bei ähnlichen Aufträgen aufgefundene Leichenteile...
Aeschbis Job besteht darin, mit mehr oder weniger Erfolg fröhlich Möbel zu zerdeppern ("das macht irgendwie noch Spass...") und Gläser zu verschlagen - man glaubt sich in einem billigen Remake von Haemmerlis persönlicher Familienabrechnung (7 Mulden und eine Leiche).
Bald mal ekelt sich Aeschbacher und gerät schier an den Anschlag ab schmutziger Bettwäsche, überstellter Küche und unbenutzter Dusche - vielleicht wäre mal ein Sightseeing in einer Favela angesagt (na ja, ein Slum im benachbarten Lyon oder die Banlieue von Paris reichen wohl schon).

Aeschbi: "Es ist einfach irgendwie erschreckend, wie so etwas verkommen kann und ein Mensch da drin lebt".
Loertscher: "Aber das ist kein Einzelfall, es gibt Tausende von solchen".
Der soziale Hintergrund wird hier keine Sekunde hinterfragt - natürlich beurteilt man eine solches Desaster als rein selbstverschuldet. Diese kurzsichtige Ansicht wird bestätigt durch Aeschbis Schlusssatz: "...wenn man so etwas hinterlässt, dann ist das für niemanden eine Freude". Wen wundert's, dass bei derart diskriminierenden und verurteilenden Worten manche Messies sich restlos schämen und es nicht wagen, rechtzeitig Hilfe zu suchen.
Auch über die komplexe Messieproblematik wird kein einziges Wort verloren.
Die spärlichen Hintergrundinformationen muss man der geschriebenen Presse entnehmen, wie etwa einer Vorschau zur Sendung in der Schweizerfamilie. Da wird der Verstorbenen zumindest eine gebildete Belesenheit zugebilligt und im Film zeugt der kurze Einblick in Dokumentenmappen von feinfühligem Interesse an Familie, Vergangenheit und Reisen - alles peinlichst geordnet! Im Pressebericht erfährt man auch, dass die verstorbene über 95 Jahre alt war und noch alleine wohnte. Als aber Aeschbi ein Buch über Selbstheilung findet kann er auf eine geschmacklose Bemerkung ("..hat auch nichts mehr genützt..") nicht verzichten.

Im übrigen ist die Sendung quasi eine Wiederholung des Auftrittes von Frau Lörtscher in der Sendung "Aeschbacher" vom 24. September 09 (ca. ab minute 30:25)- gleiche Fragen, gleiche Antworten, gleiche "Pointen" - ach ist das peinlich & billig!

Wie hätte sich der Report wohl angesehen, wenn man die Wohnung einer gutbürgerlichen Nicht-Messie entsorgt hätte? Hätte man da auch mit dem Fäustel (der wird in der Presse natürlich gleich zum Vorschlaghammer hochstylisiert...) die sauber geputzten Pfister-Möbel zerdeppert, das Rösslerporzellan zerschlagen, die dann vermutlich ungelesenen Bücher zum Altpapier geworfen und all die gefundenen Fotoalben, Muranokugeln und LaCoste-Leibchen in die Mulde geschmissen? Eine solche Sendung wäre vermutlich wohl bald als Skandal kommentiert worden - wenn man es aber bei einem Messie macht, dann darf geklatscht werden. Aber eben: Menschen in "geordneten Verhältnissen" vereinsamen kaum, sie müssen sich ja nicht schämen, werden nicht öffentlich angeprangert und verhöhnt (wie eben in genau dieser kritisierten Sendung hier). "Geordnete" Menschen sind sozial ja kaum isoliert und haben dann meist Erben oder Bekannte, die sich um den Nachlass kümmern.

Erika Lörtscher: "... vielleicht habe ich das Problem, dass ich einfach Ordnung machen will überall.. "
Ja aber Hallo - alles wegschmeissen, dem sagt man dann Ordnung?? Aus den Augen - aus dem Sinn, dann stimmt die Welt wieder! Mein Gott, soll Sie doch mal das ganze Universum wegschmeissen mit seinem immensen Chaos in vermutlich wohl über 10hoch50 Grössenordnungen und allem subatomaren und intergalaktischen Müll! Das ist ja genau das Problem der Messies: Sie scheitern permanent am Ordnung machen, weil es Ihnen wirklich um wirkliche Ordnung geht ! - und Ordnung ist etwas so vieldimensionales, komplexes und anspruchvolles, dass man bei angestrebter Perfektion ständig daran scheitert - und dies umso mehr, je erfahrener, gebildeter und strukturierter man ist. Denkt man all diese Gedanken konsequent zu Ende, so kommt man zum Schluss, dass eigentlich nur das Chaos die einzig perfekte Ordnungsstruktur sein kann - und man befindet sich wieder am Ursprung der Dinge. Aber ich schweife ab - um solche Dimensionen ging es im Report ja nun ganz offensichtlich überhaupt nicht.

Und auch noch: Messies sind eigentlich ständig bedacht auf den sorgsamen Umgang mit Ressourcen - Recycling, Sparsamkeit und Achtsamkeit werden seit jeher stets ganz gross geschrieben. Mit Fantasie und eigenen Ideen sehen Messies in fast allen Gegenständen weitere nützliche Verwendungen. Aber eben: alles weg und alles neu ist angesagt - die ganze Energie- und Ressourcenveschleuderung geschieht ja schön versteckt und weit weg bei Tagelöhner in China oder Kinder in Pakistan, im Regenwald von Brasilien oder am schönen Strand im Golf von Mexiko.

Und überhaupt: man mache mal eine ganz einfache Milchbüchleinrechnung:
Die Familie Sauber&Ordentlich hat eine schöne Wohnung und wirft alles in ihren Augen Unbrauchbare fortlaufend weg - wohlverstanden, ich rede jetzt nur von "Unbrauchbarem", nicht von täglich anfallendem, verderblichem Hausmüll. Ich bin bescheiden und sage mal, dieser Anteil beträgt 20 Liter pro Woche = ca. 1000 Liter pro Jahr. Das entspricht dann etwa jährlich einem Kubikmeter - einem Würfel von einem Meter Kantenlänge - das kann man sich doch gut vorstellen und ist über ein Jahr gerechnet wohl auch kaum übertrieben, oder? In 'unbrauchbar' inbegriffen sind etwa alle veralteten Zeitungen und Bücher, alles technische, sogenannt 'veraltete' Material, alle nicht mehr modischen Kleider, Schuhe und Einrichtungsgegenstände, Möbel, Pfannen, Besen, Leitern, usf. usf. sowie Verpackungsmaterial, Einkaufstaschen, Transportkisten und ähnliches.
Die alleinstehende Person Messie hingegen entsorgt aber das sogenannt "Unbrauchbare" nicht sogleich, sondern hortet es, weil sie an Wiederverwendung denkt oder vielleicht später mal aus dem Material noch etwas machen zu können (in Deutschland heisst 'Abfall' ja 'Wertstoff'). Folglich wird der Wohn- und Stauraum jährlich zusätzlich mit einem Kubikmeter Material belastet. Nehmen wir mal gnädig an, die Frau im Report habe erst nach ihrer Pensionierung mit der Hortung von Material begonnen. Dann hätte sie - rein rechnerisch und ohne jeglichen Anflug von Messietum - quasi 'Anrecht' auf über 30 Kubikmeter unentsorgtes Material. Das entspricht einem Volumen von etwa 5 Mulden (die im Report gezeigte Mulde hat ein Fassungsvermögen von 6 Kubikmeter) - so what ?? Wir haben einem Report zugeschaut über die zeitliche Versetzung von Erledigungen - statt kontinuierlich dann halt en bloc. Wer fühlt sich jetzt betroffen, belastet, betrogen? Doch wohl kaum ein routinierter Moderator, der in seinem blog zur Sendung einen einzigen Kommentar persönlich beantwortet: die völlig zusammenhanglose Frage über den Ausstrahlungstermin einer angekündigten Sendung...

Fazit:
Aeschbacher hat einen ganz schlechten Job geliefert: mit einer achtlosen Billigstproduktion (die wacklige Kamera, der miese Ton, die peinliche genre-Musik und der 0815-Schnitt sind haarsträubend) hat er gängige Vorurteile abgesegnet, weiter zementiert und richtig reisserisch à la RTL & Co nach möglichst widerlichen Sensationen gesucht um dann seinen sauberen Moralfinger schwenken zu können. Und wie verletzt müssen sich wohl erst Messies fühlen, wenn sie daran denken, dass mit ihrem sorgsam gesammelten Material einst auch so verfahren wird?
Kurz gerührt ist Aeschbi dennoch: "..wahnsinnig, irgendwie ein Leben, das da so in diesen Ablagemäppchen liegt und alles ist nichts mehr wert...". Drum schnell fort damit und ja nichts anschauen oder gar lesen - der einzig wirkliche Wert ist ja vermutlich das Honorar, das man dann für diesen jämmerlichen Schnellschuss einstreichen kann.

Zum Glück gibt es aber auch noch behutsame Aufräumer(innen), die geschult sind und mit Verständnis hilfesuchende Messies unterstützen und Ihnen zu mehr Lebensqualität verhelfen können. Denn so einfach wie Frau Lörtscher das sieht, ist es kaum: auf die Feststellung von Aeschbacher, dass in der Wohnung ja kein einziger Stuhl frei ist, meint sie: "..die Frau wollte wohl auch nicht sitzen..". Hungernde Kinder wollen wohl auch nichts essen - gell Frau Lörtscher!
Im Vergleich zu dem gesammelten Gedanken- und Empfindungsmüll, der in dieser Sendung zum Ausdruck kommt, ist das gezeigte Messie-material direkt sauber, geordnet und wohltuend!

Thomas


Zum Stöbern:

Susi hat einen Messie-Blog aufgespürt, der sich kurz "Bund Deutscher Messies" nennt und auch so daher kommt mit Beiträgen über das Messiephänomen aus allen Sparten & Zeiten...
Eine Fundgrube, wenn mans findet... (Den Blog gibt's seit Juni 10)




Tipp

Entsorgt eure leeren Flaschen im Glascontainer und hört mit befriedigendem Gefühl dem Klang der zerspringenden Gläser innerlich jubilierend zu, wie es Hansjürgen Bulkowski in seinem Buch „Liebe zur Sache“ (Die Dinge, mit denen wir leben) beschrieben hat.

smiley



BUCHBESPRECHUNG

„Das Leben einsammeln – Olga A., die Geschichte einer Messie“,
Die  Abgründe einer Seele von Herrad Schenk


Olga – die Romanfigur, hinter der zwei reale Messieschicksale stehen – haust (von wohnen kann keine Rede sein) mit steigender Zahl an Katzen und zunehmender Einsamkeit in einem Mehrfamilienhaus in einem eher unwirtlichen Quartier einer Grossstadt. Auf 175 Seiten nehmen wir Anteil am Abwehren neugieriger Blicke böser Nachbarn, an verzweifelten Räumungs- und Reinigungsaktionen vor dem Besuch des Sanitär-Installateurs, an der hoffnungslosen Budgetplanung für den Rest des Monats, am vergeblichen Ringen, den Termin im Sozialamt pflichtbewusst (oder notgedrungen) einzuhalten, vor allem aber an den Beziehungen zu ihren Angehörigen, welche sie fast ausschliesslich in ihren Gedanken pflegt.
Doch ich muss gleich korrigieren: Der Ausdruck „nehmen wir Anteil“ ist stark untertrieben. Die süddeutsche Autorin Herrad Schenk begleitet Olga nicht wie eine analysierende Beobachterin, sondern spürt ihr bis in den kleinsten, zögernden Handgriff und die Gedanken, welche sich darum herum spinnen nach. Anfänglich können Leser dem Text vielleicht noch in der üblichen Distanz folgen, doch je länger je mehr fühlt man sich förmlich in die Hirnwindungen der Protagonistin hineingezogen und lebt, nein, leidet, bangt mit. Das dürfte vorab für Messies zutreffen, doch kein Buch, wie wir es bis anhin an dieser Stelle besprochen haben, schafft es wie dieses auch Nicht-Messies, den Gedankengängen, Hoffnungen, Phantasien, Illusionen so hautnah zu folgen. Bis zur letzten Seite gibt es kein Entrinnen aus diesem Knäuel an Gefühlen von Angst, Panik, Minderwertigkeit, diffusem Groll, Hoffnung, Scham.
Nun, die Autorin macht es den Lesenden nicht immer einfach (genau so wenig wie es Messies haben, einem gefassten Vorsatz konsequent zu folgen): Wir erleben alle Gedankensprünge 1:1 mit, tauchen mit ein in die Erinnerungen an eine schwierige Kindheit, die überforderne Pflege ihrer Mutter im Spital, in den Kriegshorror ihrer Grosseltern, ihre Träume, Wunschvorstellungen. Wir sammeln mit ihr als Rückblende in ihre Kindheit Steine, welche sie nun sorgsam hütet, weil sie damit einen Halt im Leben findet, den ihr sonst niemand geben kann. Wir leiden mit an der Einsamkeit, wenn sie die Besuche ihres Sohnes und dessen Familie bei ihr zu Hause abwehren muss. Noch unerträglicher ist die ganze Szene um die Beerdigung eines ihrer Ex-Ehemänner und der Vater ihrer Kinder, Uwe. Wir machen alle Manöver mit, welche Olga ersinnt, um ja dies und das zu erreichen oder vor allem zu vermeiden.

Ein spannenderes Messie-Buch als dieses hat wohl noch niemand geschrieben. Dramaturgisch spannend aufgebaut wie ein Krimi. Zwar kommt kein Verbrechen vor, die Verheimlichung eines kleinen Vermögens vor dem Sozialamt unter dem Bett ist allenfalls eine nachvollziehbare Sünde. Aber in einer Hinsicht gibt es eine Parallele zum Kriminalroman: Während dieser in die Abgründe einer verirrten Seele leuchtet, leuchtet Herrad Schenks Buch in die Abgründe einer Messie-Seele – und schont uns dabei nicht. Und wenn ausnahmsweise einmal ein guter Hauch diese Seele anrührt, ist es nicht ein Erfolgserlebnis, sondern die Genugtuung, dass der Herr Polizist – ja, zum gewaltsamen Eindringen der Behörden ist es inzwischen gekommen – ohne es zu merken mit einem seiner gänzend geputzten Schuhe in der Katzenscheisse steht.
Den Schluss der Geschichte preiszugeben wäre wie den Mörder im Krimi zu verraten. Nur so viel: Ein Happy-End hat sie nicht.

Johannes von Arx, im August 2010

Buchtitel Umschlagsbild
  • ISBN-10: 3-407-85885-X
  • Veröffentlichungsdatum: Februar 2009
  • Verlag: Beltz
  • Einband: gebunden
  • Sprache: Deutsch
  • Seiten: 176
  • Gewicht: 346 g
  • Preis: Chf 27.50


 





Rätsel  Fragezeichen  

Auflösung des Sommerfest-Kreuzworträtsels:

Das Lösungswort lautet: "SAMMELFIEBER"

Wir haben über ein dutzend richtige Lösungen erhalten - merci!

Die Gewinner sind:

1. Preis
Rückvergütung des Festbeitrages: Anne-Regula
leider ist Sie nicht zum Fest erschienen. Sie hat nächstes Jahr freien Eintritt.
2. Preis
Ein Messie-buch Dagmar -
sie konnte das Buch persönlich in Empfang nehmen
3. Preis
1 Stunde Aufräumhilfe / homeManagement: Bea
sie wird sich bei homeManagement melden.

Wir gratulieren herzlich!
Wer eine detaillierte Lösung sucht schaut hier.

Das war - wie angekündigt - vorderhand das letzte Rätsel...



LessMess Beratungstelefon: 079 304 10 97 Montag 18.00 - 20.00 // Donnerstag 10.00 - 12.00


Wir danken herzlich für eventuelle Spenden an: PC 85-555 738-2, LessMess, Zürich

Redaktion dieser Ausgabe: Annemarie.
Layout und Gestaltung: Thomas.



Aktueller Hinweis

«Aeschbachers Sommerjob» – Wohnungsräumerin
Donnerstag, 22. Juli 2010, 22.20 Uhr, SF 1
«Lifere statt Lafere» heisst es für Kurt Aeschbacher bei einer ganz besonderen Lehrmeisterin: Der Fernsehmoderator hilft kommenden Donnerstag der Wohnungsräumerin Erika Lörtscher, eine Messiewohnung zu entrümpeln. 

 



Ausdruckbares PDF dieser
LessMess INFO 2/2010
Nr. 2/10 - 12. Juni
Aktuelles Agenda, Selbsthilfegruppen - auch für Angehörige !
Pressespiegel DRS3 (Input), SFDRS (Rundschau), gedrucktes...
Interview Herr Prof. Dr. A. Wettstein, Stadtarzt der Stadt Zürich
Buchbesprechung

„Raus aus dem Chaos: Das Messie-Syndrom überwinden“ von Fugen Neziroglu, Jerome Bubrick und Jose A. Yayuara-Tobias. Ein Ratgeber zur Überwindung des zwanghaften Hortens. Deutsche Übersetzung.

Rätsel Auflösung / neues Rätsel

Liebe Messies und Nicht-Messies,

Bei den Kursen herrscht schon „Sommerpause“, denn die nächste Tagung der Stiftung KOSCH findet erst am 3. November 2010 statt: Näheres folgt im nächsten LessMess Info. Ein Höhepunkt im Vereinsjahr ist sicher das Sommerfest am Samstag, 10 Juli 2010 in Wallisellen. Die Einladung dazu haben Sie schon erhalten. Es erwartet Sie wiederum ein reichhaltiges Grillbuffett mit Salaten und Dessert von „unserem“ Chefkoch Röbi und seinem Team – und Freunde und Bekannte zum Plaudern. Es lohnt sich also, das Datum zu reservieren und sich rechtzeitig anzumelden.
Das Neueste aus den Medien über das Thema Messie stellt Thomas zusammen. Johannes hat für Sie (und sich) ein Fachbuch zur Überwindung des zwanghaften Hortens gelesen und kommentiert es.
Elmira hat in St. Gallen eine neue Selbsthilfegruppe für Messies aufgebaut. Die regelmässigen Treffen werden gut besucht und es wird angeregt diskutiert.
Bei uns gibt es also noch keine Sommerpause, sondern einiges zu lesen, zu diskutieren und zu festen!

LessMess


Aktuelles

NICHT VERGESSEN:
10. Juli 2010 Messie-Sommerfest in Wallisellen

Mehr infos hier (oder doch sogleich online anmelden)

Selbsthilfegruppen für Messies:
Bei den Selbsthilfegruppen in Zürich und St. Gallen tut sich was - näheres folgt in Kürze auf unserer homepage.

Selbsthilfegruppen für Angehörige von Messies:
Das Selbsthilfezentrum 'Offene Tür Zürich' (OTZ) informiert, dass neu eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Messies im Aufbau ist. Dazu gibt es hier einen Flyer mit mehr Infos.

Quasi zeitgleich erreicht uns folgende Meldung aus Basel (Zentrum Selbsthilfe):
'Wir beabsichtigen eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Messies im Raum Basel zu gründen. Den Flyer werden wir Ihnen Mitte Juli gerne zukommen lassen (ist noch am Entstehen).'

Auch in Herisau haben Angehörige von Messies eine Selbsthilfegruppe gegründet.

Bitte informiert euch doch direkt bei den betreffenden, regionalen Selbsthilfezentren.
Die Liste bei KOSCH sollte alleweil aktuell sein (man findet sie auch hier) und wir geben uns stets Mühe, unsere eigene Kopie davon à jour zu halten...

Nähere Auskünfte können selbstverständlich auch stets bei LessMess angefordert werden:
- am liebsten per mail an info@lessmess.ch
- oder per Post an:
LessMess, Mitteldorfweg 31, 8915 Hausen a.A.
- oder per FAX an 044 764 28 50

Vorschau: „Umgang mit herausfordernden Situationen in der Gruppe“,
am 3. November 2010 in Bern.
"Nicht immer läuft alles harmonisch und reibungslos ab in Selbsthilfegruppen. Unterschiedliche Wünsche und Erwartungen der Gruppenmitglieder prägen das Gruppenleben, und es ist nicht in jedem Fall möglich, all dem gerecht zu werden. Wie kann die Gruppe ein lebendiges Miteinander positiv beeinflussen? Der Kurs unterstützt die TeilnehmerInnen darin, neue Wege zu finden für eine offene, respektvolle und klare Kommunikation und Kooperation in der Gruppe."
Leitung: Klaus Vogelsänger, Co-Leiter Selbsthilfezentren Kanton Bern

Auskunft und Anmeldung: Stiftung KOSCH, Geschäftstelle, Laufenstrasse 12, 4053 Basel, Tel. 061- 333 86 01, gs@kosch.ch.


Interview mit Herr Prof. Dr. Wettstein, Stadtarzt der Stadt Zürich

Herr Prof. Dr. Wettstein ist auch Professor für Geriatrische Neurologie an der Universität Zürich und einer der Leiter des Zentrums für Gerontologie.
Das Thema Messie-Haushalte ist ein wichtiger Teil der Ausbildung von Studenten. Dafür sammelt Herr Wettstein Berichte, um das ganze Spektrum der Problematik aufzuzeigen.

LessMess
Welches sind Ihre Aufgaben als Stadtarzt?
Herr Wettstein Ich bin verantwortlich für die ärztliche Versorgung in 3 Bereichen, die für die Privatärzte nicht interessant sind: die ärztliche Versorgung in Pflegeheimen und in Drogeneinrichtungen und für die psychiatrisch-psychologische Versorgung von Sozialhilfeempfängern.
Als Amtsarzt der Stadt Zürich bin ich Ansprechperson für die Polizei, die Sanität und die Vormundschaftsbehörde. Ich erhalte Meldungen über Leute, die medizinische Probleme haben und nicht ins reguläre System passen. Bei 120 – 130 Hausbesuchen pro Jahr kläre ich ab, welche Probleme zu lösen sind. Die meisten Probleme lassen sich glücklicherweise regeln.
Ein Problem sind verwahrloste Häuser und Wohnungen. Die Verwahrlosung von Häusern am Zürichberg und im Kreis 5 ist grundsätzlich dieselbe. Weil man am Zürichberg mehr Platz hat als in einer 2-3 Zimmerwohnung im Kreis 5, braucht es dort zwanzig Lastwagen und im Kreis 5 nur einen Lastwagen.
LessMess Wann kamen Sie zum ersten Mal in Kontakt mit dem Messieproblem?
Herr Wettstein Mit ca. 8 Jahren wurde ich von meinem Vater zu einer alten Nachbarin geschickt, die das ganze Haus voll Sachen hatte, um ihr zu helfen. Weitere Kindheitserinnerungen habe ich von Handwerkstätten und Geräteschuppen, die voller Gegenstände waren, aber auch von tadellos aufgeräumten Wohnungen und Häusern.
Das Messieproblem ist ein altes Phänomen, auch „Diogenes-Syndrom“ genannt, nach dem griechischen Philosoph, der in einem Fass lebte. Er wurde von Alexander dem Grossen besucht, der ihm einen Wunsch erfüllen wollte: Diogenes wollte nichts, nur dass er ihm aus der Sonne tritt. Typisch ist, dass diese Leute Hilfe abweisen, auch Messies glauben, „alles im Griff“ zu haben. Deshalb ist auch eine präventive Hilfe kaum möglich.
LessMess Sehen Sie eine Entwicklung in der Messie-Problematik?
Herr Wettstein Ich kann es nicht historisch überblicken, aber ich gehe davon aus, dass es immer schon Sammler gegeben hat, wahrscheinlich auch schon bei den Pfahlbauern, die alles gesammelt haben und es mit der Ordnung nicht so genau nahmen, und Leute, die peinliche Ordnung hatten und alle Stufen dazwischen. Die heutige Situation ist insofern anders als immer mehr Leute in ein Alter kommen, in dem sie hilfsbedürftig werden und dadurch fremde Personen in die Wohnung lassen müssen.
LessMess Wo kann man eine Grenze zwischen einem Messie / Sammler und einem Verwahrlosten ziehen?
Herr Wettstein Diese Grenze ist fliessend.
Ungefähr 50 % der Haushaltungen, die ich besuchen muss, sind verwahrloste Haushaltungen: sie sind ein Zeichen einer anderen Krankheit, z.B. Alkoholmissbrauch, Drogensucht oder einer Psychose.
Ein „normaler“ Lebenslauf eines Messies sieht oft so aus: Er sammelt Papier und Zeitungen, stapelt viele Sachen bis im Alter dann die ganze Wohnung voll ist. Eines Tages fallen die Stapel um und bleiben liegen. Weil er nicht mehr beweglich ist, ist er zwischen dem Papier und anderen Dingen gefangen. Schliesslich findet ihn die Sanität und bringt ihn ins Spital. Inzwischen muss die Wohnung geräumt werden und der Patient nach seiner Genesung in eine Alterswohnung ziehen. Er ist dann sehr verärgert über mich! In der Alterssiedlung sammelt er wieder soviel Papier, dass man mit dem Kopf die Zimmerdecke berührt, wenn man darüber geht. Wiederum muss bei ihm geräumt werden.
Ein klassischer Messie ist also ein Sammler, der alles Mögliche sammelt und nichts wegwerfen kann. Ein sehr ungewöhnlicher Fall eines pensionierten Lehrers wurde mir berichtet, der seinen Urin in einem Fass im Garten und auch im Heizungskeller sammelte. Er brachte die Fässer zu seinem Ferienhaus in Frankreich, wo er den Inhalt als Dünger einsetzte.
In einem Haus in Wiedikon mit 4-5 Wohnungen, füllte die Besitzerin das ganze Haus und schliesslich auch das Treppenhaus mit Dingen. Da niemand mehr im Haus wohnt, toleriert die Feuerpolizei diesen Zustand. Langsam räumt sie das Treppenhaus und verkauft die Sachen auf dem Flohmarkt. Sie wohnt bei einem Freund, dessen Garten sie auch schon mit Sachen füllt.
Eine Frau ist aus ihrem vollen Haus in eine Eigentumswohnung umgezogen. Diese Wohnung ist auch schon wieder gefüllt mit Sachen, so dass sie fast den ganzen Tag im Auto vor dem Haus sitzt, weil es da bequemer ist! Die hinteren Sitze des Autos sind auch schon voll belegt.
Ein Mann aus Deutschland ist nach dem Krieg in die Schweiz immigriert: Er sammelte während ca. 20 Jahren Nahrungsvorräte, bis Konservendosen rosteten, ausliefen und Ratten anlockten. Er bedauerte sehr, die vielen Lebensmittel wegzuwerfen. Nach der Räumung war er einsichtig und konnte versprechen, nicht mehr Lebensmittel zu sammeln. Dieser Mann sammelte Lebensmittel, weil er im Krieg und den anschliessenden Jahren in Deutschland Hunger gelitten hatte. Diese Erfahrung wollte er nicht mehr machen. Für dieses Sammeln kann man sicher Verständnis haben.
Andere Personen haben nie gelernt aufzuräumen. Z.B. ein Mann, der bei seiner Mutter gelebt hat, welche ihm immer aufgeräumt hat. Bei einem Arbeitsaufenthalt in einer Kaffeeplantage in Afrika wurde sein Ordnungsproblem erkannt und es wurde ihm eine Haushalthilfe zur Seite gestellt. Wieder zu Hause räumt ihm seine Mutter alles auf, bis sie stirbt. Dann wird das Problem gravierend, weil er alles liegen liess. Als Beruf reinigte er Limousinen, die er perfekt putzte bis sie absolut sauber waren.
„Symptomatische Messies“ „sammeln“ Sachen, weil sie sie nicht entsorgen können, z.B. Alkoholiker, die die leeren Bierflaschen irgendwo in der Wohnung stapeln.
Ein extremer Sonderfall: Ich erhielt einen Polizeirapport wegen einer Frau, die Puppen sammelte. In der Regel kaufte sie die Puppen, aber wenn ich mit ihr telefoniert hatte, musste sie aus Frust eine oder gleich zwei Puppen kaufen. Wenn sie kein Geld hatte, stahl sie die Puppen. Durch ihr krankhaftes Sammeln füllte sie schliesslich die ganze Wohnung mit mehreren tausend Puppen und auch das Badezimmer, was sie dann schliesslich daran hinderte die Haare zu waschen – dann trug sie einfach eine Perücke! Beruflich arbeitete sie als Chefsekretärin.
Verwahrloste Wohnungen können Zeichen einer psychischen Erkrankung sein. Einmal fand ich in einer Wohnung Seile, die nach einem sehr speziellen System durch ein Zimmer gespannt waren. Die Wohnung widerspiegelte die Psyche des Bewohners als Ausdruck seiner psychotischen Krankheit.
LessMess Wer macht Gefahrenmeldungen und welche Massnahmen treffen Sie?
Herr Wettstein Gefahrenmeldungen erhalte ich von Hausbesitzern, vom Sozialamt, der Feuerwehr und der Polizei. Aufgrund der Meldung und einer Haushaltbesichtigung kläre ich die geeignete Massnahme ab.
Mein oberster Grundsatz ist, mit Mass einzugreifen. Leider steht für mich nach jahrelanger Erfahrung fest, dass Messies nur auf Grund von Druck ihr Verhalten ändern. Eine drohende Wohnungskündigung, eine Gefahrenmeldung bei einer Behörde oder sogar die Erwägung von vormundschaftlichen Massnahmen als stärksten Eingriff, sind Gründe für eine Einwilligung in die Räumung der Wohnung.
Ein Wohnungswechsel ist oft eine Chance, um Unwichtiges los zu werden, da sie meist nur das Wertvollste mitnehmen können. Oft muss eine kranke Person hospitalisiert werden und dann kann ebenfalls eine Wohnung geräumt werden.
Wenn verwahrloste Kranke aber auch exzessive Sammler nicht einsichtig sind, muss ich als Stadtarzt oft nochmals Druck machen und vormundschaftliche Massnahmen prüfen. So erhalte ich eine schriftliche Ermächtigung für die Räumung der Wohnung, wenn das Leben in einem verwahrlosten Wohnumfeld nicht mehr mit der Menschenwürde vereinbar ist.
Einige Leute sind froh, dass man ihnen geholfen hat und sie von ihren zu vielen Sachen befreit und ihre Wohnung geräumt und gereinigt hat. Meist ist der Zustand der Wohnung bald wieder gleich wie vor der Räumung. Andere sind nicht zufrieden, weil sie Gegenstände vermissen.
Leider ertragen einige Leute eine Räumung schlecht, sie ist besonders für sehr alte Menschen ein riesiger Stress. Ein älterer Mann half bei der Räumung tüchtig mit, aber nach einigen Wochen erlitt er eine Magenblutung, an der er starb.
Eine 90 jährige Frau lebte lange mit einer offenen, eitrigen Beinwunde in einer stark verschmutzten Wohnung. Sie musste in eine Klinik eingewiesen werden, wo sie nach einem Monat starb.
Dies sind einige eindrückliche und teilweise typische Schicksale von Messies und verwahrlosten Mitbewohnern von Zürich.
LessMess Herr Wettstein, ich danke Ihnen vielmals für den Einblick in Ihren breiten Aufgabenkreis und für das Gespräch.
Zürich, 30. April 2010  

Pressespiegel

Im Hintergrund war LessMess mitbeteiligt am Zustandekommen von zwei kürzlich ausgestrahlten Sendungen.

Da ist mal die DRS3-Radiosendung in der Rubrik 'INPUT' vom Sonntag Abend, 2. Mai 2010, 20 - 21h
' Messies - Im ständigen Kampf gegen das Chaos '

Messies öffnen ihre Wohnungstüren. Wir blicken in vollgestopfte Schränke, treffen einen Messie-Coach und einen Psychologen, der den schmalen Grat zwischen Unordnung und Chaos beleuchtet.
Die Sendung kann bei DRS3 weiterhin gehört werden, und zwar hier (auf <hören> klicken - der podcast kann auch heruntergeladen werden).

Im weiteren wurde von SFDRS in der Rundschau vom 19. Mai 2010 ein viertelstündiger Beitrag über Messies ausgestrahlt:
'Leben im Ausnahmezustand: Messies öffnen ihre Türen'

Ausserhalb ihrer vier Wände funktionieren sie normal, zuhause aber herrscht das nackte Chaos: Sogenannte Messies, abgeleitet vom englischen Wort «Unordnung». 25‘000 gibt es in der Schweiz. Meist lassen sie niemanden in ihre überfüllten Wohnungen, zu gross ist die Scham. Für die «Rundschau» haben drei Messies ihre Haustüren geöffnet.

Die Sendung ist auch hier noch anzusehen im Archiv von SFDRS

Wie üblich bei solchen links: die entsprechende software zum hören & sehen sollte installiert sein...
Wer Probleme hat darf gerne bei info@lessmess um Hilfe bitten...

Und für all unsere Briefpostempfänger noch was gedrucktes:

Erst im letzten LessMess Info habe ich spasshalber über den zum Messie verdruckten Fussballstar Lionel Messi berichtet. Jetzt erleben wir quasi dasselbe Thema erneut unter einem ganz anderen Aspekt: im Zuge der Fussball-WM tritt natürlich auch wieder die Firma PANINI auf und verleitet mit ihren Sammelbildchen kurzfristig Millionen von Menschen zur Sammelwut nach 'Messis'.
Die oberoesterreichischen 'nachrichten.at' haben die Namensverwandtschaft auch bemerkt und dem Panini-Phänomen einen Artikel gewidmet.
Ganz ernst darf dieser sicher nicht genommen werden, denn da wird unverblümt behauptet:
„Wenn Erwachsene sammeln, dann kann das zwei Gründe haben - ...- Zum einen, wie erwähnt, die genetische Veranlagung, und zum anderen die Sehnsucht nach der heilen Welt der eigenen Kindheit.“ tja - wenn doch alles so einfach wäre...

Nachlesen kann man den gesamten Artikel hier.

(Nota: Panini will in der Schweiz 60 Millionen Klebebildertüten (à 5 Bildchen) zum vorgeschlagenen Verkaufspreis von 1.-- verhökern (51 Millionen sind bereits verkauft!) - Man darf ruhig nach- und hochrechnen, was clevere Wucherer weltweit wohl am Sammelfieber erwirtschaften !)

Thomas


Tipp

Nur unterteilte Schubladen sind gute Schubladen.

Schubladen sind zum Schliessen da und keine schnell hervorzauberbaren Stapelflächen!

Prüfe nach, ob du sämtliche Schubladen in deiner Wohnung reibungslos öffnen & schliessen kannst.
smiley

BUCHBESPRECHUNG

Raus aus dem Chaos: Das Messie-Syndrom überwinden

Fugen Neziroglu · Jerome Bubrick · Jose A. Yayuara-Tobias
Patmos Verlag
Tiefer Einblick in die Gedankenwelt der Messies
„Raus aus dem Chaos!“ – Die amerikanische Antwort auf das Messie-Syndrom
Ratgeber zur Vermeidung des zwanghaften Hortens

Es handelt sich zum heutigen Zeitpunkt bestimmt um d a s Fachbuch, in dem das Messie-Syndrom am umfassendsten und transparentesten beleuchtet wird. Es ist gleichzeitig ein Theorie- und Praxisbuch. Betroffene, Mitbetroffene und Therapeuten, welche einen tieferen Einblick in die Gedankenwelt von Messies und die Zusammenhänge mit häufigen Begleiterscheinungen gewinnen wollen, sind mit diesem Werk gut bedient.

Klar: Auch dieses Buch kann nicht den Anspruch einlösen, eine endgültige, in sich abgeschlossene Theorie des Messie-Syndroms vorzulegen. Eine solche exitistiert – falls es je so weit kommt – längst noch nicht. So haben die drei amerikanischen Autoren, alles Fachleute aus der Psychologie/Psychiatrie, ihre eigene Anschauung der Thematik, die durchaus auf kulturellen Grundlagen fusst. Es spricht aber für ihr sorgfältiges Vorgehen, dass davon in der deutschen Übersetzung nur wenig spezifisch Amerikanisches durchdringt. Das Wenige verdauen wir angesichts der positiven Fülle des Ganzen problemlos.

Informativ, knapp, verständlich
Zunächst nehmen Neziroglu Bubrick und Yayuara-Tobias eine gründliche Auslegeordnung eines grossen Spektrums der psychischen Begleiter des Messietums wie Zwang, Depression, Psychose, Essstörungen und selbst seltene Erscheinungen vor. Einzig der nicht unwichtige Faktor AD(H)S (Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitäts-Syndrom) fehlt. Sie erklären biologische, hirnorganische Zusammenhänge – und dies durchgehend verständlich für Menschen ohne psychologische Vorkenntnisse. Die Texte sind immer so ausführlich wie nötig zum Verständnis, aber so knapp wie möglich, sodass das Buch nie in langatmige Theorie ausartet.

Einer solchen Gefahr beugt das Autorenteam zudem vor, indem es fast nahtlos viele praktische Übungen, Selbsttests, Aufgaben (jeweils grau unterlegt) einfügt. Damit wird das Buch zum Leitfaden für ein sehr systematisches, differenziertes Vorgehen zum Aufräumen. Die Vorbereitungen dazu sind überaus sorgfältig aufgebaut und dürften Aufräumwilligen gute Erfolgschancen bieten.

Besonders interessant sind die Ausführungen über den Bereich der (Zwangs)Gedankengeflechte, welche entscheidende Bestandteile jeder Messie-Existenz bilden. Mit fast mathematisch- logischer Präzision werden diese analysiert und Wege aufgezeigt, solche Gedanken zugunsten einer realistischeren Sichtweise aufzugeben und damit Fehlleistungen zu minimieren. Jeder Messie wird sich in diesen Darstellungen wie in einem Spiegel erkennen und wohl auch Nutzen ziehen können.
Die (kleinen) Schattenseiten
Ich habe es angetönt: Eine gewisse (kulturelle) Grundhaltung schimmert durch, dass das Messie-Sein grundsätzlich ein krankhaftes Verhalten darstellt, von dem man mit aller Entschlossenheit wegkommen soll. Meine – subjektive – Haltung ist die, dass das ein zu einseitiges, negatives Bild ist. Nicht alles in der Gedankenwelt der Messies ist krankhaft, bloss die Übertreibung. So mag zwischen den Zeilen ab und zu ein Hauch von Etikettierung durchschimmern. Einige Aspekte kommen zu kurz, wie z.B. die Fixierung mancher Messies auf die elektronischen Medien (man könnte etwas verpassen - ich spreche da durchaus aus eigener Erfahrung).
Schliesslich wünschte ich mir in einer kommenden Neuauflage ein etwas differenzierteres Inhaltsverzeichnis, damit gelesene Abschnitte schneller wiedergefunden werden.

Unter dem Strich: Ein Buch, das allen zu empfehlen ist, die wirklich weiterkommen wollen – in der Selbsterkenntnis wie im Haushalt.

Johannes von Arx

Buchtitel Vermüllungssyndrom

ISBN-10: 3-491-40126-7

„Raus aus dem Chaos"

Das Messie-Syndrom überwinden
von Fugen NezirogluJerome BubrickJose A. Yayuara-TobiasJose A. Yaryura-Tobias

Patmos Verlag 3/2008, 175 Seiten, kartoniert

Chf 31.50

 


Rätsel  Fragezeichen  

Auflösung des letzten Rätsels:

Die Beteiligung in unserer Rätselecke ist leider quasi auf NULL gesunken.
Vermutlich werden wir diese Rubrik nächstens mal streichen - es macht ja so weder Sinn noch Spass...

Wir haben nach dem amerikanischen Filmregisseur Stanley Kubrick gefragt, der ein exemplarisches Beispiel ist, dass die bedingungslose Suche nach Perfektion durchaus auch ins Chaos führen kann.
Wir kennen sehr viele Messies, die dies genauso erleiden - auch wenn sie nie in der Oscar-Nomination erwähnt werden...
Nobel formuliert tönt das dann etwa so:
' Der Nachlass des Regisseurs Stanley Kubrick stellt eine der umfangreichsten Sammlungen in der internationalen Filmgeschichte dar. Das große Anwesen im Norden von London, unweit der MGM Studios gelegen, diente Stanley Kubrick, seiner Familie sowie engen Mitarbeitern als Wohnort und Arbeitsstätte. Der Landsitz bot ausreichend Raum, Rechercheunterlagen zu den über lange Zeiträume vorbereiteten Projekten aufzubewahren. Zahlreiche Materialien zu den Filmproduktionen wie technisches Equipment, Requisiten und eine Fülle an Dokumenten, finden sich bis heute auf dem Gelände....'


Neues Rätsel:

Wir werden uns natürlich nicht selbst konkurrenzieren.

Zu unserem bereits fast traditionellen Sommerfest haben wir (NEIN, nicht wir, sondern Anita) ein ausgeklügeltes Kreuzworträtsel entworfen.

Diesmal gibt's wieder Preise (kann doch hoffentlich nicht der Grund für mangelnde Beteiligung sein ??)

Maile oder sende deine Lösung, dazu aber auch die eigene Adresse, an info@lessmess.ch, LessMess, Mitteldorfweg 31, 8915 Hausen am Albis, Fax 044 764 28 50


LessMess Beratungstelefon: 079 304 10 97 Montag 18.00 - 20.00 // Donnerstag 10.00 - 12.00

Wir danken herzlich für eventuelle Spenden an: PC 85-555 738-2, LessMess, Zürich

Redaktion dieser Ausgabe: Annemarie.
Layout und Gestaltung: Thomas.


Ausdruckbares PDF dieser
LessMess INFO 1/2010
Nr. 1/10 - 12. März

 

Aktuelles Agenda, Kurse für Selbsthilfegruppen
Pressespiegel Messie zum UNICEF-Botschafter ernannt
WOHNEN oder die KUNST des AUSMISTENS
Buchbesprechung

Das Messie-Syndrom / letztes Kapitel: „Das Messie-Phänomen im Spiegel der Kulturgeschichte“
Hrsg: Alfred Pritz, Elisabeth Vykoukal, Katharina Reboly, Nassim Agdari-Moghadam

Rätsel Auflösung / neues Rätsel

Liebe Messies und Nicht-Messies

Das erste Info im 2010 ist nicht so umfangreich wie das letzte im 2009.
Thomas berichtet und kommentiert über Aktuelles und was in der Presse steht.
Die Rubrik „Interview“ entfällt leider, aber wir bereiten ein Interview für das nächste Info vor.
Für alle Rätselfreunde hat Thomas wieder ein besonderes Rätsel vorbereitet.
In der Buchbesprechung hat Anita das letzte Kapitel aus „Das Messie-Syndrom“ zusammengefasst. Dieses anspruchsvolle aber auch spannende und interessante Kapitel von Joachim Prandstetter gibt einen Überblick und Einblick über das Messie-Syndrom von der Veda-Sammlung (vor 1000 J.v.Chr.) bis in die Gegenwart. In philosphischen, psychologischen, sprachlichen und weiteren Deutungen wird das Messie-Phänomen untersucht und verschiedene Erklärungsversuche dargelegt. Wir hoffen, euch motiviert zu haben, dieses vielseitige Fachbuch selber zu lesen.

Der Vorstand von LessMess bereitet verschiedene Aktivitäten für die Mitglieder vor: zunächst die Mitgliederversammlung am 19. März 2010 und dann das Sommerfest am 10. Juli 2010: zu beiden wichtigen Veranstaltungen im Vereinsjahr von LessMess erhalten alle Mitglieder und Interessierte rechtzeitig die Einladungen. Weitere Informationen werden an der Mitgliederversammlung bekanntgegeben. Es lohnt sich also an die Mitgliederversammlung zu kommen und auch aktiv mitzudenken und mitzureden!

LessMess


Aktuelles

Zur Erinnerung: Vorschau 2010
(Nähere Angaben und Einladungen sind erfolgt oder folgen)
19. März 2010 Mitgliederversammlung  
10. Juli 2010 Sommerfest  

Kurse für Selbsthilfegruppen:
Stiftung KOSCH: Unter dem Motto „Denk quer!“:

"Ermutigende Gesprächsführung in der Gruppe"
Mittwoch 26. Mai 2010, Selbsthilfezentrum Offene Tür Zürich

Für Betroffene aus Selbsthilfegruppen
Es tut gut, wenn die ganze Gruppe Anteil nimmt an dem, was ein Gruppenmitglied erzählt.
Dominiert Negatives, kann das Anteilnehmen hingegen zur Belastung werden. Und der Blick bleibt
fixiert auf die Schwächen. Allen ist mehr geholfen, wenn die Gruppe bewusst eine Kommunikation
pflegt, welche sich auf die Stärken ausrichtet. Das macht mehr Mut, etwas zu verändern. Die
KursteilnehmerInnen experimentieren mit der „ermutigenden Gesprächsführung“.
Leitung: Ruth Herzog-Diem, Stiftung KOSCH, Co-Leitung: Mitarbeiterin des Selbsthilfezentrums Offene Tür Zürich

Anmeldung und Auskunft: Stiftung KOSCH, Geschäftstelle, Laufenstrasse 12, 4053 Basel, Tel. 061- 333 86 01, gs@kosch.ch.

Vorschau: „Umgang mit herausfordernden Situationen in der Gruppe“,
am 3. November 2010 in Bern. Auskunft und Anmeldung: s. oben.




Pressespiegel


Messie zum UNICEF-Botschafter ernannt

Na also - endlich mal eine wirklich gute Nachricht für Messies - denkt man, bis man schnell merkt, dass es sich um einen Druckfehler handelt.... Gemeint ist nämlich nicht ein Messie, sondern der argentinische Starfußballer

"Lionel Messi ist zum UNICEF-Botschafter ernannt worden. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen teilte dazu am Donnerstag mit: "Messis Leistungen als Spieler sind wohl bekannt - es ist aber seine Entschlossenheit, den ärmsten Kindern der Welt zu helfen, die zur Ernennung führten." Der Weltfußballer sagte: "Für mich ist dies wie eine Trophäe." Messis Verein FC Barcelona engagiert sich ebenfalls für UNICEF, bezahlt seit 2006 sogar dafür, das Emblem der UN-Organisation auf den Trikots zu tragen."

Natürlich ist das trotzdem eine gute Nachricht - erst recht, weil man sie auf tausenden von Internetseiten findet (und so wieder mal deutlich merkt, wie heutzutage im "copy-paste"-Zeitalter quasi alles blindlings 'abgeschrieben' wird - also, das ist jetzt eigentlich wieder eine eher schlechte Nachricht)


Der folgende Artikel ist der Gratiszeitschrift "INTUITION" aus Hamburg entnommen, aus der Ausgabe Februar/März 2010. Es handelt sich dabei um ein "Magazin für Gesundheit - Ökologie - Natur - alternative Heilmethoden - Kultur", das auch einen online-Auftritt führt: intuition-hamburg.
Und warum ? Es geht hier um 'entrümpeln', ohne dass je das Wort 'Messie' erwähnt würde. Wir sehen also mal hinter die Kulissen und schauen, wie ganz 'normale' Menschen mit zuviel Material umgehen sollten:

WOHNEN oder die KUNST des AUSMISTENS

Wohnen ist etwas wunderbares, wenn wir ein gemütliches Zuhause haben, in dem wir uns wohl fühlen. Alles seinen Raum hat. Und dieser Ort uns - und im besten Fall auch unsere Entwicklung - widerspiegelt. Wenn es bei Ihnen so ist - wunderbar. Oder gehören Sie auch zu denen, bei denen sich irgendwie immer wieder das eine oder andere anhäuft, Sie nicht hinterher kommen und eines klar ist: Sie müssten mal wieder ausmisten?!
Wir wissen es alle: Ausmisten tut gut! Und wie bei so vielem im Leben, von dem wir wissen, dass es gut tut - gemeinsam mit „an die frische Luft gehen“, „auf der Party mal nach dem Mineralwasser und nicht nur nach dem Sekt greifen“ und „täglich auch bei Kälte die Wohnung durchlüften“ - fällt uns die Umsetzung nicht immer leicht.
Das hindert uns am Ausmisten:

- Der Gedanke „Irgendwann brauche ich es bestimmt.“
- Zu viele neue Projekte, so dass wir Altes nicht vollständig zu Ende bringen.
- Der Satz „Das mache ich, wenn ich mal Zeit habe.“
- Ein Gefühl von Mangel: „Lieber das alte Klemmbrett als gar keins.“
- Eine verschobene Priorität: „Das ist nicht so wichtig.“

Wahr ist: Wer ausgemistet hat bekommt gute Laune. Weil der Blick auf das Wesentliche frei wird. Wir Platz und Energie für Neues bekommen. Und irgendetwas Neues kommt immer. Wir können uns besser auf das Wesentliche konzentrieren. Ausmisten schafft Platz für neue Energie. Und: QUALITÄT gibt uns ein Gefühl von Fülle, nicht QUANTITÄT.
Die fernöstliche Lehre des Feng Shui, übersetzt „die Lehre von Wind und Wasser“, beschäftigt sich mit der Harmonisierung der Energie, die in Räumen fließt. Das Thema aus dem fernen Osten ist näher gerückt: Hausbesitzer lassen Ihre Grundstücke und Einrichtungen, Unternehmen ihre Büroräume auf Feng-Shui-Gesichtspunkte prüfen. Und eines wird in der Feng-Shui-Literatur immer wieder deutlich: Unnötiger Krempel, Unordnung und Unbenutztes hemmt Energie am Fließen. Also weg damit, dann ist mehr Energie für neue Ideen und Projekte vorhanden.
Schaffen Sie Platz für Gegenwart und Zukunft.
Kümmern Sie sich um Ihren Arbeitsplatz: Hier verbringen Sie einen großen Teil Ihres Lebens. Da ist es doch gut, wenn in ihrem sauberen, gut organisierten und ordentlichen Büro die Energie frei fließen kann.
Kümmern Sie sich um Ihr Zuhause. Dort kreieren Sie Ideen für Ihr Leben, wollen Kraft tanken und Freunde empfangen. Dafür braucht es Raum. Und Energie. Befreien Sie sich von Altem, Überholtem und schaffen Sie Platz für Neues, für Ihre Zukunft.
Schaffen Sie Freiräume. Manchmal halten wir an Altem fest, weil es uns so vertraut war. Weil wir es so gewohnt sind. Da macht es manchmal Sinn, einen Schritt zurück zu treten. Das Ganze unter dem Aspekt zu überprüfen: Passt das noch? Zu mir? Zu meinem jetzigen Leben? Nutze ich das noch? Oder ist es ein Relikt aus „alten Zeiten“?
In der täglichen Routine gehen wir über vieles hinweg und nehmen es hin, einfach, weil es so ist. Was passiert, wenn Sie sich Ihr Umfeld auf die Frage hin betrachten: Was passt noch? Was hat sich überholt? Was fliegt raus?

Die richtigen Schritte beim Ausmisten

1. Schritt: Schaffen Sie sich ein Zeitfenster zum Ausmisten, das Sie genauso ernst nehmen wie eine Verabredung mit einem Kunden oder einer Freundin. Tragen Sie es sich schriftlich ein, entweder elektronisch oder im Terminkalender.
2. Schritt: Nehmen Sie sich einen bestimmten Bereich vor, der so überschaubar ist, dass Sie ihn in der eingeplanten Zeit bewältigen können, also den Schreibtisch, einen Bereich des Schrankes, die elektronischen Ordner. Es hindert Sie ja niemand weiter zu machen, wenn es Sie packt und noch Zeit „über“ ist. Das motiviert auf jeden Fall mehr, als das Geplante nicht zu schaffen.
3. Schritt: Verteilen Sie Punkte zwischen 1 und 10 für Kleidungsstücke in Ihrem Schrank, den Nippes in der Wohnung und die Büromaterialien:
-
Alles von eins bis fünf fliegt raus.
- Dinge, die mit fünf bis sieben bewertet werden, fliegen hinterher. Oder landen in einer Zögerkiste, die ein Verfallsdatum bekommt: Zwei Wochen – bis 6 Monate für ganz harte Fälle (spätestens zum Sommerurlaub muss es weg!)
- genießen Sie den freigewordenen Blick auf die Dinge, vielleicht auch Beziehungen, die Sie mit acht bis zehn bepunktet haben – und den neu gewonnenen Freiraum.
4. Schritt: Sollte der Gedanke kommen „Das könnte ich aber noch gebrauchen“, dann üben Sie sich im Vertrauen, dass noch etwas viel besseres kommen wird als das, was Ihnen nur halb gefällt, nicht mehr ganz in Ordnung ist, Sie in den vergangenen zwei Jahren auch nicht gebraucht haben …

Weitere Tipps:

- Wenn Sie überprüfen wollen, ob Ausmisten angesagt ist: Betrachten Sie Ihren Arbeitsplatz, Ihre Wohnung oder Ihre Beziehungen mit den Augen einer anderen Person.
- Planen Sie, wenn großer Bedarf besteht, mindestens wöchentlich einen Zeitraum zum Ausmisten ein, sonst mindestens einmal im Monat.
- Misten Sie auch Schubladen und verborgene Räume regelmäßig aus. Krempel wirkt, auch wenn wir ihn nicht sehen.
- Misten Sie stagnierende Energie bei Teamsitzungen aus: Lassen Sie die TeilnehmerInnen regelmäßig nach Pausen die Plätze wechseln.
- Unterstützen Sie andere beim Ausmisten – wenn ihr Gegenüber das will (gilt also nicht für die eigenen pubertierenden Sprösslinge).
- Auch Akten– und Handtaschen wollen regelmäßig ausgemistet und durchgelüftet werden. Altes weg. Frischer Snack und Mineralwasser rein.
- Entrümpeln Sie den Kofferraum: Dadurch sparen Sie zwei bis fünf Prozent Kraftstoff.

Nina Stiewink

So viel anders ist das ja gar nicht - und der Tipp mit dem Kofferraum ist richtig gut!
Thomas



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BUCHBESPRECHUNG (Fortsetzung/Ende)

Das Messie-Syndrom
Hrsg: Alfred Pritz, Elisabeth Vykoukal, Katharina Reboly, Nassim Agdari-Moghadam

Letztes Kapitel

„Das Messie-Phänomen im Spiegel der Kulturgeschichte“

Nicht einfach kurzzufassen, aber sehr spannend und lesenswert ist auch der letzte Beitrag des Buches „Der Messie immer schon in uns – Kreuz / Quer zur Kultur oder jeweils des Gegenstandes“ von Joachim Prandstetter.

In der Einleitung macht sich der Autor Gedanken darüber, ob die spezifischen Verhaltensmuster jener Menschen, die von sich als Messie sprechen, eine Krankheit im Sinne einer eigenständigen Einheit darstellt. Er erwägt anbei die individuelle Symptomatik gegenüber gesellschaftlichen Phänomenen und Krankheit und Verhaltensauffälligkeit gegenüber Gesundheit und Normalität. Indem er Lévi-Strauss zitiert über das, was beispielsweise der Schamane für den Kranken leistet – versucht er eine symbolische Benennung im Blick auf die Psychosomatik zu finden. Erklärungsversuche, warum der Zwangsneurotiker sich – so - oder der Melancholiker sich – so - repräsentiert, öffnen eine neue Betrachtungsweise, die dem Messie helfen kann, den Modus zu verstehen, warum er das tun muss, was er tut oder eben nicht tut. Diverse Erklärungen (Schopenhauer, Freud, Nietzsche…) machen deutlich, dass uns Realität nicht etwa gegeben ist, sondern dass wir sie vielmehr strukturell erobern müssen –die Prozesse unserer Entwicklung widerspiegelnd.

Methodisches Vorgehen
J. Prandstetter versucht, das Phänomen „Sammeln“ besser erschliessen und interpretieren zu können. Das Interesse lenkt er dabei auf Relationen, die dem Sammeln entgegenstehen, wie „Wegwerfen“, „Aufgeben“ und „Verzicht“ etc.

Eigene Reflexion
Es ist nicht möglich alle kulturgeschichtlich relevanten Daten in ihrer Gesamtheit zu erfassen. In diesem Abschnitt zeigt der „Fall“ des Benjamin Pell (2000) auf, wie eng das Messie-Syndrom mit unserer Gesellschaft verflochten ist. Über den „Witz der Sache“ wird Freud zitiert, um der Ergründung des Unergründlichen etwas näher kommen zu können. Ein Zitat vom, als leidenschaftlicher Sammler bekannten Goethe:“ Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen“, zeigt sich wohlweislich prägend, dass der ultimative „Gegenstand“ im typischen Doppelsinn für Sache und letztlich auch als das eigene Ich gesehen werden kann.

Der Verzicht
Vor mehr als 3000 Jahren begann die „Literaturgeschichte“ des indogermanischen Sprachraumes mit dem „Veda“, in dem ein gewaltiges Sammeln von Texten stattfand. In inhaltlichen Interpretationen können wir mehr über das „Aufgeben“ erfahren und kommen sozusagen „zur Sache“ in die inhaltliche Ebene. Ein Abschnitt mit sehr anregenden Inputs dreht sich um das Rätsel um Leben und Tod, über Opferspeisen und Gottesgaben etc..
In Ritualismus wird der Entwicklungsprozess weiterverfolgt. Den Angelpunkt der Wandlung stellt jenes Moment dar, um dessen Bestimmung das Interesse noch immer kreist, nämlich das „Aufgeben“. In der Philosophischen Interpretation richtet sich die Aufmerksamkeit auf ritualwissenschaftliche-philosophische Spekulationen über Grundsätze, Handlungen und Ordnungen und über das Sanskritwort „artha“ zu deutsch „Gegenstand, „Bedeutung“ und „Sinn“ bis hin zu „Ziel“ und „Zweck“.

Entwicklung einer Formel für das Sammeln
Der Blick auf Kulturgeschichte als Fach zeigt auf, dass das Phänomen des Sammelns einen prominenteren Platz einnimmt als zunächst angenommen.
Im neuropsychologischen Einschub wird Jaak Panksepp zitiert, er sagt u.a., dass eine wichtige mentale Strategie für die Erhaltung des Lebens unter den strengen Bedingungen der letzten Eiszeit, die Fähigkeit gewesen sein müsse, Nahrung zu zentralen Speicher- und Versorgungsstellen zu bringen. Allerdings gäbe es nach seiner Meinung kaum Beweise für einen instinktmässig vorhandenen Mechanismus des Anhäufens von Ressourcen innerhalb der humanoiden Entwicklungslinie. Weiter setzt sich J. Prandstetter mit der Nützlichkeit und Bedeutung und der Formulierung der Formel des Sammelns auseinander.

Entwicklung einer These
In Anwendung der Formel auf das Opfer heisst es u.a.: „Das Opfertier“ selbst, das geschlachtet wird, ist in keiner Weise Vermittler für Transzendentes, es dient schlicht und einfach als Nahrung. Welche Bedeutung es dabei als unsichtbarer Gegenstand beim Priester im Prozess der Ritualisierung erlangt, ist vielschichtig erläutert.
Im Abschnitt Anwendung der Formel auf die für Messies charakteristische Form der Prozessierung der Umwelt lässt sich entnehmen, dass das Sammeln im wörtlichen Sinne Ausdruck der Hoffnungslosigkeit „an der Stelle“ einer, wenn auch umso mehr begehrten, Vollständigkeit ist. Es entsteht dadurch eine unstillbare „Erwartungshaltung“ – das Bedürfnis nach der Ergänzung des Fehlenden zu befriedigen. Im Abschnitt 7sind die bisherigen Überlegungen zusammengefasst.

Interpretation der Formel auf der Metaebene
Kurz gefasst zum strukturalistischen Ansatz, zitiert nach Barthes (1964): Der strukturale Mensch nimmt das Gegebene, zerlegt es, setzt es wieder zusammen. Nach Lévi-Strauss spannen zwei Achsen bei uns die Begriffe „Nützlichkeit“ und „Bedeutung“ als ein synchronisches Gefüge des Symbolischen auf. „Der unbewusste Einschlag in der Kette der Signifikanten“ zeigt auf, wie wir im Falle des ersehnten Einfalls – uns die Daten sammelnd – alle Vorbereitungen treffen, um auf dieses Moment des unbewussten Einschlags hoffen zu dürfen. Weiterführend im Abschnitt „Das Objekt“ steht, dass die Vorstellung einer Sehnsucht, die das Subjekt an das verlorene Objekt bindet und die das Wiederfinden mit dem Zeichen einer unmöglichen Wiederholung markiert. So wird verständlich, dass Sammeln eine Form des praktischen Erinnern ist, im Zeichen der Unmöglichkeit des Wiederfindens des verlorenen Objektes in steter Wiederholung. Die Wirkung des Signifikanten auf das Subjekt konstituiert nach Lacan auf das Unbewusste. So sei das Unbewusste strukturiert wie es in der Sprache zu finden ist. Somit wird das, was unbewusst ist, „ohne Wissen der betreffenden Person“, welche die „Realität“ erschafft, gewusst – also ist es nichts, was man aktiv und bewusst
in symbolischer Ordnung aufgebaut hat. -Das „Reale“ ist also als das zu verstehen, was noch nicht symbolisiert wurde.
Das Feld der Sprache erklärt sich, als Grafik dargestellt, wie das Sammeln des Messies in diesem Mechanismus zur Nützlichkeit findet, indem es als Formel ins Matrix eingespeichert wird.
Sehr spannend wird „der Mangel“ im Sinne massiver frühkindlicher Entbehrungen erklärt. Das Kind wird im Zuge der fortschreitenden Desillusionierung gezwungen eine Überlebensstrategie zu finden, um die Frustration zu ertragen.
Oft zitiert der Autor in seinem Artikel aus den Theorien Lacans/Freuds, so auch in der Metatheoretischen Hypothese. Er vergleicht z.B. die im Messie gespielte Figur des Prozessierens als seitenverkehrtes Spiegelbild des Opfers in Gestalt Ödipus – Augen zu besitzen, um nicht zu sehen – um in der „Durchquerung“ des Ödipuskomplexes auf die Imagination der Kastration zugunsten der symbolischen Ordnung verzichten zu können.

Reentry
Aus dem soziologischen Blickwinkel drängt sich vergleichend zum Phänomen des Sammelns der Mythos des Sisyphos auf, wo sich die Absurdität der ewigen Strafe in dem Moment auflöst, wo Sisyphos sich entschliesst, die an sich sinnlose Tätigkeit sinnvoll zu sehen (Hahn). So wird der vorher belanglose Gegenstand durch eine Bedeutungsinvestition von grosser Relevanz. Aus sozialökonomischem Blickwinkel unterteilen Sozialökonomen Dinge in vergängliche und dauerhafte. Der Wert der einen sinkt dabei gegen null, der der anderen steigt ins Unermessliche. Nach der Theorie Thompsons ist es genau jene Kategorie des Mülls, die die Verbindung zwischen Dauerhaftem und Vergänglichem herstellt und zwar in einer zirkulären Dynamik.
Im grösseren Kontext der Wirtschaftswissenschaften wird das Phänomen des Hortens in seiner volkswirtschaftlichen Dimension beschrieben. Das Selbstverständnis des Sammlers in der Renaissance erklärt die Äusserung nach Bredecamp, dass das erwachende Selbstbewusstsein des Menschen der Renaissance seinen symbolischen Ausdruck in der Identifikation des Sammlers mit Prometheus erhielt, welcher spätestens seit Plinius als Schutzpatron der Sammler gilt. Ein literaturgeschichtlicher Blickwinkel führt zum ältesten Beleg der Literaturgeschichte zum Wort „sammeln“ in einem Gedicht von Trimberg (1260-1309). Ein ganzes Genre französischer Literatur, das um das Thema des Sammelns kreist, nimmt mit Balzac seinen Anfang. Zur „familiären“ Symbiose mit dem Gegenstand zitiere ich nur Freuds Feststellung: wonach alles Denken nur ein Umweg von der Erinnerung an eine Befriedigung zu der identischen Besetzung derselben Erinnerung ist, die auf dem Wege der motorischen Bestätigung wieder erreicht werden kann. Nur - im Falle des Sammlers scheint sie nicht über diese motorische Bestätigung erreicht werden zu können, da doch deren Rolle bereits der Gegenstand eingenommen hat.
Um das vorgehend Gelesene abzurunden finden sich in den Abschnitten Die „Dekonstruktion“ und Jenseits des Gegenstandes weitere Klärungsversuche, die bestätigen helfen, dass „der Messie schon immer in uns“ existierte.

Zusammenfassung von Anita

 

Buchtitel Vermüllungssyndrom

ISBN 978-3-211-76519-7

„Das Messie-Syndrom – Phänomen, Diagnostik, Therapie, Kulturgeschichte des pathologischen Sammelns"

Pritz, A.; Vykoukal, E.; Reboly, K.; Agdari-Moghadam, N. (Hrsg.)

Springer Verlag 2008, 324 S., 21 Abb., 10 in Farbe., Softcover

Chf 67.90




Rätsel  Fragezeichen LessMess-Hut

Auflösung des letzten Rätsels:

Und das will wirklich niemand gewusst haben??
Es handelt sich um den genialen Ausstellungsmacher Harald Szeemann.

 

Ein Müsterchen nur aus WIKI: ...Mit der vielfach als legendär bezeichneten Ausstellung „Live in your head: When Attitudes become Form” (Wenn Attitüden Form werden) mit dem Untertitel „Werke – Konzepte – Prozesse - Situationen – Information” beschritt Szeemann eine neue Form der Inszenierung. Bei dieser Ausstellung stand nicht die chronologisch oder thematisch geordnete Präsentation im Vordergrund.....

Szeemann-Archiv

Harald Szeemann (1933–2005) war einer der bedeutendsten Ausstellungsmacher des 20. Jahrhunderts. Sein Archiv im Tessiner Ort Maggia ist eine wuchernde Wunderkammer des Wissens, die eigenen Gesetzen folgt. Zumindest bis heute. Denn die Zukunft dieser fünfzig Jahre festgehaltener Kunst- und Ausstellungsgeschichte ist ungewiss.

Unter dem Titel "Harald Szeemanns Wunderkammer" hat ihm die Zeitschrift 'DU' seine Ausgabe 795 vom April 09 gewidmet.


Neues Rätsel:

Wir bleiben bei Künstlern. Nicht, weil wir sie höher schätzen als andere Messies. Aber erstens ist es schwierig, mit unbekannten Messies ein Rätsel zu verfassen und zweitens zeigt sich gerade bei Künstler die Messieproblematik sehr ausgeprägt. Wir fragen nach einem berühmten Filmemacher, hinter dem man sicher NIE, aber auch gar nie einen Messie vermuten würde - seine Filme sind von einer obsessiven Perfektion in allem: Licht, Kameraführung, Timing, Spannung, Kostüme, Regie - schlicht allem (na ja, jetzt tönt es doch schon eher etwas nach Messie...). Kein Wunder, dass er bei über fünf Oscar-Nominierungen dann auch einen nach Hause trug.
Seine Messietendenz kam aber erst posthum so richtig zum Vorschein - und Kraft seiner Position sammelte er nicht nur selbst, er liess sammeln...


Maile oder sende deine Lösung, dazu aber auch die eigene Adresse, an info@lessmess.ch, LessMess, Mitteldorfweg 31, 8915 Hausen am Albis, Fax 044 764 28 50



In eigener Sache:
Nach dem Versand des LessMess-Info oder anderer Briefe erhalten wir immer wieder unzustellbare Post zurück.
Bitte meldet Adressänderungen an:
LessMess, Mitteldorfweg 31, 8915 Hausen a.A. oder
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Vielen Dank!


LessMess Beratungstelefon: 079 304 10 97 Montag 18.00 - 20.00 // Donnerstag 10.00 - 12.00


Wir danken herzlich für eventuelle Spenden an: PC 85-555738-2, LessMess, Zürich

Redaktion dieser Ausgabe: Annemarie.
Layout und Gestaltung: Thomas.

 

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